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4 03, 2021

Testament

2021-03-04T14:54:17+01:00März 4th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Testament

Ein Testament ist wohl die bekannteste Form der Willenserklärung, um die Vermögensverhältnisse nach dem Tod dem eigenen Wunsch nach zu gestalten. Damit dieses wichtige Schriftstück auch wirklich rechtskräftig durchsetzbar ist, müssen die Formvorschriften unbedingt eingehalten werden. Schließlich kann schon ein kleiner Fehler dazu führen, dass alle Verfügungen des Testaments hinfällig sind und dann die gesetzliche Erbfolge gilt. Wir haben die wichtigsten Informationen rund um das Testament für Sie zusammengefasst.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was ist ein Testament?
  • Arten von Testamenten
  • Erbfolge ohne Testament
  • Erbfolge mit Testament
  • Wer braucht ein Testament?
  • Kosten eines Testaments
  • Tipps, um das Testament zu verfassen
  • Alternative zum Testament: der Erbvertrag
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Testament regelt die Vermögensverhältnisse sowie die Rechtsgeschäfte nach dem Tod eines Erblassers oder einer Erblasserin. Für die Rechtsgültigkeit bedarf es der Einhaltung einiger Formvorschriften.
  • Sie können in einem Testament Erb*innen einsetzen oder Angehörige enterben, aber auch Anordnungen treffen. Allerdings erhalten auch enterbte Personen oft einen Pflichtteil, wenn es sich um Angehörige erster Ordnung handelt.
  • Das Testament können Sie entweder selbstständig handschriftlich verfassen oder mithilfe eines Notars oder einer Notarin erstellen. Vor allem für größere Vermögenswerte, Firmenbeteiligungen und bei einem Auslandsbezug empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Notars oder einer Notarin.

Was ist ein Testament?

Das Testament ist eine einseitige Verfügung, mit der ein*e Erblasser*in im Falle seines bzw. ihres Todes Anordnungen zur Rechtsnachfolge bezüglich seiner Vermögenswerte trifft. Es ist wohl die gängigste Form der Verfügung für den Todesfall (eine andere Form ist der Erbvertrag). Das Testament zeichnet sich durch einige Kriterien aus:

  • einseitige Willenserklärung
  • formbedürftig (eigenhändige Unterschrift, etc.)
  • Mindestalter 16 Jahre, testierfähig
  • jederzeit widerrufbar

Gesetzlich verankert ist das Testament im BGB in §§ 2064–2273. Weitere Regelungen zum Erbe finden sich in anderen Teilen des BGB, z. b. zur Erbfolge (§§ 1922–1941) oder zum Pflichtteil (§§ 2303–2338).

Inhalte des Testaments

Die Verfügungen in einem Testament sind vielfältig gestaltbar und regeln, wer nach dem Tod welche Anteile des Vermögens erhält und die Rechtsgeschäfte erbt. Darüber hinaus sind Anordnungen zu Punkten wie beispielsweise Grabpflege, Durchführung der Bestattung oder Pflege des Haustiers mögliche Bestandteile eines Testaments. Diese Anordnungen sind stets verbindlich und nur dann unwirksam, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen oder sittenwidrig sind.

Testamentarische Bestandteile:

  • Einsetzung von Erb*innen
  • Enterbung
  • Vermächtnisse
  • Auflagen
  • Benennung eines Testamentsvollstreckers oder einer Testamentsvollstreckerin
  • Teilungsanordnungen
  • Beschränkung / Entziehung des Pflichtteils von Pflichtteilsberechtigten
  • Benennung eines Vormunds oder einer Vormundin für minderjährige Kinder

Arten von Testamenten

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, um ein Testament aufzusetzen, das rechtsgültig ist.

  • Das handschriftliche Testament ist komplett handgeschrieben aufzusetzen und vom Verfasser oder der Verfasserin eigenhändig zu unterschreiben.
  • Ein öffentliches oder notarielles Testament verfasst ein*e Notar*in nach den Vorgaben der Person, die dieses nur noch eigenhändig unterschreibt. Verwahrt wird das Testament anschließend im Notariat. Alternativ ist es auch möglich, ein handschriftlich verfasstes Testament in die Hände des Notars / der Notarin zu geben.
  • Vor allem Ehepaare nutzen häufig das sogenannte Berliner Testament, das sowohl notariell als auch handschriftlich erstellt werden kann. Charakteristisch ist hier, dass sich die Ehepartner*innen gegenseitig einsetzen und eine dritte Partei – meist die eigenen Kinder – als Erb*innen bestimmen.
  • Weitere Testamentsformen zielen auf besondere Notlagen Wichtig ist hier, dass der Erblasser oder die Erblasserin zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung testierfähig ist und weitere Kriterien wie die Anwesenheit von unabhängigen Zeugen berücksichtigt werden.

Erbfolge ohne Testament

Liegt kein Testament vor, legt das BGB die Erbfolge und die Aufteilung des Vermögens nach einem festgelegten Schema fest. Aufgrund des mehr als 100-jährigen Bestehens dieses Gesetzes sind die Regelungen allerdings vielfach veraltet und entsprechen nicht mehr zeitgemäßen Familienverhältnissen. Grundsätzlich sind die Erben in Ordnungen eingeteilt:

1. OrdnungKinder und Enkelkinder
2. OrdnungEltern, Geschwister, Nichten und Neffen
3. OrdnungGroßeltern, Tanten, Onkel und Cousinen
4. OrdnungUrgroßeltern und deren Nachkommen


Gibt es Erben erster Ordnung, gehen die Erben der zweiten und dritten Ordnung leer aus. Fehlt es an Nachkommen erster Ordnung, erben Personen der zweiten Ordnung. Bei der Aufteilung gelten immer wieder Besonderheiten. Ist z. B. ein Kind des Erblassers oder der Erblasserin verstorben, geht dessen bzw. deren Anteil zu gleichen Teilen auf dessen oder deren Kinder, d. h. die jeweiligen Enkel des Erblassers oder der Erblasserin über.

Die Höhe des Erbes der Ehepartner hängt in dieser Erbfolge von den Verwandten erster Ordnung ab. Bei einer Zugewinngemeinschaft liegt das Erbe bei 50 bis 100 Prozent des Nachlasses, ein Ehevertrag verringert den Anteil in der Regel.

Erbe mit Testament

Erstellen Sie ein Testament, verliert die gesetzliche Erbfolge zumindest in Teilen ihre Gültigkeit. Sie haben hier die Möglichkeit, ein Unternehmen, Stiftungen oder wohltätige Organisationen als Erben zu benennen. Sie können entweder eine einzelne Person zum Alleinerben oder zur Alleinerbin erklären, oder eine Erbengemeinschaft bestimmen. Da diese ein besonderes Konfliktpotenzial bei der Aufteilung des Vermögens birgt, empfiehlt sich hier der Abschluss einer Teilungsanordnung.

Angehörige enterben und Pflichtanteil

Immer wieder gibt es Familienmitglieder, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Anteil am Erbe erhalten sollen. Um das zu erreichen, muss man diese bestimmten Personen zunächst per Testament offiziell enterben. Dazu benennen Sie entweder andere Erben, ohne die zu enterbende Person zu erwähnen, oder sprechen aktiv die Enterbung aus. Das verhindert allerdings in der Regel nicht, dass diesen Verwandten dennoch ihr Pflichtanteil zusteht. Das Ausschließen von Kindern, Eltern und Ehegatten ist schwierig und hat vor Gericht nur selten Bestand. Das ist beispielsweise nur möglich, wenn es körperliche Angriffe oder vergleichbare Attacken gab.

Die Höhe des Pflichtteils beträgt die Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils, d. h. des Anteils, den eine Person erhalten hätte, wäre sie nicht enterbt worden.

Alleinerben einsetzen

Die Benennung eines Alleinerben oder einer Alleinerbin ist nur dann möglich, wenn es keine anderen Pflichtberechtigten gibt. In aller Regel steht nahen Angehörigen dann immer noch der Pflichtteil in Höhe des gesetzlich zustehenden Erbanspruchs zu.

Wer seine*n Ehepartner*in als Alleinerben oder -erbin einsetzt und verhindern möchte, dass am Ende doch die ungeliebten Verwandten alles erben, weil der oder die Partner*in zu früh gestorben ist, kann im Testament direkt einen Ersatzerben oder -erbin benennen oder eine Erbreihenfolge festlegen. Das verhindert auch, dass ein*e erstgenannte*r Erbe oder Erbin Teile der Erbschaft verschenkt, um damit abzuwenden, dass danach noch eine weitere Person erben kann.

Wer braucht ein Testament?

Grundsätzlich ist ein Testament für alle Menschen ratsam, die selbst über ihren Nachlass verfügen möchten. Das gilt keineswegs nur für ältere Menschen, sondern auch für Unverheiratete oder Menschen mit Kindern, Patchwork-Familien oder auch geschiedene Paare mit einem gemeinsamen Kind. Unverheiratete Partner*innen gehen in der gesetzlichen Erbfolge sonst leer aus. Wer seine*n Lebenspartner*in bei der Vermögensaufteilung berücksichtigen möchte, sollte unbedingt ein Testament verfassen.

Testament für kinderlose Paare

Viele kinderlose Ehepaare gehen davon aus, dass ein Testament nicht nötig ist, da der Ehegatte bzw. die Ehegattin im Todesfall das Erbe erhält. Die gesetzliche Erbfolge sieht jedoch vor, dass auch die Eltern eines verstorbenen Ehegatten einen Erbanteil erhalten. Sind diese nicht mehr am Leben, können auch Geschwister oder Nichten und Neffen anspruchsberechtigt sein.

Das kann vor allem zum Problem werden, wenn Immobilien im Spiel sind, die Sie gemeinsam bewohnen – denn diese könnten im Falle des Todes einer der beiden Partner in den Besitz der Angehörigen der verstorbenen Person übergehen. Was im schlimmsten Fall mit einem Verlust des Eigenheims einhergehen kann.

Kosten eines Testaments

Die Notarkosten richten sich nach der Höhe des Nettovermögens. Neben reinen Geldwerten zählen auch Immobilien dazu, wohingegen Verbindlichkeiten zu einem Teil abgezogen werden. Bei einem Vermögenswert von 10.000 Euro fallen ca. 75 Euro zuzüglich Auslagen an, bei 500.000 Euro sind es ca. 935 Euro.

Weitere Kosten entstehen darüber hinaus für die Hinterlegung. Das sind in der Regel 15–18 Euro für den Eintrag im Zentralen Testamentsregister. Diese fallen auch an, wenn Sie das Testament oder bei einem oder einer Notar*in bei Gericht hinterlegen.

Ein notarielles Testament kann letztlich sogar günstiger sein als ein handschriftliches. Es fallen hier zwar Gebühren für den oder die Notar*in an, doch ersetzt diese Form häufig den Erbschein. Dieser ist erforderlich, wenn es um größere Vermögenswerte und Immobilien geht. Das Erbscheinverfahren kostet meist mehr als die Beauftragung eines Notars oder einer Notarin.

Tipps, um das Testament zu verfassen

  • Verfassen Sie das Testament handschriftlich, berücksichtigen Sie die Pflichtbestandteile. Ist das Dokument rechtlich nicht wirksam, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wichtig ist auch, Ort und Datum einzutragen.
  • Achten Sie beim Schreiben auf Leserlichkeit. Dennoch sollte Ihre Handschrift unverkennbar ersichtlich sein.
  • Hinterlegen Sie das Testament beim zuständigen Amtsgericht. Das Formular für den Antrag finden Sie auf dessen Webseite oder erhalten es direkt vor Ort. Für die Abgabe benötigen Sie neben Ihrem Personalausweis auch Ihre Geburtsurkunde.
  • Ein mit einem oder einer Partner*in verfasstes Testament können Sie nur gemeinschaftlich widerrufen. Andernfalls bedarf es einer notariellen Erklärung gegenüber dem oder der Ehepartner*in.
  • Eine Alternative zum Vererben ist das Vermächtnis: Sie können Teile des Vermögens oder auch Ansprüche an Personen und Organisationen vermachen. Damit einher geht zwar auch die Erbschaftssteuer, doch teilen die Empfänger*innen nicht die Pflichten von Erben.

Zentrales Testamentsregister

Der letzte Wille kann nur dann erfüllt werden, wenn das Testament nach dem Tod auffindbar ist. So ist jeder, der ein Testament findet oder besitzt, dazu verpflichtet, das Testament an das Nachlassgericht zu überreichen. Zudem besteht seit 2012 das Zentrale Testamentsregister, welches alle Angaben zur Verwahrung erbfolgerelevanter Urkunden aufnimmt.

Hinterlegen Sie Ihr Testament bei einem Nachlassgericht, stellen Sie sicher, dass Ihr letzter Wille nach Ihrem Tod umgesetzt wird und sich niemand einen ungewollten Vorteil verschafft.

Setzen Sie das Testament gemeinsam mit einem Notar oder einer Notarin auf, reicht dieser es automatisch zur Verwahrung an das Amtsgericht weiter und es erfolgt ein Eintrag in das Zentrale Testamentsregister.

Ein notarielles Testament verliert automatisch seine Gültigkeit, wenn es einmal aus der gerichtlichen Verwahrung entfernt wurde. Es muss dann komplett neu verfasst werden. Anders bei einem handschriftlich verfassten Dokument: Dieses können Sie beliebig oft zurückholen und ändern, ohne dass es ungültig wird.

Alternative zum Testament: der Erbvertrag

Eine weniger bekannte Alternative zum Testament ist der sogenannte Erbvertrag. Dieser zweiseitige Vertrag eignet sich insbesondere auch für unverheiratete Paare sowie zur Regelung der Unternehmensnachfolge. Durch die Bindungswirkung kann hier keine Partei Änderungen vornehmen, was den Aufwand gegenüber einem Testament erhöht – zumal eine notarielle Beurkundung beim Erbvertrag obligatorisch ist. Demgegenüber steht wiederum der Vorteil, dass auch Vereinbarungen aus dem Güterrecht Berücksichtigung finden und Leistungen an Gegenleistungen geknüpft werden können. Das kann z. B. eine Regelung sein, wer im Falle einer Pflegebedürftigkeit tätig wird. Der Pflichtanteil bleibt aber auch im Falle des Erbvertrages gültig.

Die Kosten für ein notarielles Testament sind überschaubar, die Tücken durch Fallstricke groß. Damit Sie sichergehen können, dass Ihr letzter Wille nach dem Tod auch wirklich erfüllt wird, lohnt es sich in den meisten Fällen, einen Experten zur Erstellung des Testaments zu konsultieren.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Ein umfassender Ratgeber der Stiftung Warentest zum Testament (teilweise kostenpflichtig): https://www.test.de/Testament-So-regeln-Sie-Ihr-Erbe-nach-Ihren-Wuenschen-5055551-0/

Das BGB inklusive des Erbrechts (Buch 5): https://dejure.org/gesetze/BGB

Weitere rechtliche Erläuterungen zum Testament auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Testament

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4 03, 2021

Häusliche Pflege

2021-03-04T14:36:30+01:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Häusliche Pflege

Die Anzahl der Pflegebedürftigen nimmt weiter zu: Im Jahr 2019 galten 4,13 Milliarden Menschen als pflegebedürftig – rund 700.000 mehr als zwei Jahre zuvor. Während die Zahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen dabei unverändert bleibt, steigt der Anteil der häuslichen Pflege immer weiter an. 2019 wurden 3,3 Mrd. Menschen im häuslichen Umfeld gepflegt – rund ein Viertel mehr als drei Jahre zuvor. Damit macht die häusliche Pflege den mit Abstand größten Anteil bei der Pflege aus. Welche Möglichkeiten gibt es hier und wer trägt die Kosten?

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was bedeutet „häusliche Pflege“?
  • Für wen eignet sich die häusliche Pflege?
  • Aufgaben der häuslichen Pflege
  • Die häusliche Pflege durch Angehörige
  • Häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst
  • 24-Stunden-Pflegekraft für die häusliche Pflege
  • Übersicht – Leistungen der Pflegekasse nach Pflegegrad
  • Weitere Finanzierungsoptionen der häuslichen Pflege
  • Das häusliche Umfeld für die Pflege gestalten
  • Essen auf Rädern in der häuslichen Pflege
  • Beratungsstellen für die häusliche Pflege
  • Fazit
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Häusliche Pflege bedeutet, dass die Pflege nicht in einer stationären Einrichtung, sondern in der Wohnumgebung der pflegebedürftigen Person erfolgt. Das kann die eigene Wohnung, aber auch eine betreute Wohnform sein.
  • Neben den pflegenden Angehörigen arbeiten ambulante Pflegedienste sowie auch 24-Stunden-Pflegekräfte in der häuslichen Pflege.
  • Die Kosten für die häusliche Pflege trägt – abhängig vom Pflegegrad und der Pflegeform – in Teilen die Pflegekasse.

Was steckt hinter dem Begriff „häusliche Pflege“?

Die häusliche Pflege (auch ambulante Pflege) bezeichnet die Pflege von Menschen in ihrem häuslichen Umfeld, d. h. ihrer eigenen Wohnung oder dem Eigenheim. Sie unterscheidet sich damit von der teilstationären oder stationären Pflege, die in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Zu den Leistungen gehört bei der häuslichen Pflege vor allem die hauswirtschaftliche Versorgung. Aber auch soziale Aktivitäten oder die medizinische Behandlungspflege können zum Angebot der Pflegedienste gehören.

Die Durchführung der Pflegetätigkeiten kann dabei entweder durch pflegende Angehörige, Pflegedienste oder 24-Stunden-Pflegekräfte erfolgen. Davon ist auch abhängig, welche Leistungen in welcher Form durch die Pflegekasse abgerechnet werden.

Abhängig vom Pflegebedarf kann die Pflege nur einmal wöchentlich oder mehrfach täglich stattfinden. Bei einem anhaltenden Pflegebedarf ist eine 24-Stunden-Pflege oft eine praktikable Lösung.

Die häusliche Pflege ist dabei nicht gleichzusetzen mit der häuslichen Krankenpflege nach SGB V. Diese wird erbracht, wenn die ärztliche Behandlung sichergestellt, ein Krankenhausaufenthalt jedoch vermieden werden soll. Der Anspruch der Versicherten liegt hier für gewöhnlich bei vier Wochen je Krankheitsfall und wird über die Krankenversicherung abgerechnet.

Für wen eignet sich die häusliche Pflege?

Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland wünschen sich für das Alter eine Pflege in den eigenen vier Wänden statt einer Pflegeeinrichtung. Der Wunsch ist groß, das häusliche Umfeld nicht verlassen zu müssen. Damit dies möglich ist, bedarf es allerdings einiger Voraussetzungen hinsichtlich der Barrierefreiheit der Wohnung und der Absicherung des Pflegebedarfs durch Angehörige oder professionelle Pflegekräfte.

Je geringer dabei der Pflegeaufwand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die vollständige Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. So wird ein Großteil der Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 und 3 zu Hause überwiegend ausschließlich durch Angehörige versorgt, während die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 5 überwiegend in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es eines anerkannten Pflegegrades. Prinzipiell kann jedoch jede pflegebedürftige Person die häusliche Unterstützung nutzen – muss für die Kosten allerdings unter Umständen selbst aufkommen.

 

Vorteile der häuslichen Pflege

  • Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit bleiben erhalten.
  • Kostenersparnis im Vergleich zur stationären Pflege.
  • Das soziale Umfeld bleibt wie gewohnt bestehen.
  • Pflegebedürftige Personen bleiben weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung.

Aufgaben der häuslichen Pflege

Welche Aufgaben auf die Pflegekraft zukommen, ist individuell unterschiedlich. Schließlich ist der Hilfebedarf durch motorische oder kognitive Einschränkungen bei pflegebedürftigen Menschen sehr verschieden. Mögliche Aufgaben, die auf Sie oder einen Pflegedienst zukommen können, sind beispielsweise:

  • Hilfe bei der Körperpflege
  • Unterstützung beim Aufstehen und Ins-Bett-Gehen sowie beim An- und Auskleiden
  • Begleitung zum Arzt oder zu Behörden
  • Reinigung der Wohnung
  • Zubereitung der Mahlzeiten oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
  • Wäsche waschen
  • Hilfe bei der Medikamenteneinnahme
  • Beantragung von Hilfsmitteln und Bescheinigungen
  • Übernahme des Schriftverkehrs und erforderlicher Zahlungen
  • Pflege sozialer Kontakte
  • Organisation von Arztterminen, Pflegedienst & Co.
  • Bewegungsangebote zur Mobilitätsförderung
  • Maßnahmen zur Prophylaxe
  • Aktivierung und Anregung zu Beschäftigungen

Um die Aufgaben ohne Probleme ausführen zu können, ist es hilfreich, sich eine Vollmacht ausstellen zu lassen. Das kann eine umfassende Generalvollmacht sein oder sich auf einzelne Bereiche wie Gesundheit, Post oder die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht beschränken.

Die häusliche Pflege durch Angehörige

Pflegende Angehörige leisten den zahlenmäßig größten Teil bei der häuslichen Pflege. Oft setzen sich die Pflegepersonen dabei einer Mehrfachbelastung aus. Die eigene Erwerbstätigkeit, Familienleben und Pflegesituation lassen Freizeit schnell zu einem Mangel werden. Entsprechend wichtig ist hier die frühzeitige Nutzung von Entlastungsangeboten.

Das ändert sich durch einen Pflegefall zu Hause

Mit eintretender Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen ändert sich die komplette Tagesstruktur. Neben dem Zeitaufwand für die Pflege ist jede Menge Organisationstalent gefragt, um Pflegedienst, Arztbesuche oder andere Termine gegebenenfalls auch mit dem eigenen Terminkalender zu koordinieren.

Gleichzeitig steigt die Belastung. Die eigene Freizeit steht hintenan, die eigene Familie droht vernachlässigt zu werden – parallel entwickelt sich schnell ein schlechtes Gewissen, der pflegebedürftigen Person nicht gerecht zu werden.

Als problematisch bezeichnen pflegende Angehörige neben der höheren finanziellen Belastung immer wieder auch das sich verändernde Verhältnis zur gepflegten Person, das oft von Spannungen begleitet ist.

Die Pflege verlangt Angehörigen sowohl psychisch als auch physisch einiges ab. Scheuen Sie sich daher nicht, zusätzliche Hilfsangebote durch andere Angehörige oder professionelle Pflegedienste zu nutzen, um sich selbst immer wieder zu entlasten.

Wer gilt als pflegende*r Angehörige*r?

Nach dem Verständnis der Pflegeversicherung gehören neben Eltern, Geschwistern, Kindern, Enkeln, Onkeln und Tanten auch Nachbarn, Freunde und Bekannte, die sich moralisch zu der Pflegetätigkeit verpflichtet fühlen, zu den Angehörigen.

Finanzierung der Pflege durch Angehörige

Die Pflege durch Angehörige erfolgt grundsätzlich unentgeltlich. Nutzt die pflegebedürftige Person Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang, hat sie ab einem anerkannten Pflegegrad 2 jedoch Anspruch auf das Pflegegeld. Dieses gibt sie in der Regel als Aufwandsentschädigung direkt an die Pflegeperson weiter. Die Höhe des Pflegegeldes bemisst sich nach dem Pflegegrad:

Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
0 Euro316 Euro545 Euro728 Euro901 Euro

Neben dem Pflegegeld besteht ein Anspruch auf den Entlastungsbetrag sowie einer finanziellen Beteiligung an notwendigen Hilfsmitteln.

Entlastung bei der Pflege zu Hause

Die häusliche Pflege Angehöriger geht nicht selten mit der eigenen Überlastung einher. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie sich Auszeiten von der Pflege nehmen, um die Akkus wieder aufzuladen und so Burnout und Depressionen vermeiden. Aufgrund der Bedeutung der Pflege durch Angehörige, die auch die Pflegekasse erkannt hat, stehen neben dem Pflegegeld weitere Gelder zur Verfügung, um kurzzeitige Hilfen zu engagieren:

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Pflegevertretung durch nahe Angehörige (Aufwendungen bis 6 Wochen im Kalenderjahr)0 €474 €817,50 €1.092 €1.351,50 €
Verhinderungspflege (Aufwendungen bis 6 Wochen im Kalenderjahr)0 €1.612 €
Kurzzeitpflege (Aufwendungen bis 8 Wochen im Kalenderjahr) 1.612 €
Teilstationäre Tages- und Nachtpflege0 €689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Zusätzliche Leistungen (für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen)214 €

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/322778/umfrage/soziale-pflegeversicherung-leistungen-nach-pflegestufen/

Eine Besonderheit der Verhinderungspflege ist die Option zur weiteren Aufstockung durch Geld aus der Kurzzeitpflege. Nutzen Sie diese nicht, sind 50 Prozent davon, d. h. 806 Euro zusätzlich auf die Verhinderungspflege anrechenbar. Bei der Verhinderungspflege können neben einem ambulanten Pflegedienst auch ehrenamtlich Pflegende oder andere Angehörige einspringen.

Absicherung pflegender Angehöriger

Die häusliche Pflege nimmt teilweise so viel Zeit in Anspruch, dass die Erwerbstätigkeit reduziert werden muss. Um hier keine Nachteile zu erleiden, besteht für nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätige Pflegepersonen die Möglichkeit, Leistungen der sozialen Absicherung zu erhalten. Voraussetzung für Bezüge der Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung sind:

  • eine Pflegetätigkeit von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen in der Woche
  • ein anerkannter Pflegegrad ab 2
  • eine eigene Erwerbstätigkeit von 30 Stunden oder darunter

Darüber hinaus ist eine berufliche Freistellung von bis zu 10 Tagen im Jahr möglich, um akute Pflegefälle zu betreuen. Auch ist eine Familienpflegezeit denkbar, in der Sie die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren. Das ist für maximal 24 Monate möglich, wobei die Arbeitszeit weiterhin mindestens 15 Stunden wöchentlich betragen muss.

Häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst

Ein ambulanter Pflegedienst kann Sie als pflegende*n Angehörige*n entweder in einigen Bereichen gezielt entlasten oder die Pflegeaufgaben direkt komplett übernehmen. Die Häufigkeit der Dienstleistungen kann dabei von einmal wöchentlich bis mehrfach täglich variieren.

Leistungen ambulanter Pflegedienste

Professionelle Pflegedienste bieten ein breites Leistungsspektrum an, das sich nach Maßnahmen der Grundpflege und der Behandlungspflege unterscheidet. Die medizinische Behandlungspflege darf dabei ausschließlich von qualifizierten Pflegekräften durchgeführt werden.

GrundpflegeBehandlungspflege
  • körperbezogene Pflegemaßnahmen wie Waschen und Unterstützung bei der Ausscheidung
  • pflegerische Betreuung, d. h. Unterstützung bei der Mobilisation und Nahrungsaufnahme
  • Hilfe bei der Haushaltsführung, z. B. Reinigung und Einkaufen
  • Seniorenbetreuung
  • Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen
  • Injektionen
  • Blutdruckmessung
  • Wundversorgung
  • etc.


Kosten ambulanter Pflegedienste

Die Kosten eines ambulanten Pflegedienstes sind in einem Katalog festgelegt, der mit den Pflegekassen vereinbart ist, d. h., die Dienste sind in ihrer Preisgestaltung nicht frei. Dennoch unterscheiden sich die sogenannten Leistungskomplexe – die Zusammenfassung einzelner Leistungen, wie beispielsweise zur kleinen oder großen Grundpflege – vor allem in den einzelnen Bundesländern hinsichtlich Kosten und Umfang.

Damit hängen die monatlichen Kosten eines Pflegedienstes vor allem davon ab, wie oft der Pflegedienst kommt und welche Leistungen erbracht werden. Achten Sie bei einem Vertragsabschluss in jedem Fall auf eine transparente Angabe der anfallenden Kosten.

Finanzierung der Leistungen ambulanter Dienste

Je nach Pflegegrad steuert die Pflegekasse monatlich einen Betrag zu den in Anspruch genommenen Leistungen von Pflegediensten bei. Wichtig ist dabei, dass der Pflegedienst einen Versorgungsvertrag mit der Pflegekasse hat. Die Höhe hängt vom anerkannten Pflegegrad ab, die Abrechnung erfolgt in der Regel direkt mit der Pflegekasse.

Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
0 €689 €1.298 €1.612 €1.995 €


Nehmen Sie die Leistungen nicht bis zur Maximalsumme in Anspruch, lohnt es sich, die sogenannte Kombinationsleistung zu beantragen. Im Rahmen dieser überweist die Pflegekasse dann monatlich den prozentual nicht genutzten Teil der Sachleistung vom Pflegegeld.

Beispiel: Nehmen Sie 63 % des Maximalbetrages der Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3 in Anspruch (1.298 * 0,63 = 817,74 €), stehen Ihnen noch 37 % des Pflegegeldes zu (545 * 37 = 201,65 €).

24-Stunden-Pflegekraft für die häusliche Pflege

Eine weitere Möglichkeit der häuslichen Pflege ist die Einstellung einer 24-Stunden-Pflegekraft. Die vielfach auch als „polnische Pflegekräfte“ bezeichneten Pflegepersonen stammen überwiegend aus Osteuropa und ziehen für einen bestimmten Zeitraum in die Wohnung oder das Haus der pflegebedürftigen Person ein.

Für die Beauftragung einer solchen Pflegekraft sind drei verschiedene Modelle möglich:

  • Festanstellung der Pflegekraft (Sie werden hier zum Arbeitgeber)
  • Vertrag mit einer Vermittlungsagentur
  • Beauftragung einer selbstständigen Pflegekraft

Am weitesten verbreitet ist hier wohl die Inanspruchnahme einer Vermittlungsagentur. Diese wiederum steht in Kontakt mit einem polnischen Dienstleister, der die Pflegekräfte nach Deutschland entsendet. Teilweise wechseln sich hier 2–3 Pflegekräfte ab, sodass immer die gleichen Betreuungspersonen wiederkehren.

Leistungsangebot der 24-Stunden-Pflegekraft

Die Qualifikation der meisten polnischen Pflegekräfte ist nicht mit der Fachausbildung einer examinierten Pflegekraft in Deutschland vergleichbar. Entsprechend dürfen die Pflegekräfte nicht alle Leistungen durchführen, sondern bleiben auf den Bereich der Grundpflege beschränkt:

  • Hygiene
  • Ernährung
  • Arztbesuche
  • Haushalt
  • Soziales

Sind zudem medizinische Behandlungen nötig, können Sie ergänzend einen ambulanten Pflegedienst nutzen.

Kosten und Finanzierung

Eine 24-Stunden-Pflegekraft lässt sich nicht direkt über die Pflegekasse abrechnen. Bei einem vergleichsweise hohen Pflegebedarf kann die feste Einstellung jedoch dennoch die günstigere Variante im Vergleich zu einem Pflegedienst sein, bei dem jede Anfahrt extra zu Buche schlägt, während die 24-Stunden-Pflegekraft rund um die Uhr vor Ort ist und eine monatliche Pauschalvergütung erhält. Je nach Beschäftigungsmodell variieren die Kosten ab rund 2.000 Euro bis zu maximal 5.000 Euro.

Die Finanzierung ist über das Pflegegeld und den Entlastungsbetrag möglich. Daneben können Sie die Verhinderungspflege nutzen, um die Kosten zu decken.

Übersicht – Leistungen der Pflegekasse nach Pflegegrad

Die Höhe der monatlichen Leistungen der Pflegekasse für die häusliche Pflege hängt vom anerkannten Pflegegrad ab. Neben Pflegegeld und Pflegesachleistung gibt es weitere Finanzierungsangebote der Pflegekasse. Das sind – unabhängig vom Pflegegrad – ein monatlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro und ein Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln von monatlich 40 Euro.

Pflegegrad 1
  • Entlastungsbetrag von 125 €
  • Wohnraumanpassung bis zu 4.000 € je Maßnahme
  • Pflegehilfsmittel bis zu 40 € monatlich
  • Erstattung für den Hausnotruf: 10,49 € für den Anschluss; 18,36 € monatlich für den Betrieb
Pflegegrad 2

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 316 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 689 €
Pflegegrad 3

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 545 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.262 €
Pflegegrad 4

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 728 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.612 €
Pflegegrad 5

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 901 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.995 €


Reichen die eigenen finanziellen Mittel für die Pflege nicht aus, ist es möglich, über das Sozialamt die Hilfe zur Pflege zu beantragen. Diese übernimmt alle tatsächlich anfallenden Kosten.

Das häusliche Umfeld für die Pflege gestalten

Damit die häusliche Pflege möglichst reibungslos verläuft und die pflegebedürftige Person sich bestmöglich selbstständig bewegen kann, ist gegebenenfalls der barrierefreie Umbau der Wohnung erforderlich. Das kann beispielsweise der Umbau des Badezimmers oder der Einbau eines Treppenlifts sein. Die Pflegekasse erstattet hier bei jeder Maßnahme maximal Kosten von 4.000 Euro.

Essen auf Rädern in der häuslichen Pflege

Weder pflegende Angehörige noch ambulante Pflegedienste haben oft die Zeit, um neben den Pflegeleistungen auch noch täglich ein gesundes Essen zuzubereiten. Hier ist das sogenannte Essen auf Rädern eine wertvolle Hilfe. Die Dienstleistung, die meist von sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden oder Sozialstationen angeboten wird, liefert fertige Gerichte ins Haus.

Die Kosten eines Menüs liegen für gewöhnlich zwischen 4,50 und 7,50 Euro, wobei gegebenenfalls auch Zuschüsse durch das Sozialamt möglich sind.

Beratungsstellen für die häusliche Pflege

Wer erstmalig mit dem Thema Pflege in Kontakt kommt, ist schnell überfordert. Um das zu verhindern, gibt es gleich eine ganze Reihe verschiedener Anlaufstellen, die Sie kostenlos zu relevanten Themen beraten:

  • Seniorenberatungen
  • Kommunale Beratungsstellen
  • Sozialdienste
  • die Unabhängige Patientenberatung (UPD)
  • Pflegestützpunkte
  • gesetzliche bzw. private Kranken- und Pflegeversicherung
  • Hausarzt oder behandelnde Klinik
  • das Sozialamt bei finanziellen Engpässen
  • Selbsthilfegruppen
  • der Pflegeleistungsrechner des Bundes

Fazit

Der Staat ist sich der immensen Bedeutung der häuslichen Pflege bewusst und bietet daher zahlreiche finanzielle Hilfen an, die Angehörige bei der Planung und Durchführung der häuslichen Pflege entlasten. Informieren Sie sich hierzu z. B. bei einem Pflegedienst eingehend über die möglichen Unterstützungsangebote und scheuen Sie sich nicht, diese auch zu nutzen – die häusliche Pflege lässt sich so deutlich vereinfachen und beugt damit Burnout und körperlichen wie seelischen Überlastungen vor.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Dossier zur Pflege in Deutschland (kostenpflichtig): https://de.statista.com/download/MTYxMjUxMzQ4OSMjMjkwMjYzIyM2OTg4IyMxIyNwZGYjI1N0dWR5

Eine Auflistung der Unterstützung der häuslichen Pflege durch die Pflegekasse: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause.html

Berechnung des Anspruchs auf Leistungen der Pflegekasse: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer.html

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

4 03, 2021

Grundpflege

2021-03-04T14:34:48+01:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Grundpflege

Die Grundpflege bezeichnet den Teil der Unterstützung pflegebedürftiger Personen, der die grundlegenden Bereiche des Alltags abdeckt – Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Anders als die auf den medizinischen Bereich fokussierte Behandlungspflege können auch Laien die Grundpflege durchführen. In Abhängigkeit von dem Ort der Pflegeleistungen (häusliches Umfeld oder innerhalb einer Einrichtung) sowie der Professionalität der Pflegekräfte erstattet die Pflegekasse Kosten auf unterschiedliche Weise. Wir haben das Wichtigste rund um die Grundpflege für Sie zusammengefasst.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was bedeutet Grundpflege?
  • Leistungen der Grundpflege nach SGB XI
  • Grundpflege nach SGB V
  • Unterstützungsformen in der Grundpflege
  • Wer darf die Grundpflege durchführen?
  • Kosten der Grundpflege
  • Finanzierung der Grundpflege
  • Hilfsmittel für die Grundpflege nutzen
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grundpflege bezeichnet die Unterstützung bei der Verrichtung der täglichen Alltagsroutinen. Wesentliche Bereiche sind hier die Körperpflege, Ernährung, Mobilität und die hauswirtschaftliche Versorgung.
  • Die Grundpflege kann im häuslichen Umfeld, teilstationär oder vollstationär in einer Pflegeeinrichtung erfolgen. Neben qualifizierten Fachkräften können auch Angehörige oder Nachbarn die Leistungen der Grundpflege ausführen.
  • Die Kosten für die Grundpflege trägt teilweise die Pflegekasse (bzw. Krankenversicherung). Je nach Professionalität der Pflegeperson erfolgt die Abrechnung über die Pflegesachleistungen oder das Pflegegeld.

Was bedeutet Grundpflege?

Die Grundpflege zeichnet sich durch grundlegende, meist wiederkehrende Handlungen im Bereich der Kranken-, Alten- und Heilerziehungspflege aus. Damit bleibt sie nicht auf eine spezielle Personengruppe begrenzt, sondern steht allen Menschen zu, die wichtige Grundbedürfnisse nicht selbst verrichten können. Grundlage hierfür ist die Definition der Pflegebedürftigkeit nach § 14 SGB XI.

Die Bereiche der Grundpflege untergliedern sich in die Körperpflege, Ernährung und Mobilität sowie nicht-medizinische Pflegetätigkeiten aus dem Bereich des täglichen Lebens. Die Grundpflege ist als Teil der häuslichen Krankenpflege nach SGB XI definiert.

Grundpflege – ein veralteter Begriff?

Entstanden ist der Begriff der Grundpflege 1967 aufgrund einer ungenauen Übersetzung aus dem Englischen, gilt heute jedoch im Wesentlichen als veraltet. Die Pflegewissenschaft fokussiert sich inzwischen auf einen ganzheitlichen Ansatz, dem der Dualismus von körperlicher und medizinischer Versorgung zuwiderläuft.

Trotz der anhaltenden Debatte fanden die Begriffe Grund- und Behandlungspflege Eingang in das Sozialgesetzbuch. Erst mit dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2017 wurde die Bezeichnung der Grundpflege durch die Umschreibungen „körperbezogene Pflegemaßnahmen“ und „pflegerische Betreuungsmaßnahmen“ ersetzt.

Der Unterschied zwischen Grundpflege und Behandlungspflege

Während die Grundpflege Körperpflege, Ernährung und Mobilität umfasst, beschreibt die Behandlungspflege die Durchführung von medizinischen Handlungen. Dazu gehören zum Beispiel das Verabreichen von Medikamenten, Verbandswechsel oder auch Injektionen. Die Behandlungspflege zielt damit vor allem auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes einer pflegebedürftigen Person ab. Dieser Bereich darf ausschließlich von fachlich geschultem und qualifiziertem Personal durchgeführt werden.

Leistungen der Grundpflege nach SGB XI

Das Bundesgesundheitsministerium schreibt die Aufgaben der Grundpflege den folgenden Bereichen zu:

  • „Bereich der Körperpflege: Hilfe beim Waschen, Duschen, Baden, bei der Zahnpflege, beim Kämmen, Rasieren sowie bei der Darm- und Blasenentleerung
  • Bereich der Ernährung: Hilfe bei der mundgerechten Zubereitung und Nahrungsaufnahme
  • Bereich Mobilität: Hilfe beim Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen sowie Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung/Pflegeeinrichtung“

Die hauswirtschaftliche Versorgung und Hilfen bei der Durchführung ärztlicher Verordnungen (zum Beispiel die Versorgung mit Medikamenten) zählen nicht dazu. Die einzelnen Bereiche umfassen konkret folgende Tätigkeiten:

Körperpflege

  • Waschen (Ganzkörperwäsche oder Waschen von Teilbereichen an einer Waschschüssel, am Waschbecken, in der Badewanne oder in der Dusche, bei Bedarf auf einem Stuhl/Hocker sitzend oder im Bett liegend)
  • Haarpflege
  • Rasur
  • Pflege von Zähnen und/oder Zahnersatz
  • Hilfe beim Wasserlassen und Stuhlgang (z. B. Intimhygiene, Reinigung und Versorgung von Katheter bzw. künstlichem Blasen- oder Darmausgang, Wechseln von Inkontinenzeinlagen, Windeln etc., Trainieren der Kontinenz, Säubern des Toilettenstuhls)

Ernährung

  • Mundgerechtes Zerkleinern von Speisen
  • Getränke einfüllen
  • Speisen und Getränke anreichen
  • Spezielle Nahrung zubereiten
  • Nahrung per Ernährungssonde verabreichen

Lebensmitteleinkäufe sowie die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten gehören nicht zur Grundpflege!

Mobilität

  • Hilfestellung beim Aufstehen und Zubettgehen, beim Gehen, Stehen und Treppensteigen, beim Verlassen des Hauses usw.

Prophylaxe als Pflegestandard

Damit sich aus vorhandenen Einschränkungen keine weiterführenden Erkrankungen bilden, gehören Maßnahmen zur Prophylaxe zum Pflichtprogramm bei der Grundpflege. Diese Standards umfassen z. B. die Prophylaxe von:

  • Dekubitus (Wundliegen), durch regelmäßiges Umlagern
  • Thrombose (Entstehung von Blutgerinnseln), z. B. durch Umlagerung oder Krankengymnastik
  • Exsikkose (Austrocknung des Körpers), z. B. Trinken erleichtern und fördern
  • Obstipation (Verstopfung), z. B. Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung
  • Kontrakturen (Muskelverkürzungen), z. B. durch Umlagerung oder Krankengymnastik
  • Pneumonie (Lungenentzündung), z. B. Atemgymnastik, Absaugen oder Aushusten, langsames Laufen
  • Intertrigo (nässende und juckende Stellen in Hautfalten), z. B. Mobilität erhalten, Hautfalten trocken halten, regelmäßiges Waschen
  • Soor / Parotitis (Pilzerkrankung und Ohrspeicheldrüsenentzündung), z. B. durch ausreichendes Trinken, Mundhygiene, Speichelproduktion anregen

Zur Förderung der Fähigkeiten im Alltag eignen sich z. B. Ess- und Toilettentrainings, Gedächtnistraining, Hilfe bei sozialen Kontakten, Übungen der Körperpflege.

Kombinierte Leistungskomplexe

Nach dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2017 wurden zahlreiche Leistungen zu sogenannten Leistungskomplexen zusammengefasst. Zwei besonders relevante dieser Pakete sind die kleine und große Grundpflege:

Inhalte der kleinen Grundpflege

  • Hilfe beim Waschen von Gesicht, Oberkörper und Intimbereich
  • Bereitlegen der Kleidung, Hilfe beim An- und Ausziehen
  • Mund- und Zahnpflege, Reinigung der Zahnprothesen
  • Toilettengänge mit Hilfestellung auf dem WC oder im Bett

Inhalte der großen Grundpflege

Die große Grundpflege umfasst für gewöhnlich alle Tätigkeiten der kleinen Grundpflege sowie die weiteren Bereiche:

  • Baden / Duschen
  • Haare waschen
  • Haut- und Nagelpflege

Grundpflege nach SGB V

Neben dem SGB XI spielt das SGB V eine Rolle für die Grundpflege. Die häusliche Krankenpflege und eine stationäre Krankenhausbehandlung fallen unter die Leistungen der Krankenversicherung und gelten für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen. In dieser Zeit steht Ihnen zudem eine Haushaltshilfe zu. Die Leistungen werden per ärztlichem Rezept verschrieben. Die Abrechnung erfolgt in diesem Fall nicht über die Pflegekasse, sondern über die Krankenversicherung.

Unterstützungsformen in der Grundpflege

Ein wesentliches Ziel pflegerischer Tätigkeiten ist der Erhalt der Selbstständigkeit pflegebedürftiger Personen. Entsprechend sollten diese möglichst viele Aufgaben eigenständig durchführen, während Sie als Angehörige*r nur intervenieren, wenn Hilfe wirklich nötig ist und Tätigkeiten nicht mehr selbstständig durchgeführt werden können. Entsprechend unterscheidet die Pflege fünf unterschiedliche Unterstützungsformen:

BeaufsichtigungDie Pflegeperson beobachtet und kontrolliert die Durchführung der Aktivitäten lediglich.
UnterstützungDie Pflegeperson stellt Gegenstände oder auch Hilfsmittel bereit, sodass die pflegebedürftige Person Tätigkeiten eigenständig durchführen kann.
AnleitungDie Pflegeperson stellt die richtige Durchführung von Tätigkeiten sicher. Auch Erklärungen sind Teil der Unterstützung.
Teilweise ÜbernahmeDie Pflegeperson übernimmt Teile der Tätigkeit, die die pflegebedürftige Person nicht selbst durchführen kann.
Vollständige ÜbernahmeDie Pflegeperson übernimmt die Tätigkeit, ohne dass die pflegebedürftige Person einen aktiven Beitrag leistet.

Wer darf die Grundpflege durchführen?

Grundsätzlich darf jede Person Leistungen der Grundpflege durchführen. Das können Nachbarn, Angehörige oder Freunde sein ebenso wie geschultes Fachpersonal. Im Rahmen der stationären Pflege kommen fast ausschließlich examinierte Pflegekräfte zum Einsatz.

Die Pflegekraft oder Pflegeperson hat dabei die Aufgabe, die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung (Prüfung) der Grundpflege sicherzustellen. Da die Pflege stets einen Eingriff in die Intimsphäre darstellt, ist es vor allem wichtig, dass sich die pflegebedürftige Person wohlfühlt.

Kosten der Grundpflege

Die Kosten der Grundpflege variieren vor allem durch die Qualifikation der Pflegekraft. Im Gegensatz zur Behandlungspflege ist der Ausbildungsanspruch geringer, sodass auch angelernte Kräfte, Nachbarn oder Angehörige die Grundpflege übernehmen können. Es gibt nicht nur einen Unterschied in der Höhe der Kosten, sondern auch in der Art der Kostenerstattung durch die Pflegekasse.

Berechnung der Kosten durch die Pflegeversicherung

Bis 2017 galt die sogenannte Pflegezeitbemessung als Grundlage für die Bewilligung einer Pflegestufe. Diese ermittelte, wie viel Zeit Pflegepersonen täglich für die Pflege aufbringen müssen. Anhand dessen erfolgte dann die Zuordnung zu einer Pflegestufe.

Durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz, das fortan nicht mehr nur körperliche, sondern auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen berücksichtigt, erfolgte eine Abkehr der bisherigen zeitlichen Bemessungsgrundlagen zugunsten von einzelnen Leistungskomplexen, die mithilfe eines Punktesystems bewertet werden.

Die Höhe der Kosten dieser Leistungskomplexe variiert von Bundesland zu Bundesland, da die Pflegedienste hier unterschiedliche Rahmenverträge und Vergütungsvereinbarungen mit den Pflegekassen abschließen. Auch sind bundeslandabhängig nicht in jedem Leistungskomplex die gleichen Inhalte gegeben.

Ein Beispiel für einen Leistungskatalog, den der BKK-Dachverband veröffentlicht hat, zeigt die folgende Tabelle.

Grundpflege
Ganzwaschung (Waschen, Duschen, Baden)26,23 €
Teilwaschung14,04 €
Unterstützung und Hilfestellung bei Ausscheidungen6,40 €
Selbstständige Nahrungsaufnahme6,40 €
Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (Hauptmahlzeit)16,01 €
Sondenkost6,40 €
Lagern und Betten6,40 €
Mobilisation11,52 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (Waschen/Duschen/Baden)38,98 €
Verbundene Leistungskomplexe: reduzierte Große Grundpflege (Waschen/Duschen/Baden)28,76 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege28,76 €
Verbundene Leistungskomplexe: reduzierte Kleine Grundpflege18,54 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (ohne Nahrungsaufnahme)33,25 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (mit Nahrungsaufnahme)47,29 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege (ohne Nahrungsaufnahme)22,35 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege (mit Nahrungsaufnahme)37,07 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 16,40 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 26,40 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine pflegerische Hilfestellung 1 und 210,84 €
Betreuungsleistungen/häusliche Betreuung – Alternativer Stundensatz
Pflegerische Betreuung0,64 € / min
Hilfe bei der Sicherstellung der selbstverantworteten Haushaltsführung0,64 € / min
Hauswirtschaftliche Versorgung
Behördengänge und Arztbesuche22.17 €
Beheizen des Wohnbereiches3,69 €
Einkaufen9,24 €
Zubereiten von warmen Speisen9,24 €
Reinigen der Wohnung33,25 €
Waschen und Pflegen der Wäsche und Kleidung22,17 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große hauswirtschaftliche Versorgung46,80 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 44,93 €
Wegegebühren
Hausbesuchspauschale4,30 €


Quelle: BKK Dachverband (https://pflegefinder.bkk-dachverband.de/details/index.php?uid=500550164_45699_hos_a)

Finanzierung der Grundpflege

Bei der Finanzierung der Grundpflege kommt es maßgeblich darauf an, wer die Pflegetätigkeiten durchführt. Die Pflegekasse erstattet anfallende Kosten dann über das Pflegegeld, die Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beiden Formen. Für ihre Abrechnung legen Pflegedienste die Leistungskomplexe zugrunde, was die Abrechnung mit der Pflegekasse deutlich vereinfacht.

Pflegegeld bei der Pflege durch eine*n Angehörige*n

In vielen Fällen übernehmen Angehörige die Grundpflege. Unter diesen Umständen besteht bei der Pflegekasse kein Anspruch auf Sachleistungen. Stattdessen erhält die pflegebedürftige Person ab Pflegegrad 2 das Pflegegeld, welches für gewöhnlich an die Pflegeperson weitergegeben wird und somit als Aufwandsentschädigung dient.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2316 Euro
Pflegegrad 3545 Euro
Pflegegrad 4728 Euro
Pflegegrad 5901 Euro


Hinzu kommt unabhängig vom Pflegegrad ein monatlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro, den Sie bei der Pflegekasse geltend machen können.

Übernahme der Grundpflege durch einen Pflegedienst

Eine Alternative zur Pflege durch Angehörige ist ein ambulanter Pflegedienst, der die Grundpflege der pflegebedürftigen Person im häuslichen Umfeld vollzieht. In diesem Fall erfolgt die Abrechnung ab einem Pflegegrad 2 direkt über die Pflegesachleistungen der Pflegekasse.

Neben dem Entlastungsbetrag, der wie auch beim Pflegegeld unabhängig vom Pflegegrad für die häusliche Unterstützung aufgewendet werden kann, besteht die Möglichkeit, Leistungen der Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege zu nutzen, wenn Sie als Angehörige*r temporär verhindert sind.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2689 Euro
Pflegegrad 31.298 Euro
Pflegegrad 41.612 Euro
Pflegegrad 51.995 Euro


Teil. oder vollstationäre Grundpflege

Die Grundpflege ist ebenfalls Bestandteil der teil- oder vollstationären Pflege. Für die teilstationäre Pflege im Rahmen der Tages- oder Nachtpflege, die bei demenzkranken Menschen häufig genutzt wird, stehen weitere Beträge zur Verfügung, die noch einmal der Höhe der Sachleistungen entsprechen. Allerdings erfolgt keine Anrechnung auf in Anspruch genommene Sachleistungen, sodass Pflegekosten in der teilstationären Pflege zusätzlich durch die Pflegekasse finanziert werden, sofern es einen plausiblen Grund für die Leistungen gibt.

Ist eine vollstationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung erforderlich, gibt es eine weitere Differenzierung einzelner Pflegegrade. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Pflegekasse ausschließlich die Pflegekosten bis zum genannten Maximalbetrag trägt, die Kosten für Kost und Logis jedoch einen Eigenanteil der pflegebedürftigen Person darstellen. Dieser kann monatlich durchaus auch 2.000 Euro oder mehr betragen.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2770 Euro
Pflegegrad 31.262 Euro
Pflegegrad 41.775 Euro
Pflegegrad 52.005 Euro


Grundpflege durch eine 24-Stunden-Kraft

Oft ist die Einstellung einer 24-Stunden-Kraft, auch geläufig unter der Bezeichnung „polnische Pflegekraft“, eine Möglichkeit, dass eine pflegebedürftige Person weiterhin in den eigenen vier Wänden wohnen kann, gleichzeitig jedoch die Versorgung sichergestellt ist.

Nur selten verfügen diese Pflegekräfte, die für gewöhnlich in die Wohnung oder das Haus einziehen und so rund um die Uhr vor Ort sind, über eine Ausbildung, die der Qualifikation einer examinierten Pflegekraft entspricht. Damit ist es ihnen untersagt, Leistungen der Behandlungspflege durchzuführen, für die gegebenenfalls ein Pflegedienst engagiert werden muss.

Wohl aber erbringen die 24-Stunden-Kräfte die Leistungen der Grundpflege – und sind bei steigendem Pflegebedarf verhältnismäßig günstiger als ein ambulanter Pflegedienst, der mehrmals täglich kommt. Darüber hinaus ist die dauerhafte Anwesenheit der Unterstützungsperson für pflegebedürftige Personen sinnvoll, die beispielsweise Hilfe bei Toilettengängen benötigen, jedoch nicht immer ein*e Angehörige*r vor Ort ist.

Hilfsmittel für die Grundpflege nutzen

Immer wieder gibt es Faktoren, die die Pflege erschweren. Das kann beispielsweise das hohe Gewicht der Pflegeperson sein, Lähmungserscheinungen oder eine fortgeschrittene Demenz. Das führt zu neuen Herausforderungen bei der Pflege. Benötigen Sie Hilfsmittel, um die Pflegetätigkeit überhaupt bewerkstelligen zu können, stehen Ihnen weitere Gelder für Anpassungsmaßnahmen im eigenen Wohnraum zu. So kann die pflegebedürftige Person möglichst lange im häuslichen Umfeld leben – unabhängig davon, wer die Grund- und gegebenenfalls auch die Behandlungspflege übernimmt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Ein Ratgeber der Stiftung Warentest über die notwendigen Schritte, wenn ein Pflegefall eintritt – inklusive Hinweisen zur Entlastung pflegender Angehöriger: https://www.test.de/shop/gesundheit-kosmetik/schnelle-hilfe-im-pflegefall-sp0472/

Informationen zu den Pflegegraden vom Bundesgesundheitsministerium: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html#c4793

Definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes nach § 14 SGB XI: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html

Beispiele für Leistungskataloge aus den Bundesländern: https://drk-pflegeservice.de/ambulante-pflege/preise/ und http://www.krankenpflege-candidus.de/wp-content/uploads/2018/06/LK_01_01_20.pdf

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4 03, 2021

Behandlungspflege

2021-03-04T14:31:00+01:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Behandlungspflege

Die medizinische Behandlungspflege dient einerseits der ärztlichen Versorgung bei temporärem Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt oder um selbigen durch die Pflege im häuslichen Umfeld zu vermeiden. Andererseits ist im Rahmen der dauerhaften Pflege neben der Grundpflege auch die Behandlungspflege Teil pflegerischer Tätigkeiten. Aufgrund der verschiedenen Anwendungsbereiche unterscheiden sich die gesetzlichen Grundlagen sowie die Abrechnungsformen. Beiden gemein ist jedoch die ausschließliche Durchführung durch qualifizierte Pflegekräfte.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was ist Behandlungspflege?
  • Wer darf Behandlungspflege durchführen?
  • Behandlungspflege im häuslichen Umfeld
  • Leistungen ambulanter Pflegedienste im Rahmen der häuslichen Krankenpflege
  • Kosten der medizinischen Behandlungspflege
  • Finanzierung der Behandlungspflege über SGB XI
  • Fazit
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Leistungen der Behandlungspflege umfassen den medizinischen Bereich. Die Durchführung bleibt ausgebildeten Pflegekräften vorbehalten, die auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung handeln.
  • Da die Krankenkasse die Kosten der Behandlungspflege nach SGB V trägt, ist hier keine Anerkennung eines Pflegegrades erforderlich.
  • Findet die Behandlungspflege nach SGB XI im Rahmen der häuslichen Pflege durch einen Pflegedienst statt, rechnet dieser die Leistungen direkt mit der Kasse innerhalb der Pflegesachleistungen ab. Hierzu bedarf es einer Anerkennung des Pflegegrades.

Was ist Behandlungspflege?

In der Sozialgesetzgebung versteht man unter Behandlungspflege Tätigkeiten, die durch Pflegekräfte auf eine ärztliche Anordnung hin durchgeführt werden. Die Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses lautet dazu wie folgt:

„Behandlungspflege meint die von Ärzten an Pflegekräfte überantworteten medizinischen Maßnahmen, um Krankheiten zu bekämpfen, abzumildern oder darauf zurückgehende Beschwerden zu verringern.“

Dazu gehören Leistungen der Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege sowie der Altenpflege. Folgende Aufgaben sind darin beinhaltet:

  • Medikamentengabe
  • Verbandswechsel und Wundversorgung
  • Blutdruck- und -zuckermessung
  • ärztliche Assistenz
  • Injektionen
  • Katheterpflege und -wechsel

Die Durchführung der Behandlungspflege erfolgt entweder ambulant oder bei Pflegefällen auch stationär. Gesetzliche Regelungen zur häuslichen Krankenpflege finden sich in §§ 37, 132a SGB V sowie im Falle der Leistungen der Pflegeversicherung in §§ 12 Abs. 2, 36–40 SGB XI.

Behandlungspflege und Grundpflege

Der zweite pflegerische Bereich neben der Behandlungspflege ist die sogenannte Grundpflege. Diese umfasst alle pflegerischen Tätigkeiten der Grundversorgung – z. B. Körperpflege oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

BehandlungspflegeGrundpflege
  • Sicherung der medizinischen Versorgung
  • auf ärztliche Verordnung
  • zu Hause oder in einer stationären Einrichtung

» nur durch qualifizierte Pflegekräfte

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • hauswirtschaftliche Aufgaben

» auch durch pflegende Angehörige und unqualifizierte Pflegepersonen möglich


Allerdings sind beide Bereiche nicht streng voneinander getrennt zu sehen, sondern sollten im Rahmen der Pflege eher als ganzheitlicher Ansatz betrachtet werden. Denn sowohl der Begriff der Behandlungspflege als auch der der Grundpflege gilt in Deutschland als veraltet. Lehrbücher für Pflegeberufe lehnen den sich daraus resultierenden Dualismus seit 2004 zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ab. Dennoch haben Grund- und Behandlungspflege Eingang in § 37 SGB V gefunden und werden auch in SGB XI umschrieben.

Wer darf Behandlungspflege durchführen?

Anders als die Grundpflege, die auch von nicht qualifizierten Pflegepersonen durchgeführt werden kann, ist für die Behandlungspflege eine Qualifizierung erforderlich: Maßnahmen der Behandlungspflege dürfen sowohl in der häuslichen Pflege als auch in stationären Einrichtungen ausschließlich durch Pflegefachkräfte mit einer entsprechenden Fachausbildung durchgeführt werden.

Diese setzt für Leistungen nach SGB V eine mindestens dreijährige Ausbildung samt Examen in der Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder aber ein pflegewissenschaftliches Studium voraus. Daneben steht es auch Helfer*innen und Assistent*innen mit ausreichend Berufserfahrung frei, sich in einem Aufbaulehrgang „Behandlungspflege“ zu den Leistungsgruppen 1 und 2 weiterzubilden. Mit dieser Qualifizierung sind sie berechtigt, unter Aufsicht einer delegierenden Fachkraft behandlungspflegerische Aufgaben zu übernehmen.

24-Stunden-Pflegekräfte (polnische Pflegekräfte) sind in der Regel nicht qualifiziert, um Maßnahmen der Behandlungspflege durchzuführen. Sie leisten allerdings eine wertvolle Unterstützung bei der Grundpflege im Alltag – für medizinische Pflegemaßnahmen ist gegebenenfalls die Hinzuziehung eines ambulanten Pflegedienstes dienlich.

Behandlungspflege im häuslichen Umfeld

In einer stationären Einrichtung ist die medizinische Versorgung lückenlos gewährleistet. Doch kann die Behandlungspflege auch im häuslichen Umfeld erfolgen. Das ist der Fall, wenn ein Mensch z. B. aus dem Krankenhaus entlassen wird, jedoch für einen längeren Zeitraum im Bett verbleiben muss und auch Wunden zu versorgen sind.

Umgekehrt kann ein Arzt die Behandlungspflege verordnen, um so einen Krankenhausaufenthalt zu verhindern. Entsprechend unterscheidet man drei Formen der Behandlungspflege:

  • medizinische Behandlungspflege auf ärztliche Verordnung
  • Sicherungspflege, die teilweise um Leistungen der Grundpflege ergänzt wird
  • Krankenhausverhinderungspflege

Die Aufgaben der Behandlungspflege im häuslichen Umfeld übernimmt für gewöhnlich ein ambulanter Pflegedienst, der sich gleichzeitig auch um die Grundpflege und andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten kümmern kann.

Leistungen ambulanter Pflegedienste im Rahmen der häuslichen Krankenpflege

In der Regel deckt ein ambulanter Pflegedienst sowohl Leistungen der Grundpflege als auch der Behandlungspflege ab. In der häuslichen Krankenpflege sind die Bereiche der Behandlungspflege, Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung drei Säulen der ganzheitlichen Pflege nach SGB V.

Die Leistungen im Bereich der Behandlungspflege von pflegebedürftigen Menschen sind beispielsweise:

  • Wechsel von Verbänden und Wundversorgung
  • Beobachtung der erkrankten Person
  • An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen
  • Stomabehandlung
  • Portversorgung
  • Bedienung eines Beatmungsgerätes
  • Blutzucker- und Blutdruckmessung
  • medizinische Einreibungen
  • dermatologische Bäder
  • Dekubitusbehandlung
  • Medikamentengabe
  • Infusionen und Injektionen
  • Katheterversorgung

Zur Grundpflege zählen dann Bereiche alltäglicher Grundbedürfnisse wie:

  • Ernährung
  • Körperpflege
  • Mobilität

Die dritte Säule der häuslichen Krankenpflege ist die hauswirtschaftliche Versorgung, d. h. „Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Anforderungen einer eigenständigen Haushaltsführung allgemein notwendig sind“. Dazu gehören z. B. die Reinigung der Wohnung, Wäsche waschen oder auch das Einkaufen.

Leistungsgruppen der Behandlungspflege

Konkret werden die Leistungen der Behandlungspflege auf Grundlage der Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege in vier Gruppen unterteilt:

LeistungsgruppeBeispiele
1 – Behandlungspflege einfacher Art mit geringem Aufwand
  • Blutzuckermessung
  • Blutdruckmessung
  • Einstellen des Beatmungsgeräts
  • Insulininjektionen
2 – Einfache Pflegemaßnahmen mit höherem Aufwand
  • Anziehen von Kompressionsstrümpfen (ab Kompressionsklasse I),
  • dermatologische Bäder oder Flüssigkeitsbilanzierung
  • Injektionen
  • Inhalation
3 – Pflegemaßnahmen mit höherem Aufwand bzw. qualifizierter Art
  • Versorgung und Überprüfung von Blasenspülung
  • Anlegen bzw. Wechseln von Kompressionsverbänden
  • Wechseln oder Entfernen eines Katheters
  • Absaugen der oberen Atemwege
4 – Behandlungspflege besonders zeitaufwendiger Art bzw. hoher erforderter Sachkunde
  • Versorgung eines Dekubitus Grad 3
  • Einlauf
  • Legen bzw. Wechseln einer Magensonde


Quelle: https://www.allianz.de/gesundheit/pflegeversicherung/behandlungspflege/

Kosten der medizinischen Behandlungspflege

Die Kosten der Behandlungspflege hängen von den erforderlichen Leistungen ab. Ob hier eine häusliche Krankenpflege oder lediglich die Behandlungspflege notwendig erscheint, entscheidet Ihr Arzt.

Entscheidend für die Übernahme der Kosten der Behandlungspflege ist das zugrunde liegende Sozialgesetzbuch. SGB V regelt die häusliche Krankenpflege auf eine ärztliche Verordnung hin, während in SGB XI die Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung festgelegt sind.

Krankenpflege nach SGB V

In jedem Fall muss die Krankenkasse die Notwendigkeit der Behandlungspflege auf eine ärztliche Verordnung hin anerkennen und bewilligen. Ist das der Fall, kann die pflegebedürftige Person mit diesem Schreiben einen Pflegedienst beauftragen, der die Leistungen dann direkt mit der Krankenkasse abrechnet.

Im Bedarfsfall genehmigt die Krankenkasse zunächst eine Behandlungspflege für 14 Tage. Ist eine Folgebehandlung notwendig, muss der behandelnde Arzt diese anhand des Gesundheitszustandes begründen.

Die Krankenhausverhinderungspflege wiederum ist für vier Wochen gültig. Ist der medizinische Bedarf auch darüber hinaus gegeben, beurteilt der MDK die Situation und kann für eine Dauer von bis zu sechs Monaten einen Pflegegrad festlegen.

Versicherte gesetzlicher Krankenkassen müssen ab einem Alter von 18 Jahren einen Eigenanteil von 10 Prozent der anfallenden Kosten bei einer maximalen Dauer von 28 Tagen im Jahr und begrenzt auf 10 Euro pro Tag für jede Verordnung zuzahlen. Hiervon befreit sind Menschen mit einer chronischen Erkrankung, Empfänger*innen der Grundsicherung im Alter sowie Frauen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Befreit werden auch Menschen, bei denen die Zuzahlungsgrenze von einem Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens erreicht ist, wobei der Gesetzgeber hier das Einkommen eines gesamten Haushalts zugrunde legt.

Abrechnung ambulanter Pflege nach SGB XI

Bei einer dauerhaften Behandlungspflege im Pflegefall erfolgt die Abrechnung über die Pflegekasse. Die Kosten bei der Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes lassen sich über die Pflegesachleistungen abrechnen, in einer stationären Einrichtung über den Satz der vollstationären Pflege.

Voraussetzung für die Abrechnung über die Pflegekasse ist ein anerkannter Pflegegrad ab 2 sowie ein bewilligter Antrag. Obligatorisch ist zudem ein sogenannter Leistungsnachweis, den der Pflegedienst zu jeder pflegebedürftigen Person führt und in dem alle vollzogenen Tätigkeiten dokumentiert sind. Die von Pflegeperson und Patient*innen unterzeichneten Leistungsnachweise sind schließlich die Grundlage für die Abrechnung mit der Pflegekasse.

Finanzierung der Behandlungspflege über SGB XI

Bei der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen, die auch die medizinisch erforderliche Behandlungspflege beinhalten, können Sie diese als Pflegesachleistungen abrechnen, wenn ein Pflegedienst die Leistungen durchführt. Die Höhe der Maximalbeträge ist abhängig vom Pflegegrad.

Daneben können Sie auch den Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro zur Finanzierung der Behandlungspflege heranziehen. Dieser ist bereits ab einem Pflegegrad 1 zweckgebunden für Leistungen der Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege, ambulanter Pflegedienste oder auch für Unterstützungsangebote im Alltag nutzbar,

Nehmen Sie gegebenenfalls auch die Verhinderungspflege sowie Zuzahlungen im Rahmen der Tages- und Nachtpflege zur Finanzierung der Behandlungspflege wahr.

Darüber hinaus erfolgt die Behandlungspflege auch in stationären Einrichtungen. Hier findet die Abrechnung ebenfalls über die Pflegekasse statt. Beachten Sie hierbei jedoch, dass bei einer stationären Unterbringung nur die Pflegekosten durch die Pflegekasse getragen werden, nicht jedoch die Kosten für Kost und Logis oder die Investitionskosten.

Die folgende Tabelle bildet die Zuzahlung der Pflegekasse nach Pflegegraden (PG) ab.

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Sachleistungen 689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Entlastungsbetrag125 €125 €125 €125 €125 €
Tages- und Nachtpflege 689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Kurzzeitpflege 1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
Verhinderungspflege 1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
stationäre Pflege 770 €1.262 €1.775 €2.005 €

Fazit

Bei der Durchführung der Behandlungspflege ist zunächst entscheidend, ob die Maßnahmen nur temporär erforderlich sind oder innerhalb einer allgemeinen Pflegebedürftigkeit stattfinden. Ist diese gegeben, ist ein anerkannter Pflegegrad eine Grundvoraussetzung, um die Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen zu können. Sprechen Sie die Erfordernis der Behandlungspflege in jedem Fall mit einem Arzt ab, der die Notwendigkeit verordnen muss. Erst wenn die Pflegekasse Maßnahmen bewilligt, stehen Ihnen verschiedene Finanzierungsformen über die Kostenübernahme zur Verfügung, die bei den Sachleistungen nicht nach Grund- oder Behandlungspflege unterscheidet.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Die häusliche Krankenpflege im SGB V: § 37 http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__37.html und § 132a http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__132a.html

Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses SGB V: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/92.html

Das neue Formular zur Verordnung über die häusliche Krankenpflege: https://www.kbv.de/html/1150_46344.php

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3 03, 2021

Aktivierende Pflege

2021-03-04T14:32:55+01:00März 3rd, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Aktivierende Pflege

Lange überwog in der Pflege das Paradigma „warm – satt – sauber“. Alltägliche Aktivitäten der pflegebedürftigen Personen wurden übernommen und nicht hinterfragt, ob sie in der Lage wäre, diese selbst auszuführen. Der Mensch wurde kaum als Individuum wahrgenommen. Dieser Ansatz des „Verwahrens und Erhaltens“ gehört inzwischen mehr und mehr der Vergangenheit an und wird durch neue Pflegeansätze ersetzt. Die aktivierende Pflege stellt eine alltägliche Pflegepraxis dar, die dem Erhalt und der Förderung der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit dient. Als Hilfe zur Selbsthilfe stärkt sie das Selbstbewusstsein pflegebedürftiger Personen und zeigt Wege auf, wie sich der Alltag entweder allein oder mit Unterstützung gestalten lässt.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Aufgaben der aktivierenden Pflege
  • Inhalte der aktivierenden Pflege
  • Aktivierende Pflege in der Praxis
  • Hilfsmittel unterstützen die Selbstständigkeit
  • Probleme in der Praxis
  • Abgrenzung zu anderen Pflegeformen
  • Tipps für die aktivierende Pflege Angehöriger
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die aktivierende Pflege gehört inzwischen fest zum Leitbild von Pflegeeinrichtungen und -diensten. Sie zielt auf den Erhalt oder das Wiedererlangen der Selbstständigkeit bei alltäglichen Aufgaben ab.
  • Die aktivierende Pflege erfordert zunächst etwas Geduld und Zeit. Sie wirkt sich langfristig allerdings positiv aus, da weniger Aufgaben durch die Pflegeperson übernommen werden müssen.
  • Zur Unterstützung bei der Verrichtung alltäglicher Aufgaben besteht ein Anspruch auf Hilfsmittel. Die Pflegekasse steuert hier monatlich bis zu 40 Euro bei.

Aufgaben der aktivierenden Pflege

Das Ziel der aktivierenden Pflege ist die Aufrechterhaltung oder Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag. Verankert war dieser Anspruch in § 28 (4) SGB XI, ist seit Anfang 2017 jedoch in § 2 SGB XI in die Selbstbestimmung integriert.

(1) Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen den Pflegebedürftigen helfen, trotz ihres Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Hilfen sind darauf auszurichten, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Pflegebedürftigen, auch in Form der aktivierenden Pflege, wiederzugewinnen oder zu erhalten.

Sie folgt dabei dem Grundsatz

  • körperliche
  • geistige
  • emotionale
  • soziale

Fähigkeiten aktiv zu fördern. Dies ist nicht nur Aufgabe professioneller Pflegekräfte in stationären Einrichtungen, sondern auch ambulanter Pflegedienste. Dabei findet eine Integration in die Grund- und Behandlungspflege statt. Und auch pflegende Angehörige können die aktivierende Pflege in den Alltag einbeziehen.

Neben der Selbstständigkeit stärkt die aktivierende Pflege das Selbstbewusstsein der Personen, das durch körperliche und / oder geistige Einschränkungen nicht selten beeinträchtigt ist. Das wiederum kann sich positiv auf soziale Kontakte und die psychische Verfassung auswirken.

Inhalte der aktivierenden Pflege

Die aktivierende Pflege setzt in verschiedenen Lebensbereichen an. Allen gemein ist, dass die vorhandenen Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person einbezogen und permanent gefordert werden. Die Unterstützung durch die Pflegeperson findet so wenig wie möglich, jedoch so viel wie nötig statt. Dadurch erzielt die aktivierende Pflege einen wiederkehrenden Übungseffekt, der verhindert, dass die körperlichen und geistigen Kompetenzen aufgrund von Nichtbeanspruchung nachlassen.

Aktivierende Pflege in der Praxis

Bei der aktivierenden Pflege ist es wichtig, sowohl Überforderung als auch Unterforderung zu vermeiden. Dafür braucht es beidseitige Geduld und in der Durchführung sollte kein Zeitdruck einhergehen.

Ein wichtiges Stichwort ist hier die sogenannte Adaptionszeit, d. h. „die Zeit von der Aufforderung zu einer Handlung bis zur Reaktion darauf. Man kann auch sagen, die Adaptionszeit ist die Zeit, die wir brauchen, um einen Reiz wahrzunehmen und um darauf zu reagieren“ (Prell 2002, http://www.senioren-wohngemeinschaft-eitorf.de/_pflege/pflegemodell_boehm.pdf).

Die Adaptionszeit kann sich in der Erwartung der Pflegeperson und der zu pflegenden Person durchaus deutlich unterscheiden. Da dies gerade für Laien nicht immer leicht zu ertragen und umzusetzen ist, gibt es spezielle Kurse, um grundlegende Techniken zu erlernen. Termine finden Sie beispielsweise bei sozialen Einrichtungen oder Wohlfahrtsverbänden.

Neben der Bewältigung alltäglicher Aufgaben im Beisein einer Pflegeperson ist es sinnvoll, der pflegebedürftigen Person „Hausaufgaben“ mit auf den Weg zu geben, sodass diese auch in Abwesenheit einer Pflegeperson weiter an ihren Fähigkeiten arbeiten kann. Die Voraussetzung für aktivierende Pflege ist damit, dass die pflegebedürftigen Personen kognitiv in der Lage sind, Erklärungen zu verstehen und umzusetzen.

Planung der aktivierenden Pflege

Es ist nicht zielführend, die aktivierende Pflege ohne vorherige Planung umzusetzen. Schließlich sollte sie an den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person ausgerichtet sein, sodass es im Vorfeld einige Fragen zu klären gilt:

  • Welche Aufgaben kann die Person selbst ausführen?
  • Wo sind Beaufsichtigung oder auch aktive Unterstützung erforderlich?

Welche Vorbereitungen sind für einen optimalen Ablauf notwendig?

Hilfsmittel unterstützen die Selbstständigkeit

Zur Förderung der Selbstständigkeit sind manchmal einige Hilfsmittel notwendig, die dazu beitragen, dass keine weitere externe Hilfe mehr erforderlich ist. Das kann ein Rollator für die Fortbewegung sein oder Utensilien, um selbstständig essen und trinken zu können. Die Pflegekasse übernimmt hier monatlich bis zu 40 Euro für Hilfsmittel.

Das Hilfsmittel sollte dabei mit Bedacht gewählt werden. Es sollte darauf ausgerichtet sein, das Wiedererlernen von Fähigkeiten zu unterstützen beziehungsweise vorhandene Fähigkeiten zu fördern – jedoch keinesfalls vorhandene Fähigkeiten durch überflüssige Maßnahmen ersetzen.

Mögliche Hilfsmittel sind hier:

  • Bewegungshilfen
  • Betttisch
  • Rollstuhl
  • Badewannen- oder Duschsitze
  • Haltegriffe
  • Greifzangen
  • Ess- und Trinkhilfen
  • Strumpfanzieher

Sollten Umbaumaßnahmen zur Barrierefreiheit in der Wohnung erforderlich sein, damit sich die pflegebedürftige Person selbstständig in der Wohnung bewegen kann, leistet die Pflegekasse auch hier finanzielle Unterstützung von bis zu 4.000 Euro je Maßnahme.

Möchten Sie die aktivierende Pflege bei Angehörigen im Alltag umsetzen, bieten einige Einrichtungen und Verbände spezielle Kurse an, die grundlegende Techniken vermitteln.

Probleme in der Praxis

So erstrebenswert die aktivierende Pflege auch ist und daher in zahlreichen Leitbildern fest verankert ist – in der Praxis scheitert die Durchführung bei professionellen Pflegekräften nicht selten am Zeitmangel. Schließlich kostet es zumindest anfänglich deutlich mehr Zeit, eine Person mit Einschränkungen des Bewegungsapparats alleine essen zu lassen als sie zu füttern. Allerdings zahlt sich die Mühe langfristig aus, da sich der Hilfebedarf deutlich reduziert.

Manchmal hat die pflegebedürftige Person schlichtweg auch ein Verlangen danach, umsorgt zu werden. Hier sind eine deutliche Kommunikation und Absprache wichtig, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Hilfreich kann dabei sein, die Vorteile der aktivierenden Pflege aufzuzeigen und die pflegebedürftige Person zu ermutigen, sich aktiv an der Alltagsgestaltung zu beteiligen.

Abgrenzung zu anderen Pflegeformen

Als Abgrenzung zur aktivierenden Pflege gibt es unterschiedliche Pflegeformen, die sich teilweise speziell an Demenzkranke oder Menschen mit neurologischen Erkrankungen richten.

Die kompensatorische Pflege

Bei der kompensatorischen Pflege bleibt die pflegebedürftige Person passiv, was dazu führt, dass sie früher oder später ihre Fähigkeiten verlernt und der Hilfebedarf weiter ansteigt. Der Ansatz ist auch als „warm – satt – sauber“ bekannt und besagt, dass eine pflegebedürftige Person ausreichend Nahrung hat, gewaschen ist und keinerlei psychische Schäden erleidet. Allerdings bleibt hier das Individuum auf der Strecke. Bei der pflegebedürftigen Person entsteht ein Gefühl der Wertlosigkeit aufgrund der Abhängigkeit, sie werden ohne Berücksichtigung ihrer Wünsche und eigenen Bedürfnisse verwahrt und erhalten. Aufgrund dieser Nachteile gilt die Pflegeform inzwischen nicht mehr als erstrebenswert.

Das Pflegemodell nach Böhm

Erwin Böhm gilt als einer der bedeutenden Forscher auf dem Gebiet der Pflegewissenschaften. In seinem Pflegemodell fokussiert er sich auf ältere, an Demenz erkrankte Menschen und stellt deren Biografien in den Mittelpunkt – basierend auf der These, dass Menschen mit zunehmendem Alter Bewältigungsstrategien nutzen, die sie in den ersten 30 Lebensjahren erworben haben. Daraus resultieren vier Grundannahmen über den Menschen:

  • individuelle Prägung
  • Leben in einer eigenen Alltagsnormalität
  • Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen
  • Wunsch, gebraucht zu werden

Durch die Orientierung an der Biografie ist ebenfalls die Förderung eines selbstbestimmten Lebens möglich, wenngleich die Reaktivierung durch Impulse aus der Biografie vor allem auch einen geringeren Einsatz von Psychopharmaka und die Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen, z. B. bei Demenzerkrankten, zum Ziel hat (LINK).

Das Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein kinästhetisches Konzept, das für Patient*innen mit halbseitiger Lähmung oder anderen neurologischen Erkrankungen entwickelt wurde. Die beeinträchtigte Körperhälfte soll während der Übungen aktiv in die Bewegungsabläufe einbezogen werden, um eine Kompensation durch die gesunde Körperhälfte zu vermeiden. Das Konzept basiert dabei auf dem Ansatz des lebenslangen Lernens des Nervensystems, wonach die Übungen auf eine Verbesserung der neurologischen Leistung abzielen. Ziele sind auch hier die einfachere Bewältigung des Alltags und das Wiedererlangen einer eigenverantwortlichen Lebensqualität. Allerdings handelt es sich hier um eine rehabilitative Maßnahme, die zeitlich begrenzt ist.

Rehabilitative Pflege

Wenngleich auch hier neben den therapeutischen Maßnahmen aktivierende Elemente von Bedeutung sind, um eine selbstständige Lebensführung zurückzugewinnen, liegt der rehabilitativen Pflege stets eine Diagnose zugrunde, die an eine medizinische Indikation und einen Therapieplan geknüpft ist, d. h., auch einen konkreten Hilfebedarf voraussetzt. Die Reha-Maßnahme ist damit zeitlich begrenzt.

Tipps für die aktivierende Pflege Angehöriger

  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person in alle Entscheidungen mit ein und richten Sie die Pflege an ihren Bedürfnissen aus.
  • Nehmen Sie an einem Pflegekurs teil, der wichtiges Grundwissen zur aktivierenden Pflege vermittelt.
  • Üben Sie sich in Geduld.
  • Vermeiden Sie Überforderungen der pflegebedürftigen Person. Entscheiden Sie gemeinsam, wo Unterstützung wirklich notwendig ist und reflektieren Sie Ihr Handeln dahingehend immer wieder.
  • Fördern Sie die Bewegung und Aktivität der pflegebedürftigen Person.
  • Passen Sie die Wohnung an die Pflegesituation an, sodass die pflegebedürftige Person sich möglichst selbstständig bewegen kann.
  • Nehmen Sie gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie feststellen, dass Sie mit der Pflegesituation überfordert sind.
  • Vernachlässigen Sie Ihre eigene Gesundheit nicht und schaffen Sie sich ausreichend Freiräume. Gute Pflege setzt immer auch eine gute Selbstpflege voraus.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Hier finden Sie ein Beispiel für die aktivierende Körperpflege bei Angehörigen: LINK

Eine ausführliche Beschreibung des Konzepts nach Bobath: LINK

Tipps der DAK für die Pflege zu Hause inklusive Tipps zur Auswahl geeigneter Hilfsmittel: LINK

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14 02, 2021

Pflegegrade und die Pflegebedürftigkeit

2021-03-04T14:55:34+01:00Februar 14th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrade und die Pflegebedürftigkeit

Zum 1. Januar 2017 ist das zweite Pflegestärkungsgesetz in Kraft getreten und somit der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff gültig. Demnach ist ein Mensch pflegebedürftig, der bestimmte Tätigkeiten nicht mehr selbstständig erledigen kann und auf Hilfe anderer angewiesen ist. Dies gilt für Menschen mit geistigen oder psychischen Einschränkungen und Menschen, die körperlich beeinträchtigt sind.

Unter dem Neuen Begutachtungsassessment (abgekürzt: NBA) versteht man das neue Begutachtungsverfahren: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) schätzt die Pflegebedürftigkeit eines Menschen ein und übernimmt die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.

Bei dieser Untersuchung betrachtet der Gutachter sechs Lebensbereiche (Module) eines Menschen und vergibt für jedes Modul Punkte. Danach erfolgt die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was bedeuten die Bezeichnungen „24-Stunden-Pflege“ oder „24-Stunden-Betreuung“?
  • Leistungen der 24-Stunden-Pflege bzw. -Betreuung
  • Für wen eignet sich die 24-Stunden-Pflege?
  • Anstellungsmodelle einer 24-Stunden-Pflegekraft
  • Kosten der 24-Stunden-Pflege
  • Finanzierung der 24-Stunden-Pflege
  • Legale Anmeldung der 24-Stunden-Pflegekraft
  • Vorteile einer 24-Stunden-Betreuung
  • Alternativen zur 24-Stunden-PflegeWeiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 24-Stunden-Pflege erfolgt im häuslichen Umfeld. Dabei zieht eine Pflegekraft in die Räumlichkeiten der pflegebedürftigen Person ein und ist so rund um die Uhr vor Ort.
  • Die meist osteuropäischen Pflegekräfte verfügen in der Regel nicht über die Qualifikation einer examinierten Pflegefachkraft, sodass sie keine medizinischen Leistungen der Behandlungspflege durchführen dürfen.
  • Es gibt drei unterschiedliche Modelle, um eine Pflegekraft zu beschäftigen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Ihrer Pflichten als Arbeitgeber, zudem variieren die monatlichen Kosten je nach Modell erheblich.

Antrag bei der Pflegekasse

Der Antrag auf Pflegegrad wird bei der Pflegekasse gestellt. Per Brief, E-Mail oder Fax genügt ein formloser Satz wie beispielsweise „Hiermit stelle ich einen Antrag auf Leistungen der Pflegekasse“. Der Antrag muss von der betroffenen Person selbst oder gegebenenfalls von ihrem gesetzlichen Betreuer unterschrieben werden. Im Fall einer Bevollmächtigung ist eine entsprechende Vollmacht erforderlich.

Wird der Antrag telefonisch gestellt, erhält man Unterlagen, darunter ein Formular, das ausgefüllt und unterschrieben an die Pflegekasse zurückgeschickt werden muss.

Begutachtung durch den Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK)

Nachdem der Antrag bei der Pflegekasse eingegangen ist, kündigt der regional zuständige MDK seinen Besuch zur Begutachtung an. Die Untersuchung findet grundsätzlich im Zuhause des Antragstellers statt und kann bis zu einer Stunde dauern. Wie Sie sich auf diesen Termin vorbereiten können, erfahren Sie in unserem Ratgeberartikel „Vorbereitung auf das Begutachtungsverfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit“.

Der Gutachter erfasst zunächst persönliche Daten des Antragstellers, zum Beispiel:

  • Alter, Gewicht, Größe usw.
  • Krankengeschichte
  • aktuelle Medikamenteneinnahme und Dosierung

Das Punktesystem des Neuen Begutachtungsassessments (NBA)

Im nächsten Schritt ist der MDK-Mitarbeiter gefordert, die Selbstständigkeit und Fähigkeiten im Alltag einzuschätzen und nach einem Punktesystem zu bewerten. Dafür betrachtet er sechs Lebensbereiche (Module):

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Jedes der sechs Module beinhaltet verschiedene Kriterien, die jeweils mit null bis drei Punkten versehen werden. Dabei gilt das Prinzip: Je unselbstständiger der Gutachter einen Menschen einschätzt, desto höher fällt die Punktzahl aus. Wer zum Beispiel selbstständig Treppen steigen kann, erhält null Punkte. Ist jemand dabei auf Hilfe anderer angewiesen, bewertet der Gutachter das mit drei Punkten.

selbstständig0 Punkte
überwiegend selbstständig1 Punkt
überwiegend unselbstständig2 Punkte
unselbstständig3 Punkte


Die einzelnen Punkte werden addiert, wobei die Module unterschiedlich stark ins Gewicht fallen.

Modul 1Mobilität10 Prozent
Modul 2Kognitive und kommunikative Fähigkeiten15 Prozent*
Modul 3Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Modul 4Selbstversorgung40 Prozent
Modul 5Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen20 Prozent
Modul 6Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte15 Prozent


* Bei Modul 2 und 3 geht nur der höhere Punktewert in die Berechnung ein.

Am Ende ergibt sich ein Gesamtpunktewert, von dem der Pflegegrad abgeleitet wird:

Pflegegrad 112,5 bis unter 27 Punkte
Pflegegrad 227 bis unter 47,5 Punkte
Pflegegrad 347,5 bis unter 70 Punkte
Pflegegrad 470 bis unter 90 Punkte
Pflegegrad 590 bis 100 Punkte

Übersicht der Module

Modul 1: Mobilität

Im ersten Schritt untersucht der Gutachter die Bewegung. Wie gut kann der Antragsteller sich bewegen? Kann er selbstständig Treppen laufen?

selbstständig0 Punkte
überwiegend selbstständig1 Punkt
überwiegend unselbstständig2 Punkte
unselbstständig3 Punkte


Folgende Fähigkeiten werden bewertet:

  • Positionswechsel im Bett
  • Halten einer stabilen Sitzposition
  • Umsetzen
  • Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs
  • Treppensteigen

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Kann sich der Antragsteller noch an wesentliche Ereignisse erinnern? Erkennt er Risiken und Gefahren?

Fähigkeit vorhanden/unbeeinträchtigt0 Punkte
Fähigkeit größtenteils vorhanden1 Punkt
Fähigkeit in geringem Maß vorhanden2 Punkte
Fähigkeit nicht vorhanden3 Punkte


Nach diese und Kriterien bewertet der MDK-Mitarbeiter das Denken und Sprechen:

  • Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld
  • Örtliche Orientierung
  • Zeitliche Orientierung
  • Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen
  • Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen
  • Treffen von Entscheidungen im Alltag
  • Verstehen von Sachverhalten und Informationen
  • Erkennen von Risiken und Gefahren
  • Mitteilen von elementaren Bedürfnissen
  • Verstehen von Aufforderungen
  • Beteiligen an einem Gespräch

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Ist der Antragsteller oft wütend? Oder traurig und antriebslos? Bei dieser Untersuchung erfasst der Gutachter die Häufigkeit, in der die jeweiligen Verhaltensweisen auftreten.

nie oder selten0 Punkte
selten (ein- bis dreimal innerhalb von zwei Wochen)1 Punkt
häufig (zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich)2 Punkte
täglich3 Punkte
  • Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
  • Nächtliche Unruhe
  • Selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten
  • Beschädigen von Gegenständen
  • Physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen
  • Verbale Aggression
  • Andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten
  • Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen
  • Wahnvorstellungen
  • Ängste
  • Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage
  • Sozial inadäquate Verhaltensweisen
  • Sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen

Modul 4: Selbstversorgung

Wie selbstständig kann der Antragsteller sich selbst versorgen? Beispielweise sich allein duschen, an- und ausziehen. Bei der Erteilung eines Pflegegrades hat der Bereich Selbstversorgung mit 40 Prozent den größten Einfluss.

selbstständig0 Punkte
überwiegend selbstständig1 Punkt
überwiegend unselbstständig2 Punkte
unselbstständig3 Punkte
  • Waschen des vorderen Oberkörpers
  • Körperpflege im Bereich des Kopfes
  • Waschen des Intimbereichs
  • Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare
  • An- und Auskleiden des Oberkörpers
  • An- und Auskleiden des Unterkörpers
  • Mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken
  • Essen
  • Trinken
  • Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls
  • Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit Dauerkatheter und Urostoma
  • Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma

Modul 5: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Wie kommt der Versicherte mit seiner Krankheit zurecht? Kann er Arztbesuche allein wahrnehmen? Der MDK-Gutachter untersucht auch den Umgang mit Krankheit und Medikamenten.

In diesem Modul werden die Kriterien, wie auch im Modul 3, anhand der Häufigkeit bewertet, in der die Maßnahme in Anspruch genommen werden muss. Jedoch erfolgt die Punktevergabe abhängig von der jeweiligen Maßnahme auf Basis einer monatlichen, wöchentlichen oder täglichen Häufigkeit.

  • Medikation
  • Injektionen (unter die Haut oder in einen Muskel)
  • Versorgung intravenöser Zugänge (z.B. Port)
  • Absaugen und Sauerstoffgabe
  • Einreibungen oder Kälte- und Wärmeanwendungen
  • Messung und Deutung von Körperzuständen wie Blutdruck, Blutzucker, Puls etc.
  • Körpernahe Hilfsmittel
  • Verbandswechsel und Wundversorgung
  • Versorgung mit Stoma
  • Regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden
  • Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
  • Zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung
  • Arztbesuche
  • Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (bis zu drei Stunden)
  • Zeitlich ausgedehnte Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen (länger als drei Stunden)
  • Einhaltung einer Diät und anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltens-vorschriften

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Wie gut kann der Antragsteller sich allein beschäftigen oder planen, was er tagsüber machen will? Mit anderen Menschen in Kontakt treten und den Tag planen stehen hier im Mittelpunkt.

selbstständig0 Punkte
überwiegend selbstständig1 Punkt
überwiegend unselbstständig2 Punkte
unselbstständig3 Punkte
  • Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen
  • Ruhen und Schlafen
  • Sich beschäftigen
  • Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen
  • Interaktion mit Personen im direkten Kontakt
  • Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds

Modul 7 und 8: Außerhäusliche Aktivitäten und Haushaltsführung

Diese beiden Module fließen nicht in die Berechnung des Pflegegrades ein, sondern dienen der Versorgung mit Hilfs- oder Pflegemitteln.

Bescheid der Pflegekasse

Nach der Untersuchung leitet der MDK das Gutachten an die Pflegekasse weiter, die die Einstufung in einen Pflegegrad bestimmt. Der Bescheid darüber mit einer Kopie des MDK-Gutachtens wird dem Antragsteller schriftlich zugestellt.

Widerspruch

Gegen die Entscheidung der Pflegekasse kann Widerspruch eingelegt werden. Binnen welcher Frist und wie steht im Bescheid unter Rechtsbehelfsbelehrung.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Informationen zur 24-Stunden-Betreuung in Österreich: https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=175

Über besondere Einschränkungen und Maßnahmen während der Corona-Pandemie informiert die Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-zu-hause/corona-und-die-haeusliche-24stundenbetreuung-47270

Tipps der Caritas, um eine Ausbeutung der Pflegekräfte zu vermeiden: https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/alter/pflege/haushaltshilfen-legal-beschaeftigen

Stiftung Warentest hat Vermittlungsagenturen getestet: https://www.test.de/Pflege-Betreuungskraft-aus-Osteuropa-die-besten-Vermittler-5170957-0/

Die DIN SPEC 33454 zur Qualität in der 24-Stunden-Pflege: beuth.de/de/technische-regel/din-spec-33454/333098011

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14 02, 2021

Vorsorgevollmacht

2021-03-04T14:58:50+01:00Februar 14th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Vorsorgevollmacht

Ein Unfall, Demenz oder andere Krankheiten können eine Situation herbeiführen, in der Sie oder eine angehörige Person nicht mehr in der Lage sind, Rechtsgeschäfte auszuüben oder tragfähige Entscheidungen zu treffen. Der Abschluss einer Vorsorgevollmacht sorgt für diesen Worst Case vor und legt fest, wer dann medizinische Entscheidungen treffen, Bankgeschäfte durchführen oder über Ihren Aufenthaltsort bestimmen darf.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was ist eine Vorsorgevollmacht?
  • Für wen ist der Abschluss einer Vorsorgevollmacht sinnvoll?
  • Wahl des Vollmachtgebers
  • Geltungsbereich der Vollmacht
  • Abschluss der Vorsorgevollmacht
  • Ergänzungen zur Vorsorgevollmacht
  • Fazit
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Vorsorgevollmacht legt fest, wer Entscheidungen für Sie trifft, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind.
  • Da auch Kinder oder Lebens- bzw. Ehepartner dieses Recht nicht automatisch haben, empfiehlt sich der Abschluss einer derartigen Vollmacht für jede erwachsene Person, die verhindern will, dass gegebenenfalls ein gesetzlich berufener Betreuer Entscheidungen trifft.
  • Eine Alternative zur Vorsorgevollmacht kann die Betreuungsverfügung sein. Aufgrund der Kontrolle durch ein Gericht besteht bei dieser ein geringeres Missbrauchspotenzial.
  • Wenngleich eine notarielle Beurkundung nicht verpflichtend ist, erscheint diese dennoch ratsam, um die Seriosität zu steigern.

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Durch eine Vorsorgevollmacht beauftragt eine Person, der Vollmachtgeber, eine andere, „als Vertreter in seinem Interesse zu handeln, falls er selbst nicht mehr entscheiden kann“. (Stiftung Warentest)

Der Abschluss dieser Vollmacht muss im Vollbesitz der geistigen Kräfte erfolgen, d. h., Voraussetzung für die Benennung eines Bevollmächtigten sind ein klarer Verstand und eine bewusste Entscheidung. Einzelheiten sind in §§ 1896 ff. BGB geregelt.

Für wen ist der Abschluss einer Vorsorgevollmacht sinnvoll?

Die Vorsorgevollmacht eignet sich keineswegs nur für alte Menschen, bei denen Demenz oder Pflegebedürftigkeit drohen. Schließlich kann jeder durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit in die Lage geraten, keine eigenen Entscheidungen mehr treffen zu können.

Während bei Kindern klar ist, dass dann die gesetzlichen Vertreter, d .h. in der Regel die Eltern, die Entscheidungen treffen, verhält sich das bei Erwachsenen anders. Selbst Ehe- oder Lebenspartner haben nicht das Recht, für die andere Person Entscheidungen zu treffen, wenn keine Vorsorgevollmacht vorliegt. Wer verhindern möchte, dass im Ernstfall ein Gericht darüber entscheidet, wer als Interessensvertreter einspringt, stellt eine Vorsorgevollmacht aus.

Wahl des Bevollmächtigten

Die Entscheidungen, die der Bevollmächtigte im tatsächlichen Ernstfall fällt, sind unter Umständen von großer Tragweite. Das können Kontoüberweisungen sein, aber auch die Auswahl eines Pflegeheims oder eine Einwilligung in medizinische Behandlungen. Das erfordert vor allem ein absolutes Vertrauen in die bevollmächtigte Person. Umgekehrt muss der bevollmächtigte Vertreter dazu bereit sein, eventuell viel Zeit in seine Aufgabe zu stecken.

Aus Gründen der Gleichbehandlung mag es erstrebenswert sein, alle Kinder zu Ihren Bevollmächtigten zu ernennen und eine einstimmige Entscheidung festzulegen. In der Praxis erweist sich eine derartige Regelung jedoch eher als hinderlich, wenn schnelle Entschlüsse gefragt sind. Sinnvoller ist es, nur eine bevollmächtigte Person und gegebenenfalls eine Vertretung zu benennen.

Denkbar ist es darüber hinaus auch, verschiedene Vollmachten für unterschiedliche Bereiche zu erstellen, sodass beispielsweise eine Person für das Vermögen sorgt, eine andere Person medizinische Entscheidungen übernimmt.

Geltungsbereich der Vollmacht

Die Vollmacht gilt nicht automatisch für alle Rechtsgeschäfte. Vielmehr steht es Ihnen frei, zu bestimmen, für welche Angelegenheiten die Vollmacht gültig ist. Das können beispielsweise die folgenden Bereiche sein:

  • finanzielle Angelegenheiten
  • Aufenthaltsbestimmungsrecht
  • Gesundheitsvorsorge
  • medizinische Behandlungen
  • Vertragsangelegenheiten
  • Schenkungen

Doch gibt es auch Rechtsgeschäfte, die gesetzlich verboten sind. So kann sich eine bevollmächtigte Person nicht selbst aus Ihrem Vermögen heraus beschenken.

Die Wirksamkeit der Vollmacht ist nach der beidseitigen Unterzeichnung ab sofort gegeben, doch können Sie eine bevollmächtigte Person anweisen, dass sie erst dann davon Gebrauch macht, wenn Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind.

Die Vollmacht endet nicht zwingend mit dem Tod der Person, sondern muss bei einer entsprechenden Vereinbarung durch die Erben widerrufen werden. Damit ist es unter Umständen auch wichtig, dass die Vollmacht Regelungen für den Todesfall enthält.

Wollen Sie eine bereits erteilte Vollmacht widerrufen, dann ist es sinnvoll, sich das Original durch die bevollmächtigte Person aushändigen zu lassen.

Vorsorgevollmacht für den Gesundheitsbereich

Ähnlich wie bei einer Patientenverfügung ist es hilfreich, wenn Sie die Vorsorgevollmacht möglichst detailliert formulieren. Das gilt insbesondere auch für Angelegenheiten der Gesundheit. Wichtige Punkte sind hier z. B.:

  • Berechtigung der bevollmächtigten Person, weitere Untervollmachten auszustellen
  • Entbindung der Ärzte von ihrer Schweigepflicht
  • Einsicht in die Pflegedokumentation bei Pflegebedürftigkeit
  • Bestellen der bevollmächtigten Person als gesetzliche*n Betreuer*in
  • Angaben zu medizinischen Eingriffen, Therapien und freiheitsentziehenden Maßnahmen

Abschluss der Vorsorgevollmacht

Das Aufsetzen einer Vorsorgevollmacht ist im Prinzip ganz einfach, denn es gibt vorgefertigte Vordrucke (z. B. durch das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz), durch die Sie die wichtigsten Punkte schon mal nicht vergessen können. Bestandteile, die in der Vollmacht enthalten sein müssen, sind:

  • Name, Geburtsdatum und Anschrift des Bevollmächtigten
  • eigenhändige Unterschrift beider Parteien
  • Ort und Datum
  • notarielle Beglaubigung (z. B. bei einem Geltungsbereich auf Grundstücksgeschäften, Verkauf von Firmenanteilen, Erbausschlagung oder dem Abschluss von Kreditgeschäften)

Wenn Vollmachtgeber und Bevollmächtigte*r das Formular gemeinsam unterschrieben haben, verbleibt das Original bei der bevollmächtigten Person und sollte gleichermaßen sicher und jederzeit griffbereit aufbewahrt werden.

In den meisten Fällen bedarf es keiner Beglaubigung der Vollmacht durch einen Notar, sondern eine einfache Unterschrift von beiden Parteien reicht aus. Es gibt nur wenige Fälle, in denen tatsächlich eine öffentliche Beglaubigung vonnöten ist. Neben Notaren dürfen auch Betreuungsbehörden und -stellen eine solche Beglaubigung ausführen. Die Kosten sind hier günstiger als bei einem Notar, wenngleich die Rechtssicherheit nicht ganz so hoch ist. Die Aufnahme eines Kredites mit der Beglaubigung durch eine Betreuungsbehörde ist beispielsweise nicht möglich.

Wer wirklich auf der sicheren Seite sein möchte und im Ernstfall Schwierigkeiten vermeiden will, lässt die Vollmacht von einem Notar beglaubigen. Dieser muss sie bei einer vorzeitigen Auflösung dann gegebenenfalls auch für hinfällig erklären.

Registrierung im Vorsorgeregister

Gerichte fragen vor dem Einsetzen einer Betreuungsperson stets beim Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer (ZVR) nach, ob es Dokumente gibt und wer die bevollmächtigte Person ist. Es lohnt sich also, diesen Service zu nutzen und die Hinterlegung der Vollmacht online zu registrieren.

Infokarte nutzen

Kommt es durch einen Unfall zu einer Situation, in der die bevollmächtigte Person Entscheidungen treffen muss, stellt sich die Frage, wie diese Kenntnis von selbiger erhält. Hilfreich ist hier eine kleine Notfallkarte im Scheckkartenformat, auf der das Vorhandensein der Vorsorgevollmacht, die bevollmächtigte Person und deren Telefonnummer vermerkt sind.

Ergänzungen zur Vorsorgevollmacht

Eine sinnvolle Ergänzung oder eine Alternative zur Vorsorgevollmacht kann eine Betreuungsverfügung sein. Hierdurch legen Sie fest, wer Sie im Notfall vertreten soll. Ob eine benannte Person als Betreuung geeignet ist, legt dann letztlich ein Gericht fest, sodass hier im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht auch eine Kontrollinstanz vorhanden ist – was bei der Vorsorgevollmacht nicht der Fall ist.

Da viele Banken eine allgemeine Vorsorgevollmacht nicht anerkennen, ist es hilfreich, die bankeigenen Formulare zu nutzen und eine separate Kontovollmacht zu erstellen.

Patientenverfügungen nach § 1901a BGB sind hingegen Papiere, in denen Menschen festlegen, welche medizinischen Maßnahmen gewünscht sind und welche abgelehnt werden. Das ist vor allem für lebenserhaltende Maßnahmen von Bedeutung. Die Entscheidung wird hier von einem Menschen für sich selbst getroffen.

Fazit

Mit einer Vorsorgevollmacht benennen Sie ganz bewusst einen Menschen, der im Ernstfall Entscheidungen von großer Tragweite für Sie trifft. Absolutes Vertrauen ist daher die wichtigste Voraussetzung für die Benennung einer bevollmächtigen Person. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich eine notarielle Beurkundung der Vollmacht sowie gegebenenfalls das Ausstellen einer separaten Kontovollmacht. So verhindern Sie die Zuweisung einer gesetzlichen Betreuung für den Fall, dass Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind und erleichtern z. B. auch Lebens- und Ehepartnern den Zugang zu ärztlichen Dokumenten.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Rechtliche Tipps zur Vorsorgevollmacht von der Stiftung Warentest: LINK

Das Zentrale Vorsorgeregister zur Hinterlegung der Vorsorgevollmacht: https://www.vorsorgeregister.de/

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz stellt einen Vordruck zum Download zur Verfügung: LINK

Eine Broschüre zum Betreuungsrecht mit ausführlichen Informationen zur Vorsorgevollmacht: LINK

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

14 02, 2021

Betreuungsverfügung / Vollmacht

2021-03-04T14:58:00+01:00Februar 14th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Betreuungsverfügung

Tritt der Fall ein, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen, und Sie hierfür keine Vorkehrungen getroffen haben, bestellt das Gericht einen gesetzlichen Betreuer. Das kann ein Familienmitglied sein, ebenso aber auch eine externe Person. Diese Entscheidung können Sie jedoch im Vorfeld maßgeblich durch eine Betreuungsverfügung beeinflussen. Diese regelt, welche Person das Gericht bestellen soll und welche Aspekte Sie sich für den Pflegefall wünschen.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was ist die Betreuungsverfügung?
  • Für wen eignet sich eine Betreuungsvereinbarung?
  • Inhalte der Betreuungsverfügung
  • Betreuungsverfügung erstellen – so geht’s
  • Berufung und Entlassung der Betreuungsperson
  • Betreuungsverfügung vs. Versorgungsvollmacht
  • Fazit
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit einer Betreuungsverfügung benennen Sie eine Person, die Ihrem Wunsch nach die Betreuung übernehmen soll, wenn Sie selbst nicht mehr entscheidungsfähig sind.
  • Anders als die Vorsorgevollmacht tritt die Betreuungsverfügung erst in Kraft, wenn ein Gericht den Bedarf der Betreuung feststellt und die benannte Person bestätigt.
  • Eine regelmäßige Kontrolle durch das zuständige Gericht gewährleistet die Berücksichtigung Ihrer Wünsche. Bei einem Missbrauch oder fehlender Eignung kann das Gericht die Betreuungsperson auch von ihren Pflichten entbinden und eine andere Person benennen.

Was ist eine Betreuungsverfügung?

In der Betreuungsverfügung legen Sie fest, welche Person das Amts- oder Vormundschaftsgericht bestellen soll, wenn Sie nicht mehr in der Lage sind, eigene Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig können Sie in dieser Verfügung auch gezielt Personen als Betreuungsverantwortliche ausschließen.

Das Gericht prüft bei Bedarf, ob die angegebene Person auch geeignet ist, diese Funktion zu übernehmen. Das heißt, die Verfügung tritt in jedem Fall erst in Kraft, wenn das Gericht den Betreuungsfall für erforderlich hält.

Die Grundlage zur Benennung einer Betreuungsperson ist in § 1896 BGB gegeben. Die Geschäftsfähigkeit nach § 104 BGB ist – anders als bei der Vorsorgevollmacht – keine Grundvoraussetzung, um eine Betreuungsverfügung zu erstellen. Auch endet die Betreuungsverfügung automatisch mit dem Tod der betreuten Person.

Unter die Betreuung fallen dann alle Aspekte folgender Bereiche:

  • Vermögensverwaltung
  • Aufenthaltsbestimmungsrecht
  • Gesundheitsfürsorge
  • Schriftverkehr und Vertragsangelegenheiten

Für wen eignet sich eine Betreuungsvereinbarung?

Grundsätzlich kann jede Person in die Situation kommen, nach einem Unfall, einem Hirninfarkt, bei einer psychischen Erkrankung oder Demenz nicht mehr handlungs- und / oder entscheidungsfähig zu sein. Ist das der Fall, benennt das Gericht für Personen, die das 18. Lebensjahr überschritten haben, eine Betreuungsperson, die fortan Entscheidungen für diese fällt.

Auf diesen Gerichtsbeschluss können Sie im Vorfeld durch die gezielte Bestimmung einer Betreuungsperson Einfluss nehmen, indem Sie eine Betreuungsverfügung erstellen. Da auch Ehegatten und Lebenspartner*innen nicht automatisch über Sonderrechte verfügen, ist der Abschluss einer solchen Verfügung prinzipiell für alle volljährigen Menschen sinnvoll.

Inhalte der Betreuungsverfügung

Anders als die Vorsorgevollmacht, die ausschließlich auf dem Vertrauen basiert, dass die bevollmächtigte Person im Willen des Menschen handelt, der keine Entscheidungen mehr treffen kann, dient der Inhalt einer Betreuungsverfügung vor allem auch dem Gericht als Kontrollinstrument, dass die Betreuungsperson die festgesetzten Vorgaben wirklich einhält.

Inhaltlich ist es daher sinnvoll, alle Wünsche festzuhalten, die Ihnen wichtig sind. Das Gericht ist verpflichtet, die Einhaltung dieser Wünsche zu gewährleisten, sofern sie dem Wohl des Betreuten (also Ihnen) nicht zuwiderlaufen.

Zunächst ist inhaltlich natürlich die Benennung einer Betreuungsperson inklusive Anschrift und Geburtsdatum von Bedeutung. Darüber hinaus gibt es weitere wichtige Aspekte der Ausgestaltung hinsichtlich:

  • der Wahl des Aufenthaltsortes nach § 1901 Abs. 3 BGB, d. h. der Frage, ob Sie in einem Altenheim medizinisch gut versorgt werden wollen oder auch dann im häuslichen Umfeld verbleiben möchten, wenn hier vertretbare Einbußen der Pflegequalität drohen,
  • vergleichbare Inhalte zur Patientenverfügung zur medizinischen Behandlung,
  • Angaben im eingeschränkten Umfang zum Umgang mit Finanzen und Vermögen, wobei hier ein gesetzlicher Rahmen vorgegeben ist,
  • der Aufgaben, die die Betreuungsperson erledigen soll bzw. welche nicht,
  • Benennung einer weiteren Person, die das Vermögen verwaltet,
  • Vorstellungen kultureller oder religiöser Kultur.

Betreuungsverfügung erstellen – so geht’s

Eine vorgegebene Form für die Betreuungsverfügung – außer einer allgemeinen Schriftform – gibt es nicht. Es bietet sich jedoch an, diese handschriftlich zu verfassen und bei Bedarf regelmäßig zu aktualisieren, um auch persönliche Veränderungen der Lebensführung zu berücksichtigen.

Um die Aktualität zu bestätigen, ist es auch hilfreich, die Verfügung jährlich mit einem Vermerk der Gültigkeit neu zu unterschreiben und mit aktuellem Datum zu versehen. Das erleichtert dem Gericht die Einschätzung darüber, ob die Verfügung noch Bestand hat.

Prinzipiell reicht auch die Verwendung eines Vordruckes aus, bei dem Sie nur noch einige Angaben ergänzen. Hiervon ist jedoch eher abzuraten, da es durchaus sinnvoll ist, sich intensiv mit den eigenen Wünschen auseinanderzusetzen. Das funktioniert am besten, wenn Sie einen eigenen Text verfassen. Gegebenenfalls ist es darüber hinaus hilfreich, sich Ratschläge bei einem Notar oder Betreuungsverein einzuholen.

Aufgrund der Überprüfung der Betreuungsverfügung durch ein Gericht ist eine Beglaubigung nicht unbedingt notwendig. Stattdessen kann die Unterschrift eines Arztes Auskunft darüber geben, dass Sie das Dokument in einem einsichtsfähigen Zustand erstellt haben. Aber auch das ist kein Muss.

Benennung der Betreuungsperson

Während es bei der Person, die die Betreuungsverfügung ausstellt, nicht zwingend auf die Geschäftsfähigkeit ankommt, gelten für die benannte Betreuungsperson andere Voraussetzungen wie:

  • Volljährigkeit
  • Geschäftsfähigkeit
  • keine Vorstrafen
  • kein Eintrag in das Schuldnerverzeichnis
  • Lebensort in der Nähe der betreuten Person
  • deutsche Sprachkenntnisse

Im Optimalfall sprechen Sie mit der Betreuungsperson, bevor Sie diese benennen, sodass Sie sichergehen können, dass Ihre Wünsche auch wirklich optimal Berücksichtigung finden. Vorgeschrieben ist dies jedoch nicht, denn gemäß § 1898 BGB ist jede*r Bürger*in zur Betreuung verpflichtet, wenn ihr oder ihm das zugemutet werden kann.

Eintrag in das Zentrale Vorsorgeregister

Im Ernstfall muss unter Umständen jene Person schnell ausfindig gemacht werden, die befugt ist, Entscheidungen für Sie zu treffen. Ist das nicht möglich, bringt auch die beste Betreuungsverfügung nichts. Dem lässt sich vorbeugen, indem Sie sich in das Zentrale Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer eintragen. Das ist sowohl online, per Post oder auch über einen Notar möglich und insofern sinnvoll, als dass die Gerichte diese Informationsquelle nutzen, um potenziell benannte Betreuungspersonen ausfindig zu machen und diese gegebenenfalls kontaktieren.

In einigen Bundesländern (Bayern, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) können Sie die Verfügung auch schon vorab beim Gericht hinterlegen.

Berufung und Entlassung der Betreuungsperson

Die betreuende Person wird im Ernstfall durch das zuständige Gericht berufen und darf ab diesem Zeitpunkt die Betreuung übernehmen und Geschäfte abwickeln. Dabei erfolgt stets eine Kontrolle der Einhaltung der Betreuungsverfügung sowie beispielsweise auch der Kontobewegungen durch das Gericht. Gibt es Zweifel an der Eignung oder Integrität der Person, ist das Gericht berechtigt, diese Person zu entlassen und eine andere Person für die Betreuung zu bestellen.

Wurde die Notwendigkeit der Betreuung durch das Gericht von Amts wegen festgestellt, ist ein Widerruf der Betreuung nicht möglich. Allerdings sind Sie keineswegs an die Betreuungsperson gebunden, sondern können auch nach Eintreten des Betreuungsfalles und trotz nicht vorhandener Geschäftsfähigkeit die betreuende Person von ihren Pflichten befreien. Das Gericht stellt Ihnen dann eine andere Person zur Seite.

Betreuungsverfügung vs. Vorsorgevollmacht

Die Betreuungsverfügung kann eine sinnvolle Ergänzung zur Vorsorgevollmacht sein – oder aber diese komplett ersetzen. Anders als die Vollmacht tritt die Betreuungsverfügung erst in Kraft, wenn Sie nicht mehr selbst zu Entscheidungen in der Lage sind. Die Vollmacht hingegen wird unmittelbar nach Abschluss wirksam, von der bevollmächtigten Person üblicherweise jedoch erst genutzt, wenn Sie keine Entscheidungen mehr selbst treffen können.

Damit ist die Vorsorgevollmacht nicht vor Missbrauch geschützt. Die Betreuungsverfügung erfährt hingegen eine wiederkehrende Kontrolle durch das zuständige Gericht, z. B. durch jährliche Rechenschaftsberichte über die Tätigkeit. Das Gericht nimmt Ihre Wünsche bezüglich der Betreuungsperson zur Kenntnis, überprüft diese allerdings, bevor es die Person tatsächlich bestellt.

Fazit

Die Betreuungsverfügung ist eine gute Möglichkeit, um vorzusorgen und selbstständig und selbstbestimmt Entscheidungen für den Fall der eintretenden Pflegebedürftigkeit oder fehlenden Entscheidungsfähigkeit zu treffen. Anders als die Vorsorgevollmacht ist bei der Betreuungsverfügung ein Mindestmaß an Kontrolle sichergestellt, sodass Sie hier eine größere Sicherheit haben, dass Ihre Wünsche auch wirklich Berücksichtigung finden.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Die Webseite des Zentralen Vorsorgeregisters: http://www.vorsorgeregister.de/

Broschüre des Bundesjustizministeriums zum Betreuungsrecht: LINK

Vordruck einer Betreuungsverfügung: LINK

Voraussetzung für die Bestimmung einer Betreuung nach § 1896 BGB: LINK

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14 02, 2021

Patientenverfügung

2021-03-04T14:59:41+01:00Februar 14th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist eine Willenserklärung, die dann zur Geltung kommt, wenn Sie Ihren Willen gegenüber Ärzten oder Pflegeeinrichtungen nicht mehr hinreichend äußern können. Oft steht sie im Zusammenhang mit der Einstellung zu lebensverlängernden Maßnahmen, bezieht sich jedoch darüber hinaus auch auf weitere medizinische Eingriffe.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was ist eine Patientenverfügung?
  • Wer braucht eine Patientenverfügung?
  • Inhalt der Patientenverfügung
  • Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht
  • Fazit
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Patientenverfügung verschafft Ihrem Willen im Zusammenhang mit medizinischen oder pflegerischen Eingriffen oder Maßnahmen auch dann Ausdruck, wenn Sie diesen nicht mehr aktiv äußern können.
  • Die Inhalte der Patientenverfügung bestimmen Sie selbst. Wichtig ist jedoch, dass diese möglichst konkret für einzelne Szenarien formuliert sind.
  • Die Gültigkeit ist ab dem Zeitpunkt der eigenhändigen Unterschrift gegeben. Ein Widerruf ist jederzeit möglich.

Was ist eine Patientenverfügung?

Erst das Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts verankerte im Jahr 2009 die Patientenverfügung im BGB. Dadurch konnte eine zusätzliche Rechtssicherheit bezüglich der Haltung gegenüber lebensverlängernden Maßnahmen geschaffen werden. Die Patientenverfügung findet sich als Legaldefinition in § 1901 a Abs. 1 S. 1 BGB:

„Hat ein einwilligungsfähiger Volljähriger für den Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit schriftlich festgelegt, ob er in bestimmte, zum Zeitpunkt der Festlegung noch nicht unmittelbar bevorstehende Untersuchungen seines Gesundheitszustands, Heilbehandlungen oder ärztliche Eingriffe einwilligt oder sie untersagt (Patientenverfügung), […]“

Mit dieser Verankerung stellt die Patientenverfügung eine Ausnahme im Betreuungsrecht dar. Hat für gewöhnlich das Wohl oberste Priorität, ist hier der Wille des Patienten über selbiges gestellt.

Wer braucht eine Patientenverfügung?

Grundsätzlich „braucht“ niemand eine Patientenverfügung. Wer aber auch im Falle der fehlenden Willensäußerung seine Selbstbestimmung sicherstellen möchte, tut gut daran, eine solche Verfügung zu erstellen. Das gilt für alle einwilligungsfähigen volljährigen Menschen.

Hilfreich ist die Patientenverfügung auch für Angehörige, die im Zweifelsfall keine schwierigen oder schwerwiegenden Entscheidungen für Sie zu treffen brauchen, wenn Sie Ihren Willen bereits kundgetan haben.

Was passiert, wenn keine Patientenverfügung vorliegt?

Oft liegt keine Patientenverfügung vor oder Angaben sind schlichtweg zu allgemein und wenig konkret gehalten. In diesem Fall beraten sich Ärzt*innen und der oder die Vertreter*in(nen) über den mutmaßlichen Patientenwillen und treffen eine gemeinsame Entscheidung über weitere Behandlungsmaßnahmen. Kommt es zu keiner Einigung, muss der oder die Vertreter*in die Genehmigung des Betreuungsgerichtes einholen. Das gilt insbesondere für Eingriffe, die lebensbedrohlich sind. Geregelt ist der Umstand der fehlenden Verfügung in § 1901 a Abs. 2 S. 1 BGB:

„Liegt keine Patientenverfügung vor oder treffen die Festlegungen einer Patientenverfügung nicht auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zu, hat der Betreuer die Behandlungswünsche oder den mutmaßlichen Willen des Betreuten festzustellen und auf dieser Grundlage zu entscheiden, ob er in eine ärztliche Maßnahme nach Absatz 1 einwilligt oder sie untersagt. Der mutmaßliche Wille ist aufgrund konkreter Anhaltspunkte zu ermitteln. Zu berücksichtigen sind insbesondere frühere mündliche oder schriftliche Äußerungen, ethische oder religiöse Überzeugungen und sonstige persönliche Wertvorstellungen des Betreuten.“

Inhalt der Patientenverfügung

Damit eine Patientenverfügung auch wirksam und für behandelnde Ärzt*innen bindend ist, muss sie möglichst konkret für einzelne Szenarien formuliert sein. Eine allgemeine Formulierung wie „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ reicht nicht aus.

Vielmehr sind Angaben zu Bereichen wie künstlicher Ernährung oder Beatmung, Schmerzbehandlung, Wiederbelebung, Organspende und weiteren medizinischen Fragen hilfreich. Weitere mögliche Inhalte sind Angaben zu einer Dialyse, dem Einsatz von Blutkonserven oder auch der Behandlung von Symptomen. Umgekehrt können Sie einzelne Maßnahmen auch untersagen.

Unwirksam ist hier allerdings die pauschale Ablehnung einer psychiatrischen Zwangsbehandlung inklusive der Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung. Das hat das Landgericht Osnabrück am 10. Januar 2020 entschieden.

Zudem ist es sinnvoll, einige Sätze zur persönlichen Situation niederzuschreiben, um die geäußerten Wünsche nachvollziehbar zu machen.

Vordruck oder persönliche Beratung

Im Internet gibt es zahlreiche Vordrucke oder auch einzelne Textbausteine, um eine Patientenverfügung zu erstellen. Sinnvoller ist aufgrund der Komplexität und Tragweite der Thematik allerdings ein Beratungsgespräch bei einem Arzt, der Verbraucherzentrale, Kirche oder einem Wohlfahrtsverband. Hier können Sie auch offene Fragen zu medizinischen Folgen klären.

Empfohlener Aufbau der Patientenverfügung

  • Eingangsformel
  • Geltungsbereich (einzelne Situationen)
  • Festlegung medizinischer bzw. pflegerischer Maßnahmen
  • Wünsche zu Ort und Begleitung
  • Verbindlichkeit
  • Hinweise auf weitere Vorsorgeverfügungen
  • Hinweise auf beigefügte Erläuterungen
  • Organspende
  • Schlusssatz
  • weitere Bemerkungen
  • Datum und Unterschrift
  • persönliche Wertvorstellungen

Die Angabe von Ort und Zeit ist keine zwingende Voraussetzung für die Patientenverfügung, kann aber hilfreich sein, um einschätzen zu können, wie aktuell die getätigte Willensäußerung ist.

Schriftform

Grundsätzlich gilt bei der Patientenverfügung die Pflicht zur Schriftform. Allerdings bedeutet das nicht, dass Sie diese unbedingt selbst verfassen müssen. Ist das nicht möglich, reicht die eigenhändige Unterschrift aus. Ist diese nicht mehr möglich, muss ein Notar das Handzeichen beglaubigen.

Doch auch mündliche Äußerungen eines Patienten oder einer Patientin müssen von der vertretenden Person beachtet werden.

Geltung und Widerruf

Gültigkeit erlangt die Patientenverfügung bereits durch die eigenhändige Unterschrift, eine notarielle Beglaubigung ist nicht erforderlich. Die Gültigkeit ist auch dann gegeben, wenn die Einwilligungsfähigkeit unter Umständen wiederhergestellt werden könnte. Bindend ist der Wille eines Patienten, wenn

  • die Urteilsfähigkeit zum Zeitpunkt des Erstellens nicht anzuzweifeln ist,
  • konkrete Festlegungen für die eingetretene Situation vorliegen,
  • der Wille kein gesetzliches Verbot bedeutet,
  • der Wille noch aktuell erscheint,
  • keine Anzeichen dafür vorhanden sind, dass die Erklärung auf äußeren Druck hin entstanden ist.

Grundsätzlich ist jederzeit ein formloser Widerruf der Verfügung möglich, d. h., hierfür ist keine Schriftform erforderlich. Treffen die Festlegungen der Verfügung jedoch auf die aktuelle Situation des Patienten zu, sind die behandelnden Ärzt*innen und Pflegekräfte an den Inhalt gebunden.

Damit die Patientenverfügung im Ernstfall auch gefunden wird und Ihr Wille Berücksichtigung findet, ist es sinnvoll, anderen Personen von der Verfügung zu erzählen und eine Kopie bei mindestens einer weiteren Person zu hinterlegen. Hilfreich ist es auch, eine Notiz mitzuführen, die auf die Patientenverfügung hinweist.

Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht

Während die Patientenverfügung ausschließlich auf die Willenserklärung bezüglich Heilbehandlungen, ärztliche Eingriffe und Pflegemaßnahmen gerichtet ist, gehen Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung beide darüber hinaus. In ihnen wird jeweils eine bestimmte Person benannt, die Ihre Wünsche durchsetzen soll, während die Patientenverfügung personenunabhängig eine Willenserklärung darstellt.

Die Betreuungsverfügung richtet sich als Willensäußerung an das Betreuungsgericht und verschafft Ihnen die Möglichkeit, eine Betreuungsperson festzulegen, die im Falle Ihrer fehlenden Entscheidungsfähigkeit infolge eines Unfalls oder einer Krankheit tätig wird. Das Gericht prüft zuvor die Eignung und kontrolliert die Umsetzung Ihrer in der Verfügung getätigten Wünsche.

Mit der Vorsorgevollmacht bestimmen Sie hingegen eine bevollmächtigte Person für den Fall des Verlustes der Entscheidungs- oder Geschäftsfähigkeit. Die Wirksamkeit der Vollmacht ist prinzipiell unmittelbar gegeben, wenngleich die bevollmächtigte Person angehalten ist, dem Willen erst im Ernstfall Ausdruck zu verleihen. Anders als bei der Betreuungsverfügung prüft kein Gericht die Umsetzung Ihres Willens, sodass die Vollmacht maßgeblich auf Vertrauen basiert.

Fazit

Die Patientenverfügung ist eine Möglichkeit, die sicherstellt, dass Ihr Wille auch für den Fall Berücksichtigung findet, wenn Sie diesen nicht mehr aktiv äußern können. Gleichzeitig stellt sie eine Entlastung für Ihre Angehörigen dar, die schwierige Entscheidungen zu Ihrem Wohl nicht selbst zu treffen brauchen. Damit die Patientenverfügung jedoch wirksam ist, empfiehlt sich die Beratung durch einen Arzt oder eine andere Beratungsstelle.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Textbausteine des Bundesministeriums der Justiz für das Erstellen der Patientenverfügung: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Formulare/Patientenverfuegung_Textbausteine_pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=10

Eine Broschüre des BMJV zur Patientenverfügung: https://www.bmjv.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Patientenverfuegung.html

1901 a BGB im Wortlaut: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1901a.html

Kontakt zur Unabhängigen Patientenberatung Deutschland: https://www.patientenberatung.de/de

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11 02, 2021

24-Stunden-Pflege oder -Betreuung

2021-03-04T14:49:10+01:00Februar 11th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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24-Stunden-Pflege oder -Betreuung

Den Umzug ins Pflegeheim möglichst lange hinauszuzögern, ist der Wunsch vieler Senioren mit altersbedingtem Pflegebedarf. Unterstützung im häuslichen Umfeld leisten Angehörige, ambulante Pflegedienste – oder aber die 24-Stunden-Pflege. Wenngleich der Begriff etwas irreführend ist, bietet diese Form der häuslichen Pflege die Möglichkeit, pflegende Angehörige zu entlasten und ist zudem eine vergleichsweise günstige Alternative zum Pflegeheim.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was bedeuten die Bezeichnungen „24-Stunden-Pflege“ oder „24-Stunden-Betreuung“?
  • Leistungen der 24-Stunden-Pflege bzw. -Betreuung
  • Für wen eignet sich die 24-Stunden-Pflege?
  • Anstellungsmodelle einer 24-Stunden-Pflegekraft
  • Kosten der 24-Stunden-Pflege
  • Finanzierung der 24-Stunden-Pflege
  • Legale Anmeldung der 24-Stunden-Pflegekraft
  • Vorteile einer 24-Stunden-Betreuung
  • Alternativen zur 24-Stunden-PflegeWeiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 24-Stunden-Pflege erfolgt im häuslichen Umfeld. Dabei zieht eine Pflegekraft in die Räumlichkeiten der pflegebedürftigen Person ein und ist so rund um die Uhr vor Ort.
  • Die meist osteuropäischen Pflegekräfte verfügen in der Regel nicht über die Qualifikation einer examinierten Pflegefachkraft, sodass sie keine medizinischen Leistungen der Behandlungspflege durchführen dürfen.
  • Es gibt drei unterschiedliche Modelle, um eine Pflegekraft zu beschäftigen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich Ihrer Pflichten als Arbeitgeber, zudem variieren die monatlichen Kosten je nach Modell erheblich.

Was bedeuten die Bezeichnungen „24-Stunden-Pflege“ oder „24-Stunden-Betreuung“?

Der Begriff macht bereits deutlich, was die 24-Stunden-Betreuung ausmacht: Prinzipiell ist bei diesem Betreuungsmodell die Versorgung pflegebedürftiger Personen rund um die Uhr gewährleistet. Die Betreuung erfolgt dabei individuell auf die Person zugeschnitten im häuslichen Umfeld durch eine Pflegekraft.

Da diese Art der häuslichen Pflege durch deutsche Pflegefachkräfte für die wenigsten Haushalte bezahlbar sein dürfte, kommen hier vorwiegend Kräfte aus dem Ausland zum Einsatz, deren Qualifikation nicht mit einer Fachausbildung vergleichbar ist. Aufgrund der meist osteuropäischen Herkunft der Betreuenden hat sich parallel zum Begriff der 24-Stunden-Pflege auch jener der „polnischen Pflegekraft“ im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert.

Im Rahmen dieser sogenannten Laienpflege sind medizinische und einige pflegerische Tätigkeiten, d. h. die Behandlungspflege, nicht enthalten. Diese müssen aufgrund gesetzlicher Vorgaben durch eine professionelle Pflegefachkraft ausgeführt werden.

24-Stunden-Pflege – ein irreführender Begriff

Der Begriff der 24-Stunden-Pflege ist in zweierlei Hinsicht irreführend. Zum einen sind die Pflegekräfte wie jede*r andere Arbeitnehmer*in an gesetzliche Arbeitszeiten gebunden, d. h., die täglichen Arbeitszeiten liegen wie bei anderen Erwerbstätigen bei durchschnittlich 8–10 Stunden. Ein Vorteil ist jedoch, dass im Notfall rund um die Uhr eine Person vor Ort ist.

Daneben ist auch der Begriff der Pflege in der Regel nicht zutreffend, denn die Pflegekräfte haben oft keine Qualifikation, um tatsächlich auch medizinische oder pflegerische Tätigkeiten auszuführen. Zutreffender ist daher die Bezeichnung der 24-Stunden-Betreuung. Der korrekte Begriff hierfür ist daher auch Betreuung in häuslicher Gemeinschaft (BihG). Die Begriffe werden allerdings in der Regel synonym verwendet.

Leistungen der 24-Stunden-Pflege bzw. -Betreuung

Bei Pflegekräften aus dem Ausland handelt es sich oft um nicht examinierte Pflegekräfte, sodass deren Aufgabenspektrum eingeschränkt ist. Pflegekräfte ohne einen anerkannten Abschluss dürfen keine pflegerischen oder medizinischen Tätigkeiten, d. h. Behandlungspflege, übernehmen. Dazu gehören:

  • Verabreichen von Medikamenten
  • Anlegen und Wechseln von Verbänden
  • Verabreichen von Injektionen
  • Blutentnahmen
  • einfache Wärme- und Lichtanwendungen
  • weitere ärztliche Tätigkeiten mit vergleichbarem Anforderungsprofil

Liegen keine medizinischen oder pflegerischen Gründe vor, die gegen eine Ausübung sprechen, dürfen Pflegekräfte jedoch die folgenden pflegerischen Tätigkeiten ausführen.

  • Hilfe bei der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
  • Unterstützung bei der Körperpflege
  • Hilfe beim An- und Auskleiden
  • Unterstützung beim Toilettengang und Wechsel der Inkontinenzprodukte
  • Hilfe beim Aufstehen und Ablegen, Gehen und Hinsetzen

Zu den klassischen Tätigkeiten, die jede Betreuungsperson unabhängig von ihrer Anerkennung als Pflegekraft durchführen darf, zählen die folgenden:

  • haushaltsnahe Dienstleistungen wie Einkaufen, Kochen, Hausarbeiten wie Waschen und die Reinigung der Wohnräume, Versorgung von Haustieren und Pflanzenpflege
  • Unterstützung bei der alltäglichen Lebensführung
  • Gesellschaft leisten, Unterhaltungen führen, soziale Kontakte aufrechterhalten und Begleitung zu Aktivitäten
  • Führen eines Haushaltsbuches, das die getätigten Ausgaben nachweist
  • Organisation der Personenbetreuung, z. B. durch Terminvereinbarungen

Es ist nicht Aufgabe der Pflegekraft, Gartenarbeiten oder andere Aufgaben zu erfüllen, die mit der pflegebedürftigen Person nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Aufgaben der 24-Stunden-Pflege

Zusammengefasst lassen sich die Tätigkeiten der 24-Stunden-Pflegekraft auf folgende Aufgabenschwerpunkte zusammenfassen:

  • Hygiene
  • Ernährung
  • Arztbesuche
  • Haushalt
  • Soziales

Für wen eignet sich die 24-Stunden-Pflege?

Die 24-Stunden-Pflege empfiehlt sich für pflegebedürftige Menschen, die in ihrer häuslichen Umgebung bleiben möchten – oft mit dem Ziel des Erhalts von Selbstbestimmung und Selbstständigkeit. Allerdings eignet sich das Modell im Prinzip auch für bettlägerige Menschen. Hilfreich ist hier, wenn der medizinische Bedarf möglichst gering ist, da ansonsten weiterhin ein ambulanter Pflegedienst gebucht werden muss.

Die Voraussetzung für die 24-Stunde-Pflege ist im Wesentlichen, dass ausreichend Wohnraum zur Verfügung steht, sodass die Pflegekraft eine abgeschlossene Wohneinheit, mindestens aber ein eigenes Zimmer beziehen kann. Vorhanden sein sollten zudem Telefon- und Internetanschluss. Natürlich sollte die Wohnung auch allgemein über eine Ausstattung verfügen, die eine Pflege zulässt, z. B. hinsichtlich der Barrierefreiheit.

Anstellungsmodelle einer 24-Stunden-Pflegekraft

Nicht immer erfolgt die Suche nach einer Pflegekraft über eine Vermittlungsagentur. Tatsächlich ist dies nur eine von drei Möglichkeiten, um die Dienste einer Pflegekraft zu nutzen.

Festanstellung der Pflegekraft

Seit 2011 ist es möglich, direkte Arbeitsverträge mit Betreuungskräften abzuschließen. Voraussetzung ist dabei, dass die Person offiziell bei der Meldebehörde angemeldet ist und über eine Lohnsteuerkarte verfügt. Wichtig ist zudem der Abschluss einer Unfallversicherung.

Eine Festanstellung beinhaltet jedoch auch Verpflichtungen, die jeder Arbeitgeber hat. Die Pflegekraft hat Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Es gilt der gesetzliche Mindestlohn zuzüglich der üblichen Beiträge zur Sozialversicherung und ein jährlicher Urlaubsanspruch. Monatlich werden somit rund 3.000 bis 5.000 Euro fällig. Dafür sind Sie der Pflegekraft gegenüber weisungsbefugt und können konkrete Aufgaben erteilen.

Wer sich für dieses Modell entscheidet, kann sich an die „Zentrale Auslands- und Fachvermittlung“ der Agentur für Arbeit (ZAV) wenden, die kostenlos bei der Suche und Vermittlung hilft.

Beauftragung einer selbstständigen Pflegekraft

Eine Alternative zur Festanstellung ist die Beauftragung einer selbstständigen Pflegekraft, die gewerblich auf eigene Rechnung arbeitet. Die Beiträge für die Sozialversicherung trägt die Pflegekraft selbst. Sie haben hier kein Weisungsrecht gegenüber der Betreuungskraft. Entsprechend wichtig ist eine Vertragsgestaltung, aus der die Aufgaben sehr konkret hervorgehen.

Da eine solche Selbstständigkeit offiziell nur legal ist, wenn die Pflegekraft mindestens in zwei Haushalten arbeitet, um eine Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, ist das Modell schwer umsetzbar – vor allem dann, wenn die 24-Stunden-Pflegekraft in einem Haushalt lebt. Nach Rechtsauffassung ist das nicht möglich und lässt den Begriff der 24-Stunden-Kraft nicht mehr zutreffend erscheinen. Da Nachzahlungen und Bußgelder insbesondere auch die Pflegebedürftigen selbst treffen, ist hier Vorsicht geboten.

Entsendung durch das Heimatland

Aufgrund der in der EU geltenden Dienstleistungsfreiheit ist es möglich, z. B. als polnische Firma Pflegehilfen nach Deutschland zu entsenden. Diese sind weiterhin in ihrem Heimatland angemeldet und zahlen dort auch Steuern, arbeiten jedoch in Deutschland. Viele dieser Unternehmen arbeiten mit deutschen Vermittlungsagenturen zusammen. Weisungsbefugt bleiben die polnischen Arbeitgeber, nicht hingegen die Vermittlungsagenturen oder der Haushalt, in dem die Pflegekraft arbeitet.

Alternativ suchen deutsche Vermittlungsagenturen nach selbstständigen Pflegekräften, die sie an Haushalte hierzulande vermitteln und dafür eine einmalige oder auch monatliche Gebühr verlangen.

Ein Nachteil für die Pflegebedürftigen ist dabei oft, dass die Pflegekräfte nach 8–12 Wochen ausgetauscht werden. Sollte umgekehrt jedoch die Chemie nicht stimmen, ist meist innerhalb von einer Woche ein Wechsel möglich.

Die Kosten variieren je nach vorhandenen Deutschkenntnissen und Qualifikationen zwischen 2.000 bis 2.500 Euro je Monat, zuzüglich einer jährlichen Vermittlungsprovision und freier Kost und Logis.

Achten Sie unabhängig vom Modell in jedem Fall auf die nötigen Verträge:

  • Vertrag über die Pflegeleistungen mit dem ausländischen Entsender oder der Pflegekraft, sofern diese selbstständig ist.
  • Vermittlungsvertrag mit der Agentur. Dieser sollte keine Angaben zu Pflegeleistungen enthalten.
  • Arbeitsvertrag: Diesen schließen Sie nur dann direkt mit der Pflegekraft, wenn diese in ein Angestelltenverhältnis eintritt oder über die Bundesagentur für Arbeit vermittelt wurde.

Kosten der 24-Stunden-Pflege

Die monatlichen Kosten für eine Pflegekraft variieren je nach Modell, wie die Pflegekraft angestellt ist. Wenngleich sich die Kosten erheblich unterscheiden, so gelten etwa folgende Richtwerte:
  • Agiert eine Agentur als Vermittler liegen die Kosten etwa zwischen 2.000 und 2.500 Euro pro Monat. Hinzu kommen eine jährliche Vermittlungspauschale sowie die kostenlose Bereitstellung von Kost und Logis. Die Kosten setzen sich dabei in etwa wie folgt zusammen:
    • 60 % Nettolohn der Pflegekraft
    • 12 % Vermittlungsagentur
    • 12 % Entsender im Ausland
    • 11 % Sozialabgaben / Steuern
    • 5 % Reisekosten
  • Stellen Sie die Pflegekraft selbst an, tragen Sie auch die Lohnnebenkosten. Dieses Modell kann daher auch mit 3.000–5.000 Euro monatlich zu Buche schlagen.
Lohnkosten*
Bruttogehalt 2.500 €
Krankenversicherung 196 €
Pflegeversicherung 38 €
Rentenversicherung 232 €
Arbeitslosenversicherung 30 €
Summe 2.996 €
  • Selbstständig tätige Pflegekräfte arbeiten auf eigene Rechnung und berechnen monatlich ca. 1.800 bis 3.000 Euro.

Finanzierung der 24-Stunden-Pflege

Die Pflegekasse kommt grundsätzlich nicht für die Kosten der 24-Stunden-Pflege auf. Liegt allerdings ein anerkannter Pflegegrad vor, können Leistungen der Pflegekasse die Finanzierung der 24-Stunden-Pflege erleichtern. Versicherten steht dazu zunächst das Pflegegeld zu. Dessen Höhe richtet sich nach dem anerkannten Pflegegrad:

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2316 Euro
Pflegegrad 3545 Euro
Pflegegrad 4728 Euro
Pflegegrad 5901 Euro


Allen Pflegebedürftigen, d. h. auch Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad 1, steht zudem der Entlastungsbetrag für Betreuungsdienstleistungen in Höhe von 125 Euro monatlich zu.

Leistungen der Verhinderungspflege nutzen

Gegebenenfalls können Sie zudem Leistungen für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Diese ist für die Fälle gedacht, wenn private Pflegekräfte mal Urlaub machen möchten oder selbst krank werden. Die Pflegekasse kommt für maximal 6 Wochen jährlich für die Kosten der Ersatzpflege mit maximal 2.418 Euro auf. Dieser Betrag setzt sich aus 1.612 Euro für die Verhinderungspflege und maximal 806 Euro aus der Kurzzeitpflege zusammen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die pflegebedürftige Person bereits 6 Monate lang im häuslichen Umfeld gepflegt wurde.

Pflegeaufwand steuerlich geltend machen

Unabhängig davon, wie Sie die Pflegekraft finanzieren, sind die Kosten dafür in beschränktem Maß steuerlich absetzbar. Gemäß § 35a Abs. 2 EstG gelten für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen steuerliche Ermäßigungen in Höhe von 20 Prozent der Kosten, maximal 4.000 Euro jährlich.

Kosten der 24-Stunden-Pflege für 30 Tage und Eigenanteil

Mit zunehmendem Pflegegrad (PG) sinkt der Eigenanteil, den Sie aufgrund des steigenden Pflegegeldes nach Pflegegraden aufbringen müssen.

Beispiel: Eine Pflegekraft kostet 2.267 € monatlich. Die folgende Tabelle zeigt, wie hoch der Eigenanteil und die möglichen Entlastungen in den Pflegegraden sind.

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Kosten der Pflegekraft2.267 Euro
Pflegegeld0 Euro316 Euro545 Euro728 Euro901 Euro
Entlastungsbetrag125 Euro
Verhinderungspflege (max. 2.418 € / Jahr)0 Euro201,50 Euro
Steuervorteil bei einem Steuersatz von 30 %333 Euro
Eigenanteil1.808,67 Euro1.291,17 Euro1.062,17 Euro879,17 Euro706,17 Euro


Vorsicht bei der Nutzung der Kombinationspflege

Besteht bei der pflegebedürftigen Person ein zusätzlicher Pflegebedarf durch einen ambulanten Pflegedienst, reduziert sich der Anspruch auf Pflegegeld anteilig um die Kosten der Sachleistungen. Entfällt z. B. auf den Pflegedienst eine monatliche Summe für Injektionen und andere medizinische Leistungen, die nicht durch die Betreuungskraft erfolgen dürfen, in Höhe von 40 Prozent der maximalen Sachleistungen, reduziert sich der Anspruch auf Pflegegeld auf 60 Prozent der monatlichen Summe.

Kosten der 24-Stunden-Pflege für 30 Tage und Nutzung eines Pflegedienstes

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich der Eigenanteil erhöht, wenn monatlich ein Pflegedienst in Anspruch genommen wird. Dieser wird direkt mit der Pflegekasse abgerechnet, der Pflegegeldanspruch verringert sich anteilig zu den genutzten Sachleistungen.

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Kosten des ambulanten Pflegedienstes675 Euro
Pflegesachleistungen0 Euro689 Euro1.298 Euro1.612 Euro1.995 Euro
genutzte % der Sachleistungen98 %52 %42 %34 %
maximales Pflegegeld316 Euro545 Euro728 Euro901 Euro
Restanspruch auf Pflegegeld nach %, nutzbar für Pflegekraft6,30 Euro (2 %)261,60 Euro421,66 Euro594,66 Euro
Kosten der Pflegekraft2.267 Euro
– Entlastungsbetrag125 Euro
– Verhinderungspflege (max. 2.418 € / Jahr)201,50 Euro
– Steuervorteil bei einem Steuersatz von 30 %333 Euro
Eigenanteil inkl. Sachleistungen2.484 Euro1.601,20 Euro1.345,90 Euro1.185,84 Euro1.012,84 Euro


Kostenvergleich der 24-Stunden-Pflege und einer stationären Pflegeeinrichtung

In den meisten Fällen ist die 24-Stunden-Pflege günstiger als eine Unterbringung im Heim, wie das folgende Beispiel zeigt.

 24-Stunden-Pflege Pflegeeinrichtung
Kosten der 24-Std.-Pflegekraft2.267 EuroHeimkosten inkl. Verpflegung und Investitionskosten3.802,50 Euro
Pflegegeld (PG 3)545 EuroZuzahlung Pflegekosten1.262 Euro
Entlastungsbetrag125 Euro  
Verhinderungspflege (max. 1.418 € / Jahr)201,50 Euro 
Steuervorteil bei einem Steuersatz von 30 %333,33 Euro 
Eigenanteil1.062,17 Euro 2.540,50 Euro

Legale Anmeldung der 24-Stunden-Pflegekraft

Schwarzarbeit ist im Bereich der häuslichen Pflege weit verbreitet. Pflegekräfte arbeiten hier teilweise weit außerhalb der gesetzlichen Arbeitszeiten für weniger als 1.000 Euro im Monat. Als Arbeitgeber birgt diese vermeintliche Kostenersparnis allerhand Risiken, denn Sie haben keinerlei Sicherheiten. Auch im Falle einer Krankheit oder bei einem Unfall drohen ernsthafte Probleme – von dem Vorwurf der Steuerhinterziehung und der Ausbeutung mal ganz abgesehen.

Entscheiden Sie sich daher lieber für eine Vermittlungsagentur oder stellen Sie die Pflegekraft trotz der deutlich höheren Kosten selbst an. Da es bei Agenturen immer wieder schwarze Schafe gibt, achten Sie auf einen seriösen Anbieter.

Arbeitsrechtliche Aspekte

Trotz des irreführenden Namens gelten auch für 24-Stunden-Pflegekräfte Arbeitszeiten nach deutschem Gesetz. Das bedeutet konkret:

  • maximale Arbeitszeit von 10 Stunden / Tag bzw. 48 Std. / Woche
  • gesetzlicher Mindestlohn
  • Pausen und 8 Std. ungestörte Nachtruhe
  • mindestens ein freier Tag / Woche
  • Anspruch auf Urlaub
  • keine Nachtarbeit

Maximale Dauer der Entsendung

Mit dem Inkrafttreten der Novelle der Entsenderichtlinie 96/717EG zum 30. Juli 2020 wurde erstmals eine gesetzliche Obergrenze der Entsendung auf 12 Monate festgelegt. Dabei ist allerdings eine Verlängerung um weitere 6 Monate auf 18 Monate auf Antrag möglich. Die Verordnung über die Koordinierung der Systeme zur sozialen Sicherheit (EG Nr. 883/2004) gestattet dabei unter gewissen Voraussetzungen max. 24 Monate lang das Abführen von Sozialabgaben im Herkunftsland.

Vermittlung einer 24-Stunden-Betreuung – Checkliste

Seriöse Agenturen erkennen Sie nicht unbedingt an Erfahrungsberichten im Internet. Viel wichtiger ist z. B. die A1-Bescheinigung, die bestätigt, dass Steuern und Abgaben im Heimatland gezahlt werden.

Die Vermittlungsagentur sollte zudem über einige Merkmale verfügen:

  • Büroadresse
  • deutschsprachige Mitarbeiter*innen
  • Erreichbarkeit mindestens zu gewöhnlichen Bürozeiten, im Idealfall auch 24-Stunden-Notrufnummer
  • ein persönliches Vorgespräch sollte möglich sein
  • Ihnen werden 2–3 Pflegekräfte vorgeschlagen

Es empfiehlt sich durchaus, 3–5 unterschiedliche Angebote einzuholen und die Verträge miteinander zu vergleichen. Vor allem bezüglich der Kosten sollte hier Transparenz herrschen. Eine klare Übersicht, aus der z. B. auch hervorgeht, ob zusätzliche Fahrtkosten oder Feiertagszulagen anfallen, ist besser als einzeln im Vertrag eingestreute Kostenangaben. Wichtig ist außerdem, dass, falls es menschlich zwischen Pflegekraft und der betreuten Person nicht stimmt, schnell und unbürokratisch für Ersatz gesorgt wird.

Im Optimalfall steht die Pflegehilfe schon rund eine Woche nach der Vertragsunterzeichnung zur Verfügung. Dabei sollten Vorkenntnisse und Erfahrungen oder Qualifikationen der Pflegekraft zum Betreuungsbedarf der pflegebedürftigen Person passen. Vorab ist vertraglich allerdings genau festzuhalten, welche Aufgaben die Pflegekraft konkret übernimmt.

DIN-Standard zur Vermittlung von ausländischen Betreuungskräften

Ab Januar 2021 gilt ein neuer Branchenstandard, die sogenannte DIN SPEC 33454 mit dem Titel „Betreuung unterstützungsbedürftiger Menschen durch im Haushalt wohnende, insbesondere ausländische Betreuungskräfte – Anforderungen an Vermittler, Dienstleistungserbringer und Betreuungskräfte“. Diese schafft Klarheit und Orientierung bei der Suche nach ausländischen Pflegekräften. Gleichzeitig dienen die festgeschriebenen Qualitätsstandards den Marktteilnehmern zur Steigerung der Versorgungsqualität, fairen Arbeitsbedingungen und Transparenz.

Hier findet man 24-Stunden-Pflegekräfte

Pflegekräfte bieten ihre Dienste auf ganz unterschiedlichen Wegen an:

  • Kleinanzeigen-Portale
  • Stellenanzeigen
  • Arbeitsamt (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung)
  • Vermittlungsagenturen
  • Pflegeagenturen

Vorteile einer 24-Stunden-Betreuung

Der entscheidende Vorteil einer 24-Stunden-Pflegekraft ist natürlich zunächst, dass die pflegebedürftige Person nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen muss, sondern die Pflege weiterhin im häuslichen Umfeld erfolgen kann. So bleibt die Selbstständigkeit möglichst lange erhalten. Die Pflegekraft kann individuell auf die Person eingehen und ist unterstützend zur Stelle, wenn Tätigkeiten nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden können.

Die Pflegekraft entlastet pflegende Angehörige durch die Übernahme der alltäglichen Betreuung. Gleichzeitig bleiben Sie stets informiert, da die Pflegekraft die pflegebedürftige Person immer im Blick hat und so im Notfall jemand da ist.

Ein Vorteil sind zudem die Kosten, die im Vergleich zum Pflegeheim wesentlich geringer ausfallen. Allerdings ist hier zu berücksichtigen, dass der Aufenthalt in einer stationären Pflegeeinrichtung andere Kostenerstattungsmodelle mit sich bringt als die 24-Stunden-Pflege. Der Eigenanteil ist im Rahmen der stationären Pflege meist dennoch höher als bei der Beauftragung einer Pflegekraft.

Alternativen zur 24-Stunden-Pflege

Die 24-Stunden-Pflege ist nur eine Möglichkeit, um die eigene Selbstständigkeit zu erhalten. Eine Alternative ist beispielsweise auch das Betreute Wohnen, wenngleich hier die eigenen vier Wände verlassen werden müssen. Gibt es Angehörige, so können diese die Pflege für eine gewisse Zeit übernehmen und einen ambulanten Pflegedienst zur Unterstützung heranziehen. Schließlich sind auch stationäre Senioren- oder Pflegeheime Optionen – vor allem dann, wenn der medizinische Pflegebedarf hoch ist.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Informationen zur 24-Stunden-Betreuung in Österreich: https://broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=175

Über besondere Einschränkungen und Maßnahmen während der Corona-Pandemie informiert die Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-zu-hause/corona-und-die-haeusliche-24stundenbetreuung-47270

Tipps der Caritas, um eine Ausbeutung der Pflegekräfte zu vermeiden: https://www.caritas.de/hilfeundberatung/ratgeber/alter/pflege/haushaltshilfen-legal-beschaeftigen

Stiftung Warentest hat Vermittlungsagenturen getestet: https://www.test.de/Pflege-Betreuungskraft-aus-Osteuropa-die-besten-Vermittler-5170957-0/

Die DIN SPEC 33454 zur Qualität in der 24-Stunden-Pflege: beuth.de/de/technische-regel/din-spec-33454/333098011

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11 02, 2021

Stundenweise Seniorenbetreuung

2021-03-04T14:47:58+01:00Februar 11th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Stundenweise Seniorenbetreuung

Das Älterwerden bringt so manche Herausforderung mit sich. Zum einen ist da die zunehmende Gebrechlichkeit, durch die sich alltägliche Aufgaben schwerer bewältigen lassen. Durch die sinkende Mobilität ergibt sich beispielsweise das Problem, Ärzte oder andere Termine außer Haus allein zu erreichen. Hinzu kommen oft soziale Isolation und Einsamkeit, die Angehörige oder Pflegedienste nur selten kompensieren können. Eine stundenweise Seniorenbetreuung kann die Lebensqualität in allen Bereichen deutlich steigern und Pflegepersonen spürbar entlasten.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Was versteht man unter der stundenweisen Seniorenbetreuung?
  • Für wen eignet sich die stundenweise Seniorenbetreuung?
  • Anbieter der stundenweisen Seniorenbetreuung
  • Leistungen der stundenweisen Seniorenbetreuung
  • Kosten der stundenweisen Seniorenbetreuung
  • Finanzierung der stundenweisen Seniorenbetreuung
  • Tipps für die Suche nach einer stundenweisen Seniorenbetreuung
  • Weitere Betreuungsangebote für Senior*innen
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die stundenweise Seniorenbetreuung unterstützt Senior*innen im Alltag. Sie trägt so zum Erhalt von Aktivität und Mobilität bei und verringert das Risiko der sozialen Isolation. Gleichzeitig entlastet sie auch die Angehörigen.
  • Nicht zum Leistungsangebot gehören pflegerische Tätigkeiten wie die Körperpflege oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Stattdessen stehen gemeinsame Aktivitäten im Fokus der Betreuungsleistungen.
  • Finanzieren lässt sich die Seniorenbetreuung ab Pflegegrad 1 durch den Entlastungsbetrag oder andere Leistungen der Pflegekasse.

Was versteht man unter der stundenweisen Seniorenbetreuung?

Die stundenweise Seniorenbetreuung richtet sich an Senior*innen und deren Angehörige gleichermaßen. Wie der Begriff bereits vermuten lässt, unterstützen professionelle Betreuungspersonen die Personen für einige Stunden, z. B. im Haushalt oder bei Terminen.

Anders als bei ambulanten Pflegediensten gehören pflegerische Tätigkeiten wie die Körperpflege oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme nicht zum Leistungsspektrum. Damit sind die Aufgaben der stundenweisen Seniorenbetreuung eher mit jenen der 24-Stunden-Betreuung vergleichbar.

Für Seniorenbetreuer*innen in ambulanten Einrichtungen gilt § 45 SGB XI, während § 43b SGB XI den gesetzlichen Rahmen für stationäre Einrichtungen vorgibt.

Verschiedene Qualifikationsstufen der Betreuer*innen

Der Begriff der Seniorenbetreuung ist nicht geschützt. Im Prinzip kann jede Person als Seniorenbetreuer*in oder auch Alltagsbegleiter*in tätig sein.

Seriöse Betreuungspersonen verfügen in der Regel über eine spezielle Qualifikation. So sind sie auf ihre Tätigkeitsbereiche vorbereitet und wissen um besondere Herausforderungen, die beispielsweise bei Demenz auftreten. Dabei gibt es unterschiedliche Erfahrungsstufen:

  • Personen mit einer Ausbildung nach §§ 43b / 53c (ehemals § 87b SGB XI) verfügen über eine 160-stündige Ausbildung inklusive eines Praktikums und sind daher für vergleichsweise anspruchsvolle Aufgaben geschult.
  • Die Ausbildung nach § 45b hat lediglich einen Umfang von 30 Stunden, sodass sich diese Qualifikation eher für einfache Aufgabenbereiche eignet.

Für wen eignet sich die stundenweise Seniorenbetreuung?

Die Betreuungsperson unterstützt im Alltag und bei Behördengängen, leistet Gesellschaft und trägt wesentlich zum Erhalt von Aktivität und Mobilität bei. Durch diese vielseitigen Tätigkeitsbereiche eignet sich die Seniorenbetreuung im Prinzip für alle Senior*innen, die sich in einem der Bereiche Unterstützung oder auch nur Gesellschaft wünschen – ganz unabhängig vom Pflegegrad.

Stundenweise Seniorenbetreuung für Demenzkranke

Menschen, die an einer altersbedingten Demenz leiden, werden zunehmend vergesslich und verlieren die Orientierung in Zeit und Raum. So kann es passieren, dass sie vergessen zu essen und zu trinken oder sich auf dem Weg zum Hausarzt verlaufen.

Hier kann eine stundenweise Betreuung wertvolle Unterstützung leisten und demenzkranken Personen Sicherheit in der vertrauten Umgebung bieten. Gleichzeitig ermöglicht es pflegenden Angehörigen sich auch mal zurückzulehnen, weil sie die betreute Person in guten Händen wissen.

Wann ist die Seniorenbetreuung eher ungeeignet?

Die Betreuung ist nicht gleichzusetzen mit pflegerischen Tätigkeiten. Für die Grund- und Behandlungspflege ist ein ambulanter Pflegedienst der richtige Ansprechpartner, da Seniorenbetreuer*innen über keine Qualifikation für medizinische Leistungen verfügen.

Auch Menschen, die sehr einsam sind, sollten sich überlegen, ob eine Seniorenbetreuung die richtige Wahl ist, oder ob nicht eine Tagespflege, in der der Fokus auf gemeinsamen Aktivitäten in einer Gruppe liegt, geeigneter wäre. Schließlich konzentriert sich der Kontakt bei der stundenweisen Betreuung nur auf eine Person.

Geht der Unterstützungsbedarf über einige Stunden in der Woche hinaus, empfiehlt sich vielleicht auch eine 24-Stunden-Pflege. Diese ist dann rund um die Uhr im Haus und vergleichsweise günstiger als eine Person, die nach Stunden abrechnet.

Anbieter der stundenweisen Seniorenbetreuung

Grundsätzlich kann jede Person die stundenweise Betreuung von Senior*innen übernehmen. Geht es nur um die Hilfe beim Einkaufen oder darum, gemeinsam Zeit zu verbringen, ist keine spezielle Ausbildung notwendig und eine einfache Alltagsbegleitung reicht aus. Doch gibt es auch eine ganze Reihe professioneller Betreuungsoptionen:

  • Einige ambulante Pflegedienste bieten neben dem typischen Pflegeangebot auch Betreuungsleistungen an. Das erfolgt entweder im Rahmen der Tagespflege oder durch speziell geschultes Personal, das Sie im häuslichen Umfeld aufsucht.
  • Neben den klassischen Pflegediensten haben sich Betreuungsdienste auf die Vermittlung von Seniorenbetreuer*innen spezialisiert. Hier steht der Anspruch im Vordergrund, eine Betreuer*in zu finden, bei der auch wirklich die Chemie stimmt.
  • In größeren Städten fokussieren sich einige Dienstleister auf die stundenweise Betreuung. Hier gibt es vor allem selbstständige Seniorenbetreuer*innen, die auf eigene Rechnung arbeiten.
  • Außerdem bieten Kommunen, Kirchen- und Wohlfahrtsverbände teilweise eine auf dem Ehrenamt basierende Seniorenbetreuung an.

Betreuungsangebote finden Sie im Internet. Auch Wohlfahrtsverbände oder Pflegedienste sind gute Ansprechpartner*innen, um sich über mögliche Angebote vor Ort zu erkundigen.

Leistungen der stundenweisen Seniorenbetreuung

Die Seniorenbetreuung ist nicht dazu da, pflegerische oder medizinische Aufgaben zu übernehmen. Stattdessen gibt es jedoch andere Tätigkeitsbereiche, in denen sie eine wertvolle Arbeit leisten kann und so nicht nur die Senior*innen selbst, sondern unter Umständen auch pflegende Angehörige entlastet.

Sowohl pflegenden Angehörigen als auch Pflegediensten fehlt schlichtweg oft die Zeit, sich über die Grundpflege hinaus um die Senior*innen zu kümmern – die Gefahr einer Vereinsamung ist groß. Seniorenbetreuer*innen leisten Gesellschaft beim Kochen, Handarbeiten, Spielen oder auch bei Ausflügen und tragen so maßgeblich zum Erhalt der Aktivität älterer Personen bei.

Fällt der Gang zum Supermarkt oder zum Arzt alleine schwer, kann die Betreuungsperson ein großer Beistand sein und die Mobilität positiv beeinflussen. Damit bleibt die Selbstständigkeit im Alltag möglichst lange erhalten. Gängige Leistungen der Seniorenbetreuung sind allgemein:

  • Hilfe im Haushalt beim Kochen, Putzen und Waschen
  • Begleitung bei Arztbesuchen und anderen Terminen
  • Gesellschaft und Unterhaltung
  • Einkaufshilfe
  • Begleitung bei Ausflügen oder Freizeitaktivitäten

Zusatzqualifikationen für die Betreuung dementer Personen

Demenz stellt pflegende Angehörige teilweise vor enorme Herausforderungen. Durch die permanente Anspannung ist die Belastungsgrenze schnell erreicht. Umso wichtiger ist es, die eigenen Akkus zwischendurch immer mal wieder aufzuladen und eine Auszeit von der Pflege zu nehmen.

Eine stundenweise Seniorenbetreuung ist hierfür ideal. Sie kümmert sich in Ihrer Abwesenheit gewissenhaft und liebevoll um die demenzkranke Person. Dem drohenden räumlichen und zeitlichen Desorientiertsein wirkt sie mit Vertrautheit entgegen und sorgt für ein sicheres Umfeld. Mit dem Wissen um eine optimale Versorgung der erkrankten Person ist es Angehörigen möglich, in den Auszeiten auch wirklich zu entspannen.

Kosten der stundenweisen Seniorenbetreuung

Die Anbieter haben in der Regel Pauschalpreise zwischen 20 und 35 Euro je Stunde, wobei der Stundensatz in jedem Fall über dem gesetzlichen Mindestlohn für Pflegekräfte liegt. Einige berechnen zusätzlich anfallende Anfahrtskosten. Andere Anbieter hingegen arbeiten nicht nach Zeit, sondern auf der Basis von Modulen. Aufgrund der unterschiedlichen Preisgestaltung, die im Gegensatz zu vielen anderen Pflegeleistungen nicht an Vereinbarungen mit den Pflegekassen gebunden ist, lohnt sich ein Preisvergleich verschiedener Anbieter.

Finanzierung der stundenweisen Seniorenbetreuung

Voraussetzung, um die stundenweise Seniorenbetreuung durch Leistungen aus der Pflegekasse zu finanzieren, ist ein anerkannter Pflegegrad. Diesen ermittelt der MDK im Rahmen einer Begutachtung und spricht eine Empfehlung an die Pflegekasse aus.

Ab einem Pflegegrad 1 ist es möglich, einen monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro zu erhalten. Dieser steht allen Pflegegraden zu und kann für die stundenweise Betreuung genutzt werden.

Ab Pflegegrad 2 können bis zu 40 Prozent der Pflegesachleistungen in die private Pflege umgewandelt werden. Bei Pflegegrad 5 sind das immerhin 798 Euro je Monat. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Pflegesachleistungen noch nicht vollständig genutzt wurden.

Darüber hinaus erhalten Personen ab Pflegegrad 2 zudem Pflegegeld, das gegebenenfalls anteilig um die Sachleistungen gekürzt wird. Kommt der ausgezahlte Betrag keinem Angehörigen zugute, dann lässt sich natürlich auch damit die stundenweise Betreuung finanzieren.

Jährlich stehen Personen mit einem Pflegegrad ab 2 für die Verhinderungspflege 1.612 Euro sowie weitere 806 Euro aus der Kurzzeitpflege zu. Auch diese kann unter Umständen für die stundenweise Betreuung beantragt werden.

Die Kosten für die stundenweise Seniorenbetreuung lassen sich außerdem als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Das Finanzamt erkennt 20 Prozent der Aufwendungen bis zu einer Höhe von maximal 4.000 Euro jährlich an.

Tipps für die Suche nach einer stundenweisen Seniorenbetreuung

  • Zunächst lohnt sich natürlich ein Preisvergleich. Die Anbieter vor Ort sind an keine Fixpreise gebunden und unterscheiden sich in ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis daher teilweise erheblich.
  • Natürlich gibt es auch hier schwarze Schafe. Es ist also durchaus sinnvoll, auf einen seriösen Anbieter zu setzen, dessen Personal z. B. über Zusatzqualifikationen verfügt. Das ist vor allem bei der Betreuung von Menschen mit Demenz wichtig.
  • Im Idealfall kommt immer die gleiche Person zu Ihnen oder Ihren Angehörigen, damit sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln kann.
Mindestens genauso wichtig wie der Preis und die Qualifikation sollte jedoch sein, dass die Beteiligten gut miteinander auskommen und die Chemie zwischen beiden stimmt.

Weitere Betreuungsangebote für Senior*innen

Möglicherweise ist die stundenweise Betreuung nicht das passende Modell. Doch auch dann gibt es Möglichkeiten, um ältere Personen im Alltag zu unterstützen oder als Angehöriger auch mal abschalten zu können.

Geht es bei einer stundenweisen Abwesenheit vorrangig um pflegerische Tätigkeiten, dann ist vielleicht die Verhinderungspflege eine geeignete Alternative.

Bei einem höheren Zeitaufwand, der für die Betreuung anfällt, bietet sich eventuell auch die 24-Stunden-Betreuung an, deren Leistungsumfang vergleichbar ist.

stundenweise Betreuung24-Stunden-Betreuung
  • Abrechnung je Stunde
  • ideal für Senior*innen mit geringem Betreuungsbedarf ohne Pflegeaufwand
  • Finanzierung über Entlastungs- und ggf. Umwandlungsbetrag
  • Kosten bei 20–35 Euro je Stunde und Anbieter
  • Rund-um-die-Uhr-Betreuung bei monatlicher Abrechnung
  • ideal für Senior*innen mit mittlerem Betreuungsbedarf
  • Finanzierung über Pflegegeld und Verhinderungspflege + anteilige Kurzzeitpflege
  • Kosten bei 2.000 bis 3.000 Euro je Monat und Anbieter

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

45a Angebote zur Unterstützung im Alltag, Umwandlung des ambulanten Sachleistungsbetrags (Umwandlungsanspruch), Verordnungsermächtigung im Wortlaut: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45a.html

45b Entlastungsbetrag im Wortlaut: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__45b.html

Mehr zum gesetzlichen Rahmen und den Inhalten der Qualifikation als Seniorenbetreuer*in: https://de.wikipedia.org/wiki/Seniorenbetreuer

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11 02, 2021

Polnische Pflegekräfte

2021-03-04T14:46:56+01:00Februar 11th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Polnische Pflegekräfte

Mit dem Oberbegriff „polnische Pflegekräfte“ hat sich längst im allgemeinen Sprachgebrauch ein Synonym für die 24-Stunden-Betreuung im häuslichen Umfeld etabliert. Die Pflegekräfte aus dem Ausland entlasten Angehörige, leisten wertvolle Unterstützung im Alltag und tragen dazu bei, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrem vertrauten Heim leben können.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Pflegekräfte – nicht nur aus Polen
  • Leistungen polnischer Pflegekräfte
  • Beschäftigungsmodelle für polnische Pflegekräfte
  • Kosten einer polnischen Pflegekraft
  • Finanzierung polnischer Pflegekräfte
  • Legale Beschäftigung der polnischen Pflegekraft
  • Vor- und Nachteile der Beschäftigung einer polnischen Pflegekraft
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ausdruck „polnische Pflegekraft“ ist inzwischen umgangssprachlich zum Sammelbegriff für Betreuungskräfte aus Osteuropa geworden. Natürlich stammen nicht alle Menschen dieser Berufsgruppe aus Polen, sondern auch aus anderen Staaten Osteuropas.
  • Die Bezeichnung „Pflegekraft“ ist oft irreführend, da es meist an einer qualifizierten Ausbildung mangelt. Genau genommen handelt es sich um Betreuungspersonen, die keine Maßnahmen der Behandlungspflege durchführen dürfen.
  • Die Beschäftigung von Pflegekräften aus Osteuropa ist legal. Dabei haben Sie die Wahl zwischen unterschiedlichen Beschäftigungsmodellen, bei denen Sie entweder selbst als Arbeitgeber auftreten oder eine Vermittlungsagentur nutzen.

Pflegekräfte – nicht nur aus Polen

Die polnische Pflegekraft gilt gemeinhin als Synonym für Haushaltshilfen und Betreuungspersonen aus dem osteuropäischen Raum. Dabei kommen längst nicht alle Menschen dieser Berufsgruppe aus Polen, sondern auch aus den baltischen Staaten, der Slowakei, Rumänien oder Bulgarien. Da Polen jedoch eher in die EU eingetreten ist als andere Staaten, konnten Erwerbstätige hier früher von der Arbeitnehmerfreizügigkeit profitieren, sodass der Markt in weiten Teilen durch polnische Kräfte dominiert ist.

Der Begriff der Pflegekraft ist dabei allerdings mit Vorsicht zu genießen. Streng genommen handelt es sich um Betreuungskräfte, weil oft eine qualifizierte Ausbildung fehlt, die einer hier anerkannten examinierten Pflegefachkraft entspricht. Daher bleiben die Tätigkeiten der ausländischen Pflegekräfte in der Regel auf den Bereich der Grundpflege beschränkt, während die Behandlungspflege – Medikamentengabe, Messen des Blutdrucks oder auch das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen – den professionellen Kräften ambulanter Pflegedienste vorbehalten bleibt.

Leistungen polnischer Pflegekräfte

Hat die polnische Pflegekraft keine Fachausbildung absolviert, bleiben die Leistungen auf die Grundpflege beschränkt. Sind medizinische Maßnahmen der Behandlungspflege notwendig, bedarf es zusätzlich eines professionellen Pflegedienstes, der diese Aufgaben verrichten darf. Die Tätigkeitsbereiche der Pflegekraft sind damit im Wesentlichen:

  • Grundpflege: Unterstützung bei der Körperpflege und Nahrungsaufnahme sowie Förderung von Eigenständigkeit und Mobilität
  • Haushaltshilfe, z. B. beim Putzen oder Einkaufen
  • Betreuung: Gesellschaft, Unterhaltung, gemeinsame Aktivitäten
  • Begleitung, z. B. zu Arztbesuchen oder Besuchen bei Familie und Freunden

Das Beschäftigungsspektrum beschränkt sich dabei keineswegs nur auf die Pflege von Senior*innen. Darüber hinaus kann die Einstellung einer polnischen Pflegekraft auch sinnvoll sein bei:

  • einer Beeinträchtigung
  • während der Rehabilitation
  • nach einer Krankheit oder einem Unfall
  • bei Menschen mit Demenz

Beschäftigungsmodelle für polnische Pflegekräfte

Um eine polnische Pflegekraft einzustellen, bieten sich drei unterschiedliche Modelle an, die sich jeweils auch in ihren Kosten unterscheiden:

  • Festanstellung
  • Beschäftigung einer selbstständigen Pflegekraft
  • Vermittlung über eine Agentur (Entsendungsmodell)

Entsendungsmodell: Polnische Pflegekraft über eine Agentur buchen

Polnischen Unternehmen ist es gestattet, Arbeitnehmer*innen in andere EU-Staaten zu entsenden. Daneben dürfen sich natürlich auch selbstständige Pflegekräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben.

Um die Vermittlung der Pflegekräfte zu vereinfachen, sind diese in ihrem Heimatland oft bei einer Betreuungsagentur, die in Deutschland mit einer Vermittlungsagentur zusammenarbeitet. Als Interessent*in an den Dienstleistungen treten Sie nun mit der deutschen Agentur in Kontakt, welche Ihnen passende Angebote unterbreitet.

Die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen erfolgt über die Agentur im Heimatland. Sie schließen einen Dienstleistungsvertrag mit der Betreuungsagentur, der die Leistungen beinhaltet, sowie einen Vermittlungsvertrag mit der deutschen Agentur.

Aufgrund einer Gesetzesnovelle im Jahr 2020 ist die Dauer des Vertrags auf 12 Monate begrenzt, kann aber unter bestimmten Voraussetzungen um maximal weitere 12 Monate verlängert werden. Meist wechseln sich in diesem Zeitraum 2–3 Pflegekräfte ab, die im Wechsel für jeweils 6–8 Wochen in Deutschland bleiben.

Seriöse Vermittlungsagenturen erkennen

  • Büroadresse
  • telefonische Erreichbarkeit
  • individuelle Personalvorschläge
  • kurzfristige Vermittlung
  • A1-Bescheinigung
  • oft auch Online-Fragebogen

Liegen die Kosten bei monatlich unter 2.000 Euro ist dies ein Indiz dafür, dass die Pflegekräfte nicht nach Mindestlohn bezahlt werden.

Festanstellung der polnischen Pflegekraft

Bei der Festanstellung werden Sie selbst als Arbeitgeber tätig. Das ist vergleichsweise kompliziert, nicht die günstigste Variante und erfordert jede Menge Papierkram. Zudem tragen Sie dafür Sorge, dass im Falle von Krankheit oder Urlaub der Pflegekraft für Ersatz gesorgt ist und sind z. B. auch für den Abschluss einer Unfallversicherung verantwortlich. Umgekehrt ist dies jedoch die einzige Variante, bei der Sie gegenüber der Pflegekraft weisungsbefugt sind, keine Gebühren an Vermittlungsagenturen entrichten müssen und die Höhe des Gehaltes selbst bestimmen.

Beschäftigung einer selbstständigen Kraft

Ein Mittelweg zwischen Agentur und Festanstellung ist die Beschäftigung einer selbstständigen Pflegekraft. Dies ist möglich, seit direkte Verträge mit den Helfer*innen aus dem Ausland geschlossen werden dürfen. Die Pflegekraft berechnet Ihnen einen festen Stunden- oder Monatssatz und trägt dafür alle Sozialversicherungsbeiträge selbst. Auch hier sind Sie nicht weisungsberechtigt. Zudem stellt sich oft die Frage nach der Scheinselbstständigkeit, sodass bei dieser Variante Vorsicht geboten ist.

Vor- und Nachteile der Beschäftigungsmodelle

 selbstständige KraftFestanstellungAgentur
Kostenmonatliche Pauschale, Pflegekraft trägt Sozialversicherungsbeiträge selbstLohn, Steuern, Sozialversicherungsabgaben und Unfallversicherung, Kosten für Kost und LogisPauschale, die alle Leistungen und Versicherungen umfasst, zzgl. Vermittlungsgebühr
Vorteilekeine Lohnnebenkosten

Weisungsbefugnis

keine Vermittlungsgebühren

einfache und unkomplizierte Vermittlung

schneller Ersatz, wenn Chemie nicht stimmt

Nachteile

keine Weisungsbefugnis

Gefahr der Scheinselbstständigkeit

kein Ersatz bei Krankheit oder Urlaub

keine Sicherheit über Qualifikationen

Lohnnebenkosten

eigenverantwortliches Kümmern, Selbstorganisation von Krankheits- und Urlaubsvertretung

zeitaufwendig, viel Papierkram

keine Weisungsbefugnis

wechselnde Pflegekräfte

z. T. Sprachbarrieren

Kosten einer polnischen Pflegekraft

Die Kosten für eine polnische Pflegekraft variieren zunächst anhand des Beschäftigungsmodells. Eine Festanstellung ist aufgrund der Lohnnebenkosten mit monatlich ca. 3.000 bis 5.000 Euro die teuerste Variante. Selbstständige Pflegekräfte verlangen pro Monat ca. 2.000 bis 3.000 Euro, während bei einer Vermittlungsagentur ca. 2.500 Euro fällig werden. Hier sind bereits Fahrtkosten, Versicherungen und sonstige Vermittlungsgebühren abgedeckt.

Die Höhe der Kosten hängt zudem neben der Qualifikation auch von den Sprachkenntnissen ab.

Finanzierung polnischer Pflegekräfte

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Beschäftigung einer polnischen Pflegekraft nicht direkt. Wohl aber haben Sie Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse, die sich zur Finanzierung der Pflegekraft eignen. Das sind im Wesentlichen:

  • Pflegegeld, ab einem anerkannten Pflegegrad 2
  • Verhinderungspflege, bis zu 1.612 Euro im Jahr, zzgl. eines Anteils aus der Kurzzeitpflege erweiterbar auf 2.418 Euro / Jahr, ab Pflegegrad 2
  • Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro, schon ab Pflegegrad 1

Die Kosten für polnische Pflegekräfte können Sie im Rahmen der Steuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistungen steuerlich absetzen. Die Obergrenze liegt hier bei 20 Prozent bis zu einer maximalen jährlichen Summe von 4.000 Euro.

Vorsicht vor Lockangeboten

Es gibt Agenturen, die werben mit einer Abrechnung über die Pflegesachleistungen, d. h. eine Gleichstellung der Pflegekräfte mit professionellen Pflegediensten. Das ist jedoch legal kaum machbar, da hierfür ein Versorgungsvertrag erforderlich ist. Diesen schließen Pflegekassen mit ambulanten Diensten, wodurch auch regelmäßige Kontrollen durch den MDK impliziert sind. Aufgrund der fehlenden fachlichen Ausbildung, der schnell wechselnden Einsatzorte und der Schwierigkeit der Dokumentation in der häuslichen Pflege ist dies kaum möglich. Nehmen Sie sich daher vor solchen Angeboten in Acht.

Legale Beschäftigung der polnischen Pflegekraft

Schwarzarbeit ist kein Kavaliersdelikt, bei Aufdeckung drohen empfindliche Bußgelder. Die illegale Beschäftigung mag zwar günstiger sein, doch verzichten Sie damit auch auf sämtliche Sicherheiten. Es mangelt nicht nur an einem Versicherungsschutz, wenn beispielsweise Dinge aus dem Haushalt entwendet werden – bei Krankheit oder Unfällen drohen ernsthafte Konsequenzen. Unabhängig vom Beschäftigungsmodell ist daher eine legale Beschäftigung zu empfehlen, die dem deutschen Arbeitsrecht entspricht.

Gesetzlicher Arbeitsschutz

Oft entsteht der Verdacht der Ausbeutung von Pflegekräften durch zu hohe Arbeitszeiten, fehlende Freizeit oder viel zu geringe Löhne. Dies ist illegal und entspricht nicht dem deutschen Arbeitsschutz, der selbstverständlich auch für ausländische Arbeitskräfte gilt:

  • Mindestlohn
  • Arbeitszeiten von 40 bis max. 48 Stunden je Woche
  • gesetzlicher Urlaubs- und Freizeitanspruch
  • keine durchgehende Nachtbereitschaft
  • mindestens 8 Stunden ununterbrochene Nachtruhe

Häusliche Anforderungen

Um eine polnische Pflegekraft zu beschäftigen, die in Ihrer Wohnung oder in Ihrem Haus lebt, braucht es einen geeigneten Wohnraum für die Betreuungskraft. Für diesen gelten besondere Anforderungen:

  • eigenes Zimmer, möbliert und abschließbar
  • Tageslicht und Frischluftzufuhr
  • uneingeschränkter Zugang zu Bad und Küche
  • Telefon- und Internetanschluss

Vor- und Nachteile der Beschäftigung einer polnischen Pflegekraft

Vorteile Nachteile
  • häusliche Umgebung
  • 24-Stunden-Betreuung
  • günstiger als deutsches Fachpersonal
  • sozialer Kontakt
  • Entlastung im Haushalt
  • unkomplizierte und schnelle Einstellung
  • Entlastung der Angehörigen
  • fremde Person im eigenen Haushalt
  • unter Umständen Sprachbarrieren
  • keine Qualifikation, d. h. ggf. zusätzliche Beauftragung eines Pflegedienstes

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Die Webseite des Verbandes für häusliche Pflege und Betreuung: http://www.vhbp.de/

Aktuelle Covid-19-Informationen rund um die Ein- und Ausreise aus Polen: https://polen.diplo.de/pl-de/04-news/-/2314358

Aktuelle Höhe des Pflegegelds nach Pflegegraden: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegeld.html

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11 02, 2021

Ambulante Pflege

2021-03-04T14:46:18+01:00Februar 11th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Ambulante Pflege

Das Ziel der häuslichen Pflege ist vor allem, dass eine pflegebedürftige Person möglichst lange in ihrer bisherigen Wohnumgebung verbleiben kann. Oft gibt es pflegende Angehörige, die im Haushalt helfen und vielleicht auch einige pflegerische Aufgaben übernehmen. Mit steigendem Pflegebedarf geraten sie jedoch über kurz oder lang an ihre Grenzen. Hier setzt ambulante Pflege an, bei der pflegebedürftige Menschen in der häuslichen Umgebung versorgt und Angehörige damit entlastet. In vielen Fällen tragen Pflegekasse oder Krankenversicherung mindestens einen Teil der Kosten.

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Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Ambulante Pflege im häuslichen Umfeld
  • Leistungen der ambulanten Pflege
  • Für wen eignet sich die ambulante Pflege?
  • Kosten der ambulanten Pflege
  • Finanzierung der ambulanten Pflege
  • Kombination der Pflege durch Angehörige und mit ambulanter Pflege
  • Den passenden Pflegedienst finden
  • Alternativen zum ambulanten Pflegedienst
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ambulante Pflegedienste übernehmen Maßnahmen der Grund- und Behandlungspflege bei pflegebedürftigen Personen im häuslichen Umfeld. Neben Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad können auch kurzzeitig Erkrankte oder chronisch Kranke die Dienstleistung nutzen.
  • In vielen Fällen übernimmt die Pflegekasse die Kosten bis zu einem Maximalbetrag. Dieser richtet sich nach dem anerkannten Pflegegrad. Darüber hinaus gibt es weitere Finanzierungsmöglichkeiten zur Einbindung ambulanter Pflegedienste.
  • Die Kosten sind in Leistungskomplexen und Vergütungspauschalen mit der Pflegekasse vereinbart, können sich jedoch in den einzelnen Bundesländern teilweise erheblich unterscheiden.

Ambulante Pflege im häuslichen Umfeld

Ambulante Pflegedienste führen als professionelle Dienstleister Pflegeleistungen im häuslichen Umfeld der pflegebedürftigen Person durch. Ambulant ist dabei gleichzusetzen mit mobil, d. h., die Pflegedienste sind bei der Leistungserbringung nicht örtlich gebunden. Oft dienen sie pflegenden Angehörigen als Unterstützung und erleichtern so die Organisation der Pflege.

Die ambulante Pflege kann dabei durch verschiedene Anbieter erfolgen:

  • ambulante Pflegedienste
  • selbstständige Einzelpflegekräfte

Träger der Pflegedienste können dabei Kirchen, Kommunen, Wohlfahrtsverbände oder auch private Anbieter sein, wobei sich die Größe der Dienste erheblich unterscheidet.

Die Leistungserbringung erfolgt nach der Beauftragung meist zu festgelegten Zeiten. Das kann 1- bis 2-mal wöchentlich, aber auch mehrmals täglich sein und hängt von der individuellen Pflegebedürftigkeit ab.

Leistungen der ambulanten Pflege

Pflegedienste bieten ein breites Leistungsspektrum an, um Pflegebedürftige in ihrem häuslichen Umfeld optimal zu versorgen und pflegende Angehörige zu entlasten:

  • körperbezogene Maßnahmen wie Körperpflege, Ernährung und die Förderung der Mobilität
  • pflegerische Betreuung wie die Hilfe bei der Orientierung, der Gestaltung des Alltags oder der Pflege sozialer Kontakte
  • häusliche Krankenpflege als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (z. B. Verbandswechsel, Medikamentengabe)
  • Beratung von pflegenden Angehörigen und Pflegebedürftigen sowie Unterstützung bei der Organisation von Fahrdiensten oder dem Essen auf Rädern
  • Hilfe bei der Haushaltsführung

Einige Pflegedienste offerieren darüber hinaus Zusatzqualifikationen wie die Palliativpflege oder außerklinische Intensivpflege.

Für wen eignet sich die ambulante Pflege?

Grundsätzlich eignet sich die ambulante Pflege für alle Menschen, die einen Unterstützungsbedarf im Alltag haben. Aufgrund der Kostenübernahme durch die Krankenversicherung in bestimmten Fällen bleibt der Personenkreis dabei nicht auf pflegebedürftige Menschen im Alter beschränkt, sondern umfasst zudem:

  • chronisch Kranke
  • kurzzeitig Erkrankte
  • Menschen mit Beeinträchtigungen
  • Personen, die über ein ärztliches Rezept zur häuslichen Pflege verfügen

Soll die Pflegekasse die Kosten erstatten, muss zuvor der MDK mit der Begutachtung beauftragt werden und mindestens einen Pflegegrad 2 feststellen.

Kosten der ambulanten Pflege

Die Pflegekassen verhandeln im Abstand von 2–3 Jahren Leistungskomplexe und Vergütungssätze mit den organisierten Pflegediensten. Diese sind dann für alle Dienste gültig und verbindlich, jedoch je nach Bundesland unterschiedlich. Die Pflegekassen halten auf Abruf Leistungs- und Preisvergleichslisten zugelassener Pflegedienste bereit.

Die konkrete Berechnung der Leistungen erfolgt dabei über einen Punktwert, der individuell zwischen dem Pflegedienst und der Pflegekasse vereinbart wird. Somit bestehen auch zwischen den Pflegediensten Preisunterschiede.

Pflegebedürftige stellen sich die Wunschleistungen zusammen und schließen darüber einen Vertrag mit dem Pflegedienst ab. Dieser ist dazu verpflichtet, die Vertragsnehmer nach jeder wesentlichen Veränderung mittels eines Kostenvoranschlags zu informieren und so für Transparenz zu sorgen.

Die Abrechnung der Kosten von Pflegediensten

Pflegedienste rechnen ihre Kosten direkt mit der Pflegekasse ab, sodass Sie nicht in Vorleistung zu gehen brauchen.

Finanzierung der ambulanten Pflege

Pflegesachleistungen, die der Finanzierung der ambulanten Pflege dienen, stehen Personen ab einem anerkannten Pflegegrad ab 2 zu. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Leistungserbringung durch einen durch die Pflegekasse anerkannten Pflegedienst erfolgt.

Pflegegradmax. Pflegesachleistung / MonatPflegegeld
Pflegegrad 10 Euro0 Euro
Pflegegrad 2689 Euro316 Euro
Pflegegrad 31.298 Euro545 Euro
Pflegegrad 41.612 Euro728 Euro
Pflegegrad 51.995 Euro901 Euro


Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 1 können hingegen den Entlastungsbetrag von 125 Euro monatlich für eine Einzelpflegekraft einsetzen. Bei den Pflegegraden 2 bis 5 darf der Entlastungsbetrag nicht für die körperliche Pflege genutzt werden.

Nehmen Sie nicht den kompletten Betrag der Sachleistungen in Anspruch, besteht durch den sogenannten Umwandlungsanspruch die Möglichkeit, bis zu 40 Prozent des maximalen Sachleistungsbetrags für Leistungen zur Unterstützung im Alltag umzuwandeln.

Eine weitere Möglichkeit der Kostenübernahme für die kurzzeitige Beauftragung eines ambulanten Pflegedienstes ist die Verhinderungspflege. Diese können Sie bei Ihrer Abwesenheit für bis zu 6 Wochen im Jahr mit maximal 1.612 Euro nutzen und um weitere 806 Euro aus der Kurzzeitpflege aufstocken. Neben professionellen Pflegekräften kann diese auch durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht werden.

Menschen mit geringen finanziellen Mitteln können sich finanzielle Unterstützung über die Hilfe zur Pflege beim Sozialamt holen.

Beispiele für die Finanzierung eines ambulanten Pflegedienstes

Beispiel 1: Frau Huber, Pflegegrad 2, nutzt monatlich einen Pflegedienst, der 2-mal wöchentlich vorbeikommt. Sie hat einen Antrag auf Kombinationsleistung gestellt, um das übrige Pflegegeld an ihre Tochter weiterzureichen, die ihr im Haushalt hilft.

Kosten Pflegedienst435 Euro (= 63 % von 689 Euro)
Anspruch auf Pflegegeld anteilig (100 – 63 % = 37 %):   37 % * 316 Euro116,92 Euro
Anspruch Entlastungsbetrag125 Euro
Betrag, den Frau Huber an ihre Tochter weitergeben kann241,92 Euro

 

Beispiel 2: Herr Scholz, Pflegegrad 3, wird ausschließlich durch einen Pflegedienst unterstützt. Dieser kommt 5-mal die Woche, die Kosten liegen bei 1.736 Euro.

Kosten Pflegedienst1.736 Euro
Erstattung durch Pflegekasse1.298 Euro
Entlastungsbetrag125 Euro
Eigenanteil 313 Euro


Weitere Finanzierungsoptionen ambulanter Pflegedienste

Um die häusliche Pflege zu ermöglichen, stehen einer pflegebedürftigen Person bis zu 4.000 Euro Zuschuss für Anpassungsmaßnahmen zu, die eine möglichst selbstständige Lebensführung gewährleisten oder die häusliche Pflege überhaupt erst ermöglichen.

Bei Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege ist hingegen nach § 37 SGB V die Krankenversicherung zuständig. Diese wird vom Arzt verordnet und kann auch Menschen ohne Pflegebedürftigkeit betreffen.

Schließlich steht es Ihnen frei, die Pflegeleistungen selbst zu zahlen. Das ist der Fall, wenn kein Pflegegrad ab 2 vorliegt oder die in Anspruch genommenen Leistungen die maximale Höhe der Pflegesachleistungen übersteigen. Bei einer derartigen Sachlage sind die Pflegedienste nicht an die Vergütungsverträge mit den Pflegekassen gebunden und können diese Leistungen daher individuell mit Ihnen abrechnen.

Kombination der Pflege durch Angehörige mit ambulanter Pflege

Die Pflege im häuslichen Umfeld findet mehrheitlich durch pflegende Angehörige statt. Um diese zu entlasten, die Organisation der Pflege zu vereinfachen und auch die Vereinbarkeit mit dem Beruf zu gewährleisten, ist eine Kombination mit professionellen Pflegediensten möglich. Diese können dann beispielsweise Maßnahmen der Körperpflege übernehmen oder die pflegebedürftige Person zu Terminen begleiten.

Zur Finanzierung dieser Dienste bietet die Pflegekasse die sogenannte Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen an. Das Pflegegeld, das der pflegebedürftigen Person entsprechend ihres Pflegegrades zukommt, verringert sich dabei anteilig zu den in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Tipp: Es ist immer sinnvoll, die Kombinationsleistung bei der Pflegekasse zu beantragen, auch wenn Sie davon ausgehen, stets die vollen Sachleistungen zu beanspruchen. Gibt es Zeiten, in denen die pflegebedürftige Person keine Leistungen des Pflegedienstes in Anspruch nimmt (z. B. bei einem Reha-Aufenthalt), besteht unter Umständen der Pflegegeldanspruch weiter, sodass Sie am Ende des Monats noch Pflegegeld erhalten.

Den passenden Pflegedienst finden

Nicht nur stationäre Pflegeeinrichtungen, sondern auch ambulante Pflegedienste werden durch den MDK einer Qualitätsprüfung unterzogen. Für ambulante Dienste sind dabei drei Teilbereiche von Bedeutung:

  • pflegerische Leistung
  • ärztlich verordnete pflegerische Leistungen
  • Dienstleistung und Organisation

Eine Liste zugelassener Pflegedienste erhalten Sie bei der Pflegekasse. Da sich neben der Qualität auch das Angebot der Dienste unterscheidet, lohnt sich ein Vergleich der Dienste, auch hinsichtlich der veranschlagten Kosten. So sollten sich z. B. Dienstleistungen nach dem Tagesablauf des Pflegebedürftigen richten. In einem Erstgespräch können Sie nicht nur einen individuellen Pflegeplan erarbeiten, sondern auch die Sympathie der Pflegekräfte einschätzen. Denn wichtig ist letztlich, dass sich die pflegebedürftige Person wohlfühlt.

Vertragsabschluss mit dem Pflegedienst

Die vereinbarten Leistungen werden in einem Pflegevertrag festgehalten. Wie bei allen Verträgen lohnt es sich, diesen genau zu studieren und auch das Kleingedruckte nicht außer Acht zu lassen. Wichtig ist hier vor allem die Frage der Haftung, die sich keinesfalls nur auf grobe Fahrlässigkeit beschränken sollte. Die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt 14 Tage. Es ist jedoch sinnvoll, Regelungen für den Todesfall oder mögliche Unterbrechungen wie stationäre Aufenthalte der Pflegeperson zu vereinbaren.

Alternativen zum ambulanten Pflegedienst

Je nach Betreuungsintensität kann es günstiger sein, eine 24-Stunden-Betreuung zu organisieren. Meist kommen in diesen Fällen Pflegekräfte aus Osteuropa zum Einsatz. Sie sind wesentlich günstiger als der aufzuwendende Eigenanteil bei einem vergleichbar hohen Pflegebedarf. Inwiefern dies jedoch praktikabel ist, hängt nicht zuletzt vom Pflegebedarf ab, da die übertragbaren Aufgaben begrenzt sind, wenn die Pflegekraft über keine anerkannte Ausbildung verfügt.

Weitere Optionen für die Pflege im häuslichen Umfeld sind pflegende Angehörige oder das Hinzuziehen einer externen Person zur Unterstützung im Alltag.

Erst wenn all diese Maßnahmen aufgrund der nachlassenden Selbstständigkeit im Alltag, der fehlenden Barrierefreiheit oder der übermäßigen Belastung der pflegenden Angehörigen nicht mehr tragbar oder finanzierbar sind, sollten Alternativen wie der Umzug in das Betreute Wohnen oder eine Pflegeeinrichtung angedacht werden. Das kann beispielsweise der Fall sein, wenn es wichtig ist, dass in Notfällen rund um die Uhr für Hilfe gesorgt ist.

Bis dahin bietet die ambulante Pflege aber eine Chance, dass pflegebedürftige Personen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld leben können.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Mit dem AOK-Pflegenavigator Pflegedienste oder Unterstützung im Alltag suchen: https://www.pflege-navigator.de/index.php?module=careservice

Eine Liste der Leistungskomplexe und Vergütungen der Pflegedienste ab dem 01.01.2020: http://www.pflegenswert.com/wp-content/uploads/2019/12/preisliste_pflegenswert_2020.pdf

Portal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit Informationen rund um die Pflege: http://www.wege-zur-pflege.de/

Rechner zur Ermittlung des Anspruches auf ambulante oder stationäre Pflegeleistungen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer.html

Alle Leistungen der Pflegeversicherung im Überblick: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/leistungen-im-ueberblick.html

Eine Checkliste für die Auswahl eines geeigneten Pflegedienstes von der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/gesundheit-pflege/pflege-zu-hause/ambulanter-pflegedienst-checkliste-fuer-die-auswahl-10748

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

11 02, 2021

Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen

2021-03-04T14:43:16+01:00Februar 11th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

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Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen

Der demografische Wandel, eine wachsende Mobilität und hohe Scheidungsraten führten in den letzten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Verdrängung des Mehrgenerationenwohnens, bei dem Eltern, Kinder und Großeltern als Großfamilie unter einem Dach leben. Erst allmählich stehen die Vorteile dieser Wohnform wieder im Vordergrund – an die Stelle der klassischen Großfamilie treten dabei bunt gemischte Wahlfamilien.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

  • Das Wichtigste in Kürze
  • Mehrgenerationenhaus oder Mehrgenerationenwohnen – was ist das?
  • Formen des Mehrgenerationenwohnens
  • Für wen eignet sich das Mehrgenerationenwohnen?
  • Angebote für das Mehrgenerationenwohnen finden
  • Das eigene Mehrgenerationenhaus gründen
  • Pflegebedürftigkeit im Mehrgenerationenwohnen
  • Vor- und Nachteile des Mehrgenerationenwohnens
  • Weiterführende Informationen

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Mehrgenerationenwohnen leben zwei oder mehr Generationen zusammen unter einem Dach beziehungsweise in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Von der WG über die Doppelhaushälfte bis zum Quartier gibt es sehr unterschiedliche Wohnkonzepte.
  • Der Grundgedanke ist die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt in der Gemeinschaft. Alle Beteiligten profitieren von der gegenseitigen Anwesenheit der anderen Generation(en).
  • Wenngleich es keine festgelegte Definition gibt, so ist das Mehrgenerationenhaus im Verständnis des Bundesfamilienministeriums als ein offener Treff ohne Wohnbereiche zu verstehen, .Das Mehrgenerationenwohnen hingegen benennt stets die Wohnform. Im gängigen Sprachgebrauch ist diese Differenzierung allerdings nicht verbreitet.

Mehrgenerationenhaus oder Mehrgenerationenwohnen – was ist das?

Früher war es vollkommen üblich, dass Eltern, Kinder und Großeltern als Großfamilie gemeinsam unter einem Dach gelebt und sich gegenseitig unterstützt haben. Durch tiefgreifende strukturelle Veränderungen in der Gesellschaft geriet das Konzept jedoch jahrzehntelang in Vergessenheit. Das Bedürfnis nach einer generationenübergreifenden Gemeinschaft blieb jedoch bestehen. So hat sich in den letzten Jahren eine moderne Variante des Mehrgenerationenwohnens entwickelt, bei dem sich Menschen verschiedener Altersklassen ein Wohnobjekt teilen. Dabei muss es sich keineswegs um die Mitglieder der eigenen Familie handeln.

Allerdings gibt es noch eine zweite Form: Das Mehrgenerationenhaus, das nicht auf das Zusammenleben abzielt, sondern einen offenen Treffpunkt bezeichnet, an dem Menschen jeden Alters zusammentreffen, sich austauschen und unterstützen.

Das Mehrgenerationenhaus als Begegnungsstätte

Es gibt deutschlandweit inzwischen eine Vielzahl von Mehrgenerationenhäusern, die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiiert wurden. Diese dienen als reine Begegnungsstätten für Menschen aller Altersklassen, sodass der offene Treff das Herzstück einer solchen Einrichtung ist. Das Bundesfamilienministerium definiert das Mehrgenerationenhaus wie folgt:

„Mehrgenerationenhäuser bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Miteinander in der Kommune. Sie fördern den gesellschaftlichen Dialog zwischen Jung und Alt, ermöglichen Bürgerbeteiligung und stärken damit den Zusammenhalt der Menschen in ihren Kommunen.“ (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/mehrgenerationenhaeuser-passen-sich-der-aktuellen-situation-an/154380)

Weit verbreitete Unterstützungsangebote sind hier:

  • Hausaufgabenbetreuung
  • Aufgaben eines Stadtteilzentrums
  • Sprachkurse
  • Krabbelgruppen und Kinderbetreuung
  • Begegnungsstätte
  • Hilfe für Pflegebedürftige / in der Altenpflege

Das zugehörige Bundesprogramm „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“ wurde 2017 initiiert und fördert seitdem mehrere Hundert Projekte. Die Aktion wird seit 01. Januar 2021 unter dem neuen Titel „Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander“ bis 2028 fortgesetzt.

Doch trotz dieser Fokussierung auf den Treffpunkt und gemeinschaftliche Angebote wird das Mehrgenerationenhaus im allgemeinen Verständnis oftmals mit der Wohnform, d. h. dem Mehrgenerationenwohnen, gleichgesetzt.

Formen des Mehrgenerationenwohnens

Auf die steigende Nachfrage nach Möglichkeiten des Mehrgenerationenwohnens reagieren sowohl Wohnungsunternehmen als auch Kommunen und Privatpersonen gleichermaßen. Sie haben damit eine vielfältige Auswahl zwischen einem durchmischten Quartier, einzelnen Wohnanlagen oder Hausprojekten.

Die Mehrgenerationen-WG

Es muss nicht immer ein Haus sein. Jung und Alt können sich auch eine Wohnung teilen, um die Vorzüge des Mehrgenerationenwohnens zu genießen. Natürlich birgt das geringere Platzangebot ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Es sollte auch klar sein, dass junge Menschen nicht dazu verpflichtet sind, pflegerische Tätigkeiten zu übernehmen. Das kann zwar auf freiwilliger Basis erfolgen, sollte aber im Wesentlichen Pflegediensten oder pflegenden Angehörigen vorbehalten bleiben. Vielmehr geht es um das gemeinsame Miteinander und die gegenseitige Unterstützung im Alltag.

Das Mehrgenerationen-Haus

Das Mehrgenerationen-Haus findet sich oft in Form einer Doppelhaushälfte. Je eine Generation hat eine abgetrennte Wohneinheit für sich, jedoch sind alle durch die räumliche Nähe miteinander verbunden.

Daneben ist auch die Nutzung eines gemeinschaftlich verwalteten Hauses möglich, bei dem jede Partei in einem eigenen Wohnbereich in Form eines Zimmers oder mehrerer Räume bzw. in einer abgeschlossenen Wohneinheit mit separatem Zugang lebt und es darüber hinaus gemeinsame Räumlichkeiten gibt, die allen gleichermaßen zur Verfügung stehen.

Das Haus stellt eine gute Form der Kapitalanlage dar und bringt unter Umständen sogar steuerliche Vorteile mit sich, sodass es bei Privatpersonen und deren Angehörigen beliebt ist.

Mehrgenerationen-Wohnanlagen und -quartiere

Kommerzielle Anbieter oder auch Kommunen hingegen haben zur Umsetzung von Bauvorhaben einen größeren finanziellen Spielraum. Gleichzeitig nehmen immer häufiger auch nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte eine Rolle bei der Stadtplanung ein, sodass es jüngst verstärkt zur Realisierung von Wohnanlagen oder Quartieren kommt, die gezielt auf eine heterogene Durchmischung der Bewohner*innenstruktur setzen.

Für wen eignet sich das Mehrgenerationenwohnen?

Es gibt sehr unterschiedliche Wohnprojekte, die sich sowohl für Alleinstehende jeden Alters, aber auch Familien eignen. Viele Objekte sind barrierefrei gestaltet, einige integrieren auch das Betreute Wohnen für Menschen mit Demenz in ihr Angebot. So können Sie sich für ein Mehrgenerationenhaus oder auch eine -WG entscheiden, die Ihren Ansprüchen am besten gerecht wird.

Grundsätzlich sollte klar sein, dass das Mehrgenerationenwohnen von der gegenseitigen Unterstützung und der Gemeinschaft im Alltag lebt. Das erfordert immer wieder Kompromisse, denn es gibt noch viel mehr als nur ein generationenübergreifendes Konfliktpotenzial, das sich beispielsweise in den unterschiedlichen Vorstellungen über die Kindererziehung zeigen kann. Toleranz und der Wille, diesen Konflikten konstruktiv zu begegnen, sollten Sie daher unbedingt mitbringen. Natürlich sind auch Hilfsbereitschaft und Solidarität Grundbedingungen, um in einem solchen Projekt zu bestehen.

Gerade bei kleineren Projekten bringt das Wohnen vielleicht auch die eine oder andere Einschränkung der Privatsphäre mit sich. Zum einen sind hier klare Absprachen gefragt, um Unstimmigkeiten im Vorfeld zu vermeiden. Zum anderen eignet sich die Wohnform daher vor allem auch für gesellige Menschen.

Angebote für das Mehrgenerationenwohnen finden

Oft bieten Kommunen Formen des Mehrgenerationenwohnens an. Hier finden Sie Informationen beim zuständigen Amt für Wohnungswesen oder vergleichbaren Behörden.

Natürlich liefert die Suche über das Internet ebenfalls zahlreiche Ergebnisse vor allem zu kommerziellen Anbietern in der Umgebung.

Mehrgenerationen-WGs lassen sich beispielsweise auf populären Wohnungssuchseiten wie wg-gesucht.de finden. Hier gibt es spezielle Filtereinstellungen, um gezielte Angebote zu erhalten.

Viele Projekte führen aufgrund der anhaltenden Nachfrage Wartelisten. Interessieren Sie sich für ein entsprechendes Projekt, ist es sinnvoll, sich schon frühzeitig zu bewerben und bei der Suche Geduld mitzubringen.

Das eigene Mehrgenerationenhaus gründen

Wollen Sie nicht auf die Suche nach einem bestehenden Projekt gehen, gründen Sie doch ein eigenes Mehrgenerationenhaus. Dazu stehen Ihnen gleich mehrere Wege offen: Miete, Kauf oder Neubau.

Ein Haus als Mehrgenerationenhaus mieten

Eine Option, um das eigene Wohnprojekt zu realisieren, ist das Anmieten eines Hauses. Sie, Ihre Angehörigen, Freunde, Bekannte oder vielleicht auch Fremde schließen jeweils einen Mietvertrag mit dem Vermieter.

Das scheint zunächst einfach, hat jedoch gleich mehrere Nachteile: Zum einen haben Sie es nicht in der Hand, wie sich die Hausgemeinschaft auf die Dauer zusammensetzt. Zieht eine Partei aus, ist es Vermietersache, einen Nachfolger zu bestimmen – der sich eventuell nicht optimal dafür eignet und sich auch keineswegs in die bestehende Hausgemeinschaft integrieren muss.

Das zweite Problem kann sich ergeben, wenn die Wohnungen für ältere Menschen nicht barrierefrei gestaltet sind und ein Umbau nötig wird. Hier ist es dann an Ihnen, den Vermieter von der Notwendigkeit des Umbaus zu überzeugen, um auch Senior*innen in die Hausgemeinschaft integrieren zu können.

Ein Haus kaufen oder bauen

Auch der Kauf eines Hauses bietet sich an. Das hat den Vorteil, dass notwendige Umbauten, beispielsweise zur Barrierefreiheit, nicht mit einem Vermieter abgesprochen werden müssen. Umgekehrt tragen Sie die Kosten selbst. Um diese nicht allein stemmen zu müssen, suchen Sie sich Ihre Mitbewohner*innen am besten schon im Vorfeld aus und gründen eine Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) oder auch eine Genossenschaft. Zudem gibt es inzwischen viele Förderprogramme für den barrierefreien Umbau von Wohnraum, die Sie in Anspruch nehmen können.

Gleiches gilt im Prinzip, wenn Sie ein Haus neu bauen, wobei die WEG zunächst als Bauherrengemeinschaft besteht. Fertighäuser bieten hier eine Option, den Wohnraum ganz nach den eigenen Wünschen zu gestalten und die Kosten gleichzeitig moderat zu halten.

Der Kauf oder Bau eines Gebäudes sowie die anschließende Vermietung kann sich unter Umständen finanziell lohnen, da einige der Kosten steuerlich geltend gemacht werden können.

Pflegebedürftigkeit im Mehrgenerationenwohnen

Das Mehrgenerationenwohnen ist nicht mit der Pflege älterer Menschen gleichzusetzen. Natürlich gehört die gegenseitige Unterstützung zum Konzept und es sollte selbstverständlich sein, betagte Mitbewohner*innen beim Einkaufen zu unterstützen oder Fahrdienste zu übernehmen. Doch ist die Pflege vor allem von Nicht-Angehörigen nicht als Selbstverständlichkeit vorauszusetzen.

Die Nutzung eines ambulanten Pflegedienstes stellt innerhalb des Mehrgenerationenwohnens kein Problem dar und funktioniert wie in jedem anderen häuslichen Umfeld auch. Sie können hier pflegende Angehörige einbeziehen, die ab einem anerkannten Pflegegrad von 2 beispielsweise eine Aufwandsentschädigung für ihre Leistungen erhalten.

Daneben haben Sie Anspruch auf den monatlichen Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro, mit dem sich auch Haushaltshilfen finanzieren lassen. Gibt es die Möglichkeiten nicht, haben Sie Anspruch auf Pflegesachleistungen für einen professionellen Pflegedienst, der Sie auch im Mehrgenerationenhaus aufsucht. Ferner bietet sich die Möglichkeit zur Kombination von Pflegegeld und Sachleistungen.

Vor- und Nachteile des Mehrgenerationenwohnens

Das Mehrgenerationenhaus stellt für alle Beteiligten eine Win-win-Situation dar. Junge Familien können sich bei der Kinderbetreuung auf die älteren Menschen verlassen. Diese wiederum profitieren von der Gesellschaft, ohne jedoch an Selbstbestimmung und Selbstständigkeit einbüßen zu müssen, und erhalten vielleicht auch Hilfe beim Einkaufen oder im Haushalt. Damit lässt sich der Umzug ins Pflegeheim hinauszögern und die Selbstständigkeit weiter aufrechterhalten.

Umgekehrt besteht beim Zusammenleben natürlich auch ein erhebliches Konfliktpotenzial, das eine gehörige Portion Toleranz erfordert. Die Privatsphäre ist möglicherweise eingeschränkt und es entstehen anteilig auch Kosten für die gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten und Flächen.

VorteileNachteile
  • soziales Miteinander
  • geringere Kosten
  • gegenseitige Hilfe und Unterstützung
  • Teilen von Autos und Co.
  • Alternative zum Pflegeheim
  • Konfliktpotenzial, auch Generationenkonflikte
  • eingeschränkte Privatsphäre
  • anteilige Kosten für Gemeinschaftsräume


Wägen Sie vor einer Entscheidung die Für und Wider des Mehrgenerationenwohnens sorgfältig gegeneinander ab. Entscheiden Sie sich zugunsten dieser Wohnform, profitieren Sie im Optimalfall von einem Zugewinn an Gemeinschaft und können auch im Alter ihre Selbstbestimmung im Alltag erhalten.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Auf dieser Seite informiert das Bundesgesundheitsministerium über die Kurzzeitpflege: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/kurzzeitpflege.html

In dieser Broschüre finden Sie alle Pflegeleistungen zum Nachschlagen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/publikationen/pflege/details.html?bmg%5Bpubid%5D=2656

Die zu erbringenden Leistungen und eine Abgrenzung zu Zusatzleistungen legen die Vertragspartner jeweils auf Landesebene fest. Der Bund hat dazu eine Bundesrahmenempfehlung erstellt: https://www.aok.de/gp/fileadmin/…

Die Allianz Versicherung erläutert die Zusammensetzung der Kosten in einem Pflegeheim ausführlich: https://www.allianz.de/gesundheit/pflegeversicherung/pflegeheim-kosten/

Der Gesetzestext zur Kurzzeitpflege nach § 42 SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/42.html

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Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.