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16 Mai 21

Seniorensport

2021-08-11T15:37:02+02:0016. Mai 21|Leben im Alter|

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Seniorensport

Regelmäßige Bewegung fördert die Mobilität und ist unabhängig vom Alter ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsfürsorge. Das gilt keineswegs nur für junge Menschen, auch Senior*innen und Pflegebedürftige können sich noch sportlich betätigen. Unter Berücksichtigung des eigenen Gesundheitszustandes bringt die Ertüchtigung vor allem in Gesellschaft Spaß und steigert die sozialen Kontakte. Für Sport ist es nie zu spät!

Das Wichtigste in Kürze

  • Seniorensport trägt im Alter zum Erhalt der körperlichen Aktivität bei und verringert das Risiko zahlreicher Erkrankungen. Gleichzeitig fördert die sportliche Betätigung die kognitiven Fähigkeiten, sodass sich z. B. auch die Gefahr reduziert, an Demenz zu erkranken.
  • Die körperliche Betätigung im Alter sollte dabei individuell an die eigene Konstitution angepasst sein. Vor Beginn ist es daher sinnvoll, mit dem Arzt oder der Ärztin über mögliche Einschränkungen zu sprechen.
  • Im Gegensatz zum Sport in jungen Jahren arbeitet Seniorensport nur mit moderaten Belastungen und einer langsamen Steigerung der Leistungsfähigkeit. Auch sollte der Spaß an der Bewegung dabei nicht zu kurz kommen.

Weshalb sollten Senior*innen Sport treiben?

Menschen, die bereits in jungen Jahren sportlich aktiv waren, betreiben auch häufig bis ins hohe Alter eine Sportart. Doch auch alle nicht aktiven Senior*innen tun gut daran, mit regelmäßiger sportlicher Bewegung den körperlichen Einschränkungen des steigenden Alters zu begegnen. Schließlich ist es erwiesen, dass die Muskelkraft und die Leistung des Herzens schon ab dem 30. Lebensjahr nachlassen. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen nehmen über kurz oder lang also Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Schnelligkeit ab. Seniorensport kann diesem Alterungsprozess gezielt entgegenwirken.

Sport hat gleich mehrere Vorteile

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe verschiedener Studien aus Deutschland, den USA und anderen Ländern der Welt, die nachweisen, dass körperliche Aktivitäten die Unabhängigkeit von Senior*innen deutlich steigern können. Folgende positive Effekte sind durch regelmäßigen Sport zu verzeichnen:

  • Sport fördert die körperliche Beweglichkeit und kräftigt die Muskulatur.
  • Die regelmäßige Bewegung regt auch den Geist an.
  • Sport senkt das Risiko von zahlreichen Krankheiten wie Schlaganfällen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose.
  • Die Elastizität der Gefäße verbessert sich.
  • Der Blutdruck senkt sich.
  • Sport steigert die Stimmung und reduziert durch die Hormonausschüttung das Risiko einer Depression.
  • Das Herz wird gestärkt.
  • Die Gefahr einer Demenzerkrankung verringert sich nachweislich.
  • Der Schlaf verbessert sich.
  • Das Risiko von Stürzen verringert sich durch die größere Stabilität und Beweglichkeit des Körpers.
  • Das Immunsystem verbessert sich, die Anfälligkeit für Infektionen reduziert sich.
  • Durch viel Sport (mindestens 7,5 Stunden wöchentlich) reduziert sich unter Umständen auch das Risiko bestimmter Krebsarten deutlich.

Stürze sind die häufigste Ursache von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit

Schätzungen des Robert Koch-Instituts, des Deutschen Zentrums für Altersfragen und des Statistischen Bundesamts gehen davon aus, dass rund 5 Millionen ältere Menschen jährlich stürzen. Nicht selten sind anschließend eine Pflegebedürftigkeit, mindestens aber ein dauerhaft steigender Hilfebedarf die Folge.

Umgekehrt ist körperliche Bewegung eine wahre Anti-Aging-Medizin, durch die sich das Sterberisiko reduziert. Denn mit regelmäßigem Ausdauersport erhöht sich die Aktivität des Zellkern-Enzyms Telomerase, welches die Telomere verlängert und dadurch sogar die Körperzellen verjüngt.

Das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringert sich

Das Risiko einer koronaren Erkrankung, die als Vorläufer für einen Herzinfarkt gilt, liegt bei Männern bei rund 50, bei Frauen immer noch bei 30 Prozent. Ein gesunder Lebensstil kann dieses Risiko um bis zu 90 Prozent reduzieren. Dazu gehört auch Sport, denn dieser reduziert Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes – also all jene Faktoren, die eine Herzerkrankung begünstigen. Ausdauersport fördert Größe und Stärke des Herzens und steigert damit auch die Sauerstoffversorgung, da das Herz mehr Blut durch den Körper pumpen kann. Expert*innen schätzen, dass sich das Risiko für Herzerkrankungen vor allem durch drei Sportarten um bis zu 20 Prozent verringern lässt:

  • Joggen
  • Schwimmen
  • Radfahren

Daneben dient Kraftsport dem Muskelaufbau, wodurch sich das Risiko von Stürzen verringert und die Gelenke gestärkt werden. Krafttraining sollte rund 20 Prozent der wöchentlichen Bewegung ausmachen (70 Prozent sollten Ausdauersport sein, die restlichen 10 Prozent Aktivitäten, die die Beweglichkeit fördern).

Sport als wirksame Demenzprävention

Schon allein das regelmäßige Spazierengehen verbessert die Vernetzung der Neuronen im Gehirn und steigert die Gedächtnisleistung allgemein, sowie die Lern- und Merkfähigkeit im Speziellen. Studien zufolge reduziert sich das Demenzrisiko bei einem hohen Fitnesslevel sogar um bis zu 88 Prozent.

Das sagen medizinische Expert*innen zu Seniorensport

Rund 2 Milliarden Menschen weltweit bewegen sich allgemein zu wenig, sodass es längst verschiedene Empfehlungen von Ärztinnen und Ärzten, aber auch der WHO gibt. So rät die Deutsche Herzstiftung, sich 4- bis 5-mal wöchentlich für je 30 Minuten intensiv und ausdauernd zu bewegen. Die WHO hingegen spricht sich für mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche aus, während eine Studie aus den USA, die im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde, eine wöchentliche Bewegungsdauer von mindestens 5 Stunden empfiehlt, um das Sitzen von täglich 8 Stunden und mehr zu kompensieren.

Besonderheiten des Seniorensports

Das Training für ältere Menschen ist anders konzipiert als ein anstrengendes und auf Leistung ausgelegtes Work-out für junge Menschen. Der Trainingsschwerpunkt liegt hier auf der behutsamen Stärkung der Muskulatur, ohne dabei auf einen zu hohen Kraftaufwand oder übermäßige Anstrengung zu setzen. Das Ziel ist, durch moderate Belastungen körperliche und geistige Fitness, Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit genauso zu fördern wie die Kondition und Koordination. Nicht selten stellt auch der Ausbau der sozialen Kontakte einen wichtigen Faktor beim gemeinsamen Sporttreiben dar.

Mit dem Seniorensport beginnen

Auch im hohen Alter ist es möglich, mit verschiedenen Sportarten zu starten. Unter Umständen ist allerdings nicht jede Sportart geeignet, wenn beispielsweise Einschränkungen der Wirbelsäule vorliegen oder eine Arthritis in den Knien besteht. Sprechen Sie vorher deshalb mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über mögliche Einschränkungen.

Suchen Sie sich anschließend ein Sportangebot aus, das Ihnen wirklich Freude bereitet. Schließlich geht es nicht um Leistung, sondern der Spaß an der Bewegung sollte klar im Fokus stehen. Stellen Sie fest, dass Ihre Wahl doch nicht die richtige war, scheuen Sie sich nicht, einfach noch ein anderes Sportangebot auszuprobieren.

In der Gemeinschaft macht Sport besonderen Spaß. Vielleicht finden Sie eine passende Sportgruppe, der Sie sich anschließen können. Das hat unter Umständen auch den Vorteil, dass es eine anleitende Person gibt, die auf die richtige Körperhaltung achtet.

Auch Sie selbst sollten Ihren Körper stets im Blick haben. Verspüren Sie Schmerzen oder Unwohlsein durch Krämpfe, suchen Sie einen Arzt oder eine Ärztin auf, um den Ursachen auf den Grund zu gehen.

Überanstrengen Sie sich bei aller anfänglichen Euphorie nicht. Pausen sind wichtig, da sie der Regeneration dienen. Es ist wichtiger, langfristig am Ball zu bleiben, als es in den ersten Tagen und Wochen zu übertreiben.

Diese Sportarten sind bei Senior*innen beliebt

Einer Umfrage aus dem Jahr 2013 zufolge stellten Fitness und Gymnastik die beliebteste Sportart bei Senior*innen dar (44 Prozent), gefolgt von Wandern (39 Prozent) und Radfahren (33 Prozent). Aber auch Schwimmen (25 Prozent) und Laufen (12 Prozent) sind bei Senior*innen besonders beliebt (TK – Studie zum Bewegungsverhalten der Menschen in Deutschland 2013, Seite 20). Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert.

So fördert das Schwimmen beispielsweise nicht nur die Gesundheit, sondern stärkt auch Muskeln und Gelenke. Die Bewegung im Wasser regt den Stoffwechsel an und entlastet durch die Schwerelosigkeit gleichzeitig den Körper.

Auch andere Sportarten sind im Trend

Natürlich brauchen Sie sich keineswegs auf diese Sportarten zu beschränken. Erlaubt ist, was gefällt und nicht durch körperliche Einschränkungen ausgeschlossen ist. Damit kommen beispielsweise weitere Sportarten infrage wie:

  • Tai Chi
  • Pilates
  • Yoga
  • Tanzen
  • Tischtennis
  • Aquagymnastik
  • Tele-Gymnastik
  • Kurse in Fitnessstudios

Und auch darüber hinaus gibt es zahlreiche ausgefallenere Sportarten wie Kletterkurse oder Karatekurse für Senior*innen, da die Altersgruppe über 60 zunehmend eine wichtige Zielgruppe darstellt.

Einfaches Training in den eigenen vier Wänden

Nicht immer bedarf es komplexer Sportarten, um sich aktiv zu bewegen. Manchmal reichen die regelmäßige Gartenarbeit oder Hobby-Handwerken schon aus, um körperlich fit zu bleiben. Auch für zu Hause gibt es eine ganze Reihe effizienter Übungen, die zum Erhalt der Mobilität beitragen.

  • Seitbeugen im breitbeinigen Stand ist eine ideale Aufwärmübung. Sie beugen hier Ihren Oberkörper zu der einen und dann zur anderen Seite.
  • Mit zwei Wasserflaschen, die Sie von der Ruheposition mit seitlich ausgestreckten Armen bis auf Schulterhöhe heben, stärken Sie die obere Rumpfmuskulatur.
  • Stellen Sie sich auf ein Bein, das Knie leicht gebeugt, während Sie das andere Bein zuerst im, dann gegen den Uhrzeigersinn vor dem Körper kreisen.

Um hier die Übungen abwechslungsreich zu steigern, empfehlen sich unter Umständen kleinere Anschaffungen wie ein Theraband oder ein Igelball, die zudem der Stimulation dienen. Gefüllte Wasserflaschen sind ein geeigneter Ersatz für Gewichte. Wem das nicht ausreicht, sei eventuell auch die Anschaffung eines Heimtrainers anempfohlen. Allerdings ist es hier ratsam, vorab mit dem Arzt oder der Ärztin zu sprechen.

Darauf kommt es beim Seniorensport an

  • Die Beanspruchung sollte stets moderat sein und die Leistung nur langsam gesteigert werden, um Überlastungen zu vermeiden und das Verletzungsrisiko gering zu halten. Gerade Anfänger*innen arbeiten besser mit dem eigenen Körpergewicht oder Widerstandsbändern als mit Hanteln.
  • Das Training sollte ausgewogen sein und nicht nur Krafttraining beinhalten, sondern auch Ausdauer und gezielte Übungen zu Koordination und Gleichgewicht.
  • Dehnübungen wirken der altersbedingten Verkürzung von Bändern und Sehnen entgegen und steigern so die Beweglichkeit im Alltag.
  • Wichtiger als die Überbeanspruchung ist das regelmäßige Training. Im Optimalfall entsprechend der WHO-Empfehlungen im Umfang von rund 150 Minuten wöchentlich. Neben den Übungen zu Hause eignen sich hier auch Spaziergänge, Radfahren oder ein Besuch im Schwimmbad, um möglichst viel Abwechslung in den Bewegungsalltag zu bringen.

Auch die mentale Fitness lässt sich gezielt trainieren

Neben der körperlichen Bewegung ist es im Alter auch von Bedeutung, den Geist regelmäßig zu fordern. Andernfalls lassen die kognitiven Fähigkeiten schnell nach. Auch hier gibt es einfache Übungen für zu Hause, die Sie allein oder gemeinsam mit einer Pflegeperson durchführen können:

  • Sudoku
  • Kreuzworträtsel
  • Schach
  • das Erlernen einer neuen Sprache

Auch die gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf helfen dabei, die Leistung des Gehirns auf Dauer zu erhalten. Vor allem in Kombination mit einer Sportart bleiben Sie so mit großer Wahrscheinlichkeit bis ins hohe Alter fit.

Nicht überstrapazieren!

Gerade im Alter kommt es darauf an, sich beim Sport nicht zu überlasten und Sportverletzungen vorzubeugen. Schließlich verheilen diese oftmals deutlich langsamer als noch in jungen Jahren. Durch Vielseitigkeit verbessern Sie nicht nur Ihre Muskelkraft, sondern schulen gleichzeitig auch Feinmotorik, Ausdauer und Beweglichkeit. Steigern Sie die Intensität dabei nur langsam und setzen Sie Ihren Körper nicht direkt zu hohen Belastungen aus. Es ist stets wichtig, den eigenen Körper richtig einzuschätzen und die eigenen Belastungsgrenzen zu kennen.

Finanzierung durch die Krankenkasse

Einige Krankenkassen legen besonderen Wert auf präventive Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit. Dazu gehören in vielen Fällen auch spezielle Sportangebote. Ob und in welcher Höhe Ihre Krankenkasse die Kosten dafür trägt, erfragen Sie am besten direkt.

Zum Seniorensport motivieren

Nur rund 15 Prozent der Deutschen über 60 Jahren treiben regelmäßig Sport, das durchschnittliche Laufpensum in dieser Altersgruppe liegt bei rund 1.000 Schritten – während die WHO rund 5.000 Schritte täglich und eine körperliche Aktivität von rund 2,5 Stunden in der Woche empfiehlt. Umgekehrt sehen 90 Prozent der 65- bis 85-Jährigen täglich fern, 67 Prozent lesen, während weniger als jede dritte Person spazieren geht. Nur 17 Prozent fahren beispielsweise noch Rad (Quelle: Horizont Nr. 30, 27.07.2017, Seite 28). Klar wird dadurch: Die deutschen Senior*innen bewegen sich also massiv zu wenig. Nicht selten mangelt es an der Motivation.

So sind nicht wenige Senior*innen äußerst kreativ, wenn es darum geht, Ausreden für die sportliche Betätigung zu finden. Da ist zum einen das Alter oder die anhaltende Müdigkeit. Einigen rüstigen Rentner*innen mangelt es auch an der Zeit oder das Wetter ist gerade zu schlecht. Manch einer Person ist Sport in der Gruppe zuwider, während eine andere ihre Angst vor Verletzungen vorschiebt.

Im Prinzip findet sich für jede Ausrede ein passendes Gegenargument. Schließlich gibt es nicht nur eine Sportart, die unbedingt draußen bei Wind und Wetter in einer Gruppe stattfinden muss. Auch die Gymnastik zu Hause trägt langfristig zum Erhalt der Rüstigkeit und Gesundheit bei, reduziert das Risiko von Verletzungen und stärkt ganz nebenbei auch den Geist.

Besonders positiv einwirken auf die Motivation können nahestehende pflegende Angehörige, Freunde, Alltagesbegleiter*innen oder auch andere Pflegekräfte schon durch anregende Spaziergänge oder vielleicht einen Besuch im Schwimmbad. Darüber hinaus kann es für eine Person hilfreich sein, wenn sie bei einer Sportart unterstützt oder diese sogar gemeinsam durchgeführt wird.

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16 Mai 21

Essen auf Rädern

2021-08-11T15:37:29+02:0016. Mai 21|Leben im Alter|

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Essen auf Rädern

Ältere und pflegebedürftige Menschen haben zunehmend Mühe, sich ausgewogen und nährstoffreich zu ernähren. Nicht selten ist das Kochen beschwerlich. Und auch das regelmäßige Einkaufen mit schweren Einkaufstaschen wird zur körperlichen Belastung, die nicht mehr zu stemmen ist. Um dennoch nicht auf die täglich warmen Mahlzeiten verzichten zu müssen, ist das Essen auf Rädern eine optimale Alternative.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Angebot des Essens auf Rädern richtet sich vor allem an ältere und pflegebedürftige Menschen, die ihre Mahlzeiten nicht mehr selbstständig zubereiten können oder wollen. Durch die regelmäßige Lieferung werden auch pflegende Angehörige deutlich entlastet.
  • Das Menüangebot der inzwischen mehr als 2.000 Anbieter, die es deutschlandweit gibt, ist vielfältig, sodass nahezu jede Spezialkost bedient werden kann. Sogar Gerichte für Personen mit Kau- und Schluckstörungen sind vielfach erhältlich.
  • Durch die Auswahl der unterschiedlichen Menüs, die in der Regel für mehrere Tage im Voraus erfolgt, ist eine nährstoffreiche und ausgewogene Ernährung sichergestellt.

Was bedeutet Essen auf Rädern?

Wie der Name schon vermuten lässt, bedeutet das Essen auf Rädern die Lieferung von fertig zubereiteten Mahlzeiten bis zur Wohnung einer Person. Das Angebot richtet sich dabei insbesondere an ältere oder auch pflegebedürftige Menschen, die ihre Mahlzeiten nicht mehr selbstständig zubereiten können oder wollen.

Durch Bezeichnungen wie Menüservice, Essenbringdienst oder auch Mahlzeitendienst vermeiden Anbieter den Ruf eines „Alte-Leute-Essens“, sodass die Grenzen zu klassischen Lieferdiensten teilweise verschwimmen.

Seit einer Initiative der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gibt es eine Zertifizierung für Hersteller und Verteiler, die das Ziel der Qualitätssicherung der Speisen von der Auswahl der Lebensmittel über die Produktion bis hin zu Lieferung und Service sicherstellt.

Die Geschichte des Essens auf Rädern

Entstanden ist das Essen auf Rädern im Zweiten Weltkrieg in England. Im Jahr 1943 haben Frauen einer Wohlfahrtsorganisation begonnen, Essen an ältere und pflegebedürftige Menschen auszuliefern. In den USA dauerte es weitere 20 Jahre, bis sich aufgrund einer Gesetzesvorlage zahlreiche Wohlfahrtsorganisationen gründeten, die diese Art der Dienstleistung anboten. Und auch in Deutschland ist das Essen auf Rädern seit Anfang der Sechzigerjahre bekannt, als ein Nachbarschaftshaus in Berlin begann, Rentner*innen der Umgebung gegen ein geringes Entgelt mit warmen Mahlzeiten zu versorgen. Ab den Siebzigerjahren kümmerte sich das DRK flächendeckend um die Versorgung bedürftiger Menschen, wobei hier aufgrund fehlender Warmhaltemöglichkeiten zunächst Tiefkühllieferungen zum Aufwärmen ausgefahren wurden.

Wer liefert das Essen auf Rädern?

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe verschiedener Anbieter für das Essen auf Rädern. Traditionell kümmern sich soziale Einrichtungen, Wohlfahrtsverbände und Hilfsorganisationen um die Auslieferung, doch gibt es auch einige kommerzielle Anbieter. Insgesamt sind weit mehr als 2.000 Unternehmen und Organisationen in ganz Deutschland tätig.

Dabei bereiten nur die wenigsten Anbieter die Speisen selbst zu, sondern kaufen die Menüs bei Produzenten wie apetito, der Hofmann Menümanufaktur oder auch der Meyer GmbH ein, um diese dann nur noch auszuliefern.

Welche Mahlzeiten liefert das Essen auf Rädern?

Die Dienste bieten ein vielfältiges Angebot verschiedener Hauptgerichte, aber auch spezielle Wünsche und Bedürfnisse nach vegetarischer, laktosefreier oder geeigneter Kost für Diabetiker*innen werden durch das Essen auf Rädern erfüllt. Neben den Hauptmahlzeiten gehören meist auch Kuchen, Desserts und das Abendbrot zum Produktangebot. Auch Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden finden bei den meisten Anbietern geeignete pürierte Menüs.

Neben täglichen warmen Speisen bieten zudem viele Anbieter die Möglichkeit, sich für mehrere Tage im Voraus Tiefkühlkost zu bestellen, die zu Hause aufgewärmt werden kann. Das hat den Vorteil einer höheren Flexibilität, da sich Kund*innen nicht schon vorab auf ein einziges Gericht und eine feste Essenszeit festlegen müssen, sondern aus dem vorhandenen Menüvorrat frei auswählen können.

Wie läuft eine Bestellung ab?

Anders als bei einem klassischen Lieferdienst, der Gerichte auf Zuruf individuell zubereitet und innerhalb der nächsten Stunde liefert, erfolgt die Bestellung der Speisen beim Essen auf Rädern meist anhand eines Menüplans im Vorfeld. Die Auslieferung erfolgt dann in speziellen Thermobehältern innerhalb eines begrenzten Zeitfensters, entweder täglich oder an bestimmten Wochentagen.

Für gewöhnlich gibt es dabei keine langfristigen Verträge, an die Sie sich binden müssen, sondern Sie entscheiden von Woche zu Woche, ob Sie das Angebot weiterhin nutzen wollen. Damit ist auch Flexibilität gegeben, wenn Sie zwischendurch einen anderen Anbieter ausprobieren möchten.

Die Preise für das Essen auf Rädern

Die Kosten für ein Gericht schwanken oft deutlich zwischen 4,50 Euro und 12 Euro. Das ist nicht nur anbieterabhängig, sondern auch die Zusammensetzung der Speisen führt dabei zu unterschiedlichen Preisen. Das heißt, Spezialkost ist teilweise ebenso etwas teurer wie fleischhaltige Gerichte. Achten Sie bei einem Preisvergleich auf folgende Aspekte:

  • Wird mit frischen Zutaten gekocht?
  • Bereiten Profiköche das Essen zu?
  • Ist das Menüangebot abwechslungsreich?
  • Sind die Zutaten hochwertig, z. B. in Bio-Qualität?
  • Legt der Anbieter Wert auf Ausgewogenheit im Speiseplan?
  • Sind Konservierungsstoffe enthalten?
  • Gibt es ein Angebot für spezielle Anforderungen, z. B. bei Schluckbeschwerden oder Spezialkost bei Unverträglichkeiten?
  • Besteht eine Vertragsbindung?
  • Liefert der Anbieter auch Tiefkühlmenüs?

Die Lieferung ist meist kostenlos. Teilweise fällt lediglich ein Aufschlag von einem Euro für die Lieferung an Sonn- und Feiertagen an.

Bezuschussung zu den Kosten

Bedürftige Personen haben einen Anspruch auf eine Bezuschussung gemäß § 30 SGB XII (Mehrbedarf). Die Voraussetzungen dafür sind eine bereits vorhandene oder drohende Krankheit oder eine Behinderung, die einer kostenaufwendigen Ernährung bedarf, Personen sich diese jedoch nicht leisten können. Als Nachweis ist in der Regel ein ärztliches Attest mit der Diagnose erforderlich. Das trifft für gewöhnlich auf Sozialhilfeempfänger*innen und andere Menschen mit einem sehr geringen Einkommen zu.

Liegt bereits ein Anspruch auf die Grundsicherung im Alter vor, ist die Bezuschussung vielerorts einfacher möglich.

Wie hoch die Zuschüsse ausfallen, liegt in der Hand der Kommunen, sodass sich hier keine allgemeinen Aussagen über die Höhe der Zuschüsse treffen lassen. Hilfreiche Informationen dazu können jedoch z. B. Pflegestützpunkte liefern.

Anders als Krankheitskosten sind die Kosten für das Essen auf Rädern meist nicht steuerlich als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig. Eine Ausnahme kann hier allerdings sein, wenn eine gesundheitliche Notwendigkeit vorliegt, das Essen auf Rädern zu bestellen.

Wie hochwertig ist das Essen auf Rädern?

Die Qualität der Speisen variiert teilweise erheblich. Die Stiftung Warentest kam in einem exemplarischen Test im Jahr 2011 noch zu dem Ergebnis, dass die Gerichte häufig zu fett- und salzhaltig sind. Auch Geschmack und Aussehen ließen dem Test zufolge zu wünschen übrig.

Durch die wachsende Konkurrenz der Anbieter am Markt hat sich die Qualität jedoch durchweg verbessert. Natürlich gibt es immer noch Unterschiede, auch in der Menüauswahl und der Servicequalität, sodass sich ein Vergleich verschiedener Anbieter lohnen kann.

Vor- und Nachteile des Essens auf Rädern

VorteileNachteile
  • täglich warme Mahlzeiten bzw. Tiefkühlgerichte zum Aufwärmen
  • keine Vertragsbindung
  • große Menüauswahl, auch für Spezialkost
  • ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung wirkt Mangelernährung entgegen
  • kein Einkaufen, Kochen und Abwasch
  • ggf. Bezuschussung durch das Sozialamt
  • Lieferung bis zur Haustür
  • Entlastung pflegender Angehöriger
  • nicht immer fett- oder salzarm
  • durchschnittlich teurer als selbst zu kochen
  • Geschmack und Optik der industriell gefertigten Produkte ist nicht immer gut
  • Festlegung auf einen Menüplan für mehrere Tage im Voraus

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Mehr Informationen rund um das Essen auf Rädern bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Essen_auf_R%C3%A4dern

Der Test der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2011: https://www.test.de/Essen-auf-Raedern-Sechs-Menuedienste-im-Test-4280595-0/

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16 Mai 21

Alltagsbegleiter*in und Betreuungsassistent*in

2021-08-11T15:40:40+02:0016. Mai 21|Leben im Alter|

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Alltagsbegleiter*in und Betreuungsassistent*in

Pflegenden Angehörigen fehlt neben dem Leisten der Pflegetätigkeiten oftmals die Zeit dafür, noch die Freizeitgestaltung von pflegebedürftigen Personen zu bewältigen. Gleichfalls erfreuen sich auch Personen in Pflegeheimen an Betreuungsangeboten, die eine Abwechslung vom Alltag bieten. Hierfür gibt es spezielle Alltagsbegleiter*innen bzw. Betreuungsassistent*innen, die diese Aufgaben übernehmen und pflegende Angehörige zusätzlich entlasten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Aufgabe von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen ist die Aktivierung und Beschäftigung von pflegebedürftigen Personen im stationären und häuslichen Umfeld. Damit tragen sie insbesondere zur Entlastung pflegender Angehöriger bei.
  • Grundlage zur Ausübung der Tätigkeit ist eine Qualifikation im Umfang von 160 Stunden und ein zweiwöchiges Praktikum.
  • Im Rahmen der häuslichen Pflege ist eine Finanzierung über den Entlastungsbetrag oder (für Personen ab einem Pflegegrad 2) die Verhinderungspflege möglich.

Definition Alltagsbegleiter*in und Betreuungsassistent*in

Mit der Pflegereform im Jahr 2017 wurde festgelegt, dass alle pflegebedürftigen Personen in (teil-)stationären Einrichtungen Anspruch auf eine zusätzliche Betreuung und Aktivierung haben. Grund dafür ist im Wesentlichen der Personalmangel in der Pflege mit dem Ansinnen, die Pflegekräfte zu entlasten. Festgelegt ist das in § 43 b SGB XI, wodurch der bisher geltende § 87 b SGB XI aufgehoben wurde.

Die Aufgabe von Betreuungskräften ist seither die Unterstützung von pflegebedürftigen Personen bei Spaziergängen, Spielenachmittagen oder anderen Freizeitaktivitäten.

Wichtige Rolle in der häuslichen Pflege

Daneben kommen die Alltagsbegleiter*innen auch in der häuslichen Pflege zum Einsatz, wo sie pflegende Angehörige entlasten. Auch hier steht die Aktivierung der Pflegebedürftigen im Rahmen einer gemeinsamen Freizeitgestaltung im Fokus, wohingegen Pflegetätigkeiten von den Aufgaben ausgenommen sind. Damit nehmen Alltagsbegleiter*innen eine wichtige Rolle in der häuslichen Pflege ein, da sie maßgeblich dazu beitragen, dass pflegende Angehörige guten Gewissens auch mal eine Auszeit nehmen können.

Die Abrechnung der Leistungen in der ambulanten Pflege erfolgt im Rahmen des Entlastungsbetrags oder der Verhinderungspflege direkt mit der Pflegekasse.

Unklare Abgrenzung zu weiteren Bezeichnungen

Letztlich sind die Grenzen zwischen verschiedenen Begriffen fließend, sodass sich diese nicht immer eindeutig unterscheiden lassen. Beispielsweise ist die Bezeichnung als Pflegeassistent*in oder -helfer*in weit verbreitet, formal aber nicht korrekt, da es hierfür an der nötigen Grundausbildung mangelt. Und auch Seniorenbetreuer*innen, Besuchs- oder Begleitdienste werden vielfach unter dem Begriff der Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen subsummiert.

Aufgaben von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen

Ganz gleich, ob in der häuslichen oder der stationären Pflege: Die Aufgaben von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen sind stets damit zu beschreiben, die pflegebedürftigen Menschen zu aktivieren und zu begleiten. Ausgenommen sind dabei alle pflegerischen Tätigkeiten der Grund- und Behandlungspflege. Zum Aufgabenspektrum von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen gehören damit beispielsweise:

  • Lesen und vorlesen
  • Spielenachmittage
  • Spaziergänge oder andere Ausflüge
  • Besuch kultureller Veranstaltungen
  • Kochen und backen
  • Tanzen
  • Besuch von Gottesdiensten
  • Gartenarbeit
  • Fernsehen
  • Malen, basteln und handwerken
  • Aufgaben zum Gedächtnistraining
  • Gemeinsame Gespräche

Bei der Hilfe im häuslichen Umfeld fallen gegebenenfalls weitere Aufgaben wie die Begleitung bei Einkäufen oder Arztbesuchen und die Gestaltung des Tagesablaufs an, um pflegende Angehörige gezielt zu entlasten.

Jede Aktivität soll sich dabei ausdrücklich an den Wünschen und Bedürfnissen sowie den Biografien der pflegebedürftigen Personen orientieren.

Qualifikation von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen

Man kann sich nicht Alltagsbegleiter*in oder Betreuungsassistent*in nennen, ohne zuvor eine Qualifizierungsmaßnahme durchlaufen zu haben. Diese umfasst 160 Stunden theoretischen Unterricht sowie ein zweiwöchiges Praktikum. Die Ausbildung dauert meistens rund vier Monate. Ausbildungsinhalte sind dabei beispielsweise:

  • biografische Arbeit
  • Planung und Durchführung von Beschäftigungen
  • Grundlagen der Ernährung
  • Hygiene
  • medizinisches Grundwissen zu altersbedingten Erkrankungen
  • rechtliche Grundlagen
  • würdevoller Umgang mit Menschen, die an demenzbedingten Fähigkeitsstörungen, psychischen Erkrankungen, geistigen Behinderungen und/oder körperlichen Beeinträchtigungen leiden

Damit ist die Alltagsbegleitung nicht zu verwechseln mit einem oder einer Altenpflegehelfer*in. Hier dauert die Ausbildung für gewöhnlich ein Jahr und findet an einer speziellen Berufsfachschule statt. Schwerpunkte sind insbesondere pflegerische Tätigkeiten, nicht aber die Aktivierung der Pflegebedürftigen.

Neben der Grundausbildung zur Betreuungsassistent*in gibt es zudem Weiterbildungsmöglichkeiten. Legen Sie Wert auf einen bestimmten Schwerpunkt, lohnt es sich auf eine entsprechende Zusatzqualifikation zu achten. Diese kann beispielsweise lauten:

  • interkulturelle Kommunikation
  • Sterbe- und Trauerbegleitung
  • Umgang mit Aggressionen
  • Umgang mit Alkohol- und Suchtkranken
  • Aktivierung und Beschäftigung für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung und Demenz
  • Bedeutung von Hörverlust und Umgang mit Betroffenen
  • Umgang mit den sexuellen Bedürfnissen bei Menschen mit Handicap

Kosten von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen

Die Kosten für eine Alltagsbegleitung lassen sich nicht pauschal beziffern. Ein Faktor, von dem der Stundensatz abhängen kann, ist beispielsweise die Qualifizierung der Person. So spezialisieren sich einige Alltagsbegleiter*innen auf Menschen, die an Demenz leiden, da hier besondere Kompetenzen gefragt sind. Damit gehen regelmäßige Fortbildungen einher, die sich unter Umständen in den Kosten niederschlagen. Und schließlich kann der Stundensatz einer Alltagsbegleitung, die über eine Vermittlungsagentur eingestellt wird, anders ausfallen als jener einer selbstständig tätigen Betreuungsassistenz.

Finanzierung von Alltagsbegleiter*innen und Betreuungsassistent*innen

Während die Abrechnung der Betreuungsassistent*innen in stationären Einrichtungen nicht selten über die Einrichtung selbst erfolgt, besteht in der ambulanten Pflege die Option der Abrechnung über den Entlastungsbetrag oder die Verhinderungspflege.

  • Haben Sie den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro nicht regelmäßig monatlich genutzt, kann dieser auch rückwirkend geltend gemacht werden. Möglich ist das bis zum Ende des ersten Kalenderhalbjahres für das komplette vergangene Jahr.
  • Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad ab 2 haben einen Anspruch auf Verhinderungspflege. Die Höhe der Leistung beträgt 1.612 Euro für einen Zeitraum von maximal 6 Wochen im Jahr.

Alltagsbegleiter*innen finden – so geht’s

Um eine geeignete Alltagsbegleitung zu finden, gibt es eine ganze Reihe verschiedener Anlaufstellen, die Ihnen bei der Vermittlung helfen:

Kriterien bei der Wahl einer Alltagsbegleitung

Da die Begleitperson und der oder die Pflegebedürftige viel gemeinsame Zeit miteinander verbringen, ist es wichtig, dass die Chemie stimmt und sich die Personen gegenseitig sympathisch sind. Schließlich fühlen sich auch Angehörige beruhigt, wenn sie die pflegebedürftige Person in guten Händen wissen. Dementsprechend sind bei der Auswahl einige Kriterien von Bedeutung:

  • Zunächst ist es hilfreich, wenn Sie sich überlegen, bei welchen Tätigkeiten die Unterstützung tatsächlich gewünscht ist. Das erleichtert die Kommunikation bereits während des Bewerbungsgespräches.
  • Die Pflege-Qualifikation der Begleitperson steht sicherlich nicht im Fokus, da es nicht darum geht, pflegerische Aufgaben zu übernehmen. Nichtsdestotrotz sollte die Person eine Qualifizierung im Umfang von 160 Stunden zuzüglich des obligatorischen Praktikums durchlaufen haben.
  • Auch die Sympathie spielt eine große Rolle. Vereinbaren Sie hier gegebenenfalls einen Probetermin, sodass sich beide Parteien unverbindlich kennenlernen können.
  • Stellen Sie fest, dass Begleitperson und die pflegebedürftige Person doch nicht so gut wie erwartet miteinander harmonieren, scheuen Sie sich nicht, eine alternative Person zu suchen. Schließlich geht es bei der Freizeitgestaltung auch darum, dass sich die pflegebedürftige Person wohlfühlt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Das Berufsbild der Alltagsbegleitung bei der Bundesagentur für Arbeit: https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/bkb/9066.pdf

Begriffserklärung bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Alltagsbegleiter

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16 Mai 21

Pflegegrade im Überblick

2021-08-11T15:41:13+02:0016. Mai 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrade im Überblick

Die Einstufung in den Pflegegrad entscheidet über die Höhe der finanziellen Leistungen, die pflegebedürftige Personen von der Pflegekasse erhalten. Die fünf verschiedenen Pflegegrade haben im Jahr 2017 die bis dato geltenden drei Pflegestufen ersetzt. Welche Voraussetzungen gelten, welche Leistungen Ihnen wann zustehen und wie die Einstufung in den Pflegegrad überhaupt funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von der Einstufung in einen Pflegegrad hängt die Art und Höhe der Leistungen ab, die Sie von der Pflegekasse im Fall der Pflegebedürftigkeit erhalten.
  • Den Pflegegrad ermittelt der MDK (beziehungsweise MEDICPROOF bei Privatversicherten) im Rahmen einer Begutachtung, bei der der individuelle Pflegebedarf und das Maß der Selbstständigkeit einer Person ermittelt werden.
  • Die fünf Pflegegrade, die im Rahmen der Pflegereform 2017 die Pflegestufen abgelöst haben, berücksichtigen kognitive wie physische Beeinträchtigungen gleichermaßen, sodass auch Menschen mit Demenz Leistungen erhalten.

Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad ist die Einstufung einer Person in eine der fünf verschiedenen Ebenen der Pflegebedürftigkeit. Dies erfolgt anhand der Punktevergabe im Rahmen einer Begutachtung, die Aufschluss über die Selbstständigkeit einer Person im Alltag gibt.

Die Pflegegrade haben im Rahmen der Pflegereform 2017 die bis dato geltenden drei Pflegestufen abgelöst, wobei gemäß § 140 f. SGB XI eine automatische Überleitung sowie ein Bestandsschutz für Menschen mit bestehender Pflegebedürftigkeit gewährleistet wurden.

Insgesamt folgt diese Unterteilung nicht mehr dem Anspruch der Berechnung des zeitlichen Aufwands für die Pflege, sondern ist an den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person ausgerichtet.

Der Pflegegrad bleibt dabei keineswegs auf Menschen im fortgeschrittenen Alter beschränkt, sondern kann sich auch durch eine Krankheit wie Multiple Sklerose, Epilepsie oder eine psychische Erkrankung ergeben. Seit der Pflegereform im Jahr 2017 werden explizit kognitive oder psychische Beeinträchtigungen in die Pflegebeurteilung einbezogen, sodass auch Demenzkranke schneller einen Anspruch auf die Leistungen aus der Pflegekasse haben.

Einstufung in einen Pflegegrad

Für die Anerkennung eines Pflegegrades ist zunächst eine Begutachtung durch den MDK (bei Privatversicherten MEDICPROOF) erforderlich, der die Pflegebedürftigkeit einer Person anhand eines Kriterienkataloges überprüft und dann eine Empfehlung an die Pflegekasse ausspricht. Um diese zu beantragen, gehen Sie wie folgt vor:
  1. Zunächst stellen Sie für sich oder eine pflegebedürftige Person (sofern eine Vollmacht vorliegt) einen schriftlichen oder telefonischen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse.
  2. Diese beauftragt für die Begutachtung den MDK, der sich zwecks einer Terminvereinbarung mit Ihnen in Verbindung setzt.
  3. Die Begutachtung erfolgt im Beisein von mindestens einer weiteren Person, die den Alltag sowie besondere Herausforderungen schildern kann und so ein realistisches Bild des tatsächlichen Pflegeaufwands vermittelt.
  4. Anhand der ermittelten Gesamtpunktzahl nach den Begutachtungskriterien spricht der MDK eine Empfehlung an die Pflegekasse aus. Diese teilt Ihnen bis spätestens 25 Tage nach Antragstellung die Einstufung in einen Pflegegrad mit.
  5. Sind Sie mit der Entscheidung einverstanden, haben Sie Anspruch auf die Leistungen des jeweiligen Pflegegrades. Andernfalls besteht ein vierwöchiges Recht auf Widerspruch.
Alles zur Begutachtung des MDK  verlinken

Kriterien der Pflegebegutachtung

Das Bewertungsassessment nutzt einen Kriterienkatalog, der aus sechs verschiedenen Kategorien mit insgesamt 64 spezifischen Kriterien besteht. Die Punkte aus jeder Kategorie werden anhand einer festgelegten Prozentzahl gewichtet, sodass sich am Ende eine Gesamtpunktzahl ergibt, die den Pflegegrad markiert.
Mobilität Stabilität und Fortbewegung 10 %
Kognitive und kommunikative Fähigkeiten Orientierung und Teilnahme im Alltag, räumliche und zeitliche Orientierung 7,5 % 15 % der Kategorie mit dem höheren Wert
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen ängstliches, depressives oder aggressives Verhalten 7,5 %
Selbstversorgung Selbstständigkeit bei der Körperpflege und der Nahrungsaufnahme 40 %
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen Medikamenteneinnahme, Arztbesuche 20 %
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte Gestaltung des Tagesablaufs, Kontaktaufnahme zu anderen Menschen 15 %

Pflegegrad und Punktesystem

Zu jedem Kriterium gibt es zwischen 0 und 3 bzw. 4 Punkten, die eine Aussage darüber treffen, wie selbstständig eine Person Aufgaben noch erledigen kann. Je höher die Gesamtpunktzahl, desto höher ist letztlich auch der Pflegegrad.

PunktezahlPflegegradSelbstständigkeit
12,5 bis unter 271geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
27 bis unter 47,52erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
47,5 bis unter 703schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
70 bis unter 904schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
90 bis 1005schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

 

Es gibt dahingehend eine Ausnahme, dass Personen, deren Hilfebedarf besondere Anforderungen an die Pflegeversorgung stellt, auch ohne Erreichen der 90 Punkte einen Pflegegrad 5 erhalten.

Für Kinder gilt nicht das Punktesystem, sondern ein Vergleich der altersentsprechenden Entwicklung im Vergleich zu anderen Kindern als Grundlage der Bewertung. Sind die Kinder jünger als 18 Monate, erfolgt pauschal eine Einstufung in einen höheren Pflegegrad.

Die Pflegegrade im Überblick

Pflegegrad 1 bedeutet lediglich geringe Einschränkungen im Alltag, sodass die Pflegekasse hier im Wesentlichen keine Leistungen für die Pflege bereitstellt. Dennoch lässt sich über den Entlastungsbetrag z. B. eine Haushaltshilfe organisieren. Daneben stehen Gelder für die Anpassung des Wohnraums oder auch den Hausnotruf zur Verfügung.

Alle Infos rund um den Pflegegrad 1

Pflegegrad 2 bringt bereits erhebliche Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit mit sich. Entsprechend stehen pflegenden Angehörigen hier alle Leistungen der Pflegekasse offen, um die optimale Pflegequalität zu erzielen, ohne selbst Überlastungen zu erleiden.

Alle Infos rund um den Pflegegrad 2

Pflegegrad 3 trifft häufig bei Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz zu. Hier können beispielsweise Angebote der Tages- oder Nachtpflege zu einer wirksamen Entlastung der Angehörigen beitragen.

Alle Infos rund um den Pflegegrad 3

Pflegegrad 4 umfasst Personen mit schwersten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit. Der pflegerische Aufwand für Pflegepersonen ist hier erheblich, sodass Angehörige immer wieder Auszeiten oder auch professionelle Unterstützung benötigen.

Alle Infos rund um den Pflegegrad 4

Pflegegrad 5 geht mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Situation einher. Nicht selten sind Betroffene bettlägerig oder leben in einer Pflegeeinrichtung, da der zeitliche und emotionale Aufwand für Angehörige kaum mehr zu stemmen ist. Auch hier gibt es umfassende Leistungen durch die Pflegekasse.

Alle Infos rund um den Pflegegrad 5

Leistungen der Pflegegrade

Mit steigendem Pflegebedarf nimmt die Möglichkeit der Inanspruchnahme finanzieller Leistungen durch die Pflegekasse zu. Während Pflegegrad 1 lediglich geringe Mittel für die Finanzierung von Alltagshilfen vorsieht, können Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 eine Vielzahl von Angeboten nutzen, die insbesondere der Entlastung pflegender Angehöriger dienen. Die entsprechenden Gesetzestexte zu den Leistungen finden sie in §§ 36 ff. SGB XI.

Pflegegeld – bei der Pflege durch Angehörige

Pflegebedürftige, die durch Angehörige oder andere ehrenamtlich tätige Personen gepflegt werden, erhalten das Pflegegeld als monatliche Geldleistung. Dabei ist eine Kombination mit den Pflegesachleistungen möglich, um die optimale Pflegequalität zu erzielen.

Ausführliche Informationen zum Pflegegeld finden Sie hier: verlinken

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
316 €545 €728 €901 €

Pflegesachleistungen

Erfolgt die Pflege ganz oder in Teilen durch professionelle Pflegedienste haben Sie einen Anspruch auf Pflegesachleistungen. Diese rechnen die Pflegedienste direkt mit der Pflegekasse ab. Nicht genutzte Sachleistungen können Sie sich prozentual anteilig als Pflegegeld auszahlen lassen.

Ausführliche Informationen zu Pflegesachleistungen finden Sie hier: verlinken

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
689 €1.298 €1.612 €1.995 €

Tages- und Nachtpflege

Angebote der Tages- und Nachtpflege entlasten Angehörige temporär und stellen beispielsweise bei Demenzkranken eine durchgehende Versorgung sicher. Die Pflegekasse trägt hier die Pflegekosten sowie die Fahrtkosten.

Weitere Informationen zur Tages- und Nachtpflege: verlinken

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
689 €1.298 €1.612 €1.995 €

Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag steht Ihnen unabhängig vom Pflegegrad zu. Dieser ist vielseitig einsetzbar und kann im Optimalfall sogar bis zu 18 Monate rückwirkend beantragt werden, sodass Sie außergewöhnliche Kosten damit decken können.

Konditionen zur Beantragung, Fristen und Verwendungsmöglichkeiten des Entlastungsbetrags lesen Sie hier weiter: verlinken

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
125 €

Kurzzeitpflege

Die Kurzzeitpflege greift bei einem temporären Pflegebedarf. Der Bezug ist auf 28 Tage im Jahr begrenzt bzw. lässt sich mit den Ansprüchen einer nicht genutzten Verhinderungspflege weiter ausdehnen.

Ausführliche Informationen zur Kurzzeitpflege finden Sie hier: verlinken

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
1.612 €

Verhinderungs- und Ersatzpflege

Auch Pflegepersonen müssen mal Urlaub bzw. eine Auszeit nehmen oder sind aus anderen Gründen temporär verhindert. Damit das ohne schlechtes Gewissen erfolgen kann und die Pflege gleichzeitig reibungslos fortgesetzt wird, besteht die Möglichkeit, eine Verhinderungs- oder Ersatzpflege durch professionelle Pflegedienste zu nutzen. Die maximale Summe für diese Leistung lässt sich durch eine Verrechnung mit der Kurzzeitpflege weiter erhöhen.

Ausführliche Informationen zur Verhinderungs- oder Ersatzpflege finden Sie hier.

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
1.612 €

Vollstationäre Pflege

Manchmal gibt es schlichtweg keine Angehörigen, die pflegebedürftige Personen versorgen können oder wollen, sodass der Umzug in eine stationäre Einrichtung die letzte Möglichkeit ist. Die Pflegekasse trägt hier die Pflegekosten, wobei zusätzlich ein vergleichsweise hoher Eigenanteil für Unterkunft und Verpflegung anfällt.

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
770 €1.262 €1.775 €2.005 €

Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

In der häuslichen Pflege sind immer wieder Hilfsmittel wie Desinfektionsmittel, Handschuhe oder Betteinlagen vonnöten. Während technische Hilfsmittel auf ärztliche Anordnung verschrieben und finanziert werden, steht für die Anschaffung von Pflegehilfsmitteln, die zum einmaligen Gebrauch bestimmt sind, eine Pauschale zur Verfügung.

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
40 €

Wohnraumanpassung (Gesamtmaßnahme)

Um einen möglichst langen Aufenthalt im häuslichen Umfeld zu ermöglichen, stellt die Pflegekasse für Umbaumaßnahmen vom Treppenlift bis zum Einbau einer barrierefreien Dusche je Gesamtmaßnahme 4.000 Euro in Aussicht.

Welche Maßnahmen dies sind und Informationen zu weiteren Fördermöglichkeiten finden Sie hier

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
4.000 €

Wohngruppenzuschuss

Leben mehrere pflegebedürftige Menschen gemeinsam in einer Wohnung, steht ihnen monatlich ein Wohngruppenzuschuss zu. Damit können sie einen Teil ihrer Pflege gemeinsam organisieren.

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
214 €

Hausnotruf

Zahlreiche Unfälle ereignen sich in Abwesenheit der Pflegepersonen. Pflegebedürftige Menschen sind z. B. nach Stürzen immer wieder in einer hilflosen Lage. Um im Ernstfall dennoch Hilfe herbeirufen zu können, unterstützt die Pflegekasse monatlich den Betrieb eines Hausnotrufes.

Mehr zum Hausnotruf und mobilen Notrufsystemen finden Sie hier.

PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
23 €

Kostenlose Pflegeberatung

Schließlich steht allen Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen eine kostenlose Pflegeberatung zu. Diese gibt Antworten auf individuelle Fragen zur Pflege und informiert zu Hilfsmitteln oder der Wohnraumanpassung.

Fazit

Die Einstufung in den richtigen Pflegegrad trägt maßgeblich zur Entlastung von Angehörigen bei, denn ein zu niedriger Pflegegrad bedeutet erhebliche finanzielle Einbußen. Daher ist eine korrekte Einstufung von großer Bedeutung – sowohl für die Pflegequalität als auch, um eine Überlastung der Pflegepersonen zu vermeiden.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Die Besonderheit der Leistungen bei Pflegegrad 1 in § 8a SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/28a.html

Weitere Informationen zu Pflegegraden beim Bundesgesundheitsministerium: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html

Mehr zur Pflegebegutachtung auf der Webseite des MDK: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Tipps zur Vorbereitung auf den Begutachtungstermin mit dem MDK von der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflegeantrag-und-leistungen/begutachtung-durch-den-mdk-so-koennen-sie-sich-vorbereiten-13414

Tipps des VdK zum Widerspruch bei einem abgelehnten oder zu niedrigen Pflegegrad: https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/pflege/75419/pflegegrad_abgelehnt_wie_kann_man_einen_widerspruch_einlegen?dscc=essenc

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15 April 21

Pflegegrad 4

2021-08-11T15:58:45+02:0015. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrad 4

Liegt eine „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vor, stuft die Pflegekasse eine Person in den Pflegegrad 4 ein. Diese Einstufung, die der MDK bzw. MEDICPROOF im Auftrag der Pflegekasse vornimmt, wirkt sich auf die Höhe der Leistungen aus der Pflegekasse aus. Da die Leistungsbeträge auch maßgeblich zur Entlastung pflegender Angehöriger beitragen, ist eine korrekte Bewertung der Selbstständigkeit einer pflegebedürftigen Person durch den Medizinischen Dienst von großer Bedeutung für alle Beteiligten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Pflegegrad 4 liegt eine „schwerste Beeinträchtigung“ der Selbstständigkeit einer Person vor. Damit einher geht, dass Pflegepersonen zahlreiche Tätigkeiten unterstützen oder gar stellvertretend ausführen.
  • Um pflegende Angehörige so gut wie möglich zu entlasten, bietet die Pflegekasse ein vielseitiges Leistungsangebot, deren Einzelleistungen sich teilweise kombinieren lassen.
  • Um grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse zu haben, ist zunächst die Antragstellung auf die Einstufung in einen Pflegegrad wichtig.

Was bedeutet Pflegegrad 4?

Als pflegebedürftig nach § 14 SGB XI gelten Personen,

die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Gemäß § 15 SGB XI liegen bei einem Pflegegrad 4 „schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit“ vor. Die Einstufung in den Pflegegrad erfolgt durch eine Begutachtung des MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) mittels Beurteilungskriterien aus sechs Kategorien, die unterschiedlich gewichtet sind. Von möglichen 100 Punkten sind zur Einordnung in die verschiedenen Pflegegrade bestimmte Punktwerte zu konstatieren.

Anerkennung des Pflegegrades durch den MDK

Bevor Sie oder ein*e Angehörige*r Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse haben, bedarf es eines Antrags bei der Pflegekasse zur Einstufung in einen Pflegegrad. Diese beauftragt den MDK (bzw. MEDICPROOF) mit der Begutachtung der pflegebedürftigen Person, der eine Einschätzung anhand eines vorgegebenen Kategoriensystems vornimmt und anschließend eine Empfehlung ausspricht.

 

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Das Beantragen eines Pflegegrades ist denkbar einfach und erfolgt unabhängig davon, ob Sie die pflegebedürftige Person selbst pflegen werden, ein ambulanter Pflegedienst tätig wird oder der Aufenthalt im Heim geplant ist.

Der Antrag erfolgt allgemein ohne die Nennung eines konkreten Pflegegrades. Dazu kontaktieren Sie die Pflegekasse telefonisch oder schriftlich. Diese beauftragt den MDK, der für die Terminvereinbarung mit Ihnen in Kontakt tritt.

Nach dem Termin erhalten Sie innerhalb von 25 Tagen ab Eingang der Antragstellung einen Bescheid über die Einstufung in den Pflegegrad. Sind Sie mit diesem nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Recht auf Widerspruch.

Auch, wenn es eine Veränderung in der Pflegebedürftigkeit gibt, kontaktieren Sie die Pflegekasse. Diese beauftragt den MDK daraufhin, eine neue Begutachtung vorzunehmen.

 

Punktesystem bei der Begutachtung

Um eine nachvollziehbare und möglichst objektive Bewertung vorzunehmen, folgen die Gutachter*innen einem Punktesystem. Maximal möglich sind 100 Punkte, Pflegegrad 4 liegt bei einer Punktzahl zwischen 70 und 89 Punkten vor.

Bewertet werden hier in sechs Kategorien, die in § 14 SGB XI detailliert aufgeführt sind, jeweils verschiedene Kriterien zwischen 0 Punkten für die Fähigkeit, Tätigkeiten selbst zu verrichten, und 4 Punkten, was einer (fast) vollständigen Übernahme der Tätigkeit durch eine Pflegeperson gleichkommt.

Die Punkte der einzelnen Kategorien werden summiert und anhand eines Schlüssels unterschiedlich gewichtet, wobei von den Kategorien 2 und 3 nur die mit der höheren Punktzahl in die Gesamtsumme einfließt.

 

Die Kategorien und ihre Gewichtung

1MobilitätWie selbstständig kann sich der Mensch fortbewegen und seine Körperhaltung ändern?10 %
2Kognitive und kommunikative FähigkeitenWie findet sich der Mensch mit Hilfe anderer örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen oder Gespräche führen?7,5 %
3Verhaltensweisen und psychische ProblemlagenWie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen (etwa aggressives oder ängstliches Verhalten)?7,5 %
4SelbstversorgungWie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken?40 %
5Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und BelastungenWie aufwendig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Behandlungen, z. B. bei der Medikamentengabe oder beim Verbandswechsel?20 %
6Gestaltung des Alltagslebens und soziale KontakteWie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen, sich beschäftigen oder Kontakte pflegen?15 %

 

Vorbereitung auf den Termin mit dem MDK

Da von der Einstufung in den Pflegegrad die Höhe der Leistungen abhängt, die durch die Pflegekasse getragen werden, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld gut auf den Termin mit dem oder der Gutachter*in vorzubereiten und den Alltag möglichst detailgetreu wiederzugeben.

Wenngleich seit der Pflegereform im Jahr 2017 der zeitliche Aufwand für einzelne Pflegetätigkeiten nicht mehr entscheidend ist, so ist es hilfreich, alle Tätigkeiten in einem Pflegetagebuch festzuhalten. Maßgeblich ist dabei stets, der Person keine Aufgaben abzunehmen, sondern die nötige Geduld mitzubringen, sie alle Tätigkeiten, die sie noch eigenständig erledigen kann, selbst ausführen zu lassen.

Wichtig ist, dass bei dem Begutachtungstermin weitere Personen zugegen sind. Das können Angehörige oder andere pflegende Personen sein, die den Pflegealltag beschreiben können. Pflegebedürftige neigen dazu, Situationen zu beschönigen, was sich letztlich negativ auf die Einstufung auswirken kann.

Zudem legen Sie am besten alle ärztlichen Gutachten und Diagnosen bereit, die Aufschluss über den medizinischen Zustand der Person geben.

Scheuen Sie sich während des Termins nicht, besondere Problemsituationen zu demonstrieren. Bereitet etwa das Ankleiden große Schwierigkeiten, darf der oder die Gutachter*in durchaus dabei anwesend sein.

Die Leistungen im Pflegegrad 4

Die Leistungen der Pflegekasse für die Pflegegrade 2 bis 5 sind grundsätzlich die gleichen. Allerdings variiert die Höhe der Beträge deutlich. Für den Pflegegrad 4 gelten derzeit die folgenden Leistungen, die Sie teilweise miteinander kombinieren können. Umgekehrt heben sich wiederum andere gegenseitig auf.

 

Pflegegeld bei Pflegegrad 4

Pflegebedürftige, die durch Angehörige im häuslichen Umfeld gepflegt werden, haben im Pflegegrad 4 Anspruch auf 728 Euro monatlich. Die Summe geht der pflegebedürftigen Person zu, die frei über sie verfügen kann. In der Regel wird sie als Aufwandsentschädigung an pflegende Angehörige weitergegeben.

Bei der zusätzlichen Inanspruchnahme eines professionellen Pflegedienstes verringert sich das Pflegegeld prozentual. Auch gibt es gegebenenfalls Kürzungen während einer Ersatz- oder Kurzzeitpflege.

 

Pflegesachleistungen im Pflegegrad 4

Übernimmt ein professioneller ambulanter Pflegedienst die häusliche Pflege ganz oder teilweise, lassen sich Leistungen von monatlich maximal 1.612 Euro über die Pflegekasse abrechnen.

 

Kombinationsleistungen nutzen

Wird die Summe der Pflegesachleistungen nicht vollständig ausgeschöpft, kann sie prozentual auf das Pflegegeld übertragen werden. Stellt der Pflegedienst beispielsweise monatlich 980 Euro für seine Leistungen in Rechnung, entspricht das 60,8 Prozent von maximal 1.612 Euro. Damit haben Sie noch einen Anspruch von 39,2 Prozent des Pflegegeldes, d. h. 285, 38 Euro.

Um Angehörige zu entlasten, ist es zudem möglich, maximal 40 Prozent der monatlichen Pflegesachleistung umzuwandeln und für Betreuungsleistungen zu nutzen.

 

Entlastungsbetrag – unabhängig vom Pflegegrad

Unabhängig von der Höhe des Pflegegrades stehen allen pflegebedürftigen Personen monatlich 125 Euro für Betreuungsleistungen und Haushaltshilfen zu, wenn entsprechende Aufwendungen nachgewiesen werden können. Denkbare Verwendungszwecke des Entlastungsbetrages sind

  • die Teilnahme an Betreuungsangeboten, die der geistigen oder körperlichen Aktivierung dienen
  • Leistungen der Tages- und Nachpflege oder Kurzzeitpflege, die dem Eigenanteil unterliegen
  • Haushalts- und Einkaufshilfen

Dabei brauchen Sie das Geld nicht monatlich abzurufen, sondern können die einzelnen Beträge auch als Gesamtsumme rückwirkend nutzen – etwa für den Eigenanteil bei der Verhinderungspflege. Möglich ist dies bis zum Ende des ersten Kalenderhalbjahres für das vergangene letzte Jahr.

 

Kurzzeitpflege für den Pflegegrad 4

Die Kurzzeitpflege ist vor allen von Bedeutung, wenn eine pflegebedürftige Person mit einem Pflegegrad 4 z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt für eine kurze Zeit zusätzlicher Pflege bedarf. Für maximal 28 Tage je Kalenderjahr stehen Ihnen hier bis zu 1.612 Euro zu.

Dieser maximale Betrag lässt sich auf 3.224 Euro und bis zu acht Wochen verdoppeln, wenn Sie während eines Jahres keine Verhinderungspflege nutzen. Umgekehrt ist eine Übertragung von 50 Prozent der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege möglich.

Während der Kurzzeitpflege verringert sich der Anspruch auf das Pflegegeld um die Hälfte, d. h. 364 Euro im Monat.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege bei temporärer Abwesenheit

Mit der Gesetzgebung verfolgt der Staat das Ziel, pflegende Angehörige optimal zu entlasten und auch im Falle von temporären Auszeiten die bestmögliche Pflegequalität zu gewährleisten. Dies gilt in besonderem Maße für die Verhinderungspflege, durch die professionelle Pflegekräfte finanziert werden, wenn Sie als Pflegeperson krank oder im Urlaub sind. Maximal erstattet die Pflegekasse hier 1.612 Euro für vier Wochen im Jahr.

Aufstocken lässt sich die Summe, wenn Sie keine Kurzzeitpflege beantragt haben. In diesem Fall erhöht sich die Leistung der Verhinderungspflege auf 2.418 Euro an maximal 42 Kalendertagen im Jahr.

Übernehmen andere Angehörige die Pflege in der Zeit Ihrer Abwesenheit, stehen diesen nur das 1,5-Fache des eigentlichen Pflegegeldes zu.

Wie auch bei der Kurzzeitpflege reduziert sich das Pflegegeld in dieser Zeit auf die Hälfte.

 

Tages- und Nachtpflege

Leistungen der Tages- und Nachtpflege fallen nicht unter die Pflegesachleistungen, sodass Ihnen hier monatlich weitere 1.612 Euro zur Verfügung stehen.

Die Pflegekasse trägt allerdings nur die Pflegekosten sowie anfallende Fahrtkosten für das Abholen und Zurückbringen der pflegebedürftigen Person. Kosten für die Verpflegung hingegen unterliegen dem Eigenanteil der Versicherten, können allerdings z. B. über den Entlastungsbetrag finanziert werden.

 

Leistungen bei Pflegegrad 4 in der vollstationären Pflege

Aufgrund der starken Einschränkungen im Pflegegrad 4 können oder wollen Angehörige die Pflege eventuell nicht mehr leisten – der Umzug ins Pflegeheim ist dann die Alternative. In diesem Fall erhalten Versicherte monatlich 1.775 Euro von der Pflegekasse.

Diese Leistungen decken jedoch ausschließlich den Anteil der Pflegekosten. Für die Unterbringung, Verpflegung und den sogenannten Investitionskostenanteil muss die versicherte Person hingegen selbst aufkommen. Hier entstehen weitere Kosten ab 1.500 Euro monatlich. Darüber hinaus wird ein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil fällig, der in jeder Einrichtung für alle Bewohner*innen unabhängig von ihrem Pflegegrad in gleicher Höhe anfällt, jedoch von Einrichtung zu Einrichtung variiert. Im bundesdeutschen Durchschnitt liegt dieser bei derzeit rund 580 Euro.

 

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Das Ziel von Pflegeleistungen ist im Wesentlichen, einer pflegebedürftigen Person den Verbleib im häuslichen Umfeld so lange wie möglich zu ermöglichen. Mit steigendem Pflegegrad bleiben dabei Umbauten des Wohnraums zugunsten der Barrierefreiheit oft nicht aus. Das kann der Einbau eines Treppenliftes, eine ebenerdig zugängliche Dusche oder auch das Anbringen von Haltegriffen sein.

Die Pflegekasse trägt die Kosten von maximal 4.000 Euro je Gesamtmaßnahme. Das bedeutet, dass eventuell eine erneute Antragstellung möglich ist, wenn sich die Situation weiter verschlechtert.

Leben mehrere Menschen gemeinsam in einer WG zusammen, trägt die Pflegekasse bei vier und mehr Personen die Kosten von bis zu 16.000 Euro je Gesamtmaßnahme.

 

Pflege gemeinsam organisieren – Wohngruppenzuschlag

Wohngruppen bieten nicht nur den Vorteil sozialer Kontakte, sondern auch die Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung und der gemeinsamen Organisation einer Haushaltshilfe. Um diese zu beauftragen, erhalten Mitglieder*innen von Wohngruppen einen monatlichen Zuschlag von 214 Euro.

Ferner besteht bei der Neugründung von Wohngemeinschaften ein Anspruch auf einen einmaligen Gründungszuschuss von 2.500 Euro für maximal vier Bewohner*innen mit einem anerkannten Pflegegrad.

 

Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel – Zuschuss

Die Sozialversicherung unterscheidet zwischen medizinisch notwendigen Hilfsmitteln und zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln. Erstere werden durch einen Arzt oder eine Ärztin verordnet und entsprechend über die Krankenkasse unter Abzug eines Eigenanteils der versicherten Person abgerechnet.

Als Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, gelten hingegen beispielsweise Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Inkontinenzeinlagen für das Bett. Hier erstattet die Pflegekasse monatlich bis zu 40 Euro – entweder auf Nachweis durch das Einreichen eines Belegs oder durch die direkte Abrechnung mit einer Apotheke, wenn Sie einen Versorgungsvertrag mit dieser abgeschlossen haben.

 

Hausnotruf

Pflegepersonen sind nicht rund um die Uhr anwesend. Dadurch besteht die Gefahr, dass eine pflegebedürftige Person einen Unfall hat, sich nicht mitteilen kann und der Situation damit hilflos ausgeliefert ist, bis eine Pflegeperson vor Ort ist. Um dies zu verhindern und auch in akuten Notlagen einen Notruf zu ermöglichen, empfiehlt sich die Installation eines Hausnotrufes, der bei Bedarf abgesetzt werden kann und Hilfe herbeiruft. Den monatlichen Betrieb eines solchen Notrufsystems unterstützt die Pflegekasse mit bis zu 23 Euro im Monat sowie einer anteiligen Übernahme der Einrichtungsgebühr.

 

Kostenlose Pflegekurse für Angehörige

Gemäß § 45 SGB XI haben pflegende Angehörige seit dem Jahr 2017 Anspruch auf kostenlose Pflegekurse. Diese finden durch fachkundige Personen im häuslichen Umfeld statt und richten sich komplett nach dem individuellen Bedarf.

Darüber hinaus sind zweimal jährlich Pflegeberatungen verbindlich vorgeschrieben, wenn die Pflege ausschließlich durch Angehörige erfolgt. Diese dienen dazu, die Qualität der Pflege sicherzustellen und bieten die Möglichkeit, gezielte Fragen zu auftretenden Problemen zu stellen. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst ins Haus, unterliegen die Beratungen der Freiwilligkeit.

 

Die Leistungen im Pflegegrad 4 im Überblick

Art der LeistungHöhe der LeistungHäufigkeit
Pflegegeld728 €monatlich
Pflegesachleistungen1.612 €monatlich
Kurzzeitpflege1.612 €monatlich
Ersatz- und Verhinderungspflege1.612 €monatlich
Entlastungsbetrag125 €monatlich
Tages- und Nachtpflege1.612 €monatlich
vollstationäre Pflege1.775 €monatlich
Hausnotruf23 €monatlich
Wohnraumanpassung4.000 €Gesamtmaßnahme
Pflegehilfsmittel40 €monatlich
Wohngruppenzuschuss214 €monatlich

Weitere Entlastungen für pflegende Angehörige

Während der pflegebedürftigen Person ein Behinderten-Pauschalbetrag zusteht, der steuerlich geltend gemacht werden kann, steht der Pflegeperson bei der häuslichen Pflege zu Hause eine Pauschale von 1.800 Euro als außergewöhnliche Belastung zu (seit 2021, bis 2020 924 Euro).

Den Freibetrag erhalten Sie je pflegebedürftiger Person in vollem Umfang, wenn Sie alleine pflegen. Pflegen mehrere Menschen eine Person, wird der Betrag aufgeteilt.

Anders als bei außergewöhnlichen Belastungen, bei denen eine zumutbare Belastung angerechnet wird, steht Ihnen der Freibetrag in voller Höhe zu. Liegen die tatsächlichen Ausgaben jedoch über dem Pauschbetrag, können Sie diese Summe durch Belege nachweisen und geltend machen.

Verstirbt die pflegebedürftige Person, ist es möglich, im Rahmen des Erbes einen zusätzlichen Pflegefreibetrag in Höhe von 20.000 Euro zu beantragen, wenn die Pflegeperson glaubhaft machen kann, dass sie die pflegebedürftige Person regelmäßig gepflegt hat.

 

Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge

Die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 4 ist oft zeitintensiv und fordernd, sodass Pflegepersonen ihrer eigentlichen Erwerbstätigkeit nicht mehr in vollem Umfang nachgehen können. Für die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge gelten bestimmte Voraussetzungen wie eine Pflegetätigkeit im Umfang von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen in der Woche sowie eine Erwerbstätigkeit von maximal 30 Stunden. Versichert sind dann Unfälle, die im Zusammenhang mit der Pflegetätigkeit geschehen, aber auch die Beiträge für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur Arbeitslosenversicherung werden getragen. Die Rentenzahlbeträge sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Pflegegrad 1bezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
4Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
21,63 €
18,39 €
15,14 €
20,63 €
17,54 €
14,44 €

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Eine Checkliste für den MDK-Termin: https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/01_Pflegebegutachtung/Checkliste_fuer_den_MDK_Besuch.pdf

Weitere Fragen und Antworten rund um die Pflegebegutachtung auf der Webseite des MDK: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Mehr zu den Sozialversicherungsbeiträgen bei der Pflege durch Angehörige von der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/alles-fuer-pflegende-angehoerige/absicherung-fuer-pflegende-angehoerige-durch-sozialversicherungen-13426

Die Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit nach § 15 SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/15.html

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Pflegestärkungsgesetze

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Pflegestärkungsgesetze

Die in den Jahren 2015 bis 2017 eingeführten Pflegestärkungsgesetze (PSG) dienen dazu, die Situation von pflegebedürftigen Personen, Angehörigen, aber auch professionellen Pflegefachkräften zu verbessern. Vor allem die Situation demenzkranker Menschen, die in der Vergangenheit oft nicht ausreichend von Pflegeleistungen profitieren konnten, verbesserte sich durch die PSG.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die drei Pflegestärkungsgesetze führten zu einer Ausweitung des Leistungsangebotes der Pflegekassen und damit zu einer Entlastung pflegender Angehöriger.
  • Besonders profitieren auch Demenzkranke und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen von der Umstrukturierung, die aufgrund der Fokussierung auf die Beurteilung der Selbstständigkeit Pflegebedürftiger künftig Anspruch auf weitere Leistungen haben.
  • Die Ermittlung des Pflegegrades entsprechend des PSG II erfolgt durch den MDK bzw. MEDICPROOF anhand eines Kriterienkataloges, der in diesem Zuge als neues Begutachtungsinstrument eingeführt wurde.

Geschichte der Pflegestärkungsgesetze

Die drei Pflegestärkungsgesetze (PSG I bis III) ergänzen die im Jahr 1995 eingeführte Pflegeversicherung, das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz aus 2002 sowie das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz aus dem Jahr 2012. Notwendig wurde dies, um den gesetzlichen Rahmen an die Bedürfnisse aller Beteiligten anzupassen.

Die Pflegestärkungsgesetze wurden in drei Stufen eingeführt:

  • PSG I (2015): Neuausrichtung der Pflegeunterstützung
  • PSG II (2016): Einführung der Pflegegrade und eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes (in Kraft getreten zum 01.01.2017)
  • PSG III (2017): Verbesserung der Pflege auf kommunaler Ebene, Verbindung von Pflegeleistungen und anderen pflegerelevanten Sozialleistungen

Inhalt der Pflegestärkungsgesetze

Jedes der drei PSG kennzeichnet sich durch einen anderen Schwerpunkt. Allgemein am bekanntesten ist hier wohl das PSG II mit der Neuformulierung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes und der Einführung der Pflegegrade. Doch auch die anderen beiden Stärkungsgesetze zeichnen sich durch wegweisende Inhalte aus.

 

Erstes Pflegestärkungsgesetz (PSG I)

Das PSG I erweitert die Leistungen sowohl für die Pflegebedürftigen selbst als auch für die Angehörigen. Das hatte im Rahmen der gesetzlichen Dynamisierung eine Erhöhung der Leistungen aus der Pflegeversicherung um vier Prozent zur Folge sowie die Aufstockung der Leistungen aus dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) für Personen der Pflegestufe 0, die erst zwei Jahre zuvor eingeführt worden waren. Hierfür wurden weite Teile des SGB XI geändert und die Paragrafen 131–139 komplett neu formuliert.

Darüber hinaus wurde der Betreuungsschlüssel in stationären Einrichtungen hinsichtlich der Betreuungskräfte (nicht der Pflegekräfte) erhöht. Ergänzende Betreuungsangebote für Alltagsbegleiter*innen stehen nunmehr allen Pflegebedürftigen in teil- und vollstationären Einrichtungen zu.

Für ambulante Wohngruppen hingegen verbesserten sich mit dem Gesetz die Leistungen für Menschen mit Pflegestufe 0. Diese erhalten jetzt einen Wohngruppenzuschlag und sie haben Anspruch auf eine Anschubfinanzierung von einmalig 2.500 Euro oder 10.000 Euro je Wohngruppe.

Leistungen aus der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie eine Neuregelung der Tages- und Nachtpflege, die finanzielle Förderung von Umbaumaßnahmen und die Ausweitung von Betreuungsleistungen verbessern auch die ambulante Pflege im häuslichen Umfeld und entlasten pflegende Angehörige. Um den steigenden Bedarf zu decken, wurden deutschlandweit neue Einrichtungen und ambulante Pflegedienste geschaffen. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege werden nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet, dieses bleibt ungekürzt bestehen.

 

Finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger

Neben der Ausweitung der Leistungen durch die Pflegekasse erfolgte mit dem PSG I zudem eine Entlastung Angehöriger durch Maßnahmen, die das Erwerbsverhältnis tangieren:

  • An maximal 10 Arbeitstagen besteht mit dem Pflegeunterstützungsgeld Anspruch auf eine Lohnersatzleistung. Dieses Recht ist unabhängig von der Unternehmensgröße und erleichtert vor allem die spontane Organisation der Pflege.
  • Der Rechtsanspruch auf einen teilweisen oder vollständigen Ausstieg aus dem Job besteht weiterhin, wobei dieser erst ab Unternehmen mit 15 und mehr Beschäftigten gegeben ist. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, besteht die Option auf ein zinsloses Darlehen beim Bund.
  • Mittels der Familienpflegezeit ist eine Verringerung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren möglich. Dies gilt in der Regel bei Unternehmen ab 25 Beschäftigten, Auszubildende nicht eingerechnet.
  • Eine teilweise oder vollständige Freistellung ist möglich bei der Betreuung minderjähriger Personen mit anerkanntem Pflegegrad sowie für maximal drei Monate, um Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten.

 

Finanzierung des PSG I

Finanziert wird das PSG I durch eine Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte, wovon zwei Drittel in die Optimierung der Leistungen, ein Drittel in einen Fonds fließen. Dieser Fonds dient dazu, in Zukunft Beitragssteigerungen abzufedern, wenn ab etwa 2035 die geburtenstarken Jahrgänge das Pflegealter erreichen.

 

Zweites Pflegestärkungsgesetz (PSG II)

Das PSG II ist wohl das bekannteste der drei Pflegestärkungsgesetze, das gemeinhin auch als Pflegereform 2017 bekannt ist.

 

Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Im Jahr 2016 erfolgte eine Umstrukturierung der bisherigen drei Pflegestufen zugunsten von fünf Pflegegraden. Neu geschaffen wurde dabei der Pflegegrad 1 für Menschen, die noch weitgehend selbstständig sind.

In diesem Zusammenhang wurde der Pflegebedürftigkeitsbegriff erneuert, sodass der Fokus fortan auf der Beurteilung der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Personen liegt und auch Demenzkranke, die keine körperlichen Gebrechen haben, stärker berücksichtigt werden. Diese waren in der Vergangenheit oft der Pflegestufe 0 zugeordnet und hatten nur einen sehr punktuellen Anspruch auf Leistungen. Als pflegebedürftig gelten seitdem Menschen, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten aufweisen und deshalb auf Hilfe durch andere angewiesen sind. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens 6 Monate bestehen.“

 

Leistungen der Pflegestufen bzw. -grade

Die meisten anspruchsberechtigten Menschen erhalten durch die Neustrukturierung höhere Leistungen. Aufgrund des Bestandsschutzes wurde zudem verhindert, dass einzelne Personen geringer eingestuft wurden und geringere Leistungen erhielten.

PflegestufePflege-gradPflegegeld 2016Pflegegeld ab 2017Sachleistung 2016Sachleistung ab 2017
1 Anspruch auf Beratungs-besuche, halbjährig125 € Entlastungs-betrag
I2244 €316 €468 €689 €
II3458 €545 €1.144 €1.298 €
III4728 €728 €1.612 €1.612 €
Härtefall5901 €1.995 €1.995 €
0 mit Demenz2123 €316 €231 €689 €
I mit Demenz3316 €545 €689 €1.298 €
II mit Demenz4545 €728 €1.298 €1.612 €
III mit Demenz5728 €901 €1.612 €1.995 €
Härtefall5728 €901 €1.995 €1.995 €

 

Beurteilung der Pflegebedürftigkeit durch den MDK

Im Zuge der Neubewertung der Pflegebedürftigkeit wurden für die Begutachtung durch den MDK sechs Kategorien eingeführt:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die Beurteilung erfolgt anhand unterschiedlicher Kriterien, für die jeweils Punkte vergeben werden. Diese werden anschließend gewichtet und addiert und lassen sich so einem der Pflegegrade zuordnen.

Für Heime ist durch das PSG II ein vom Pflegegrad unabhängiger Eigenanteil für die Pflege vorgesehen. Hinzu kommen die Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie eine Investitionskostenpauschale, die durch die Versicherten selbst getragen wird.

Ein weiterer Punkt des PSG II ist die Ablösung der Pflegenoten zur Beurteilung von stationären Einrichtungen durch einen Pflege-TÜV, das auf einer Selbst- und Fremdevaluation basiert.

Erneut wurde zur Finanzierung der Beitragssatz zur Pflegeversicherung erhöht – dieses Mal um 0,2 Prozentpunkte. Und auch hier erfolgte eine tiefgreifende Veränderung des SGB XI.

 

Ambulant vor stationär

Die Anpassung der Leistungen kommt vor allem pflegenden Angehörigen zugute. Durch eine Ausweitung der Angebote der Tages- und Nachtpflege, Kurz- sowie Verhinderungspflege trägt der Gesetzgeber damit dem Umstand Rechnung, dass die Angehörigen einen wesentlichen Beitrag zur Pflege in Deutschland leisten. Da die Gefahr von Überlastung, Burn-out und Erschöpfung groß ist und gleichzeitig nicht selten finanzielle Einbußen durch eine verringerte Erwerbstätigkeit gegeben sind, wurden Entlastungsangebote geschaffen, die die Pflege Angehöriger attraktiver gestalten soll.

Damit legt der Gesetzgeber auch fest, dass ambulante Leistungen den stationären stets vorzuziehen sind – diese aber gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden, wenn es Bedarf dafür gibt.

 

Drittes Pflegestärkungsgesetz (PSG III)

Die dritte Stufe der PSG setzt die Pflegeleistungen aus der zweiten Stufe mit anderen pflegerelevanten Sozialleistungen in einen Bezug. Das gilt insbesondere auch für das gleichzeitig verabschiedete Bundesteilhabegesetz.

Menschen mit Beeinträchtigungen erhalten seit 2017 vorrangig Leistungen nach dem SGB XI und nicht nach der Eingliederungshilfe nach SGB IX. Sind sie dennoch weitgehend auf die Eingliederungshilfe angewiesen, tragen die Sozialhilfeträger (nicht die Pflegekasse) auch die Kosten für die häusliche Pflege. Bei der stationären Unterbringung haben Betroffene Anspruch auf Leistungen sowohl aus der Pflegeversicherung als auch der Eingliederungshilfe.

Ferner wird durch das Gesetz eine Verbesserung der Pflege auf kommunaler Ebene angestrebt. Das betrifft zum einen die Ausweitung der Beratungsangebote, die Unterstützung der Kommunen durch Personal- und Sachleistungen sowie den Ausgleich von Fördermitteln unter den Bundesländern. Geschuldet ist dies der Annahme, dass die Gemeinden den besten Überblick haben, um die Angebote vor Ort zu optimieren.

Die Befugnisse des MDK wurden ausgeweitet, sodass unangekündigte Kontrollen bei Pflegedienstleistern möglich sind, um z. B. Abrechnungsbetrug zu verringern.

Fazit

Die drei Pflegestärkungsgesetze haben einen wichtigen Beitrag geleistet, um vor allem auch Demenzkranke und andere Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Leistungsbezug zu integrieren sowie gleichzeitig Angehörige zu entlasten. Die Gesetze leisten dabei einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Pflegequalität im häuslichen wie auch stationären Umfeld.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Alle Leistungen der Pflegestärkungsgesetze in einer Broschüre zusammengefasst: LINK

Das PSG I im Wortlaut: https://www.buzer.de/s1.htm?g=PSG+I&f=1

Der Gesetzestext zum PSG II: https://www.buzer.de/gesetz/11863/index.htm

PSG III – das sind die Änderungen in SGB XI: https://www.buzer.de/gesetz/12351/index.htm

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13 April 21

Pflegegrad 5

2021-08-11T16:00:03+02:0013. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrad 5

Pflegegrad 5 bedeutet „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“. Damit einher geht ein erheblicher Zeitaufwand für die Pflege, da die pflegebedürftige Person nicht nur Unterstützung bei vielen Alltagshandlungen, sondern oft auch im psychosozialen Bereich benötigt. Aufgrund dieses hohen Anspruchs fallen die Leistungen für einen anerkannten Pflegegrad 5 auch besonders umfangreich aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Voraussetzung, um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, ist ein anerkannter Pflegegrad. Diesen ermittelt der MDK bzw. der MEDICPROOF auf Antrag bei der Pflegekasse.
  • Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 sind oft bettlägerig und/oder haben mehrmals in der Nacht Pflegebedarf. Die Pflege muss rund um die Uhr gewährleistet sein, sodass der Pflegebedarf im Pflegegrad 5 besonders hoch ausfällt.
  • Übernehmen Angehörige die Pflege einer Person mit Pflegegrad 5 stehen zahlreiche Leistungsangebote der Pflegekasse zur Entlastung zur Verfügung. Im Falle der Einschränkung der eigenen Erwerbstätigkeit besteht zudem die Möglichkeit auf weitere finanzielle Mittel der Pflegekasse.

Was bedeutet Pflegegrad 5?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff definiert gemäß § 14 SGB XI Personen als pflegebedürftig, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“. Dieser Zustand muss dabei von Dauer sein, d. h., mehr als sechs Monate anhalten.

Pflegegrad 5 stellt die höchste Stufe der möglichen Pflegegrade dar und bedeutet die „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“. Das heißt für gewöhnlich, dass Menschen rund um die Uhr auf die Pflege angewiesen sind. Viele Alltagshandlungen wie die Körperpflege oder die Nahrungsaufnahme sind im Pflegegrad 5 nicht ohne Hilfestellung möglich. Hinzu kommt meist noch eine psychosoziale Unterstützung, da auch kognitive Aktivitäten eingeschränkt sind.

Die Anerkennung von Pflegegrad 5 erfolgt über die Begutachtung des MDK bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten, wobei im Rahmen des Begutachtungsassessments zwischen 90 und 100 Punkte erreicht werden müssen.

Ermittlung des Pflegegrades durch den MDK

Bevor Sie oder Ihre Angehörigen Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen können, bedarf es einer Anerkennung des Pflegegrades durch den MDK (bei Privatversicherten durch MEDICPROOF). Bei einer Einstufung in Pflegegrad 5 ist eine Person möglicherweise schon seit geraumer Zeit pflegebedürftig, sodass die Anerkennung des Pflegegrades 5 erst bei einer Verschlechterung des Zustandes erfolgt.

 

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Die Antragstellung erfolgt formlos entweder schriftlich oder telefonisch bei der Pflegekasse. Dabei stellen Sie keinen Antrag auf einen bestimmten Pflegegrad, sondern lediglich auf einen Begutachtungstermin. Auch ist es nicht nötig, dass die pflegebedürftige Person den Antrag selbst stellt. Jede bevollmächtigte Person kann das übernehmen. Das gilt auch für den Fall, dass Sie aufgrund der Verschlechterung des körperlichen oder geistigen Zustandes einer bereits pflegebedürftigen Person eine Neueinstufung wünschen.

Die Pflegekasse beauftragt auf Ihren Antrag hin den MDK, der sich dann zu einer Terminvereinbarung bei Ihnen meldet.

Der Begutachtungstermin findet anschließend im Wohnumfeld der pflegebedürftigen Person statt. Da die Pflege bei Pflegegrad 5 nicht selten vollstationär erfolgt, kann dies neben der eigenen Wohnung auch die Pflegeeinrichtung sein.

Der oder die Gutachter*in bewertet nun anhand eines Kriterienkatalogs die Fähigkeit, verschiedene Tätigkeiten durchzuführen. Dazu werden jeweils Punkte zwischen 0 (vollkommene Selbstständigkeit) und 4 (Tätigkeit muss weitgehend durch die Pflegeperson erfolgen) vergeben und am Ende summiert.

Auf der Basis dieser Punkte spricht der MDK eine Empfehlung an die Pflegekasse aus, die dieser in der Regel auch folgt und einen Pflegegrad vergibt. Über diese Entscheidung werden Sie in der Regel spätestens 25 Tage nach Antragstellung informiert.

Sind Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Widerspruchsrecht.

 

Bewertungskriterien und Punktevergabe

Für die Begutachtung steht dem oder der Gutachter*in ein festgelegter Kriterienkatalog zur Verfügung. Die Bewertung einzelner Sachverhalte erfolgt in sechs Kategorien, deren summierte Punkte jeweils mit einer bestimmten Gewichtung in das Gesamtergebnis einfließen. Am Ende ergibt sich eine Gesamtpunktzahl. Liegt diese zwischen 90 und 100 von 100 möglichen Punkten, erfolgt eine Einstufung in Pflegegrad 5.

MobilitätIst die betroffene Person noch in der Lage, selbstständig einen Orts- oder Positionswechsel durchzuführen?10 %
Kognitive und kommunikative FähigkeitenBeeinträchtigung der zeitlichen und örtlichen Orientierung? Können noch selbstständig Entscheidungen getroffen und kommuniziert werden?7,5 %
Verhaltensweisen und psychische ProblemlagenReagiert die pflegebedürftige Person abwehrend auf pflegerische oder andere unterstützende Maßnahmen?7,5 %
SelbstversorgungNimmt die Person körperliche und psychische Bedürfnisse ausreichend wahr?40 %
Bewältigung krankheits- und therapiebedingter BelastungenWird Unterstützung, z. B. bei der Medikamenteneinnahme, benötigt?20 %
Alltagsleben und soziale KontakteWie erfolgt die Gestaltung des Alltags und kann dieser auch an Unvorhergesehenes angepasst werden?15 %

 

Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Da die Höhe der Leistungen von der Einschätzung des oder der Gutachter*in abhängt, ist es wichtig, bei diesem Termin einen möglichst realistischen Eindruck des Tagesablaufs zu vermitteln.

  • Bei Personen, bei denen Pflegegrad 5 in Betracht kommt, stellt sich die Frage in der Regel nicht, ob eine weitere Person bei diesem Termin anwesend ist, da diese ohnehin dauerhaft zugegen ist. Das kann eine angehörige oder professionelle Pflegeperson sein.
  • Halten Sie ärztliche Gutachten, Diagnosen und andere Nachweise bereit, die einen Eindruck des Hilfebedarfs vermitteln.
  • Beschönigen Sie nichts, sondern benennen Sie besondere Herausforderungen auch als solche. Hilfsreich kann in diesem Zusammenhang ein Pflegetagebuch sein, in dem Sie einzelne Maßnahmen und den dafür nötigen Zeitbedarf dokumentieren.

Besondere Bedarfskonstellation gemäß § 15 Abs. 4 SGB XI

Eine Besonderheit bei der Einstufung in Pflegegrad 5 ergibt sich für Personen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen. Gemäß des Begutachtungsinstruments können Menschen, deren kognitive Fähigkeiten nicht eingeschränkt sind, den Pflegegrad 5 nicht erreichen. Schließlich beziehen sich die Kategorien 2, 3 und 6 auf die Bewertung einer potenziellen Beeinträchtigung in diesem Bereich.

Absatz 4 des § 15 SGB XI verweist auf die Definition des Spitzenverbands Bund der Pflegekassen (GKV), der die Gebrauchsunfähigkeit von Armen und Beinen als besondere Bedarfskonstellation beschreibt. Gemeint ist damit z. B. der Verlust der Greif- und Gehfunktion – auch, wenn noch eine minimale Restbeweglichkeit gegeben ist.

In diesem Fall erfolgt keine Bewertung anhand der Kategorien, sondern direkt eine Einstufung in Pflegegrad 5.

Leistungen im Pflegegrad 5

Die Leistungen der Pflegekasse unterscheiden sich bei den Pflegegraden 2 bis 5 im Wesentlichen durch die Höhe der Leistungen, da mit zunehmendem Pflegegrad auch der zeitliche Aufwand für die Pflege und die potenzielle Be- und Überlastung pflegender Angehöriger steigen, sodass die Entlastungsoptionen umfangreicher ausfallen.

 

Pflegegeld – finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger

Das Pflegegeld ist eine Geldleistung der Pflegekasse, die direkt an die pflegebedürftige Person ausgezahlt wird, wenn diese die Pflege selbst sicherstellt. In der Regel erfolgt diese dann durch Angehörige, die das Pflegegeld als finanzielle Anerkennung erhalten. Im Pflegegrad 5 beträgt die monatliche Leistung 901 Euro.

Das Pflegegeld reduziert sich bei der Inanspruchnahme von Sachleistungen anteilig prozentual. Bei der temporären Nutzung von Kurzzeit- oder Verhinderungspflege verringert sich das Pflegegeld zudem auf die Hälfte.

 

Pflegesachleistungen – Pflege durch professionelle Pflegedienste

Angehörige schaffen es nur selten, Personen mit Pflegegrad 5 rund um die Uhr zu betreuen. Dementsprechend häufig ist die Nutzung eines ambulanten Pflegedienstes, der einen Teil der Pflegetätigkeiten übernimmt. Diese Leistungen rechnet der Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse ab, wobei Sie monatlich Leistungen für maximal 1.995 Euro nutzen können.

 

Kombinationsleistungen zur weiteren Entlastung pflegender Angehöriger

Schöpfen Sie hier nicht den vollen Betrag aus, besteht die Möglichkeit, den prozentual nicht genutzten Anteil der Sachleistungen auf das Pflegegeld zu übertragen und zusätzlich zu den Sachleistungen eine Geldleistung zu erhalten.

Eine weitere Möglichkeit der ungenutzten Pflegesachleistung ist die Umwandlung in geldwerte Betreuungsleistungen, die Sie beispielsweise zur Beschäftigung einer Alltagsbegleitung oder einer Haushaltshilfe nutzen können. Der maximale Anteil liegt hier bei 40 Prozent der Sachleistungen, d. h. 798 Euro in Pflegegrad 5.

 

Entlastungsbetrag – unabhängig vom Pflegegrad

Der Entlastungsbetrag steht Personen aller anerkannten Pflegegrade gleichermaßen in voller Höhe zu, monatlich 125 Euro. Diese Summe können Sie beispielsweise für eine Alltagsbegleitung oder Angebote nutzen, die der Aktivierung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten dienen.

Die Erstattung des Entlastungsbetrags erfolgt aufwandsabhängig. Dabei müssen Sie die Summe nicht monatlich anfordern, um davon zu profitieren, sondern können diese auch rückwirkend bis zum Ende des ersten Kalenderhalbjahres im Folgejahr für das vergangene Jahr abrufen.

 

Tages- und Nachtpflege – Entlastung im Alltag

Mit Pflegegrad 5 geht eine außerordentliche Belastung für pflegende Angehörige einher, da die pflegebedürftige Person meist nicht nur tagsüber, sondern auch nachts gepflegt werden muss. Um Angehörige dabei zu entlasten, besteht die Möglichkeit der teilstationären Versorgung der Person. Die Pflegekasse trägt hier die Pflegekosten von maximal 1.995 Euro, die auch die Fahrtkosten für das Abholen und Bringen der pflegebedürftigen Person umfassen.

 

Kurzzeitpflege – besonderer Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt

Nach einem Krankenhausaufenthalt kann sich ein außergewöhnlicher Pflegebedarf ergeben, der Pflegepersonen vor besondere Herausforderungen stellt. Um diese zu entlasten, besteht die Möglichkeit der Kurzzeitpflege. Hier stehen für maximal 28 Kalendertage 1.612 Euro zur Verfügung. Machen Sie Ihren Anspruch auf Verhinderungspflege nicht geltend, ist es möglich, den vollen Betrag auf die Kurzzeitpflege zu übertragen. So stehen Ihnen jährlich bis zu 3.224 Euro zu.

Das Pflegegeld verringert sich in der Zeit der Kurzzeitpflege auf die Hälfte, d. h. 450,50 Euro.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege – bei temporärer Abwesenheit der Pflegeperson

Die Ersatz- und Verhinderungspflege dient vor allem der Entlastung pflegender Angehöriger. Sind diese aufgrund von Krankheit oder eines Urlaubs für einen Zeitraum bis zu 42 Tagen im Jahr verhindert, übernimmt die Pflegekasse die Pflegekosten in Höhe von maximal 1.612 Euro. Dabei muss es sich keineswegs um volle Tage handeln, auch bei einer stundenweisen Abwesenheit der Pflegeperson ist die Verhinderungspflege möglich.

Zusätzlich aufstocken lässt sich die Summe durch die Hälfte der Ansprüche aus der Kurzzeitpflege, wenn diese ungenutzt bleiben, sodass Sie an höchstens 56 Tagen für insgesamt 2.418 Euro im Jahr Angebote der Verhinderungspflege nutzen können.

Das Pflegegeld verringert sich in der Zeit der Verhinderungspflege auf die Hälfte. Übernehmen andere Angehörige die Pflegetätigkeit in dieser Zeit, steht ihnen maximal das 1,5-Fache des Pflegegeldes zu, d. h. 1.351,50 Euro.

 

Pflegegrad 5 in der stationären Pflege

Die Bedeutung des Vorzugs der häuslichen Pflege wird durch die umfassenden finanziellen Leistungen deutlich, die Angehörigen zustehen. So liegt die monatliche Summe für die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung mit 2.005 Euro nur knapp über den Sachleistungen.

Zu beachten ist hier vor allem, dass die Pflegekasse dabei nur die reinen Pflegekosten trägt. Hinzu kommen stets weitere Kosten für die Unterbringung und Verpflegung sowie die sogenannten Investitionskosten, die allesamt durch die versicherte Person selbst getragen werden müssen.

Es gibt außerdem den sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, der unabhängig vom Pflegegrad getragen werden muss. Dieser unterscheidet sich von Einrichtung zu Einrichtung, liegt im bundesweiten Durchschnitt jedoch bei 580 Euro monatlich.

 

Wohngruppenzuschlag

Zur Organisation der gemeinsamen Pflege haben Menschen, die in Wohngruppen leben, einen Anspruch auf monatlich 214 Euro. Damit können die Mitglieder einer Wohngruppe z. B. eine Person beschäftigen, die Unterstützung im Haushalt und beim Einkaufen leistet.

Bei der Neugründung einer Wohngruppe haben zudem bis zu vier Personen die Aussicht auf eine Anschubfinanzierung in Höhe von maximal 2.500 Euro je Person.

 

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Die erstmalige Anpassung des Wohnumfelds zugunsten der Barrierefreiheit fördert die Pflegekasse mit bis zu 4.000 Euro je Gesamtmaßnahme. Verschlechtert sich der Zustand der pflegebedürftigen Person und ist z. B. ein nochmaliger Umbau nötig, um aufgrund einer Bettlägerigkeit ein Pflegebett unterzubringen, besteht die Option zur Förderung einer weiteren Maßnahme.

In Wohngruppen liegt die maximale Fördersumme bei 16.000 Euro, wenn mindestens vier Personen mit einem anerkannten Pflegegrad ab 2 in der Wohnung leben.

 

Kosten für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel, die wie im Falle von Einmalhandschuhen, Betteinlagen oder auch Desinfektionsmitteln zum Verbrauch bestimmt sind, übernimmt die Pflegekasse bis zu maximal 40 Euro monatlich. Die Abrechnung erfolgt dabei entweder direkt mit der Pflegekasse durch das Nachweisen mittels Belegen oder über einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke oder einem Sanitätshaus.

 

Pflegeberatung und Pflegekurse

Pflegende Angehörige haben einen Anspruch auf kostenlose Pflegekurse. Diese finden im häuslichen Umfeld statt und bieten so die Möglichkeit, auf individuelle Fragen und Probleme bei der Pflege Angehöriger einzugehen. Wie auch die obligatorischen Pflegeberatungen, die pflegende Angehörige zweimal jährlich nutzen müssen, sofern kein professioneller Pflegedienst ins Haus kommt, tragen sie zu einer Verbesserung der Pflegequalität bei.

 

Leistungen des Pflegegrads 5 im Überblick

LeistungHöhe der LeistungHäufigkeit der Leistung
Pflegegeld901 €monatlich
Pflegesachleistung1.995 €monatlich
Entlastungsbetrag125 €monatlich
Kurzzeitpflege1.612 €jährlich
Verhinderungspflege1.612 €jährlich
Tages- und Nachtpflege1.995 €monatlich
vollstationäre Pflege2.005 €monatlich
Wohnraumpassung4.000 €je Maßnahme
Wohngruppenzuschlag214 €monatlich
Pflegehilfsmittel40 €monatlich
Hausnotruf23 €monatlich

Finanzielle Entlastung für pflegende Angehörige

 

Pflegen Angehörige eine Person mit Pflegegrad 5 bedeutet dies in der Regel einen erheblichen Zeitaufwand. Dieser ist oft nur zu bewältigen, wenn die eigene Erwerbstätigkeit reduziert oder zeitweise sogar ganz aufgegeben wird.

 

Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge

Damit pflegende Angehörige hier keinerlei Nachteile erfahren, leistet die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen die Beiträge für die Rentenversicherung.

  • Die Pflege darf nicht erwerbsmäßig erfolgen und findet in der häuslichen Umgebung statt.
  • Sie pflegen mindestens eine Person mit Pflegegrad 2 oder höher für mindestens 10 Stunden an wenigstens zwei Tagen wöchentlich.
  • Die eigene Erwerbstätigkeit liegt bei 30 Stunden oder weniger.
  • Die Pflege ist durch den MDK als notwendig anerkannt.

Die Höhe der Rentenbeträge hängt von Zeitaufwand, Pflegegrad und dem Ort der Pflege ab und liegt für Pflegegrad 5 etwa bei folgenden Beträgen:

Pflegegradbezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
5Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
30,90 EUR
26,27 EUR
21,63 EUR
29,48 EUR
25,06 EUR
20,63 EUR

 

Nutzung der Pflegezeit

Pflegen Angehörige eine Person im häuslichen Umfeld, steht ihnen ein Anspruch auf partielle oder auch vollständige Freistellung von der Erwerbstätigkeit zu. Die Dauer ist begrenzt und gilt auch nur für Betriebe ab einer Größe von 15 Angestellten. Dabei ist eine Kombination mit der Familienpflegezeit möglich, sodass eine maximale Gesamtdauer von 24 Monaten erreicht werden kann.

 

Pflegeunterstützungsgeld bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung

Können Angehörige ihrer Erwerbstätigkeit aufgrund einer akuten Pflegesituation nicht nachkommen, besteht das Recht, dem Arbeitsplatz für bis zu zehn Tage fernzubleiben, um die Pflege zu organisieren. Als Ausgleich für das in dieser Zeit entgangene Arbeitsentgelt können Sie Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beantragen.

 

Steuerliche Vergünstigungen

Was für die pflegebedürftigen Personen der Pauschbetrag ist, ist für pflegende Angehörige der Pflege-Pauschbetrag, der die Steuerlast pauschal als außergewöhnliche Belastung verringert. Dieser liegt für den Pflegegrad 5 seit Januar 2021 bei 1.800 Euro. Liegen Ihre tatsächlichen Ausgaben darüber, lohnt es sich, stattdessen die tatsächlichen Belege einzureichen.

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12 April 21

Pflegegrad 3

2021-08-11T16:00:22+02:0012. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrad 3

Die Einstufung der Pflegegrade erfolgt durch den MDK. Bei einem Pflegegrad 3 liegt eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vor, wodurch sich ein vergleichsweise hoher Pflegebedarf ergibt. Um hier die optimale Versorgung zu gewährleisten und Angehörige bei der Pflege bestmöglich zu entlasten, gibt es ein umfangreiches Leistungsangebot der Pflegekassen, das sich an der Schwere der Beeinträchtigungen orientiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Einstufung in den Pflegegrad erfolgt auf Antrag bei der Pflegekasse. Der MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) nimmt daraufhin eine Begutachtung vor, aus der eine Empfehlung für die Pflegebedürftigkeit an die zuständige Pflegekasse resultiert.
  • Die Leistungen der Pflegekasse richten sich nach dem Pflegegrad, d. h. für Pflegegrad 3 stehen Ihnen andere Leistungen zu als bei Pflegegrad 2, 4 oder 5.
  • Bei der Pflege durch Angehörige haben Sie zunächst Anspruch auf das Pflegegeld sowie weitere Ergänzungsleistungen. Erfolgen die Pflegetätigkeiten durch einen professionellen Pflegedienst, rechnet die Pflegekasse diese als Sachleistungen ab.

Was bedeutet Pflegegrad 3?

Die Pflegebedürftigkeit an sich ergibt sich aus der Definition gemäß § 14 SGB XI, wenn Personen

gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Pflegegrad 3 geht mit einer „schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ einher. Ob diese gegeben ist, entscheidet der MDK im Rahmen seines Begutachtungsverfahrens.

Bei der Umwandlung der Pflegestufen 2017 wurden neben neuen Antragstellern Demenzerkrankte, die der Pflegestufe 1 zugeordnet waren, sowie Pflegebedürftige aus der Stufe 2 direkt in Pflegegrad 3 übernommen.

Antragstellung beim MDK

Um überhaupt einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse zu haben, muss zunächst die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgen. Die Grundlage bildet hier eine Begutachtung, die der MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) im Auftrag der Pflegekasse vornimmt.

Um einen Termin zu erhalten, stellen Sie einen telefonischen oder schriftlichen Antrag bei der Pflegekasse. Der oder die Gutachterin bewertet dann die Pflegebedürftigkeit anhand von sechs verschiedenen Kategorien im häuslichen Umfeld der betroffenen Person.

Da die Höhe der Leistungen maßgeblich vom Pflegegrad abhängt, ist es sinnvoll, sich gründlich auf diesen Termin vorzubereiten.

 

Einstufung durch den MDK nach Punkten

Der MDK vergibt bei der Begutachtung gemäß § 15 SGB XI maximal 100 Punkte. Die Einstufung in den Pflegegrad 3 erfolgt bei einer Punktezahl zwischen 47,5 und 70 Punkten. Diese ermittelt der MDK in sechs verschiedenen Kategorien, die prozentual unterschiedlich in die Gesamtpunktzahl einfließen:

Mobilität10 %
kognitive und kommunikative Fähigkeiten7,5 %
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen7,5 %
Selbstversorgung40 %
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen20 %
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakt15 %


Von den Kriterien 2 und 3 wird allerdings nur die Kategorie mit der höheren Punktzahl bei der Ermittlung der Gesamtpunktzahl gewertet.

 

Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Da Sie keinen gezielten Antrag auf einen Pflegegrad stellen, ist es wichtig, die Alltagssituation detailliert wiederzugeben und potenzielle Herausforderungen als solche zu benennen. Hierzu halten Sie alle ärztlichen Gutachten und Befunde bereit. Zudem ist es hilfreich, ein Pflegetagebuch zu führen, in dem Sie neben den erforderlichen Pflegemaßnahmen auch den zeitlichen Aufwand festhalten.

Entspricht die Einstufung letztlich nicht Ihren Vorstellungen, haben Sie nach Erhalt des Bescheids vier Wochen Zeit für einen Widerspruch.

Leistungen im Pflegegrad 3

Die vielfältigen Leistungen der Pflegekasse unterscheiden sich in den Pflegegraden 2 bis 5 nicht hinsichtlich der Art, wohl aber in ihrer Höhe.

 

Pflegegeld – Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige

Das Pflegegeld wird durch die Pflegekasse direkt an die versicherte Person ausgezahlt, die frei über die Summe verfügen kann. In der Regel gibt diese das Geld an pflegende Angehörige als eine Aufwandsentschädigung weiter. Bei einem Pflegegrad 3 liegt die Summe hier bei 545 Euro monatlich.

 

Pflegesachleistungen

Pflegesachleistungen werden durch professionelle ambulante Pflegedienste ausgeführt. Diese rechnen ihre Kosten direkt mit der Pflegekasse ab. Der monatliche Maximalbetrag, den die Pflegekasse hier für einen Pflegegrad 3 trägt, beläuft sich auf 1.298 Euro.

Nicht genutzte Pflegesachleistungen können Sie entweder über den Umwandlungsanspruch für Betreuungsleistungen nutzen oder damit das Pflegegeld prozentual anteilig aufstocken.

 

Umwandlungsanspruch – mehr Geld für Betreuungsleistungen

Nutzen Sie die Pflegesachleistungen monatlich nicht vollständig aus, besteht die Möglichkeit, bis zu 40 Prozent der Leistung, d. h. maximal 519,20 Euro monatlich, für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu nutzen. Damit können vor allem auch pflegende Angehörige zusätzlich entlastet werden.

 

Kombinationsleistungen – optimale Nutzung von Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Grundsätzlich stehen Versicherten entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu. Das Pflegegeld verringert sich dabei jeweils prozentual anteilig um die genutzten Sachleistungen.

Nutzen Sie beispielsweise monatlich 65 Prozent der Pflegesachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst, erhalten Sie noch 35 Prozent des Pflegegeldes. Dieser Betrag kann monatlich feststehen oder immer wieder aufs Neue nach Bedarf ermittelt werden, sodass die Pflegekasse Ihnen automatisch den Restbetrag des Pflegegeldes überweist.

 

Entlastungsbetrag – finanzielle Unterstützung bei Haushaltshilfen & Co.

Der Entlastungsbetrag ist eine Leistung, die die Pflegekasse unabhängig vom Pflegegrad monatlich in Höhe von 125 Euro aufwandsbezogen für unterstützende Pflegetätigkeiten bereitstellt, um zum einen pflegende Angehörige zu entlasten, zum anderen die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person zu erhalten oder zu fördern. Sie können den Betrag nutzen für:

  • Einkaufs- oder Haushaltshilfen
  • Hilfe bei Behördengängen oder Arztterminen
  • Begleitung bei Spaziergängen oder sozialen Kontakten
  • Kosten für Institutionen, die das Training geistiger oder körperlicher Tätigkeiten fördern

Möglich ist auch eine Finanzierung des Eigenanteils bei der Tages- oder Nachtpflege oder der Verhinderungspflege über den Entlastungsbetrag.

Den Entlastungsbetrag brauchen Sie nicht monatlich in Anspruch zu nehmen, sondern können die Leistungen auch rückwirkend bis zum Ende des ersten Halbjahres des Folgejahres beantragen.

 

Kurzzeitpflege – nach Klinikaufenthalten

Die Kurzzeitpflege richtet sich an Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad 3, bei denen der Pflegebedarf z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt gegeben ist. Der jährliche Zuschuss ist hier auf 1.612 Euro und maximal 28 Kalendertage begrenzt.

Die Leistungen für die Kurzzeitpflege können Sie aufstocken, indem Sie ungenutzte Leistungen der Verhinderungspflege für die Kurzzeitpflege nutzen. So lässt sich die maximale Summe auf bis zu 3.224 Euro für maximal 56 Tage im Jahr erhöhen.

Das Pflegegeld der Versicherten reduziert sich in der Zeit der Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege auf die Hälfte.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege – bei temporärer Abwesenheit

Die Ersatz- und Verhinderungspflege dient im Wesentlichen der Vertretung pflegender Angehöriger, wenn diese beispielsweise aufgrund eines Urlaubs temporär verhindert sind und ein ambulanter Pflegedienst die Pflegetätigkeiten übernimmt. Die Pflegekasse leistet hier einen Zuschuss von maximal 1.612 Euro an 28 Kalendertagen jährlich.

Haben Sie keinerlei Leistungen aus der Kurzzeitpflege genutzt, lässt sich diese zu 50 Prozent auf die Verhinderungspflege übertragen, sodass der Anspruch auf maximal 2.418 Euro an 42 Kalendertagen jährlich steigt.

Wie auch bei der Kurzzeitpflege reduziert sich der Anspruch auf das Pflegegeld in der Zeit der Verhinderungspflege auf die Hälfte.

Führt eine oder ein Angehörige*r die Verhinderungspflege anstelle eines professionellen Pflegedienstes aus, steht diesem oder dieser maximal das 1,5-Fache des Pflegegeldes, d. h. 817,50 Euro im Pflegegrad 3, zu.

 

Tages- und Nachtpflege – ideal für Demenzerkrankte

Vor allem Demenzkranke benötigen eine durchgehende Betreuung. Angehörige können diese z. B. aus beruflichen Gründen nicht immer leisten. Auch das unruhige Schlafverhalten von Menschen mit Demenz kann zu einer erheblichen Belastung führen, die pflegende Angehörige zusätzlich fordert und überfordert.

Hier greift die Tages- oder Nachtpflege, die Pflegebedürftigen einen Aufenthaltsort mit gemeinsamen Aktivitäten und Mahlzeiten bzw. nächtliche Betreuung bietet. Die Pflegekasse trägt die Kosten von bis zu 1.298 Euro je Monat. Inklusive sind auch die Fahrtkosten für das Abholen und Bringen der pflegebedürftigen Person. Verpflegungs- und Unterbringungskosten hingegen müssen durch den oder die Versicherte*n selbst getragen werden.

 

Zuschuss für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind

Als Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, gelten beispielsweise Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder auch Desinfektionsmittel. Während medizinisch notwendige Hilfsmittel wie Rollatoren über eine ärztliche Verordnung mit der Krankenkasse abgerechnet werden, bezuschusst die Pflegekasse die Verbrauchsmittel mit bis zu 40 Euro monatlich.

Die Abrechnung erfolgt entweder über das Einreichen von Rechnungen oder einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke. Diese kann die Leistungen dann direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

 

Wohnraumanpassung – finanzielle Förderung der Barrierefreiheit im Wohnumfeld

Um den möglichst langen Verbleib im häuslichen Wohnumfeld zu gewährleisten, unterstützt die Pflegekasse bauliche Maßnahmen, die zur Barrierefreiheit beitragen, mit bis zu 4.000 Euro je Maßnahmenpaket.

Das bedeutet nicht, dass beliebig viele Umbauten jeweils mit 4.000 Euro bezuschusst werden. Verschlechtert sich die Situation der pflegebedürftigen Person allerdings, sodass weitere Umbauten erforderlich sind, kann eine weitere Finanzierung erfolgen.

 

Pflegegrad 3 in der vollstationären Pflege

Die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 3 geht nicht selten mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand einher. Nicht immer gibt es Angehörige, die diesen leisten können oder wollen, sodass mit Eintreten der Pflegebedürftigkeit der Umzug in ein Pflegeheim ansteht. Die Pflegekasse trägt hier die monatlichen Pflegekosten von maximal 1.262 Euro.

Daneben gibt es einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, der für alle Bewohner*innen einer Einrichtung in gleicher Höhe anfällt. Im bundesweiten Durchschnitt liegt dieser bei rund 580 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und anteilige Investitionskosten. Die Höhe des Gesamteigenanteils, der von den Versicherten aus eigener Tasche getragen werden muss, variiert durchaus stark von Einrichtung zu Einrichtung , meist übersteigt er jedoch 1.500 Euro.

 

Wohngruppenzuschuss – gemeinsame Organisation von Pflegeleistungen

Eine Alternative zum Einzug in das Pflegeheim kann der Umzug in eine Wohngruppe sein. Als vorteilhaft erweist sich hier die Möglichkeit einer gemeinsam organisierten Pflege. Um diese finanziell zu sichern, stehen Mitgliedern von Wohngruppen monatlich 214 Euro zur Beschäftigung einer Organisationskraft zu.

Die Pflegekasse unterstützt notwendige Umbauten, die der Barrierefreiheit dienen, darüber hinaus mit maximal 16.000 Euro, d. h. für höchstens vier Bewohner*innen mit einem anerkannten Pflegegrad ab 2. Hinzu kommt unter Umständen ein einmaliger Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro, d. h. maximal 10.000 Euro je Wohngruppe.

 

Betrieb des Hausnotrufes – Steigerung der Sicherheit

Auch bei der Pflege durch Angehörige ist die permanente Aufsicht der pflegebedürftigen Person nicht gegeben. Schnell kann ein Sturz schlimme Folgen haben. Um das Risiko hier zu verringern, empfiehlt sich die Installation eines Hausnotrufsystems, durch das im Notfall ein Rettungsdienst zu Hilfe eilen kann. Die Pflegekasse trägt neben einem einmaligen Zuschuss von 10,49 Euro zur Installation die monatlichen Betriebskosten in Höhe von bis zu 23 Euro mit.

 

Beratung und Pflegekurse für Angehörige und Pflegebedürftige

Pflegen ausschließlich Angehörige eine Person, ist die Beratung durch eine professionelle Pflegekraft zweimal jährlich verpflichtend. Wer diese Termine versäumt, läuft Gefahr, dass die Leistungen gekürzt werden. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst ins Haus, erfolgt die Beratung auf freiwilliger Basis. Das Ziel ist stets, die optimale Pflegequalität sicherzustellen.

Doch auch die pflegebedürftigen Personen selbst können Beratungsangebote, etwa zum barrierefreien Umbau der Wohnung, nutzen.

Ein drittes kostenloses Angebot sind Pflegekurse, in denen Angehörige Tipps zur richtigen Pflege und Versorgung erhalten. Die Schulung erfolgt jeweils praxisnah im häuslichen Umfeld anhand der individuellen Pflegesituation.

Leistungen Pflegegrad 3 im Überblick

Leistung Höhe der Leistung Häufigkeit der Zahlung
Pflegegeld 545 € monatlich
Pflegesachleistungen 1.298 € monatlich
Entlastungsbetrag 125 € monatlich oder rückwirkend bis zum Ende des 1. Halbjahres des Folgejahres für das vergangene Jahr
Tages- und Nachtpflege 1.298 € monatlich
Kurzzeitpflege 1.612 € jährlich
Ersatz- und Verhinderungspflege 1.612 € jährlich
vollstationäre Pflege 1.262 € monatlich
Pflegehilfsmittel 40 € monatlich
Hausnotruf 23 € monatlich zzgl. einmaliger Pauschale zur Einrichtung
Wohnraumanpassung 4.000 € je Maßnahme
Wohngruppenzuschuss 214 € monatlich

Weitere Entlastung pflegender Angehöriger

Die Pflege Angehöriger geht bei steigendem Pflegegrad auch mit einer zunehmenden Belastung einher. Das Leistungsangebot der Pflegekassen soll hier zur Entlastung beitragen. Darüber hinaus stehen Ihnen weitere Möglichkeiten zur Verfügung, um auch finanzielle Einbußen, die sich beispielsweise aus einer eingeschränkten Erwerbstätigkeit ergeben, abzufedern.

 

Steuerliche Berücksichtigung der Pflegetätigkeit

Für die Pflege steht Ihnen unter bestimmten Voraussetzungen ein Pflege-Pauschbetrag zu. Dieser dient vor allem dazu, die nicht zu beziffernden Aufwendungen für die Pflege abzudecken. Für den Pflegegrad 3 liegt dieser seit Januar 2021 bei 1.100 Euro.

Liegen die Ausgaben darüber, lässt sich die Pflege Angehöriger durch das Einreichen von Belegen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Entscheidend ist dabei, dass ein Nachweis über die entstandenen Kosten vorliegt.

Haushaltsnahe Dienstleistungen, die zur weiteren Entlastung beitragen, können Sie ebenfalls in Höhe von 20 Prozent der tatsächlich entstandenen Kosten bis zu einem Maximalbetrag von 4.000 Euro jährlich von der Steuer abziehen.

Anrechnung der Pflegezeit auf die Rente

Wer in der Vergangenheit die eigene berufliche Tätigkeit eingeschränkt hatte, um Angehörige zu pflegen, nahm Einbußen beim Rentenerwerb in Kauf. Um das zu kompensieren, hat der Gesetzgeber mittlerweile festgelegt, dass die nicht erwerbsmäßige Pflege Angehöriger, die einen Umfang von 10 Stunden an mindestens zwei Tagen in der Woche übersteigt und mit einer Erwerbstätigkeit von maximal 30 Stunden einhergeht, auf die Rente angerechnet werden kann.

Pflegegradbezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
3Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
13,29 €
11,29 €
9,30 €
12,68 €
10,77 €
8,87 €

Quelle: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Familie-und-Kinder/Angehoerige-pflegen/angehoerige-pflegen.html

Hinzu kommt eine teilweise Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge unter bestimmten Voraussetzungen.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Weitere Informationen rund um die Pflege auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege.html

Eine erste Berechnung der möglichen Pflegeleistungen erfolgt über den Pflegeleistungsrechner: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer.html

Mehr zur Antragstellung für die Einstufung in einen Pflegegrad inklusive Checkliste zur Vorbereitung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html

Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung zur Rente für Pflegepersonen: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/rente_fuer_pflegepersonen.pdf?__blob=publicationFile&v=5

Die Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit im SGB XI: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html

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08 April 21

Pflegegrad 2

2021-08-11T16:00:51+02:0008. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrad 2

Nach der Einstufung in Pflegegrad 2 sind umfangreiche finanzielle Mittel verfügbar, die Sie als angehörige Pflegeperson bei der häuslichen Pflege unterstützen und maßgeblich entlasten. Die vielseitigen Leistungen lassen sich teilweise miteinander kombinieren und gegeneinander aufrechnen, wodurch Sie individuelle Leistungspakete entsprechend des individuellen Bedarfs nutzen und so die optimale Pflege sicherstellen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Pflegekasse bietet ein breites Leistungsspektrum für Angebote ambulanter Pflegedienste sowie auch für die (teil-)stationäre Unterbringung. Neben der häuslichen Pflege werden bei der finanziellen Unterstützung zudem Wohngemeinschaften in besonderem Maße berücksichtigt.
  • Um Leistungen zu beziehen, muss ein Pflegegrad anerkannt sein. Diesen ermittelt der MDK auf Antrag bei einer Begutachtung der pflegebedürftigen Person im häuslichen Umfeld.
  • Vielseitige Angebote bieten die Möglichkeit, ein individuelles Leistungspaket zu nutzen, das die angehörige Pflegeperson bestmöglich entlastet und gleichzeitig die optimale Pflegequalität gewährleistet.

Was bedeutet Pflegegrad 2?

Als pflegebedürftig gelten laut der Definition von § 314 SGB XI „Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“.

Der Pflegegrad 2 stellt dabei die erste Stufe dar, die durch die Pflegekasse durch zahlreiche Angebote eine umfangreiche finanzielle Unterstützung erfährt.

 

Anerkennung durch den MDK

Die Anerkennung eines Pflegegrades erfolgt über den MDK. Dieser führt im Auftrag der Pflegekasse eine Begutachtung im Wohnumfeld der pflegebedürftigen Person durch und gibt im Anschluss daran eine Empfehlung an die Pflegekasse ab, die dieser in der Regel auch folgt und den Pflegegrad bewilligt.

Um einen Termin zur Begutachtung zu erhalten, stellen Sie zunächst einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse. Das kann sowohl telefonisch als auch in schriftlicher Form erfolgen, wobei Sie diesen nicht für einen bestimmten Pflegegrad stellen, sondern allgemein formulieren. Anschließend meldet sich ein*e Gutachter*in zur Terminvereinbarung bei Ihnen.

Die Pflegekasse hat ab Eingang des Antrags maximal 25 Arbeitstage Zeit, um einen Pflegegrad festzulegen. Bei einer Fristüberschreitung, die die Pflegekasse verschuldet, wird eine wöchentliche Pauschale von 70 Euro fällig, die sie an die antragstellende Person entrichten muss.

Sind Sie mit dem Ergebnis der Pflegegrad-Einstufung nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Widerspruchsrecht.

 

Kriterien bei der Pflegebegutachtung

Der MDK bzw. MEDICPROOF (für privat Versicherte) überprüft die Voraussetzungen zur Pflegebedürftigkeit anhand von sechs Kategorien. Dieses System ist als „Neues Begutachtungsassessment“ (NBA) bekannt und beinhaltet folgende Bewertungskategorien:

  1. Mobilität
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen
  6. Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakt

In jedem dieser Bereiche gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Kriterien, für die der oder die Gutachter*in Punkte zwischen 0 und 3 vergibt. Hierbei steht 0 für Selbstständigkeit und 3 für Unselbstständigkeit, d. h., die Notwendigkeit einer weitgehenden Übernahme von Tätigkeiten durch eine andere Person.

Anschließend erfolgt eine Gewichtung der Punkte in den Kategorien zueinander, sodass sich abschließend eine Gesamtpunktzahl ergibt. So ist die Mobilität mit 10 Prozent z. B. eher weniger relevant, die Selbstversorgung mit 40 Prozent hingegen von großer Bedeutung. Von den Kategorien 2 und 3 fließt nur der höhere Wert in die Gesamtpunktzahl ein.

Diese entscheidet dann über die Einstufung in den Pflegegrad:

12,5–26,9 Punktegeringe Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 1
27–47,4 Punkteerhebliche Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 2
47,5–69,9 Punkteschwere Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 3
70–89,9 Punkteschwerste Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 4
90–100 Punkteschwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische VersorgungPflegegrad 5


Ermitteln Gutachter*innen also bei der Beeinträchtigung 27 bis 47,4 Punkte, steht dem Pflegebedürftigen eine Einstufung in Pflegegrad 2 und die damit verbundenen Leistungen zu.

Die beiden Bereiche der außerhäuslichen Aktivitäten sowie der Haushaltsführung werden zwar ebenfalls begutachtet, spielen bei der Berechnung des Pflegegrades allerdings keine Rolle.

Leistungen bei Pflegegrad 2

Anders als bei einem anerkannten Pflegegrad 1 stehen Ihnen oder Ihren Angehörigen vielseitige Unterstützungs- und Pflegeangebote zu. Diese tragen nicht nur zu einer finanziellen Entlastung bei, sondern dienen auch dazu, dass sich pflegende Angehörige Auszeiten gönnen können. Anspruch auf die Leistungen aus der Pflegeversicherung hat jede*r, der oder die für einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten pflegebedürftig ist.

 

Die Geldleistungen im Pflegegrad 2 im Überblick

Pflegegeld316 € je Monat
Pflegesachleistungen689 € je Monat
Tages- und Nachtpflege689 € je Monat
Betreuungs- und Entlastungsbetrag125 € je Monat
Verhinderungspflege1.612 € je Jahr
Kurzzeitpflege1.612 € je Jahr
vollstationäre Pflege770 € je Monat
Hausnotruf23 € je Monat zzgl. Einmalpauschale für die Einrichtung
Anpassung des Wohnraums4.000 € je Gesamtmaßnahme
Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln40 € je Monat
Wohngruppenzuschuss214 € je Monat
Anschubfinanzierung zur Gründung ambulanter Wohngruppenbis 2.500 € je Person bis zu maximal 10.000 € je Wohngruppe, ggf. weiterer einmaliger Zuschuss für die Wohnraumanpassung

 

Pflegegeld (§ 37 SGB XI)

Das Pflegegeld stellt genaugenommen eine Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige dar. Die Pflegekasse überweist den Betrag direkt an die pflegebedürftige Person, die darüber frei verfügen kann, diesen jedoch in der Regel an seine pflegenden Angehörigen weitergibt. Nehmen Sie Pflegesachleistungen in Anspruch, reduziert sich die monatliche Summe des Pflegegeldes prozentual anteilig.

 

Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI)

Anders als das Pflegegeld richten sich Pflegesachleistungen an professionelle Pflegekräfte. Nehmen Sie beispielsweise einen ambulanten Pflegedienst für die Körperpflege oder die pflegerische Betreuung für sich in Anspruch, steht Ihnen ein monatlicher Betrag hierfür zu. Die Abrechnung der Sachleistungen erfolgt in der Regel direkt zwischen dem Pflegedienst und der Pflegekasse.

Umwandlungsanspruch bei nicht ausgeschöpften Sachleistungen nutzen

Der Umwandlungsanspruch ist von Bedeutung, wenn Sie die monatliche Maximalsumme für Pflegesachleistungen nicht genutzt haben. Dann ist eine Umwandlung in einen Kostenerstattungsanspruch für nach Landesrecht anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag möglich.

Zur Geltendmachung reichen Sie einfach entsprechende Belege bei der Pflegekasse ein. Der höchstmögliche Umwandlungsanspruch liegt bei 40 Prozent der Pflegesachleistungen.

Bei der Berechnung des Pflegegeldes wird dieser Kostenerstattungsanspruch behandelt, als hätten Sie für diesen Betrag Sachleistungen genutzt, sodass auch der Bezug von Kombinationsleistungen möglich ist.

Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistung

Nicht immer haben Angehörige ausreichend Kapazitäten für die Pflege Angehöriger zur Verfügung. Zur optimalen Abstimmung des Pflegebedarfs ist daher auch eine Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen möglich. In diesem Fall reduziert sich das Pflegegeld anteilig zu den genutzten Sachleistungen.

Nutzen Sie z. B. Pflegesachleistungen in Höhe von 512 Euro, entspricht das einem Anteil von 74 Prozent der möglichen Gesamtsumme von 689 Euro. Es bleiben damit 26 Prozent, die Ihnen noch an Pflegegeld zustehen – was 82,16 Euro von den möglichen 316 Euro entspricht.

 

Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI)

Der Entlastungsbetrag steht allen Pflegebedürftigen unabhängig von ihrem Pflegegrad zu. Dieser ist zweckgebunden und kann beispielsweise für eine Unterstützung in der Haushaltsführung genutzt werden. Daneben ist eine Finanzierung der Aufwendungen für Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege, aber auch der Leistungen der Pflegedienste nach § 36 SGB XI über den Entlastungsbetrag möglich.

Der Entlastungsbetrag kann über den jeweiligen Monat hinaus genutzt werden, da sich der Restbetrag vorangegangener Monate bis zur Mitte des nächsten Jahres auf die Folgemonate überträgt.

Theoretisch können Sie damit im Juni eines Jahres den Entlastungsbetrag für die vergangenen 18 Monate, d. h. 2.250 Euro, auf einen Schlag geltend machen, wenn Sie entsprechende Aufwendungen nachweisen können.

 

Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI)

Kurzzeitpflege fällt beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder immer dann an, wenn die häusliche Pflege gerade nicht möglich ist.

Die Kurzzeitpflege ist an bis zu 56 Tagen im Jahr abrechnungsfähig. Der Maximalbetrag von 1.612 Euro lässt sich durch eine Anrechnung von bis zu 100 Prozent aus der Verhinderungspflege noch verdoppeln. Gleichzeitig hat die Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege Auswirkungen auf das Pflegegeld, das in dieser Zeit um die Hälfte gekürzt wird.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI)

Die Ersatz- und Verhinderungspflege eignet sich für den Fall, wenn pflegende Angehörige zeitweise verhindert sind. Ihnen stehen bei Pflegegrad 2 hier maximal 1.612 Euro jährlich zur Verfügung, wobei die Abrechnungsdauer auf 42 Tage begrenzt ist. Weitere 806 Euro (50 Prozent) sind aus der Kurzzeitpflege anrechenbar, wird diese nicht genutzt. Wie auch bei der Kurzzeitpflege gilt: Betroffene erhalten für den Zeitraum der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege lediglich 50 Prozent des Pflegegeldes.

Die maximale Summe gilt hier allerdings nur für den Fall, dass professionelle Pflegedienste die Leistungen durchführen. Nahe Verwandte erhalten hingegen höchstens das 1,5-Fache des Pflegegeldes, d. h. 474 Euro.

 

Tages- und Nachtpflege (§ 41 SGB XI)

Die Tages- und Nachtpflege ist eine ergänzende Versorgungsleistung, die Sie auch zusätzlich zur häuslichen Pflege nutzen können. Oft ist dieses Angebot bei Menschen mit einer Demenzerkrankung sinnvoll. Neben den Pflegeleistungen trägt die Pflegekasse hier auch die Transportkosten zur Pflegeeinrichtung. Kosten für die Unterbringung und Verpflegung hingegen entfallen auf die pflegebedürftige Person, wobei der Entlastungsbetrag zur Finanzierung genutzt werden kann.

 

Pflegeleistungen bei vollstationärem Aufenthalt

Bei einer vollstationären Unterbringung pflegebedürftiger Personen greifen weder das Pflegegeld noch die Sachleistungen. In diesem Fall kommt die Pflegekasse für die Pflegekosten in der Einrichtung auf. Daneben fallen jedoch weitere Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie weitere Pauschalen an, die von der pflegebedürftigen Person aus eigener Tasche erbracht werden müssen.

Seit 2017 ist der Eigenanteil einrichtungseinheitlich, d. h. unabhängig vom Pflegegrad für alle Personen gleich hoch. Unterschiede gibt es hier jedoch zwischen verschiedenen Einrichtungen.

 

Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln (§ 40 Abs. 1–3, 5 SGB XI)

Dieser Zuschuss ist auf Verbrauchsmaterialien beschränkt, die bei der Pflege anfallen. Die Abrechnung erfolgt dann entweder direkt mit der Krankenkasse über das Einreichen der Belege oder Sie schließen einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke oder einem Sanitätshaus ab, sodass die Abrechnung direkt mit der Pflegekasse vorgenommen werden kann. Für technisch notwendige Hilfsmittel gibt es hingegen keine Obergrenze, sondern je ärztlich verordnetem Hilfsmittel fällt eine Zuzahlung an. Diese liegt bei zehn Prozent der Kosten oder maximal 225 Euro.

 

Maßnahmen zur Wohnraumanpassung (§ 40 Abs. 4 SGB XI)

Bei Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit ist möglicherweise der Umbau des Wohnraums erforderlich, damit sich die pflegebedürftige Person weiterhin möglichst eigenständig in den eigenen vier Wänden bewegen kann. Um dies zu gewährleisten und einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung möglichst lange hinauszuzögern, leistet die Pflegekasse hier finanzielle Unterstützung. Wohnen mehrere Personen in einer Wohngemeinschaft zusammen, trägt die Pflegekasse bis zu 16.000 Euro der Kosten je Haushalt.

 

Wohngruppenzuschlag (§ 38a SGB XI)

Pflege-WGs bieten eine gute Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung und einen Schutz vor sozialer Isolation – ohne dabei an Eigenständigkeit einzubüßen. Für Menschen, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben, stellt die Pflegekasse neben den sonstigen Leistungen der häuslichen Pflege einen Wohngruppenzuschlag in Aussicht. Dieser ist an einige Bedingungen geknüpft:

  • mindestens 3 pflegebedürftige Personen im Haushalt,
  • Ziel ist die gemeinschaftlich organisierte pflegerische Versorgung,
  • Beauftragung einer Person, die allgemeine organisatorische, verwaltende, betreuende oder das Gemeinschaftsleben fördernde Tätigkeiten verrichtet oder z. B. auch die Haushaltsführung unterstützt,
  • besteht keine Versorgungsform, die in ihrem Leistungsumfang einer vollstationären Pflege entspricht.

 

Installation eines Hausnotrufes

Ein Hausnotruf bietet Pflegebedürftigen auch dann zusätzliche Sicherheit, wenn gerade keine Pflegeperson in der Nähe ist. Bei einem Sturz macht sich die betroffene Person über einen Notschalter bemerkbar, sodass ein Pflegedienst zu Hilfe eilen kann. Die Pflegekasse unterstützt sowohl die Einrichtung des Systems mit einer einmaligen Pauschale als auch die monatlichen Kosten mit 23 Euro jeden Monat.

 

Verpflichtende Beratung für pflegende Angehörige

Personen, die mit der Pflege Angehöriger betraut sind (d. h., ausschließlich das Pflegegeld bezogen wird), müssen nach § 37 Abs. 3 SGB XI einmal je Halbjahr einen Beratungseinsatz in Anspruch nehmen, sofern nicht zusätzlich ein Pflegedienst ins Haus kommt. Dieses Angebot ist kostenlos und soll die Qualität der Pflege sicherstellen. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst für Pflegetätigkeiten vorbei, ist die Beratung freiwillig.

Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen, die nur geringe Einschränkungen bei der Lebensführung erfahren. So können beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Gelenke zu motorischen Einschränkungen führen, durch die ein Hilfebedarf gegeben ist.

Ein Punktesystem ermittelt die noch vorhandene Selbstständigkeit, aus der sich die Einstufung ergibt. Nachfolgende Beispiele zeigen mögliche Fälle eines Pflegegrades 1 auf. Anhand dieser zeigt sich, dass kognitive Einschränkungen und Verhaltensweisen im Zweifel vergleichsweise geringe Berücksichtigung finden, während Einschränkungen in Aspekten der Selbstversorgung schnell zu den erforderlichen Pflegegrad-Punkten führen.

Pflegezeit für Angehörige

Der Gesetzgeber hat die große Bedeutung pflegender Angehöriger erkannt und zahlreiche Regelungen zu deren Entlastung auf den Weg gebracht. Hierzu zählt auch die finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger, wenn diese berufliche Einschränkungen zugunsten der Pflegetätigkeiten hinnehmen müssen.

Für eine Dauer von bis zu 10 Arbeitstagen im Jahr erhalten Sie einen vollen Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt. Dieses sogenannte Pflegeunterstützungsgeld ist vor allem für eine unerwartet auftretende Pflegesituation von Bedeutung. So können Sie die Pflege organisieren und langfristig regeln. Leistet der Arbeitgeber hier keine Lohnfortzahlung, erstattet die Pflegekasse das Geld auf Antrag unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung.

Darüber hinaus ergeben sich bei der regelmäßigen Pflege von Angehörigen im Umfang von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen je Woche Ansprüche auf Leistungen der sozialen Sicherung. Bei einer verringerten Arbeitszeit von maximal 30 Wochenstunden entsteht ein Anspruch auf Rentenversicherungsbeiträge. Gegebenenfalls bezuschusst die Pflegekasse Kranken- und Pflegeversicherung, leistet Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und stellt die gesetzliche Unfallversicherung während der Pflege sicher.

 Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen für Pflegepersonen je nach bezogener Leistungsart bis zu € monatlich (Ostdeutschland)Zahlung von Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung für Pflegepersonen € monatlich (Ostdeutschland)Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung für Pflegepersonen bei Pflegezeit bis zu € monatlich Krankenversicherung/ Pflegeversicherung
Pflegegrad 2159,95 (151,16)38,22 (36,12)166,68/32,38

Pflegekosten steuerlich absetzen

Kosten, die nicht durch die Pflegekasse getragen werden, können Sie in vielen Fällen als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EstG sowie als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. Für Pflegepersonen gilt hier ein Pflege-Pauschbetrag von 600 Euro (seit 2021) oder eine Anrechnung der tatsächlich entstandenen Kosten, Pflegebedürftige hingegen können den Behinderten-Pauschbetrag geltend machen. Vor allem bei einer vorübergehenden Unterbringung in einem Heim können schnell Summen anfallen, bei denen sich das auch lohnt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Eine Broschüre des Bundesgesundheitsministeriums mit allen Leistungen zum Nachschlagen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/PSG_Alle_Leistungen.pdf

Weitere Informationen in einem Spezialbericht der Stiftung Warentest: https://www.test.de/gesetzliche-pflegeversicherung-5175894-0/

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08 April 21

Pflegegrad 1

2021-08-11T16:01:39+02:0008. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Pflegegrad 1

Mit der Neustrukturierung der Pflegegrade haben seit 2017 deutlich mehr Menschen einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Mit dem neu geschaffenen Pflegegrad 1 werden seitdem pflegebedürftige Personen berücksichtigt, die sich noch weitgehend selbstständig im Alltag bewegen können, jedoch hier und da aufgrund motorischer oder kognitiver Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind. Um Leistungen zu beziehen, ist die Anerkennung durch einen medizinischen Dienst Voraussetzung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 1 wurde im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes neu geschaffen und berücksichtigt seit 2017 auch Menschen, die bis dato keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse hatten.
  • Ein Leistungsanspruch setzt eine Anerkennung des Pflegegrades voraus. Dazu ist eine Begutachtung durch den MDK erforderlich.
  • Da sich die Leistungen an Menschen mit weitgehender Selbstständigkeit richten, sind diese nicht mit jenen der Pflegegrade 2 bis 5 vergleichbar. Oft fällt daher bei der Nutzung professioneller Angebote zusätzlich ein hoher Eigenanteil an.

Das bedeutet Pflegegrad 1

Meist wird irrtümlich angenommen, dass aus der früheren Pflegestufe 0 der Pflegegrad 1 hervorging. Das ist jedoch nicht korrekt. Die bisherige Pflegestufe 0 mündete in Pflegegrad 2 und der Pflegegrad 1 wurde neu geschaffen. Vielmehr kommen durch die Umstrukturierung der bis 2017 geltenden Pflegestufen in Pflegegrade jetzt Menschen in den Leistungsanspruch, die bis dato nicht als pflegebedürftig galten. Zuletzt waren in Deutschland rund 300.000 Personen mit einem Pflegegrad 1 – 7,2 % aller Pflegebedürftigen – anerkannt (https://www.destatis.de/).

Pflegegrad 1 bezeichnet dabei eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ pflegebedürftiger Personen. Oft spricht man hier deshalb auch von einem „vorbeugenden Pflegegrad“.

Um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, ist eine Anerkennung des Pflegegrades anhand einer Beurteilung des MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) erforderlich.

Je geringer dabei der Pflegeaufwand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die vollständige Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. So wird ein Großteil der Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 und 3 zu Hause überwiegend ausschließlich durch Angehörige versorgt, während die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 5 überwiegend in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es eines anerkannten Pflegegrades. Prinzipiell kann jedoch jede pflegebedürftige Person die häusliche Unterstützung nutzen – muss für die Kosten allerdings unter Umständen selbst aufkommen.

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Um einen Pflegegrad zu erhalten, ist es zunächst erforderlich, einen schriftlichen oder telefonischen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Dabei stellen Sie keinen konkreten Antrag auf einen bestimmten Pflegegrad, sondern lediglich einen allgemeinen Antrag auf Begutachtung. Liegt Ihnen eine Bevollmächtigung vor, ist das auch für eine andere Person möglich.

Die Pflegekasse beauftragt einen Gutachter des MDK beziehungsweise von MEDICPROOF, der die Selbstständigkeit im Alltag beurteilt. Dieser setzt sich zunächst zur Terminvereinbarung mit Ihnen in Verbindung.

Legen Sie für den Termin alle Berichte von Hausarzt und Fachärzten, Medikamentenpläne oder andere relevante Informationen bereit, die der Beurteilung dienen. Hilfreich ist auch die Anwesenheit von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden sowie gegebenenfalls unbedingt der gesetzlichen Betreuung.

Schildern Sie während des Gesprächs alle Herausforderungen, die die Pflege im Alltag mit sich bringt. Auf dieser Basis spricht der Gutachter eine Empfehlung an die Pflegekasse aus. In der Regel folgt diese der Empfehlung auch und legt dann den Pflegegrad fest.

Den Bescheid erhalten Sie von der Pflegekasse. In der Regel vergehen zwischen der Antragstellung und dem Versand des Bescheids etwa 25 Arbeitstage. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden oder wird der Antrag abgelehnt, haben Sie 14 Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen.

Ändert sich der Pflegebedarf im Lauf der Zeit, beantragen Sie einen neuen Termin für eine Begutachtung.

Wie berechnet sich Pflegegrad 1?

Wenngleich das Verfahren recht komplex erscheint, bietet es jedoch einen objektiven Rahmen für die Beurteilung – und ermöglicht zudem eine gute Vorbereitung auf den Termin mit dem Gutachter. Es lohnt sich also, sich mit der Grundstruktur des Beurteilungsverfahrens vertraut zu machen.

 

Für den MDK relevante Lebensbereiche

Um die Selbstständigkeit im Alltag zu beurteilen, nutzt der Gutachter sechs verschiedene Bereiche, die sich wiederum in einzelne Kriterien untergliedern und unterschiedlich stark gewichtet sind.

Modul 1:

Mobilität

Wie selbstständig kann sich der Mensch fortbewegen und seine Körperhaltung ändern? Z. B.:

  • Fortbewegung in der Wohnung
  • Positionswechsel im Bett
  • Treppensteigen
10 %

Modul 2:

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Wie findet sich der Mensch mithilfe anderer örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen oder Gespräche führen? Z. B.:

  • zeitliche / örtliche Orientierung
  • Treffen von Entscheidungen
  • Verständnis von Sachverhalten und Aufforderungen
  • Beteiligung an Gesprächen
7,5 %

Modul 3:

Verhalten und psychische Probleme

Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressivem oder ängstlichem Verhalten? Z. B.:

  • nächtliche Unruhe
  • autoaggressives Verhalten
  • Wahnvorstellungen und Ängste
  • sozial inadäquate Verhaltensweisen
7,5 %

Modul 4:

Selbstversorgung

Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken? Z. B.:

  • Körperpflege
  • mundgerechtes Zubereiten von Nahrung
  • Toilettennutzung
40 %

Modul 5:

Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Wie aufwendig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Behandlung? Z. B.:

  • Medikation
  • Injektionen
  • körpernahe Hilfsmittel
  • Arztbesuche
  • Einhalten von Diäten
20 %

Modul 6:

Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte

Wie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen, sich beschäftigen oder Kontakte pflegen?

  • Gestaltung des Tagesablaufs
  • Beschäftigung
  • soziale Kontaktpflege
15 %
Bei den Modulen 2 und 3 wird jeweils nur der höhere Wert bei der Berechnung berücksichtigt.
 
 

Beurteilung der Selbstständigkeit nach Punktesystem

Die Gutachter des MDK ermitteln die Selbstständigkeit von Antragstellenden anhand eines Punktesystems. Je höher diese ist, desto weniger Punkte werden vergeben. Für den Pflegegrad 1 sind zwischen 12,5 und 27 Punkten erforderlich.

PunkteEinstufung in den Pflegegrad
12,5 bis < 27 PunktePflegegrad 1
27 bis <47,5 PunktePflegegrad 2
47,5 bis < 70 PunktePflegegrad 3
70 bis <90 PunktePflegegrad 4
90 bis 100 PunktePflegegrad 5

 

Die Punktevergabe erfolgt dabei nach folgenden Aspekten, die wiederum unterschiedlich gewichtet werden:

Selbstständig ist, wer eine Handlung ohne fremde Unterstützung oder unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln erledigen kann.0 Punkte
Überwiegend selbstständig ist, wer Handlungen größtenteils selbstständig durchführen kann und für die Pflegeperson nur ein geringer Pflegeaufwand besteht.1 Punkt
Überwiegend unselbstständig ist, wer zwar noch über gewisse Ressourcen verfügt, aber Aktivitäten nur noch zu einem geringen Teil selbstständig durchführen kann. Die Pflegeperson muss vielfach anleiten und motivieren.2 Punkte
Unselbstständig ist, wer Handlungen nicht ausführen kann. Es sind auch keine Ressourcen mehr vorhanden und es reicht nicht aus, wenn die Pflegeperson motiviert oder anleitet. Sie muss nahezu komplett alle Aktionen übernehmen.3 Punkte

Wer erhält eine Einstufung in Pflegegrad 1?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff richtet sich nach § 14 SGB XI. Pflegebedürftig sind hiernach „Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“.

Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen, die nur geringe Einschränkungen bei der Lebensführung erfahren. So können beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Gelenke zu motorischen Einschränkungen führen, durch die ein Hilfebedarf gegeben ist.

Ein Punktesystem ermittelt die noch vorhandene Selbstständigkeit, aus der sich die Einstufung ergibt. Nachfolgende Beispiele zeigen mögliche Fälle eines Pflegegrades 1 auf. Anhand dieser zeigt sich, dass kognitive Einschränkungen und Verhaltensweisen im Zweifel vergleichsweise geringe Berücksichtigung finden, während Einschränkungen in Aspekten der Selbstversorgung schnell zu den erforderlichen Pflegegrad-Punkten führen.

 

Beispiele für einen Pflegegrad 1

# Fall 1

Der erste Beispielfall hat kleinere Gedächtnisprobleme, kann Entscheidungen im Alltag nicht uneingeschränkt selbst fällen und beschäftigt sich überwiegend selbstständig. Kleinere Hilfestellungen sind beim Waschen des Intimbereiches und dem An- und Auskleiden des Unterkörpers erforderlich.

Modul 1
  • Treppensteigen überwiegend selbstständig
0 Punkte
Modul 2
  • Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • größtenteils fähig zu Entscheidungen im Alltagsleben
3,75 Punkte
Modul 3
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 2 höher gewichtet ist)
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend selbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend selbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Beschäftigung überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl17,5 Punkte

 

#Fall 2

Hier liegt eine eingeschränkte Mobilität vor, z. B. aufgrund versteifter Gelenke oder einer Arthrose, wodurch Probleme beim Aufstehen und bei der Körperpflege entstehen, und somit gute Chancen auf die Anerkennung des Pflegegrades 1.

Modul 1
  • Aufstehen aus sitzender Position überwiegend unselbstständig
2,5 Punkte
Modul 2
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 3 höher gewichtet ist)
Modul 3
  • motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
3,75 Punkte
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend unselbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend unselbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 6
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Gesamtpunktzahl16,25 Punkte

 

#Fall 3

Das dritte Beispiel zeigt, dass Menschen mit einer beginnenden Demenz unter Umständen allerdings noch nicht unter Pflegegrad 1 fallen, solange es keine Einschränkungen in den motorischen Fähigkeiten gibt, da jeweils nur Modul 2 oder 3 in die Berechnung einfließt.

Modul 1
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 2
  • Personen erkennen, örtliche und zeitliche Orientierung sowie Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • mehrschrittige Alltagshandlungen durchführen größtenteils möglich
  • Entscheidungen treffen und Sachverhalte verstehen sowie Risiken erkennen größtenteils vorhanden
7,5 Punkte
Modul 3
  • nächtliche Unruhe selten
  • Antriebslosigkeit selten
  • motorische Auffälligkeiten selten
7,5 Punkte (entfällt, da Modul 2 gleich hoch gewichtet ist)
Modul 4
  • Duschen und Baden überwiegend selbstständig
0 Punkte

Modul 5

  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Tagesablauf strukturieren und an Veränderungen anpassen überwiegend selbstständig
  • in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen überwiegend selbstständig
  • Ruhen und Schlafen überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl11,25 Punkte

Leistungen im Pflegegrad 1

Aufgrund der weitgehenden Selbstständigkeit, die Personen mit einem Pflegegrad 1 zugeschrieben wird, fallen die Leistungen der Pflegekasse vergleichsweise gering aus. Die meisten Leistungen gelten erst ab einem Pflegegrad 2. Das gilt z. B. auch für die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes, der über die Pflegesachleistungen mit der Pflegekasse abgerechnet wird, sowie für den Bezug von Pflegegeld.

Dennoch können Sie auch mit Pflegegrad 1 Kosten bei der Pflegekasse geltend machen. § 28 a SGB XI sieht hier folgende Leistungsansprüche vor:

  • Pflegeberatung gemäß den §§ 7a und 7b
  • Beratung in der eigenen Häuslichkeit gemäß § 37 Abs. 3
  • zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen gemäß § 38 a, ohne dass § 38 a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 erfüllt sein muss
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln gemäß § 40 Abs. 1 bis 3 und 5
  • finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen oder gemeinsamen Wohnumfelds gemäß § 40 Abs. 4
  • zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen gem. § 43b
  • zusätzliche Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung gem. § 44a
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen gem. § 45

 

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Der monatliche Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro steht allen pflegebedürftigen Personen unabhängig von ihrem anerkannten Pflegegrad zu. Geregelt ist dies in § 45 b SGB XI, wobei der Einsatz zweckgebunden erfolgen muss und der „Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags“ dienen muss. Konkret nennt das Gesetz hier die Erstattung von Aufwendungen zu

  1. Leistungen der Tages- oder Nachtpflege,
  2. Leistungen der Kurzzeitpflege,
  3. Leistungen der ambulanten Pflegedienste im Sinne des § 36, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung,
  4. Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a.

 

Dazu eignet sich der Entlastungsbetrag

Oft nutzen Leistungsempfänger*innen diesen Betrag zur Anstellung einer Haushalts- oder Einkaufshilfe, oder um an Betreuungsangeboten teilzunehmen, die der Aktivierung und Förderung sozialer Kontakte dienen. Darüber hinaus eignet sich der Entlastungsbetrag, um beispielsweise Kosten der Tages- und Nachtpflege oder Kurzzeitpflege zu tragen.

Anders als bei anderen Pflegegraden dürfen Sie mit Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag auch für Maßnahmen der Grundpflege, d. h. körperbezogene Pflegemaßnahmen oder die pflegerische Betreuung, nutzen.

Da die 125 Euro lediglich für etwas mehr als einen Tag ausreichen, es jedoch auch Situationen nach einem Krankenhausaufenthalt gibt, in denen die Kurzzeitpflege notwendig ist, hat der Gesetzgeber hier durch die Überleitungspflege nach § 37 Abs. 1 a und 39 c SGB V eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit geschaffen, die über die Krankenversicherung abgerechnet wird.

Entlastungsbetrag übertragen

Sie brauchen den Entlastungsbetrag nicht monatlich in voller Höhe auszuschöpfen. Vielmehr ist es auch möglich, den Betrag in andere Monate des Kalenderjahres zu übertragen beziehungsweise sogar mit in das Folgejahr zu nehmen. Die Ansprüche bestehen automatisch weiter, müssen jedoch bis zum 30.06. für das vorangegangene Jahr abgerufen werden, um nicht zu verfallen.

 

Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln

Monatlich trägt die Pflegekasse Kosten von bis zu 40 Euro für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind sowie für medizinische Hilfsmittel entsprechend des Hilfsmittelkataloges der Krankenversicherung. Hilfsmittel sind beispielsweise:

  • Blindenhilfsmittel
  • Gehhilfen
  • Rollstühle und Rollatoren
  • Prothesen
  • Toilettenstühle

Für die medizinischen Hilfsmittel, die – anders als z. B. Inkontinenzauflagen oder Einmalhandschuhe – nicht zum Verbrauch bestimmt sind, ist für die Kostenübernahme eine ärztliche Verordnung zwingende Voraussetzung.

 

Hausnotruf

Ein Hausnotruf dient als Sicherheit bei Stürzen oder Verletzungen, wenn gerade keine Pflegeperson in der Nähe ist. Durch dieses System kann die pflegebedürftige Person über einen Notruftaster einen Notruf absetzen, sodass innerhalb weniger Minuten Hilfe vor Ort ist.

Die einmalige Einrichtung sowie der dauerhafte Betrieb werden durch die Pflegekasse mit einmaligen Anschlusskosten von 10,49 Euro und einem monatlichen Betrag von 23 Euro gefördert.

 

Maßnahmen zur Wohnraumanpassung

Um in den eigenen vier Wänden weiterhin mobil zu sein, ist eventuell die barrierefreie Anpassung des Wohnraums erforderlich. Dabei kann es sich um den Einbau eines Treppenliftes, aber auch eine ebenerdige Dusche handeln. Die Pflegekasse trägt hier die Kosten für Umbaumaßnahmen bis zu 4.000 Euro. Wohnen mehrere Personen in einem Haushalt, fördert die Pflegekasse die Maßnahmen bis zu maximal 16.000 Euro.

Diese Leistung steht Ihnen auch zu, wenn Sie in einer Senioren-WG leben beziehungsweise in eine einziehen. In diesem Fall erhalten bis zu vier Bewohner*innen zusätzlich jeweils einen einmaligen Zuschuss zur Einrichtung in Höhe von 2.500 Euro, d. h. 10.000 Euro insgesamt.

 

Wohngruppenzuschuss

Um eine Organisationskraft zu beschäftigen, erhalten WG-Bewohner*innen zudem monatlich 214 Euro, den sogenannten Wohngruppenzuschuss.

 

Anspruch auf Beratungsgespräche

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für regelmäßige Beratungsgespräche pflegender Angehöriger gemäß § 37 Abs. 2 SGB XI durch geschulte Pflegekräfte. Diese können Sie einmal je Halbjahr nutzen.

Darüber hinaus haben pflegebedürftige Personen einen Anspruch auf eine Beratung zur Optimierung der pflegerischen Versorgung sowie einer Anpassung des Wohnraums. Diese vorbeugenden Maßnahmen zielen im Wesentlichen auch darauf ab, eine Verschlechterung des Zustandes der pflegebedürftigen Person zu verhindern beziehungsweise möglichst hinauszuzögern.

Staatliche Zuschüsse zur Pflege

Insbesondere bei einem Pflegegrad 1 sind die Leistungen oft zu gering, um die monatlichen Kosten zu decken. Zunächst sind hier dann neben dem Rentenbezug die eigenen Ersparnisse gefordert. Reichen diese nicht aus, bietet der Staat eine finanzielle Unterstützung in Form der sogenannten Hilfe zur Pflege an. Diese Sozialleistung beantragen Sie beim örtlichen Sozialamt, wenn

  • Kosten für die Pflege anfallen, jedoch kein Pflegegrad anerkannt wurde,
  • die Leistungen der Pflegekasse die tatsächlichen Kosten nicht decken,
  • es keine weitere Option der Kostenübernahme durch die Kranken- oder Unfallversicherung gibt.

Keine Rentenbeitragszahlungen für pflegende Angehörige

Angehörige, die aufgrund der Pflegetätigkeiten ihre Arbeitsstunden reduzieren, laufen Gefahr, finanzielle Nachteile bei ihrem eigenen Rentenerwerb hinnehmen zu müssen. Der Gesetzgeber sieht dafür vor, Rentenbeitragszahlungen aus der Pflegekasse zu erhalten. Dies ist jedoch erst ab einem Pflegegrad 2 für pflegende Angehörige vorgesehen. Pflegen Sie eine Person mit einem anerkannten Pflegegrad 1, gibt es in der Regel keine Möglichkeit, Rentenbeitragszahlungen zu erhalten.

Fazit

Pflegegrad 1 berücksichtigt Menschen, die weitgehend selbstständig, in einigen Lebensbereichen jedoch auf Hilfestellung angewiesen sind. Wenngleich der Anspruch nicht mit den folgenden Pflegegraden vergleichbar ist, lohnt es sich dennoch, rechtzeitig eine Begutachtung zu beantragen, um Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, den Umbau der Wohnung oder über den Entlastungsbetrag auch zur Kurzzeitpflege zu erhalten. Das entlastet pflegende Angehörige und gewährleistet, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben können.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Das Hilfsmittelverzeichnis erstattungsfähiger Pflegehilfsmittel: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/hmvAnzeigen_input.action

45b SGB XI zum Entlastungsbetrag im Wortlaut: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/45b.html

Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Pflegegrad 1: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/leistungen-fuer-pflegebeduerftige-des-pflegegrades-1.html

Gesetzestext zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/7a.html

Anspruch auf zusätzliche Leistungen für Menschen in ambulant betreuten Wohngruppen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/38a.html

40 SGB XI – Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/40.html

Infos des MDK zur Pflegebegutachtung: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Selbsteinschätzungsbogen des VdK zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit: https://www.vdk.de/deutschland/downloadmime/3590/VdK-Selbsteinschaetzungsbogen_Pflegegrad.pdf

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04 März 21

Testament

2021-08-11T16:02:41+02:0004. März 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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Testament

Ein Testament ist wohl die bekannteste Form der Willenserklärung, um die Vermögensverhältnisse nach dem Tod dem eigenen Wunsch nach zu gestalten. Damit dieses wichtige Schriftstück auch wirklich rechtskräftig durchsetzbar ist, müssen die Formvorschriften unbedingt eingehalten werden. Schließlich kann schon ein kleiner Fehler dazu führen, dass alle Verfügungen des Testaments hinfällig sind und dann die gesetzliche Erbfolge gilt. Wir haben die wichtigsten Informationen rund um das Testament für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Testament regelt die Vermögensverhältnisse sowie die Rechtsgeschäfte nach dem Tod eines Erblassers oder einer Erblasserin. Für die Rechtsgültigkeit bedarf es der Einhaltung einiger Formvorschriften.
  • Sie können in einem Testament Erb*innen einsetzen oder Angehörige enterben, aber auch Anordnungen treffen. Allerdings erhalten auch enterbte Personen oft einen Pflichtteil, wenn es sich um Angehörige erster Ordnung handelt.
  • Das Testament können Sie entweder selbstständig handschriftlich verfassen oder mithilfe eines Notars oder einer Notarin erstellen. Vor allem für größere Vermögenswerte, Firmenbeteiligungen und bei einem Auslandsbezug empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Notars oder einer Notarin.

Was ist ein Testament?

Das Testament ist eine einseitige Verfügung, mit der ein*e Erblasser*in im Falle seines bzw. ihres Todes Anordnungen zur Rechtsnachfolge bezüglich seiner Vermögenswerte trifft. Es ist wohl die gängigste Form der Verfügung für den Todesfall (eine andere Form ist der Erbvertrag). Das Testament zeichnet sich durch einige Kriterien aus:

  • einseitige Willenserklärung
  • formbedürftig (eigenhändige Unterschrift, etc.)
  • Mindestalter 16 Jahre, testierfähig
  • jederzeit widerrufbar

Gesetzlich verankert ist das Testament im BGB in §§ 2064–2273. Weitere Regelungen zum Erbe finden sich in anderen Teilen des BGB, z. b. zur Erbfolge (§§ 1922–1941) oder zum Pflichtteil (§§ 2303–2338).

Inhalte des Testaments

Die Verfügungen in einem Testament sind vielfältig gestaltbar und regeln, wer nach dem Tod welche Anteile des Vermögens erhält und die Rechtsgeschäfte erbt. Darüber hinaus sind Anordnungen zu Punkten wie beispielsweise Grabpflege, Durchführung der Bestattung oder Pflege des Haustiers mögliche Bestandteile eines Testaments. Diese Anordnungen sind stets verbindlich und nur dann unwirksam, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen oder sittenwidrig sind.

Testamentarische Bestandteile:

  • Einsetzung von Erb*innen
  • Enterbung
  • Vermächtnisse
  • Auflagen
  • Benennung eines Testamentsvollstreckers oder einer Testamentsvollstreckerin
  • Teilungsanordnungen
  • Beschränkung / Entziehung des Pflichtteils von Pflichtteilsberechtigten
  • Benennung eines Vormunds oder einer Vormundin für minderjährige Kinder

Arten von Testamenten

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, um ein Testament aufzusetzen, das rechtsgültig ist.

  • Das handschriftliche Testament ist komplett handgeschrieben aufzusetzen und vom Verfasser oder der Verfasserin eigenhändig zu unterschreiben.
  • Ein öffentliches oder notarielles Testament verfasst ein*e Notar*in nach den Vorgaben der Person, die dieses nur noch eigenhändig unterschreibt. Verwahrt wird das Testament anschließend im Notariat. Alternativ ist es auch möglich, ein handschriftlich verfasstes Testament in die Hände des Notars / der Notarin zu geben.
  • Vor allem Ehepaare nutzen häufig das sogenannte Berliner Testament, das sowohl notariell als auch handschriftlich erstellt werden kann. Charakteristisch ist hier, dass sich die Ehepartner*innen gegenseitig einsetzen und eine dritte Partei – meist die eigenen Kinder – als Erb*innen bestimmen.
  • Weitere Testamentsformen zielen auf besondere Notlagen Wichtig ist hier, dass der Erblasser oder die Erblasserin zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung testierfähig ist und weitere Kriterien wie die Anwesenheit von unabhängigen Zeugen berücksichtigt werden.

Erbfolge ohne Testament

Liegt kein Testament vor, legt das BGB die Erbfolge und die Aufteilung des Vermögens nach einem festgelegten Schema fest. Aufgrund des mehr als 100-jährigen Bestehens dieses Gesetzes sind die Regelungen allerdings vielfach veraltet und entsprechen nicht mehr zeitgemäßen Familienverhältnissen. Grundsätzlich sind die Erben in Ordnungen eingeteilt:

1. OrdnungKinder und Enkelkinder
2. OrdnungEltern, Geschwister, Nichten und Neffen
3. OrdnungGroßeltern, Tanten, Onkel und Cousinen
4. OrdnungUrgroßeltern und deren Nachkommen

Gibt es Erben erster Ordnung, gehen die Erben der zweiten und dritten Ordnung leer aus. Fehlt es an Nachkommen erster Ordnung, erben Personen der zweiten Ordnung. Bei der Aufteilung gelten immer wieder Besonderheiten. Ist z. B. ein Kind des Erblassers oder der Erblasserin verstorben, geht dessen bzw. deren Anteil zu gleichen Teilen auf dessen oder deren Kinder, d. h. die jeweiligen Enkel des Erblassers oder der Erblasserin über.

Die Höhe des Erbes der Ehepartner hängt in dieser Erbfolge von den Verwandten erster Ordnung ab. Bei einer Zugewinngemeinschaft liegt das Erbe bei 50 bis 100 Prozent des Nachlasses, ein Ehevertrag verringert den Anteil in der Regel.

Erbe mit Testament

Erstellen Sie ein Testament, verliert die gesetzliche Erbfolge zumindest in Teilen ihre Gültigkeit. Sie haben hier die Möglichkeit, ein Unternehmen, Stiftungen oder wohltätige Organisationen als Erben zu benennen. Sie können entweder eine einzelne Person zum Alleinerben oder zur Alleinerbin erklären, oder eine Erbengemeinschaft bestimmen. Da diese ein besonderes Konfliktpotenzial bei der Aufteilung des Vermögens birgt, empfiehlt sich hier der Abschluss einer Teilungsanordnung.

Angehörige enterben und Pflichtanteil

Immer wieder gibt es Familienmitglieder, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Anteil am Erbe erhalten sollen. Um das zu erreichen, muss man diese bestimmten Personen zunächst per Testament offiziell enterben. Dazu benennen Sie entweder andere Erben, ohne die zu enterbende Person zu erwähnen, oder sprechen aktiv die Enterbung aus. Das verhindert allerdings in der Regel nicht, dass diesen Verwandten dennoch ihr Pflichtanteil zusteht. Das Ausschließen von Kindern, Eltern und Ehegatten ist schwierig und hat vor Gericht nur selten Bestand. Das ist beispielsweise nur möglich, wenn es körperliche Angriffe oder vergleichbare Attacken gab.

Die Höhe des Pflichtteils beträgt die Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils, d. h. des Anteils, den eine Person erhalten hätte, wäre sie nicht enterbt worden.

Alleinerben einsetzen

Die Benennung eines Alleinerben oder einer Alleinerbin ist nur dann möglich, wenn es keine anderen Pflichtberechtigten gibt. In aller Regel steht nahen Angehörigen dann immer noch der Pflichtteil in Höhe des gesetzlich zustehenden Erbanspruchs zu.

Wer seine*n Ehepartner*in als Alleinerben oder -erbin einsetzt und verhindern möchte, dass am Ende doch die ungeliebten Verwandten alles erben, weil der oder die Partner*in zu früh gestorben ist, kann im Testament direkt einen Ersatzerben oder -erbin benennen oder eine Erbreihenfolge festlegen. Das verhindert auch, dass ein*e erstgenannte*r Erbe oder Erbin Teile der Erbschaft verschenkt, um damit abzuwenden, dass danach noch eine weitere Person erben kann.

Wer braucht ein Testament?

Grundsätzlich ist ein Testament für alle Menschen ratsam, die selbst über ihren Nachlass verfügen möchten. Das gilt keineswegs nur für ältere Menschen, sondern auch für Unverheiratete oder Menschen mit Kindern, Patchwork-Familien oder auch geschiedene Paare mit einem gemeinsamen Kind. Unverheiratete Partner*innen gehen in der gesetzlichen Erbfolge sonst leer aus. Wer seine*n Lebenspartner*in bei der Vermögensaufteilung berücksichtigen möchte, sollte unbedingt ein Testament verfassen.

Testament für kinderlose Paare

Viele kinderlose Ehepaare gehen davon aus, dass ein Testament nicht nötig ist, da der Ehegatte bzw. die Ehegattin im Todesfall das Erbe erhält. Die gesetzliche Erbfolge sieht jedoch vor, dass auch die Eltern eines verstorbenen Ehegatten einen Erbanteil erhalten. Sind diese nicht mehr am Leben, können auch Geschwister oder Nichten und Neffen anspruchsberechtigt sein.

Das kann vor allem zum Problem werden, wenn Immobilien im Spiel sind, die Sie gemeinsam bewohnen – denn diese könnten im Falle des Todes einer der beiden Partner in den Besitz der Angehörigen der verstorbenen Person übergehen. Was im schlimmsten Fall mit einem Verlust des Eigenheims einhergehen kann.

Kosten eines Testaments

Die Notarkosten richten sich nach der Höhe des Nettovermögens. Neben reinen Geldwerten zählen auch Immobilien dazu, wohingegen Verbindlichkeiten zu einem Teil abgezogen werden. Bei einem Vermögenswert von 10.000 Euro fallen ca. 75 Euro zuzüglich Auslagen an, bei 500.000 Euro sind es ca. 935 Euro.

Weitere Kosten entstehen darüber hinaus für die Hinterlegung. Das sind in der Regel 15–18 Euro für den Eintrag im Zentralen Testamentsregister. Diese fallen auch an, wenn Sie das Testament oder bei einem oder einer Notar*in bei Gericht hinterlegen.

Ein notarielles Testament kann letztlich sogar günstiger sein als ein handschriftliches. Es fallen hier zwar Gebühren für den oder die Notar*in an, doch ersetzt diese Form häufig den Erbschein. Dieser ist erforderlich, wenn es um größere Vermögenswerte und Immobilien geht. Das Erbscheinverfahren kostet meist mehr als die Beauftragung eines Notars oder einer Notarin.

Tipps, um das Testament zu verfassen

  • Verfassen Sie das Testament handschriftlich, berücksichtigen Sie die Pflichtbestandteile. Ist das Dokument rechtlich nicht wirksam, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wichtig ist auch, Ort und Datum einzutragen.
  • Achten Sie beim Schreiben auf Leserlichkeit. Dennoch sollte Ihre Handschrift unverkennbar ersichtlich sein.
  • Hinterlegen Sie das Testament beim zuständigen Amtsgericht. Das Formular für den Antrag finden Sie auf dessen Webseite oder erhalten es direkt vor Ort. Für die Abgabe benötigen Sie neben Ihrem Personalausweis auch Ihre Geburtsurkunde.
  • Ein mit einem oder einer Partner*in verfasstes Testament können Sie nur gemeinschaftlich widerrufen. Andernfalls bedarf es einer notariellen Erklärung gegenüber dem oder der Ehepartner*in.
  • Eine Alternative zum Vererben ist das Vermächtnis: Sie können Teile des Vermögens oder auch Ansprüche an Personen und Organisationen vermachen. Damit einher geht zwar auch die Erbschaftssteuer, doch teilen die Empfänger*innen nicht die Pflichten von Erben.

Zentrales Testamentsregister

Der letzte Wille kann nur dann erfüllt werden, wenn das Testament nach dem Tod auffindbar ist. So ist jeder, der ein Testament findet oder besitzt, dazu verpflichtet, das Testament an das Nachlassgericht zu überreichen. Zudem besteht seit 2012 das Zentrale Testamentsregister, welches alle Angaben zur Verwahrung erbfolgerelevanter Urkunden aufnimmt.

Hinterlegen Sie Ihr Testament bei einem Nachlassgericht, stellen Sie sicher, dass Ihr letzter Wille nach Ihrem Tod umgesetzt wird und sich niemand einen ungewollten Vorteil verschafft.

Setzen Sie das Testament gemeinsam mit einem Notar oder einer Notarin auf, reicht dieser es automatisch zur Verwahrung an das Amtsgericht weiter und es erfolgt ein Eintrag in das Zentrale Testamentsregister.

Ein notarielles Testament verliert automatisch seine Gültigkeit, wenn es einmal aus der gerichtlichen Verwahrung entfernt wurde. Es muss dann komplett neu verfasst werden. Anders bei einem handschriftlich verfassten Dokument: Dieses können Sie beliebig oft zurückholen und ändern, ohne dass es ungültig wird.

Alternative zum Testament: der Erbvertrag

Eine weniger bekannte Alternative zum Testament ist der sogenannte Erbvertrag. Dieser zweiseitige Vertrag eignet sich insbesondere auch für unverheiratete Paare sowie zur Regelung der Unternehmensnachfolge. Durch die Bindungswirkung kann hier keine Partei Änderungen vornehmen, was den Aufwand gegenüber einem Testament erhöht – zumal eine notarielle Beurkundung beim Erbvertrag obligatorisch ist. Demgegenüber steht wiederum der Vorteil, dass auch Vereinbarungen aus dem Güterrecht Berücksichtigung finden und Leistungen an Gegenleistungen geknüpft werden können. Das kann z. B. eine Regelung sein, wer im Falle einer Pflegebedürftigkeit tätig wird. Der Pflichtanteil bleibt aber auch im Falle des Erbvertrages gültig.

Die Kosten für ein notarielles Testament sind überschaubar, die Tücken durch Fallstricke groß. Damit Sie sichergehen können, dass Ihr letzter Wille nach dem Tod auch wirklich erfüllt wird, lohnt es sich in den meisten Fällen, einen Experten zur Erstellung des Testaments zu konsultieren.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Ein umfassender Ratgeber der Stiftung Warentest zum Testament (teilweise kostenpflichtig): https://www.test.de/Testament-So-regeln-Sie-Ihr-Erbe-nach-Ihren-Wuenschen-5055551-0/

Das BGB inklusive des Erbrechts (Buch 5): https://dejure.org/gesetze/BGB

Weitere rechtliche Erläuterungen zum Testament auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Testament

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14 Februar 21

Pflegegrade und die Pflegebedürftigkeit

2021-08-11T16:05:46+02:0014. Februar 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|

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