Joachim Schumacher

About Joachim Schumacher

This author has not yet filled in any details.
So far Joachim Schumacher has created 39 blog entries.
15 04, 2021

Pflegegrad 4

2021-04-19T09:10:40+02:00April 15th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegegrad 4

Liegt eine „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vor, stuft die Pflegekasse eine Person in den Pflegegrad 4 ein. Diese Einstufung, die der MDK bzw. MEDICPROOF im Auftrag der Pflegekasse vornimmt, wirkt sich auf die Höhe der Leistungen aus der Pflegekasse aus. Da die Leistungsbeträge auch maßgeblich zur Entlastung pflegender Angehöriger beitragen, ist eine korrekte Bewertung der Selbstständigkeit einer pflegebedürftigen Person durch den Medizinischen Dienst von großer Bedeutung für alle Beteiligten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Pflegegrad 4 liegt eine „schwerste Beeinträchtigung“ der Selbstständigkeit einer Person vor. Damit einher geht, dass Pflegepersonen zahlreiche Tätigkeiten unterstützen oder gar stellvertretend ausführen.
  • Um pflegende Angehörige so gut wie möglich zu entlasten, bietet die Pflegekasse ein vielseitiges Leistungsangebot, deren Einzelleistungen sich teilweise kombinieren lassen.
  • Um grundsätzlich einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse zu haben, ist zunächst die Antragstellung auf die Einstufung in einen Pflegegrad wichtig.

Was bedeutet Pflegegrad 4?

Als pflegebedürftig nach § 14 SGB XI gelten Personen,

die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Gemäß § 15 SGB XI liegen bei einem Pflegegrad 4 „schwerste Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit“ vor. Die Einstufung in den Pflegegrad erfolgt durch eine Begutachtung des MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) mittels Beurteilungskriterien aus sechs Kategorien, die unterschiedlich gewichtet sind. Von möglichen 100 Punkten sind zur Einordnung in die verschiedenen Pflegegrade bestimmte Punktwerte zu konstatieren.

Anerkennung des Pflegegrades durch den MDK

Bevor Sie oder ein*e Angehörige*r Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse haben, bedarf es eines Antrags bei der Pflegekasse zur Einstufung in einen Pflegegrad. Diese beauftragt den MDK (bzw. MEDICPROOF) mit der Begutachtung der pflegebedürftigen Person, der eine Einschätzung anhand eines vorgegebenen Kategoriensystems vornimmt und anschließend eine Empfehlung ausspricht.

 

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Das Beantragen eines Pflegegrades ist denkbar einfach und erfolgt unabhängig davon, ob Sie die pflegebedürftige Person selbst pflegen werden, ein ambulanter Pflegedienst tätig wird oder der Aufenthalt im Heim geplant ist.

Der Antrag erfolgt allgemein ohne die Nennung eines konkreten Pflegegrades. Dazu kontaktieren Sie die Pflegekasse telefonisch oder schriftlich. Diese beauftragt den MDK, der für die Terminvereinbarung mit Ihnen in Kontakt tritt.

Nach dem Termin erhalten Sie innerhalb von 25 Tagen ab Eingang der Antragstellung einen Bescheid über die Einstufung in den Pflegegrad. Sind Sie mit diesem nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Recht auf Widerspruch.

Auch, wenn es eine Veränderung in der Pflegebedürftigkeit gibt, kontaktieren Sie die Pflegekasse. Diese beauftragt den MDK daraufhin, eine neue Begutachtung vorzunehmen.

 

Punktesystem bei der Begutachtung

Um eine nachvollziehbare und möglichst objektive Bewertung vorzunehmen, folgen die Gutachter*innen einem Punktesystem. Maximal möglich sind 100 Punkte, Pflegegrad 4 liegt bei einer Punktzahl zwischen 70 und 89 Punkten vor.

Bewertet werden hier in sechs Kategorien, die in § 14 SGB XI detailliert aufgeführt sind, jeweils verschiedene Kriterien zwischen 0 Punkten für die Fähigkeit, Tätigkeiten selbst zu verrichten, und 4 Punkten, was einer (fast) vollständigen Übernahme der Tätigkeit durch eine Pflegeperson gleichkommt.

Die Punkte der einzelnen Kategorien werden summiert und anhand eines Schlüssels unterschiedlich gewichtet, wobei von den Kategorien 2 und 3 nur die mit der höheren Punktzahl in die Gesamtsumme einfließt.

 

Die Kategorien und ihre Gewichtung

1MobilitätWie selbstständig kann sich der Mensch fortbewegen und seine Körperhaltung ändern?10 %
2Kognitive und kommunikative FähigkeitenWie findet sich der Mensch mit Hilfe anderer örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen oder Gespräche führen?7,5 %
3Verhaltensweisen und psychische ProblemlagenWie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen (etwa aggressives oder ängstliches Verhalten)?7,5 %
4SelbstversorgungWie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken?40 %
5Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und BelastungenWie aufwendig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Behandlungen, z. B. bei der Medikamentengabe oder beim Verbandswechsel?20 %
6Gestaltung des Alltagslebens und soziale KontakteWie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen, sich beschäftigen oder Kontakte pflegen?15 %

 

Vorbereitung auf den Termin mit dem MDK

Da von der Einstufung in den Pflegegrad die Höhe der Leistungen abhängt, die durch die Pflegekasse getragen werden, ist es sinnvoll, sich im Vorfeld gut auf den Termin mit dem oder der Gutachter*in vorzubereiten und den Alltag möglichst detailgetreu wiederzugeben.

Wenngleich seit der Pflegereform im Jahr 2017 der zeitliche Aufwand für einzelne Pflegetätigkeiten nicht mehr entscheidend ist, so ist es hilfreich, alle Tätigkeiten in einem Pflegetagebuch festzuhalten. Maßgeblich ist dabei stets, der Person keine Aufgaben abzunehmen, sondern die nötige Geduld mitzubringen, sie alle Tätigkeiten, die sie noch eigenständig erledigen kann, selbst ausführen zu lassen.

Wichtig ist, dass bei dem Begutachtungstermin weitere Personen zugegen sind. Das können Angehörige oder andere pflegende Personen sein, die den Pflegealltag beschreiben können. Pflegebedürftige neigen dazu, Situationen zu beschönigen, was sich letztlich negativ auf die Einstufung auswirken kann.

Zudem legen Sie am besten alle ärztlichen Gutachten und Diagnosen bereit, die Aufschluss über den medizinischen Zustand der Person geben.

Scheuen Sie sich während des Termins nicht, besondere Problemsituationen zu demonstrieren. Bereitet etwa das Ankleiden große Schwierigkeiten, darf der oder die Gutachter*in durchaus dabei anwesend sein.

Die Leistungen im Pflegegrad 4

Die Leistungen der Pflegekasse für die Pflegegrade 2 bis 5 sind grundsätzlich die gleichen. Allerdings variiert die Höhe der Beträge deutlich. Für den Pflegegrad 4 gelten derzeit die folgenden Leistungen, die Sie teilweise miteinander kombinieren können. Umgekehrt heben sich wiederum andere gegenseitig auf.

 

Pflegegeld bei Pflegegrad 4

Pflegebedürftige, die durch Angehörige im häuslichen Umfeld gepflegt werden, haben im Pflegegrad 4 Anspruch auf 728 Euro monatlich. Die Summe geht der pflegebedürftigen Person zu, die frei über sie verfügen kann. In der Regel wird sie als Aufwandsentschädigung an pflegende Angehörige weitergegeben.

Bei der zusätzlichen Inanspruchnahme eines professionellen Pflegedienstes verringert sich das Pflegegeld prozentual. Auch gibt es gegebenenfalls Kürzungen während einer Ersatz- oder Kurzzeitpflege.

 

Pflegesachleistungen im Pflegegrad 4

Übernimmt ein professioneller ambulanter Pflegedienst die häusliche Pflege ganz oder teilweise, lassen sich Leistungen von monatlich maximal 1.612 Euro über die Pflegekasse abrechnen.

 

Kombinationsleistungen nutzen

Wird die Summe der Pflegesachleistungen nicht vollständig ausgeschöpft, kann sie prozentual auf das Pflegegeld übertragen werden. Stellt der Pflegedienst beispielsweise monatlich 980 Euro für seine Leistungen in Rechnung, entspricht das 60,8 Prozent von maximal 1.612 Euro. Damit haben Sie noch einen Anspruch von 39,2 Prozent des Pflegegeldes, d. h. 285, 38 Euro.

Um Angehörige zu entlasten, ist es zudem möglich, maximal 40 Prozent der monatlichen Pflegesachleistung umzuwandeln und für Betreuungsleistungen zu nutzen.

 

Entlastungsbetrag – unabhängig vom Pflegegrad

Unabhängig von der Höhe des Pflegegrades stehen allen pflegebedürftigen Personen monatlich 125 Euro für Betreuungsleistungen und Haushaltshilfen zu, wenn entsprechende Aufwendungen nachgewiesen werden können. Denkbare Verwendungszwecke des Entlastungsbetrages sind

  • die Teilnahme an Betreuungsangeboten, die der geistigen oder körperlichen Aktivierung dienen
  • Leistungen der Tages- und Nachpflege oder Kurzzeitpflege, die dem Eigenanteil unterliegen
  • Haushalts- und Einkaufshilfen

Dabei brauchen Sie das Geld nicht monatlich abzurufen, sondern können die einzelnen Beträge auch als Gesamtsumme rückwirkend nutzen – etwa für den Eigenanteil bei der Verhinderungspflege. Möglich ist dies bis zum Ende des ersten Kalenderhalbjahres für das vergangene letzte Jahr.

 

Kurzzeitpflege für den Pflegegrad 4

Die Kurzzeitpflege ist vor allen von Bedeutung, wenn eine pflegebedürftige Person mit einem Pflegegrad 4 z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt für eine kurze Zeit zusätzlicher Pflege bedarf. Für maximal 28 Tage je Kalenderjahr stehen Ihnen hier bis zu 1.612 Euro zu.

Dieser maximale Betrag lässt sich auf 3.224 Euro und bis zu acht Wochen verdoppeln, wenn Sie während eines Jahres keine Verhinderungspflege nutzen. Umgekehrt ist eine Übertragung von 50 Prozent der Kurzzeitpflege auf die Verhinderungspflege möglich.

Während der Kurzzeitpflege verringert sich der Anspruch auf das Pflegegeld um die Hälfte, d. h. 364 Euro im Monat.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege bei temporärer Abwesenheit

Mit der Gesetzgebung verfolgt der Staat das Ziel, pflegende Angehörige optimal zu entlasten und auch im Falle von temporären Auszeiten die bestmögliche Pflegequalität zu gewährleisten. Dies gilt in besonderem Maße für die Verhinderungspflege, durch die professionelle Pflegekräfte finanziert werden, wenn Sie als Pflegeperson krank oder im Urlaub sind. Maximal erstattet die Pflegekasse hier 1.612 Euro für vier Wochen im Jahr.

Aufstocken lässt sich die Summe, wenn Sie keine Kurzzeitpflege beantragt haben. In diesem Fall erhöht sich die Leistung der Verhinderungspflege auf 2.418 Euro an maximal 42 Kalendertagen im Jahr.

Übernehmen andere Angehörige die Pflege in der Zeit Ihrer Abwesenheit, stehen diesen nur das 1,5-Fache des eigentlichen Pflegegeldes zu.

Wie auch bei der Kurzzeitpflege reduziert sich das Pflegegeld in dieser Zeit auf die Hälfte.

 

Tages- und Nachtpflege

Leistungen der Tages- und Nachtpflege fallen nicht unter die Pflegesachleistungen, sodass Ihnen hier monatlich weitere 1.612 Euro zur Verfügung stehen.

Die Pflegekasse trägt allerdings nur die Pflegekosten sowie anfallende Fahrtkosten für das Abholen und Zurückbringen der pflegebedürftigen Person. Kosten für die Verpflegung hingegen unterliegen dem Eigenanteil der Versicherten, können allerdings z. B. über den Entlastungsbetrag finanziert werden.

 

Leistungen bei Pflegegrad 4 in der vollstationären Pflege

Aufgrund der starken Einschränkungen im Pflegegrad 4 können oder wollen Angehörige die Pflege eventuell nicht mehr leisten – der Umzug ins Pflegeheim ist dann die Alternative. In diesem Fall erhalten Versicherte monatlich 1.775 Euro von der Pflegekasse.

Diese Leistungen decken jedoch ausschließlich den Anteil der Pflegekosten. Für die Unterbringung, Verpflegung und den sogenannten Investitionskostenanteil muss die versicherte Person hingegen selbst aufkommen. Hier entstehen weitere Kosten ab 1.500 Euro monatlich. Darüber hinaus wird ein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil fällig, der in jeder Einrichtung für alle Bewohner*innen unabhängig von ihrem Pflegegrad in gleicher Höhe anfällt, jedoch von Einrichtung zu Einrichtung variiert. Im bundesdeutschen Durchschnitt liegt dieser bei derzeit rund 580 Euro.

 

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Das Ziel von Pflegeleistungen ist im Wesentlichen, einer pflegebedürftigen Person den Verbleib im häuslichen Umfeld so lange wie möglich zu ermöglichen. Mit steigendem Pflegegrad bleiben dabei Umbauten des Wohnraums zugunsten der Barrierefreiheit oft nicht aus. Das kann der Einbau eines Treppenliftes, eine ebenerdig zugängliche Dusche oder auch das Anbringen von Haltegriffen sein.

Die Pflegekasse trägt die Kosten von maximal 4.000 Euro je Gesamtmaßnahme. Das bedeutet, dass eventuell eine erneute Antragstellung möglich ist, wenn sich die Situation weiter verschlechtert.

Leben mehrere Menschen gemeinsam in einer WG zusammen, trägt die Pflegekasse bei vier und mehr Personen die Kosten von bis zu 16.000 Euro je Gesamtmaßnahme.

 

Pflege gemeinsam organisieren – Wohngruppenzuschlag

Wohngruppen bieten nicht nur den Vorteil sozialer Kontakte, sondern auch die Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung und der gemeinsamen Organisation einer Haushaltshilfe. Um diese zu beauftragen, erhalten Mitglieder*innen von Wohngruppen einen monatlichen Zuschlag von 214 Euro.

Ferner besteht bei der Neugründung von Wohngemeinschaften ein Anspruch auf einen einmaligen Gründungszuschuss von 2.500 Euro für maximal vier Bewohner*innen mit einem anerkannten Pflegegrad.

 

Zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel – Zuschuss

Die Sozialversicherung unterscheidet zwischen medizinisch notwendigen Hilfsmitteln und zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln. Erstere werden durch einen Arzt oder eine Ärztin verordnet und entsprechend über die Krankenkasse unter Abzug eines Eigenanteils der versicherten Person abgerechnet.

Als Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, gelten hingegen beispielsweise Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Inkontinenzeinlagen für das Bett. Hier erstattet die Pflegekasse monatlich bis zu 40 Euro – entweder auf Nachweis durch das Einreichen eines Belegs oder durch die direkte Abrechnung mit einer Apotheke, wenn Sie einen Versorgungsvertrag mit dieser abgeschlossen haben.

 

Hausnotruf

Pflegepersonen sind nicht rund um die Uhr anwesend. Dadurch besteht die Gefahr, dass eine pflegebedürftige Person einen Unfall hat, sich nicht mitteilen kann und der Situation damit hilflos ausgeliefert ist, bis eine Pflegeperson vor Ort ist. Um dies zu verhindern und auch in akuten Notlagen einen Notruf zu ermöglichen, empfiehlt sich die Installation eines Hausnotrufes, der bei Bedarf abgesetzt werden kann und Hilfe herbeiruft. Den monatlichen Betrieb eines solchen Notrufsystems unterstützt die Pflegekasse mit bis zu 23 Euro im Monat sowie einer anteiligen Übernahme der Einrichtungsgebühr.

 

Kostenlose Pflegekurse für Angehörige

Gemäß § 45 SGB XI haben pflegende Angehörige seit dem Jahr 2017 Anspruch auf kostenlose Pflegekurse. Diese finden durch fachkundige Personen im häuslichen Umfeld statt und richten sich komplett nach dem individuellen Bedarf.

Darüber hinaus sind zweimal jährlich Pflegeberatungen verbindlich vorgeschrieben, wenn die Pflege ausschließlich durch Angehörige erfolgt. Diese dienen dazu, die Qualität der Pflege sicherzustellen und bieten die Möglichkeit, gezielte Fragen zu auftretenden Problemen zu stellen. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst ins Haus, unterliegen die Beratungen der Freiwilligkeit.

 

Die Leistungen im Pflegegrad 4 im Überblick

Art der LeistungHöhe der LeistungHäufigkeit
Pflegegeld728 €monatlich
Pflegesachleistungen1.612 €monatlich
Kurzzeitpflege1.612 €monatlich
Ersatz- und Verhinderungspflege1.612 €monatlich
Entlastungsbetrag125 €monatlich
Tages- und Nachtpflege1.612 €monatlich
vollstationäre Pflege1.775 €monatlich
Hausnotruf23 €monatlich
Wohnraumanpassung4.000 €Gesamtmaßnahme
Pflegehilfsmittel40 €monatlich
Wohngruppenzuschuss214 €monatlich

Weitere Entlastungen für pflegende Angehörige

Während der pflegebedürftigen Person ein Behinderten-Pauschalbetrag zusteht, der steuerlich geltend gemacht werden kann, steht der Pflegeperson bei der häuslichen Pflege zu Hause eine Pauschale von 1.800 Euro als außergewöhnliche Belastung zu (seit 2021, bis 2020 924 Euro).

Den Freibetrag erhalten Sie je pflegebedürftiger Person in vollem Umfang, wenn Sie alleine pflegen. Pflegen mehrere Menschen eine Person, wird der Betrag aufgeteilt.

Anders als bei außergewöhnlichen Belastungen, bei denen eine zumutbare Belastung angerechnet wird, steht Ihnen der Freibetrag in voller Höhe zu. Liegen die tatsächlichen Ausgaben jedoch über dem Pauschbetrag, können Sie diese Summe durch Belege nachweisen und geltend machen.

Verstirbt die pflegebedürftige Person, ist es möglich, im Rahmen des Erbes einen zusätzlichen Pflegefreibetrag in Höhe von 20.000 Euro zu beantragen, wenn die Pflegeperson glaubhaft machen kann, dass sie die pflegebedürftige Person regelmäßig gepflegt hat.

 

Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge

Die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 4 ist oft zeitintensiv und fordernd, sodass Pflegepersonen ihrer eigentlichen Erwerbstätigkeit nicht mehr in vollem Umfang nachgehen können. Für die Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge gelten bestimmte Voraussetzungen wie eine Pflegetätigkeit im Umfang von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen in der Woche sowie eine Erwerbstätigkeit von maximal 30 Stunden. Versichert sind dann Unfälle, die im Zusammenhang mit der Pflegetätigkeit geschehen, aber auch die Beiträge für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sowie zur Arbeitslosenversicherung werden getragen. Die Rentenzahlbeträge sind der folgenden Tabelle zu entnehmen.

Pflegegrad 1bezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
4Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
21,63 €
18,39 €
15,14 €
20,63 €
17,54 €
14,44 €

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Eine Checkliste für den MDK-Termin: https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/01_Pflegebegutachtung/Checkliste_fuer_den_MDK_Besuch.pdf

Weitere Fragen und Antworten rund um die Pflegebegutachtung auf der Webseite des MDK: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Mehr zu den Sozialversicherungsbeiträgen bei der Pflege durch Angehörige von der Verbraucherzentrale: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/alles-fuer-pflegende-angehoerige/absicherung-fuer-pflegende-angehoerige-durch-sozialversicherungen-13426

Die Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit nach § 15 SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/15.html

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

14 04, 2021

Mobiler Notruf

2021-04-19T09:20:28+02:00April 14th, 2021|Hilfsmittel für Senioren|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Mobiler Notruf

Der Hausnotruf trägt seit vielen Jahren zu einer höheren Sicherheit von Senior*innen im häuslichen Umfeld bei. Stürzt die pflegebedürftige Person, lässt sich mit nur einem Knopfdruck ein Alarm auslösen und Hilfe rufen. Um auch unterwegs nicht auf diese praktische Erfindung verzichten zu müssen, gibt es seit einigen Jahren auch einen mobilen Notruf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der mobile Notruf ist eine praktische Ergänzung zum klassischen Hausnotruf, um im Notfall auch unterwegs schnell Hilfe alarmieren zu können. Darüber hinaus verfügen einige Modelle über praktische Zusatzfunktionen.
  • Es gibt zwei unterschiedliche Systeme des mobilen Notrufs. Während das eine im Notfall eine Verbindung mit einer 24-Stunden-Notrufzentrale herstellt, setzt das andere eine SMS ab und wählt eine zuvor eingespeicherte Nummer.
  • Die Pflegekasse trägt bei Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad die anfallenden Kosten bis zu 23 Euro monatlich.

Was ist ein mobiler Notruf?

Der mobile Notruf ist ein kleines Gerät, das durch eine integrierte SIM-Karte wie ein Mobiltelefon Daten senden und empfangen kann. Die Datenübertragung ist allerdings komplett auf die Notsituation ausgelegt und dementsprechend kompakt.

Viele Modelle bieten zudem die Möglichkeit der GPS-Ortung, sodass der Standort automatisch ermittelt und an festgelegte Empfänger*innen übertragen werden kann.

Um das Gerät bequem mitführen zu können, ist es als Anhänger, Kette oder auch als Armband erhältlich. Mobile Notrufe gibt es als zwei unterschiedliche Systeme:

  • Sender mit einer SIM-Karte, die im Bedarfsfall eine Liste einprogrammierter Telefonnummern anwählen
  • zertifizierte Systeme, die mit einer 24-Stunden-Notrufzentrale verbunden sind

Zudem gibt es inzwischen spezielle Notruf-Apps für das Smartphone, die im Ernstfall auf Knopfdruck den Kontakt zu einer Notrufzentrale herstellen und den Standort übermitteln.

Für wen eignet sich ein mobiler Notruf?

Der mobile Notruf erhöht die Sicherheit – nicht nur von Senior*innen, die im Alltag mobil bleiben möchten, sondern auch von Menschen, die sich allein in abgelegener Natur aufhalten, von Epileptiker*innen oder auch Taxifahrer*innen, die per stillem Alarm auf einen Notfall aufmerksam machen. Ein mobiler Notruf bietet sich an für:

  • Menschen mit chronischen Erkrankungen
  • Personen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben
  • Menschen jeden Alters, die ängstlich sind
  • Sportler*innen in entlegenem Gelände
  • gebrechliche Menschen, die nicht mehr sicher auf den Beinen sind

Ablauf eines Notrufes

Je nach System unterscheidet sich auch geringfügig der Ablauf bei einem Notfall:

1. Kontakt mit der Notrufzentrale

2. Benachrichtigung von Kontaktpersonen

Funktionen des mobilen Notrufs

Den mobilen Notruf gibt es anbieterabhängig in verschiedenen Ausführungen. Einfache Geräte verfügen lediglich über einen Notrufknopf und eine Lautsprecher-Mikrofon-Kombination, um im Ernstfall mit der Notrufzentrale kommunizieren zu können. Darüber hinaus gibt es smarte Geräte mit einer Vielzahl weiterer Funktionen:

  • Sturz-Detektor durch Beschleunigungssensor
  • integriertes Mini-Mobiltelefon
  • Ortung per Google Maps
  • Sprachüberwachung
  • Lagesensor
  • manueller Alarm auf Knopfdruck

Der Lagesensor ermittelt dabei den Neigungswinkel und löst nach einer bestimmten Zeit einen Voralarm aus. Wird dieser nicht unterbrochen, setzt das Gerät einen Notruf ab.

Möglich ist teilweise auch eine Kombination mit dem Hausnotruf, sodass hier z. B. der Wohnungsschlüssel hinterlegt werden kann.

Kostenübernahme durch die Pflegekasse

Bei einem anerkannten Pflegegrad trägt die Pflegekasse die monatlichen Kosten eines Notrufsystems von bis zu 23 Euro. Dies trifft auf die Systeme zu, die mit einer Notrufzentrale arbeiten, bei der im Ernstfall auch die wichtigsten Daten der Personen hinterlegt sind.

Andere Geräte ohne Anbindung an die Notrufzentrale gehen mit einmaligen Anschaffungskosten und dem Betrieb einer SIM-Karte einher. Hier reicht eine einfache Prepaid-Karte aus, Datentarife sind nicht erforderlich.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Alle Leistungen der Pflegestärkungsgesetze in einer Broschüre zusammengefasst: LINK

Das PSG I im Wortlaut: https://www.buzer.de/s1.htm?g=PSG+I&f=1

Der Gesetzestext zum PSG II: https://www.buzer.de/gesetz/11863/index.htm

PSG III – das sind die Änderungen in SGB XI: https://www.buzer.de/gesetz/12351/index.htm

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

14 04, 2021

Pflegestärkungsgesetze

2021-04-19T09:17:02+02:00April 14th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegestärkungsgesetze

Die in den Jahren 2015 bis 2017 eingeführten Pflegestärkungsgesetze (PSG) dienen dazu, die Situation von pflegebedürftigen Personen, Angehörigen, aber auch professionellen Pflegefachkräften zu verbessern. Vor allem die Situation demenzkranker Menschen, die in der Vergangenheit oft nicht ausreichend von Pflegeleistungen profitieren konnten, verbesserte sich durch die PSG.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die drei Pflegestärkungsgesetze führten zu einer Ausweitung des Leistungsangebotes der Pflegekassen und damit zu einer Entlastung pflegender Angehöriger.
  • Besonders profitieren auch Demenzkranke und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen von der Umstrukturierung, die aufgrund der Fokussierung auf die Beurteilung der Selbstständigkeit Pflegebedürftiger künftig Anspruch auf weitere Leistungen haben.
  • Die Ermittlung des Pflegegrades entsprechend des PSG II erfolgt durch den MDK bzw. MEDICPROOF anhand eines Kriterienkataloges, der in diesem Zuge als neues Begutachtungsinstrument eingeführt wurde.

Geschichte der Pflegestärkungsgesetze

Die drei Pflegestärkungsgesetze (PSG I bis III) ergänzen die im Jahr 1995 eingeführte Pflegeversicherung, das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz aus 2002 sowie das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz aus dem Jahr 2012. Notwendig wurde dies, um den gesetzlichen Rahmen an die Bedürfnisse aller Beteiligten anzupassen.

Die Pflegestärkungsgesetze wurden in drei Stufen eingeführt:

  • PSG I (2015): Neuausrichtung der Pflegeunterstützung
  • PSG II (2016): Einführung der Pflegegrade und eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes (in Kraft getreten zum 01.01.2017)
  • PSG III (2017): Verbesserung der Pflege auf kommunaler Ebene, Verbindung von Pflegeleistungen und anderen pflegerelevanten Sozialleistungen

Inhalt der Pflegestärkungsgesetze

Jedes der drei PSG kennzeichnet sich durch einen anderen Schwerpunkt. Allgemein am bekanntesten ist hier wohl das PSG II mit der Neuformulierung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes und der Einführung der Pflegegrade. Doch auch die anderen beiden Stärkungsgesetze zeichnen sich durch wegweisende Inhalte aus.

 

Erstes Pflegestärkungsgesetz (PSG I)

Das PSG I erweitert die Leistungen sowohl für die Pflegebedürftigen selbst als auch für die Angehörigen. Das hatte im Rahmen der gesetzlichen Dynamisierung eine Erhöhung der Leistungen aus der Pflegeversicherung um vier Prozent zur Folge sowie die Aufstockung der Leistungen aus dem Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) für Personen der Pflegestufe 0, die erst zwei Jahre zuvor eingeführt worden waren. Hierfür wurden weite Teile des SGB XI geändert und die Paragrafen 131–139 komplett neu formuliert.

Darüber hinaus wurde der Betreuungsschlüssel in stationären Einrichtungen hinsichtlich der Betreuungskräfte (nicht der Pflegekräfte) erhöht. Ergänzende Betreuungsangebote für Alltagsbegleiter*innen stehen nunmehr allen Pflegebedürftigen in teil- und vollstationären Einrichtungen zu.

Für ambulante Wohngruppen hingegen verbesserten sich mit dem Gesetz die Leistungen für Menschen mit Pflegestufe 0. Diese erhalten jetzt einen Wohngruppenzuschlag und sie haben Anspruch auf eine Anschubfinanzierung von einmalig 2.500 Euro oder 10.000 Euro je Wohngruppe.

Leistungen aus der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sowie eine Neuregelung der Tages- und Nachtpflege, die finanzielle Förderung von Umbaumaßnahmen und die Ausweitung von Betreuungsleistungen verbessern auch die ambulante Pflege im häuslichen Umfeld und entlasten pflegende Angehörige. Um den steigenden Bedarf zu decken, wurden deutschlandweit neue Einrichtungen und ambulante Pflegedienste geschaffen. Die Leistungen der Tages- und Nachtpflege werden nicht mehr auf das Pflegegeld angerechnet, dieses bleibt ungekürzt bestehen.

 

Finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger

Neben der Ausweitung der Leistungen durch die Pflegekasse erfolgte mit dem PSG I zudem eine Entlastung Angehöriger durch Maßnahmen, die das Erwerbsverhältnis tangieren:

  • An maximal 10 Arbeitstagen besteht mit dem Pflegeunterstützungsgeld Anspruch auf eine Lohnersatzleistung. Dieses Recht ist unabhängig von der Unternehmensgröße und erleichtert vor allem die spontane Organisation der Pflege.
  • Der Rechtsanspruch auf einen teilweisen oder vollständigen Ausstieg aus dem Job besteht weiterhin, wobei dieser erst ab Unternehmen mit 15 und mehr Beschäftigten gegeben ist. Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, besteht die Option auf ein zinsloses Darlehen beim Bund.
  • Mittels der Familienpflegezeit ist eine Verringerung der Wochenarbeitszeit auf bis zu 15 Stunden für einen Zeitraum von maximal zwei Jahren möglich. Dies gilt in der Regel bei Unternehmen ab 25 Beschäftigten, Auszubildende nicht eingerechnet.
  • Eine teilweise oder vollständige Freistellung ist möglich bei der Betreuung minderjähriger Personen mit anerkanntem Pflegegrad sowie für maximal drei Monate, um Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten.

 

Finanzierung des PSG I

Finanziert wird das PSG I durch eine Erhöhung der Beiträge zur Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte, wovon zwei Drittel in die Optimierung der Leistungen, ein Drittel in einen Fonds fließen. Dieser Fonds dient dazu, in Zukunft Beitragssteigerungen abzufedern, wenn ab etwa 2035 die geburtenstarken Jahrgänge das Pflegealter erreichen.

 

Zweites Pflegestärkungsgesetz (PSG II)

Das PSG II ist wohl das bekannteste der drei Pflegestärkungsgesetze, das gemeinhin auch als Pflegereform 2017 bekannt ist.

 

Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Im Jahr 2016 erfolgte eine Umstrukturierung der bisherigen drei Pflegestufen zugunsten von fünf Pflegegraden. Neu geschaffen wurde dabei der Pflegegrad 1 für Menschen, die noch weitgehend selbstständig sind.

In diesem Zusammenhang wurde der Pflegebedürftigkeitsbegriff erneuert, sodass der Fokus fortan auf der Beurteilung der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Personen liegt und auch Demenzkranke, die keine körperlichen Gebrechen haben, stärker berücksichtigt werden. Diese waren in der Vergangenheit oft der Pflegestufe 0 zugeordnet und hatten nur einen sehr punktuellen Anspruch auf Leistungen. Als pflegebedürftig gelten seitdem Menschen, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten aufweisen und deshalb auf Hilfe durch andere angewiesen sind. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens 6 Monate bestehen.“

 

Leistungen der Pflegestufen bzw. -grade

Die meisten anspruchsberechtigten Menschen erhalten durch die Neustrukturierung höhere Leistungen. Aufgrund des Bestandsschutzes wurde zudem verhindert, dass einzelne Personen geringer eingestuft wurden und geringere Leistungen erhielten.

PflegestufePflege-gradPflegegeld 2016Pflegegeld ab 2017Sachleistung 2016Sachleistung ab 2017
1 Anspruch auf Beratungs-besuche, halbjährig125 € Entlastungs-betrag
I2244 €316 €468 €689 €
II3458 €545 €1.144 €1.298 €
III4728 €728 €1.612 €1.612 €
Härtefall5901 €1.995 €1.995 €
0 mit Demenz2123 €316 €231 €689 €
I mit Demenz3316 €545 €689 €1.298 €
II mit Demenz4545 €728 €1.298 €1.612 €
III mit Demenz5728 €901 €1.612 €1.995 €
Härtefall5728 €901 €1.995 €1.995 €

 

Beurteilung der Pflegebedürftigkeit durch den MDK

Im Zuge der Neubewertung der Pflegebedürftigkeit wurden für die Begutachtung durch den MDK sechs Kategorien eingeführt:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Die Beurteilung erfolgt anhand unterschiedlicher Kriterien, für die jeweils Punkte vergeben werden. Diese werden anschließend gewichtet und addiert und lassen sich so einem der Pflegegrade zuordnen.

Für Heime ist durch das PSG II ein vom Pflegegrad unabhängiger Eigenanteil für die Pflege vorgesehen. Hinzu kommen die Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie eine Investitionskostenpauschale, die durch die Versicherten selbst getragen wird.

Ein weiterer Punkt des PSG II ist die Ablösung der Pflegenoten zur Beurteilung von stationären Einrichtungen durch einen Pflege-TÜV, das auf einer Selbst- und Fremdevaluation basiert.

Erneut wurde zur Finanzierung der Beitragssatz zur Pflegeversicherung erhöht – dieses Mal um 0,2 Prozentpunkte. Und auch hier erfolgte eine tiefgreifende Veränderung des SGB XI.

 

Ambulant vor stationär

Die Anpassung der Leistungen kommt vor allem pflegenden Angehörigen zugute. Durch eine Ausweitung der Angebote der Tages- und Nachtpflege, Kurz- sowie Verhinderungspflege trägt der Gesetzgeber damit dem Umstand Rechnung, dass die Angehörigen einen wesentlichen Beitrag zur Pflege in Deutschland leisten. Da die Gefahr von Überlastung, Burn-out und Erschöpfung groß ist und gleichzeitig nicht selten finanzielle Einbußen durch eine verringerte Erwerbstätigkeit gegeben sind, wurden Entlastungsangebote geschaffen, die die Pflege Angehöriger attraktiver gestalten soll.

Damit legt der Gesetzgeber auch fest, dass ambulante Leistungen den stationären stets vorzuziehen sind – diese aber gleichzeitig zur Verfügung gestellt werden, wenn es Bedarf dafür gibt.

 

Drittes Pflegestärkungsgesetz (PSG III)

Die dritte Stufe der PSG setzt die Pflegeleistungen aus der zweiten Stufe mit anderen pflegerelevanten Sozialleistungen in einen Bezug. Das gilt insbesondere auch für das gleichzeitig verabschiedete Bundesteilhabegesetz.

Menschen mit Beeinträchtigungen erhalten seit 2017 vorrangig Leistungen nach dem SGB XI und nicht nach der Eingliederungshilfe nach SGB IX. Sind sie dennoch weitgehend auf die Eingliederungshilfe angewiesen, tragen die Sozialhilfeträger (nicht die Pflegekasse) auch die Kosten für die häusliche Pflege. Bei der stationären Unterbringung haben Betroffene Anspruch auf Leistungen sowohl aus der Pflegeversicherung als auch der Eingliederungshilfe.

Ferner wird durch das Gesetz eine Verbesserung der Pflege auf kommunaler Ebene angestrebt. Das betrifft zum einen die Ausweitung der Beratungsangebote, die Unterstützung der Kommunen durch Personal- und Sachleistungen sowie den Ausgleich von Fördermitteln unter den Bundesländern. Geschuldet ist dies der Annahme, dass die Gemeinden den besten Überblick haben, um die Angebote vor Ort zu optimieren.

Die Befugnisse des MDK wurden ausgeweitet, sodass unangekündigte Kontrollen bei Pflegedienstleistern möglich sind, um z. B. Abrechnungsbetrug zu verringern.

Fazit

Die drei Pflegestärkungsgesetze haben einen wichtigen Beitrag geleistet, um vor allem auch Demenzkranke und andere Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Leistungsbezug zu integrieren sowie gleichzeitig Angehörige zu entlasten. Die Gesetze leisten dabei einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Pflegequalität im häuslichen wie auch stationären Umfeld.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Alle Leistungen der Pflegestärkungsgesetze in einer Broschüre zusammengefasst: LINK

Das PSG I im Wortlaut: https://www.buzer.de/s1.htm?g=PSG+I&f=1

Der Gesetzestext zum PSG II: https://www.buzer.de/gesetz/11863/index.htm

PSG III – das sind die Änderungen in SGB XI: https://www.buzer.de/gesetz/12351/index.htm

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

14 04, 2021

Hausnotruf

2021-04-19T09:15:12+02:00April 14th, 2021|Hilfsmittel für Senioren|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Hausnotruf

Mit steigendem Alter nimmt die Sturzgefahr auch in den eigenen vier Wänden zu. Nicht immer sind bei allein lebenden Menschen Angehörige unmittelbar zur Stelle, um Soforthilfe zu leisten – was vor allem dann zum Problem wird, wenn die gestürzte Person durch den Unfall nicht selbst zum Telefon greifen kann. Damit Menschen im Alter dennoch sicher im häuslichen Umfeld leben können, gibt es den Hausnotruf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Hausnotruf ist ein Angebot für pflegebedürftige Menschen, die überwiegend allein zu Hause leben und im Falle eines Sturzes keinen telefonischen Notruf absetzen können.
  • Angebote gibt es sowohl von Wohlfahrtsverbänden, d. h. den Rettungsdiensten, als auch von privaten Anbietern. Neben den Basisleistungen bieten diese weitere Leistungspakete an, die Sie hinzubuchen können.
  • Die Pflegekasse leistet einen einmaligen Zuschuss zu den Anschlussgebühren und übernimmt bei anspruchsberechtigten Personen monatliche Kosten bis zu 23 Euro.

Was ist ein Hausnotruf?

Ursprünglich entstanden ist der Hausnotruf in den Siebzigerjahren, um die Strukturen der ambulanten und stationären Pflege sowie der Betreuung kranker und älterer Menschen an die Zeit anzupassen. Die technische Umsetzung erfolgte ab etwa 1980. Seit 2012 gibt es mit einer neuen Technologie, die Telekom und DRK gemeinsam eingeführt haben, erstmals ein System, das auch außerhalb der Wohnung funktioniert.

Der Hausnotruf ist inzwischen ein anerkanntes Pflegehilfsmittel, das auch im Hilfsmittelverzeichnis des GKV gelistet ist:

„Hausnotrufsysteme kommen in Frage bei allein lebenden oder über weite Teile des Tages allein lebenden Pflegebedürftigen, die mit einem handelsüblichen Telefon in Notsituationen keinen Hilferuf absetzen können und bei denen aufgrund des Krankheits- und Pflegezustandes jederzeit der Eintritt einer derartigen Notsituation erwartet werden kann. Der Anspruch besteht auch dann, wenn der Pflegebedürftige mit einer Person in häuslicher Gemeinschaft lebt, die aufgrund ihrer körperlichen/geistigen Einschränkung im Fall einer Notsituation nicht in der Lage ist, einen Hilferuf selbständig abzusetzen.“

Die schnelle Hilfe im Bedarfsfall beugt eventuell medizinischen Komplikationen vor, trägt aber in jedem Fall zur eigenen Sicherheit im Haushalt bei.

Für wen kommt der Hausnotruf in Betracht?

Antragsberechtigt für einen Hausnotruf sind Menschen, die mindestens über weite Teile des Tages alleine leben und bei denen prinzipiell jederzeit eine Notsituation eintreten kann, in der sie keinen Notruf über ein Telefon absetzen können. Zudem richtet sich das Angebot ebenfalls an Menschen, die mit einer weiteren Person zusammenleben, die aufgrund einer Beeinträchtigung nicht dazu fähig ist, gegebenenfalls einen Hilferuf abzusetzen.

Daneben ist für die Kostenübernahme ein anerkannter Pflegegrad ab 1 notwendig. Um diesen zu erhalten, stellen Sie oder eine angehörige Person einen Antrag bei der Pflegekasse. Diese veranlasst dann eine Begutachtung durch den MDK beziehungsweise MEDICPROOF.

 

Ist ein Hausnotruf sinnvoll?

Die Caritas hat eine Checkliste erstellt, anhand der Sie ermitteln können, ob ein Hausnotruf angebracht erscheint:

 janein
Ich lebe allein und fühle mich nicht immer sicher.  
Es ist nicht immer eine Ansprechperson in der Nähe, die Hilfe leisten kann.  
Ich habe Angst vor Stürzen und fühle mich zeitweise unsicher auf den Beinen.  
Ich habe eine Behinderung oder leide an einer chronischen Erkrankung.  
Ich hatte bereits einen Herzinfarkt.  
Ich hatte bereits einen Schlaganfall.  
Mein Sehvermögen lässt nach.  
Ich vergesse immer wieder, meine Medikamente einzunehmen.  
Ich benötige für eine begrenzte Zeit eine Kontaktperson, die sofort erreichbar ist, weil meine Angehörigen im Urlaub sind.  


Quelle: https://hausnotruf-caritas.de/

 

Vorteile des Hausnotrufes

Ein Hausnotruf bietet für pflegebedürftige Personen eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Steigerung der Sicherheit in den eigenen vier Wänden
  • schnelle Hilfe im Notfall
  • Beitrag zum Erhalt der Selbstständigkeit
  • einfache Technik und Bedienung
  • kein Aufwand für Installation und Wartung
  • fixe Kosten
  • Entlastung der Angehörigen

Funktionsweise des Hausnotrufs

Für den Hausnotruf bieten sich unterschiedliche technische Systeme an. Neben analogen und digitalen Geräten können dies auch GSM-Geräte sein. Die analogen Geräte, die über den klassischen Telefonanschluss laufen, sind bislang noch in der Mehrzahl. Doch sind die GSM-Geräte, bei denen eine Mobilfunkkarte in das Gerät integriert ist und die auch außer Haus funktionieren, deutlich auf dem Vormarsch. Entsprechend der technischen Voraussetzungen arbeiten die Systeme mit verschiedenen Geräten:

  • Klassisches Hausnotrufgerät: Bei diesem ist die Taste z. B. ein Armband, die Basisstation besteht aus einem Mikrofon mit Lautsprecher.
  • Notrufsystem mit Mobilteil: Zusätzlich zur Basisstation gibt es ein Mobilteil, mit dem auch von unterwegs ein Notruf abgesetzt werden kann.
  • Hausnotruf ohne Basisstation: Dieses smarte Armband verfügt selbst über eine Freisprechfunktion, mit der ein Kontakt zur Notrufzentrale oder per App zu Angehörigen hergestellt werden kann.

Das Gerät ist so ausgelegt, dass bestehende Telefonverbindungen im Falle eines Notfalls unterbrochen werden, sodass die Leitung frei für den Notruf ist. Dabei wählt die Station zuvor einprogrammierte Nummern in einer festgelegten Reihenfolge an.

Die Installation durch einen Techniker ist einfach. Dieser schließt das Gerät an, erklärt Ihnen die Funktionen und führt einen Probe-Notruf durch, um die Funktionalität sicherzustellen.

Neigt sich der Akku dem Ende zu, sorgt der Anbieter automatisch für einen Austausch.

Ablauf eines Notrufs

Stürzt eine Person und kann nicht wieder selbstständig aufstehen, kann sie durch das Drücken des Notrufschalters eine Alarmkette auslösen, die Hilfe organisiert.

Der Funkkontakt aktiviert zunächst über die Basisstation eine Verbindung zur Notrufzentrale. Hier sieht ein*e Mitarbeiter*in auf dem Bildschirm die hinterlegten Daten der Person, die den Notruf ausgelöst hat.

Mittels der Freisprecheinrichtung der Basisstation ist eine Gesprächsverbindung möglich. So kann bedarfsgerecht Hilfe organisiert werden. Das erfolgt nach vorheriger Absprache und kann bedeuten, dass Nachbarn, Angehörige oder der Pflegedienst informiert werden oder ein Rettungswagen losgeschickt wird.

Ist die Person, die den Notruf ausgelöst hat, nicht mehr zum Sprechen in der Lage, wird umgehend Hilfe losgeschickt.

 

Mir-geht-es-gut-Taste als Zusatzleistung

Neben diesem aktiven Hilferuf, bei dem die Person im Notfall einen Knopf drücken muss, gibt es zudem die Möglichkeit eines passiven Alarms. Dieser basiert auf dem Prinzip des Totmannmelders: Betätigt die Person nicht regelmäßig eine Taste an der Basisstation (z. B. innerhalb von 24 Stunden), erfolgt eine Kontaktaufnahme. Geht der Mensch dann nicht an sein Telefon, schickt die Notrufzentrale eine*n Mitarbeiter*in vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.

 

Was passiert bei einem Fehlalarm?

Sie brauchen keine Sorge haben, dass mit einem Fehlalarm hohe Kosten verbunden sind oder der Rettungswagen direkt mit Blaulicht vor der Tür steht. Die Anbieter klären die Situation kurz mit Ihnen, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen.

Leistungen des Hausnotrufes

Viele Anbieter unterscheiden die Basisleistung des Hausnotrufes und weitere Komfortleistungen.

Die Basisleistung besteht aus der Bereitstellung des Gerätes und der damit verbundenen permanenten Erreichbarkeit der Notrufzentrale. Ebenfalls im Preis enthalten sind die Bearbeitung der Alarme und damit einhergehend auch die Verständigung der Kontaktpersonen, der Austausch defekter Komponenten und der Akkuwechsel.

Darüber hinaus sind weitere Leistungen zubuchbar, mit denen weitere Kosten verbunden sind. Nicht alle Leistungen sind bei überregionalen Anbietern in jedem Ort verfügbar und sie können unterschiedlich teuer sein, sodass sich ein Vorab-Vergleich lohnt:

  • Aufbewahrung des Hausschlüssels, sodass der Rettungsdienst die Wohnung im Notfall betreten kann.
  • Wohnungsöffnung durch eigenes Fachpersonal, um ein Aufbrechen der Tür zu vermeiden.
  • Öffnen der Wohnung, wenn Sie den Schlüssel verloren haben.
  • Kostenfreier Neuanschluss bei einem Umzug.
  • Das Erkennen von Rauchentwicklung oder Gasaustritt. Hierzu werden zusätzliche Rauchmelder in der Wohnung installiert.
  • Absetzen eines Notrufs, wenn der Bewegungsmelder nicht innerhalb eines Tages gedrückt wurde.
  • Messen der Bewegungsaktivität mittels Sensorik – bleibt eine Aktivität aus, melden sich Mitarbeiter*innen bei der Person.
  • Tägliche Erinnerung an die Medikamenteneinnahme.
  • Anfordern eines Pflegedienstes über den Hausnotruf.
  • Hilfe durch Mitarbeitende, wenn Angehörige als Kontaktpersonen temporär verhindert sind.
  • Bereitstellung eines Notruf-Mobiltelefons.

Kostenbeteiligung der Pflegekasse

Damit sich die Pflegekasse an den monatlichen Kosten beteiligt, ist zunächst ein Antrag erforderlich. Dazu bedarf es eines anerkannten Pflegegrades.

Nach der Bewilligung trägt die Pflegekasse monatlich Kosten in Höhe von 23 Euro. Dafür erhalten Sie das Notrufgerät inklusive der Basisstation und die Sicherheit, dass die Notrufzentrale zu jeder Zeit besetzt ist. Da einige Anbieter bereits für die Grundleistung bis zu 39 Euro monatlich verlangen, ist unter Umständen eine Selbstbeteiligung fällig. Meist ist die Basisversion allerdings durch die 23 Euro abgedeckt, wohingegen die Komfortpakete mit Zusatzkosten verbunden sind.

Für die Installation verlangen Anbieter teilweise Anschluss- und Servicegebühren von bis zu 60 Euro. Die Pflegekasse leistet hier einen einmaligen Beitrag zum Anschluss von maximal 10,49 Euro.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

13 04, 2021

Pflegegrad 5

2021-04-19T09:12:13+02:00April 13th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegegrad 5

Pflegegrad 5 bedeutet „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“. Damit einher geht ein erheblicher Zeitaufwand für die Pflege, da die pflegebedürftige Person nicht nur Unterstützung bei vielen Alltagshandlungen, sondern oft auch im psychosozialen Bereich benötigt. Aufgrund dieses hohen Anspruchs fallen die Leistungen für einen anerkannten Pflegegrad 5 auch besonders umfangreich aus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Voraussetzung, um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, ist ein anerkannter Pflegegrad. Diesen ermittelt der MDK bzw. der MEDICPROOF auf Antrag bei der Pflegekasse.
  • Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 5 sind oft bettlägerig und/oder haben mehrmals in der Nacht Pflegebedarf. Die Pflege muss rund um die Uhr gewährleistet sein, sodass der Pflegebedarf im Pflegegrad 5 besonders hoch ausfällt.
  • Übernehmen Angehörige die Pflege einer Person mit Pflegegrad 5 stehen zahlreiche Leistungsangebote der Pflegekasse zur Entlastung zur Verfügung. Im Falle der Einschränkung der eigenen Erwerbstätigkeit besteht zudem die Möglichkeit auf weitere finanzielle Mittel der Pflegekasse.

Was bedeutet Pflegegrad 5?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff definiert gemäß § 14 SGB XI Personen als pflegebedürftig, die „gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“. Dieser Zustand muss dabei von Dauer sein, d. h., mehr als sechs Monate anhalten.

Pflegegrad 5 stellt die höchste Stufe der möglichen Pflegegrade dar und bedeutet die „schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung“. Das heißt für gewöhnlich, dass Menschen rund um die Uhr auf die Pflege angewiesen sind. Viele Alltagshandlungen wie die Körperpflege oder die Nahrungsaufnahme sind im Pflegegrad 5 nicht ohne Hilfestellung möglich. Hinzu kommt meist noch eine psychosoziale Unterstützung, da auch kognitive Aktivitäten eingeschränkt sind.

Die Anerkennung von Pflegegrad 5 erfolgt über die Begutachtung des MDK bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten, wobei im Rahmen des Begutachtungsassessments zwischen 90 und 100 Punkte erreicht werden müssen.

Ermittlung des Pflegegrades durch den MDK

Bevor Sie oder Ihre Angehörigen Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen können, bedarf es einer Anerkennung des Pflegegrades durch den MDK (bei Privatversicherten durch MEDICPROOF). Bei einer Einstufung in Pflegegrad 5 ist eine Person möglicherweise schon seit geraumer Zeit pflegebedürftig, sodass die Anerkennung des Pflegegrades 5 erst bei einer Verschlechterung des Zustandes erfolgt.

 

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Die Antragstellung erfolgt formlos entweder schriftlich oder telefonisch bei der Pflegekasse. Dabei stellen Sie keinen Antrag auf einen bestimmten Pflegegrad, sondern lediglich auf einen Begutachtungstermin. Auch ist es nicht nötig, dass die pflegebedürftige Person den Antrag selbst stellt. Jede bevollmächtigte Person kann das übernehmen. Das gilt auch für den Fall, dass Sie aufgrund der Verschlechterung des körperlichen oder geistigen Zustandes einer bereits pflegebedürftigen Person eine Neueinstufung wünschen.

Die Pflegekasse beauftragt auf Ihren Antrag hin den MDK, der sich dann zu einer Terminvereinbarung bei Ihnen meldet.

Der Begutachtungstermin findet anschließend im Wohnumfeld der pflegebedürftigen Person statt. Da die Pflege bei Pflegegrad 5 nicht selten vollstationär erfolgt, kann dies neben der eigenen Wohnung auch die Pflegeeinrichtung sein.

Der oder die Gutachter*in bewertet nun anhand eines Kriterienkatalogs die Fähigkeit, verschiedene Tätigkeiten durchzuführen. Dazu werden jeweils Punkte zwischen 0 (vollkommene Selbstständigkeit) und 4 (Tätigkeit muss weitgehend durch die Pflegeperson erfolgen) vergeben und am Ende summiert.

Auf der Basis dieser Punkte spricht der MDK eine Empfehlung an die Pflegekasse aus, die dieser in der Regel auch folgt und einen Pflegegrad vergibt. Über diese Entscheidung werden Sie in der Regel spätestens 25 Tage nach Antragstellung informiert.

Sind Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Widerspruchsrecht.

 

Bewertungskriterien und Punktevergabe

Für die Begutachtung steht dem oder der Gutachter*in ein festgelegter Kriterienkatalog zur Verfügung. Die Bewertung einzelner Sachverhalte erfolgt in sechs Kategorien, deren summierte Punkte jeweils mit einer bestimmten Gewichtung in das Gesamtergebnis einfließen. Am Ende ergibt sich eine Gesamtpunktzahl. Liegt diese zwischen 90 und 100 von 100 möglichen Punkten, erfolgt eine Einstufung in Pflegegrad 5.

MobilitätIst die betroffene Person noch in der Lage, selbstständig einen Orts- oder Positionswechsel durchzuführen?10 %
Kognitive und kommunikative FähigkeitenBeeinträchtigung der zeitlichen und örtlichen Orientierung? Können noch selbstständig Entscheidungen getroffen und kommuniziert werden?7,5 %
Verhaltensweisen und psychische ProblemlagenReagiert die pflegebedürftige Person abwehrend auf pflegerische oder andere unterstützende Maßnahmen?7,5 %
SelbstversorgungNimmt die Person körperliche und psychische Bedürfnisse ausreichend wahr?40 %
Bewältigung krankheits- und therapiebedingter BelastungenWird Unterstützung, z. B. bei der Medikamenteneinnahme, benötigt?20 %
Alltagsleben und soziale KontakteWie erfolgt die Gestaltung des Alltags und kann dieser auch an Unvorhergesehenes angepasst werden?15 %

 

Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Da die Höhe der Leistungen von der Einschätzung des oder der Gutachter*in abhängt, ist es wichtig, bei diesem Termin einen möglichst realistischen Eindruck des Tagesablaufs zu vermitteln.

  • Bei Personen, bei denen Pflegegrad 5 in Betracht kommt, stellt sich die Frage in der Regel nicht, ob eine weitere Person bei diesem Termin anwesend ist, da diese ohnehin dauerhaft zugegen ist. Das kann eine angehörige oder professionelle Pflegeperson sein.
  • Halten Sie ärztliche Gutachten, Diagnosen und andere Nachweise bereit, die einen Eindruck des Hilfebedarfs vermitteln.
  • Beschönigen Sie nichts, sondern benennen Sie besondere Herausforderungen auch als solche. Hilfsreich kann in diesem Zusammenhang ein Pflegetagebuch sein, in dem Sie einzelne Maßnahmen und den dafür nötigen Zeitbedarf dokumentieren.

Besondere Bedarfskonstellation gemäß § 15 Abs. 4 SGB XI

Eine Besonderheit bei der Einstufung in Pflegegrad 5 ergibt sich für Personen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen. Gemäß des Begutachtungsinstruments können Menschen, deren kognitive Fähigkeiten nicht eingeschränkt sind, den Pflegegrad 5 nicht erreichen. Schließlich beziehen sich die Kategorien 2, 3 und 6 auf die Bewertung einer potenziellen Beeinträchtigung in diesem Bereich.

Absatz 4 des § 15 SGB XI verweist auf die Definition des Spitzenverbands Bund der Pflegekassen (GKV), der die Gebrauchsunfähigkeit von Armen und Beinen als besondere Bedarfskonstellation beschreibt. Gemeint ist damit z. B. der Verlust der Greif- und Gehfunktion – auch, wenn noch eine minimale Restbeweglichkeit gegeben ist.

In diesem Fall erfolgt keine Bewertung anhand der Kategorien, sondern direkt eine Einstufung in Pflegegrad 5.

Leistungen im Pflegegrad 5

Die Leistungen der Pflegekasse unterscheiden sich bei den Pflegegraden 2 bis 5 im Wesentlichen durch die Höhe der Leistungen, da mit zunehmendem Pflegegrad auch der zeitliche Aufwand für die Pflege und die potenzielle Be- und Überlastung pflegender Angehöriger steigen, sodass die Entlastungsoptionen umfangreicher ausfallen.

 

Pflegegeld – finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger

Das Pflegegeld ist eine Geldleistung der Pflegekasse, die direkt an die pflegebedürftige Person ausgezahlt wird, wenn diese die Pflege selbst sicherstellt. In der Regel erfolgt diese dann durch Angehörige, die das Pflegegeld als finanzielle Anerkennung erhalten. Im Pflegegrad 5 beträgt die monatliche Leistung 901 Euro.

Das Pflegegeld reduziert sich bei der Inanspruchnahme von Sachleistungen anteilig prozentual. Bei der temporären Nutzung von Kurzzeit- oder Verhinderungspflege verringert sich das Pflegegeld zudem auf die Hälfte.

 

Pflegesachleistungen – Pflege durch professionelle Pflegedienste

Angehörige schaffen es nur selten, Personen mit Pflegegrad 5 rund um die Uhr zu betreuen. Dementsprechend häufig ist die Nutzung eines ambulanten Pflegedienstes, der einen Teil der Pflegetätigkeiten übernimmt. Diese Leistungen rechnet der Pflegedienst direkt mit der Pflegekasse ab, wobei Sie monatlich Leistungen für maximal 1.995 Euro nutzen können.

 

Kombinationsleistungen zur weiteren Entlastung pflegender Angehöriger

Schöpfen Sie hier nicht den vollen Betrag aus, besteht die Möglichkeit, den prozentual nicht genutzten Anteil der Sachleistungen auf das Pflegegeld zu übertragen und zusätzlich zu den Sachleistungen eine Geldleistung zu erhalten.

Eine weitere Möglichkeit der ungenutzten Pflegesachleistung ist die Umwandlung in geldwerte Betreuungsleistungen, die Sie beispielsweise zur Beschäftigung einer Alltagsbegleitung oder einer Haushaltshilfe nutzen können. Der maximale Anteil liegt hier bei 40 Prozent der Sachleistungen, d. h. 798 Euro in Pflegegrad 5.

 

Entlastungsbetrag – unabhängig vom Pflegegrad

Der Entlastungsbetrag steht Personen aller anerkannten Pflegegrade gleichermaßen in voller Höhe zu, monatlich 125 Euro. Diese Summe können Sie beispielsweise für eine Alltagsbegleitung oder Angebote nutzen, die der Aktivierung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten dienen.

Die Erstattung des Entlastungsbetrags erfolgt aufwandsabhängig. Dabei müssen Sie die Summe nicht monatlich anfordern, um davon zu profitieren, sondern können diese auch rückwirkend bis zum Ende des ersten Kalenderhalbjahres im Folgejahr für das vergangene Jahr abrufen.

 

Tages- und Nachtpflege – Entlastung im Alltag

Mit Pflegegrad 5 geht eine außerordentliche Belastung für pflegende Angehörige einher, da die pflegebedürftige Person meist nicht nur tagsüber, sondern auch nachts gepflegt werden muss. Um Angehörige dabei zu entlasten, besteht die Möglichkeit der teilstationären Versorgung der Person. Die Pflegekasse trägt hier die Pflegekosten von maximal 1.995 Euro, die auch die Fahrtkosten für das Abholen und Bringen der pflegebedürftigen Person umfassen.

 

Kurzzeitpflege – besonderer Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt

Nach einem Krankenhausaufenthalt kann sich ein außergewöhnlicher Pflegebedarf ergeben, der Pflegepersonen vor besondere Herausforderungen stellt. Um diese zu entlasten, besteht die Möglichkeit der Kurzzeitpflege. Hier stehen für maximal 28 Kalendertage 1.612 Euro zur Verfügung. Machen Sie Ihren Anspruch auf Verhinderungspflege nicht geltend, ist es möglich, den vollen Betrag auf die Kurzzeitpflege zu übertragen. So stehen Ihnen jährlich bis zu 3.224 Euro zu.

Das Pflegegeld verringert sich in der Zeit der Kurzzeitpflege auf die Hälfte, d. h. 450,50 Euro.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege – bei temporärer Abwesenheit der Pflegeperson

Die Ersatz- und Verhinderungspflege dient vor allem der Entlastung pflegender Angehöriger. Sind diese aufgrund von Krankheit oder eines Urlaubs für einen Zeitraum bis zu 42 Tagen im Jahr verhindert, übernimmt die Pflegekasse die Pflegekosten in Höhe von maximal 1.612 Euro. Dabei muss es sich keineswegs um volle Tage handeln, auch bei einer stundenweisen Abwesenheit der Pflegeperson ist die Verhinderungspflege möglich.

Zusätzlich aufstocken lässt sich die Summe durch die Hälfte der Ansprüche aus der Kurzzeitpflege, wenn diese ungenutzt bleiben, sodass Sie an höchstens 56 Tagen für insgesamt 2.418 Euro im Jahr Angebote der Verhinderungspflege nutzen können.

Das Pflegegeld verringert sich in der Zeit der Verhinderungspflege auf die Hälfte. Übernehmen andere Angehörige die Pflegetätigkeit in dieser Zeit, steht ihnen maximal das 1,5-Fache des Pflegegeldes zu, d. h. 1.351,50 Euro.

 

Pflegegrad 5 in der stationären Pflege

Die Bedeutung des Vorzugs der häuslichen Pflege wird durch die umfassenden finanziellen Leistungen deutlich, die Angehörigen zustehen. So liegt die monatliche Summe für die Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung mit 2.005 Euro nur knapp über den Sachleistungen.

Zu beachten ist hier vor allem, dass die Pflegekasse dabei nur die reinen Pflegekosten trägt. Hinzu kommen stets weitere Kosten für die Unterbringung und Verpflegung sowie die sogenannten Investitionskosten, die allesamt durch die versicherte Person selbst getragen werden müssen.

Es gibt außerdem den sogenannten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, der unabhängig vom Pflegegrad getragen werden muss. Dieser unterscheidet sich von Einrichtung zu Einrichtung, liegt im bundesweiten Durchschnitt jedoch bei 580 Euro monatlich.

 

Wohngruppenzuschlag

Zur Organisation der gemeinsamen Pflege haben Menschen, die in Wohngruppen leben, einen Anspruch auf monatlich 214 Euro. Damit können die Mitglieder einer Wohngruppe z. B. eine Person beschäftigen, die Unterstützung im Haushalt und beim Einkaufen leistet.

Bei der Neugründung einer Wohngruppe haben zudem bis zu vier Personen die Aussicht auf eine Anschubfinanzierung in Höhe von maximal 2.500 Euro je Person.

 

Zuschuss für Wohnraumanpassung

Die erstmalige Anpassung des Wohnumfelds zugunsten der Barrierefreiheit fördert die Pflegekasse mit bis zu 4.000 Euro je Gesamtmaßnahme. Verschlechtert sich der Zustand der pflegebedürftigen Person und ist z. B. ein nochmaliger Umbau nötig, um aufgrund einer Bettlägerigkeit ein Pflegebett unterzubringen, besteht die Option zur Förderung einer weiteren Maßnahme.

In Wohngruppen liegt die maximale Fördersumme bei 16.000 Euro, wenn mindestens vier Personen mit einem anerkannten Pflegegrad ab 2 in der Wohnung leben.

 

Kosten für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel, die wie im Falle von Einmalhandschuhen, Betteinlagen oder auch Desinfektionsmitteln zum Verbrauch bestimmt sind, übernimmt die Pflegekasse bis zu maximal 40 Euro monatlich. Die Abrechnung erfolgt dabei entweder direkt mit der Pflegekasse durch das Nachweisen mittels Belegen oder über einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke oder einem Sanitätshaus.

 

Pflegeberatung und Pflegekurse

Pflegende Angehörige haben einen Anspruch auf kostenlose Pflegekurse. Diese finden im häuslichen Umfeld statt und bieten so die Möglichkeit, auf individuelle Fragen und Probleme bei der Pflege Angehöriger einzugehen. Wie auch die obligatorischen Pflegeberatungen, die pflegende Angehörige zweimal jährlich nutzen müssen, sofern kein professioneller Pflegedienst ins Haus kommt, tragen sie zu einer Verbesserung der Pflegequalität bei.

 

Leistungen des Pflegegrads 5 im Überblick

LeistungHöhe der LeistungHäufigkeit der Leistung
Pflegegeld901 €monatlich
Pflegesachleistung1.995 €monatlich
Entlastungsbetrag125 €monatlich
Kurzzeitpflege1.612 €jährlich
Verhinderungspflege1.612 €jährlich
Tages- und Nachtpflege1.995 €monatlich
vollstationäre Pflege2.005 €monatlich
Wohnraumpassung4.000 €je Maßnahme
Wohngruppenzuschlag214 €monatlich
Pflegehilfsmittel40 €monatlich
Hausnotruf23 €monatlich

Finanzielle Entlastung für pflegende Angehörige

 

Pflegen Angehörige eine Person mit Pflegegrad 5 bedeutet dies in der Regel einen erheblichen Zeitaufwand. Dieser ist oft nur zu bewältigen, wenn die eigene Erwerbstätigkeit reduziert oder zeitweise sogar ganz aufgegeben wird.

 

Übernahme der Rentenversicherungsbeiträge

Damit pflegende Angehörige hier keinerlei Nachteile erfahren, leistet die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen die Beiträge für die Rentenversicherung.

  • Die Pflege darf nicht erwerbsmäßig erfolgen und findet in der häuslichen Umgebung statt.
  • Sie pflegen mindestens eine Person mit Pflegegrad 2 oder höher für mindestens 10 Stunden an wenigstens zwei Tagen wöchentlich.
  • Die eigene Erwerbstätigkeit liegt bei 30 Stunden oder weniger.
  • Die Pflege ist durch den MDK als notwendig anerkannt.

Die Höhe der Rentenbeträge hängt von Zeitaufwand, Pflegegrad und dem Ort der Pflege ab und liegt für Pflegegrad 5 etwa bei folgenden Beträgen:

Pflegegradbezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
5Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
30,90 EUR
26,27 EUR
21,63 EUR
29,48 EUR
25,06 EUR
20,63 EUR

 

Nutzung der Pflegezeit

Pflegen Angehörige eine Person im häuslichen Umfeld, steht ihnen ein Anspruch auf partielle oder auch vollständige Freistellung von der Erwerbstätigkeit zu. Die Dauer ist begrenzt und gilt auch nur für Betriebe ab einer Größe von 15 Angestellten. Dabei ist eine Kombination mit der Familienpflegezeit möglich, sodass eine maximale Gesamtdauer von 24 Monaten erreicht werden kann.

 

Pflegeunterstützungsgeld bei kurzzeitiger Arbeitsverhinderung

Können Angehörige ihrer Erwerbstätigkeit aufgrund einer akuten Pflegesituation nicht nachkommen, besteht das Recht, dem Arbeitsplatz für bis zu zehn Tage fernzubleiben, um die Pflege zu organisieren. Als Ausgleich für das in dieser Zeit entgangene Arbeitsentgelt können Sie Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse beantragen.

 

Steuerliche Vergünstigungen

Was für die pflegebedürftigen Personen der Pauschbetrag ist, ist für pflegende Angehörige der Pflege-Pauschbetrag, der die Steuerlast pauschal als außergewöhnliche Belastung verringert. Dieser liegt für den Pflegegrad 5 seit Januar 2021 bei 1.800 Euro. Liegen Ihre tatsächlichen Ausgaben darüber, lohnt es sich, stattdessen die tatsächlichen Belege einzureichen.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

12 04, 2021

Pflegegrad 3

2021-04-19T09:08:46+02:00April 12th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegegrad 3

Die Einstufung der Pflegegrade erfolgt durch den MDK. Bei einem Pflegegrad 3 liegt eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vor, wodurch sich ein vergleichsweise hoher Pflegebedarf ergibt. Um hier die optimale Versorgung zu gewährleisten und Angehörige bei der Pflege bestmöglich zu entlasten, gibt es ein umfangreiches Leistungsangebot der Pflegekassen, das sich an der Schwere der Beeinträchtigungen orientiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Einstufung in den Pflegegrad erfolgt auf Antrag bei der Pflegekasse. Der MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) nimmt daraufhin eine Begutachtung vor, aus der eine Empfehlung für die Pflegebedürftigkeit an die zuständige Pflegekasse resultiert.
  • Die Leistungen der Pflegekasse richten sich nach dem Pflegegrad, d. h. für Pflegegrad 3 stehen Ihnen andere Leistungen zu als bei Pflegegrad 2, 4 oder 5.
  • Bei der Pflege durch Angehörige haben Sie zunächst Anspruch auf das Pflegegeld sowie weitere Ergänzungsleistungen. Erfolgen die Pflegetätigkeiten durch einen professionellen Pflegedienst, rechnet die Pflegekasse diese als Sachleistungen ab.

Was bedeutet Pflegegrad 3?

Die Pflegebedürftigkeit an sich ergibt sich aus der Definition gemäß § 14 SGB XI, wenn Personen

gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.

Pflegegrad 3 geht mit einer „schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ einher. Ob diese gegeben ist, entscheidet der MDK im Rahmen seines Begutachtungsverfahrens.

Bei der Umwandlung der Pflegestufen 2017 wurden neben neuen Antragstellern Demenzerkrankte, die der Pflegestufe 1 zugeordnet waren, sowie Pflegebedürftige aus der Stufe 2 direkt in Pflegegrad 3 übernommen.

Antragstellung beim MDK

Um überhaupt einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse zu haben, muss zunächst die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgen. Die Grundlage bildet hier eine Begutachtung, die der MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) im Auftrag der Pflegekasse vornimmt.

Um einen Termin zu erhalten, stellen Sie einen telefonischen oder schriftlichen Antrag bei der Pflegekasse. Der oder die Gutachterin bewertet dann die Pflegebedürftigkeit anhand von sechs verschiedenen Kategorien im häuslichen Umfeld der betroffenen Person.

Da die Höhe der Leistungen maßgeblich vom Pflegegrad abhängt, ist es sinnvoll, sich gründlich auf diesen Termin vorzubereiten.

 

Einstufung durch den MDK nach Punkten

Der MDK vergibt bei der Begutachtung gemäß § 15 SGB XI maximal 100 Punkte. Die Einstufung in den Pflegegrad 3 erfolgt bei einer Punktezahl zwischen 47,5 und 70 Punkten. Diese ermittelt der MDK in sechs verschiedenen Kategorien, die prozentual unterschiedlich in die Gesamtpunktzahl einfließen:

Mobilität10 %
kognitive und kommunikative Fähigkeiten7,5 %
Verhaltensweisen und psychische Problemlagen7,5 %
Selbstversorgung40 %
Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen20 %
Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakt15 %


Von den Kriterien 2 und 3 wird allerdings nur die Kategorie mit der höheren Punktzahl bei der Ermittlung der Gesamtpunktzahl gewertet.

 

Vorbereitung auf den Begutachtungstermin

Da Sie keinen gezielten Antrag auf einen Pflegegrad stellen, ist es wichtig, die Alltagssituation detailliert wiederzugeben und potenzielle Herausforderungen als solche zu benennen. Hierzu halten Sie alle ärztlichen Gutachten und Befunde bereit. Zudem ist es hilfreich, ein Pflegetagebuch zu führen, in dem Sie neben den erforderlichen Pflegemaßnahmen auch den zeitlichen Aufwand festhalten.

Entspricht die Einstufung letztlich nicht Ihren Vorstellungen, haben Sie nach Erhalt des Bescheids vier Wochen Zeit für einen Widerspruch.

Leistungen im Pflegegrad 3

Die vielfältigen Leistungen der Pflegekasse unterscheiden sich in den Pflegegraden 2 bis 5 nicht hinsichtlich der Art, wohl aber in ihrer Höhe.

 

Pflegegeld – Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige

Das Pflegegeld wird durch die Pflegekasse direkt an die versicherte Person ausgezahlt, die frei über die Summe verfügen kann. In der Regel gibt diese das Geld an pflegende Angehörige als eine Aufwandsentschädigung weiter. Bei einem Pflegegrad 3 liegt die Summe hier bei 545 Euro monatlich.

 

Pflegesachleistungen

Pflegesachleistungen werden durch professionelle ambulante Pflegedienste ausgeführt. Diese rechnen ihre Kosten direkt mit der Pflegekasse ab. Der monatliche Maximalbetrag, den die Pflegekasse hier für einen Pflegegrad 3 trägt, beläuft sich auf 1.298 Euro.

Nicht genutzte Pflegesachleistungen können Sie entweder über den Umwandlungsanspruch für Betreuungsleistungen nutzen oder damit das Pflegegeld prozentual anteilig aufstocken.

 

Umwandlungsanspruch – mehr Geld für Betreuungsleistungen

Nutzen Sie die Pflegesachleistungen monatlich nicht vollständig aus, besteht die Möglichkeit, bis zu 40 Prozent der Leistung, d. h. maximal 519,20 Euro monatlich, für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu nutzen. Damit können vor allem auch pflegende Angehörige zusätzlich entlastet werden.

 

Kombinationsleistungen – optimale Nutzung von Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Grundsätzlich stehen Versicherten entweder Pflegegeld oder Pflegesachleistungen zu. Das Pflegegeld verringert sich dabei jeweils prozentual anteilig um die genutzten Sachleistungen.

Nutzen Sie beispielsweise monatlich 65 Prozent der Pflegesachleistungen für einen ambulanten Pflegedienst, erhalten Sie noch 35 Prozent des Pflegegeldes. Dieser Betrag kann monatlich feststehen oder immer wieder aufs Neue nach Bedarf ermittelt werden, sodass die Pflegekasse Ihnen automatisch den Restbetrag des Pflegegeldes überweist.

 

Entlastungsbetrag – finanzielle Unterstützung bei Haushaltshilfen & Co.

Der Entlastungsbetrag ist eine Leistung, die die Pflegekasse unabhängig vom Pflegegrad monatlich in Höhe von 125 Euro aufwandsbezogen für unterstützende Pflegetätigkeiten bereitstellt, um zum einen pflegende Angehörige zu entlasten, zum anderen die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person zu erhalten oder zu fördern. Sie können den Betrag nutzen für:

  • Einkaufs- oder Haushaltshilfen
  • Hilfe bei Behördengängen oder Arztterminen
  • Begleitung bei Spaziergängen oder sozialen Kontakten
  • Kosten für Institutionen, die das Training geistiger oder körperlicher Tätigkeiten fördern

Möglich ist auch eine Finanzierung des Eigenanteils bei der Tages- oder Nachtpflege oder der Verhinderungspflege über den Entlastungsbetrag.

Den Entlastungsbetrag brauchen Sie nicht monatlich in Anspruch zu nehmen, sondern können die Leistungen auch rückwirkend bis zum Ende des ersten Halbjahres des Folgejahres beantragen.

 

Kurzzeitpflege – nach Klinikaufenthalten

Die Kurzzeitpflege richtet sich an Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad 3, bei denen der Pflegebedarf z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt gegeben ist. Der jährliche Zuschuss ist hier auf 1.612 Euro und maximal 28 Kalendertage begrenzt.

Die Leistungen für die Kurzzeitpflege können Sie aufstocken, indem Sie ungenutzte Leistungen der Verhinderungspflege für die Kurzzeitpflege nutzen. So lässt sich die maximale Summe auf bis zu 3.224 Euro für maximal 56 Tage im Jahr erhöhen.

Das Pflegegeld der Versicherten reduziert sich in der Zeit der Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege auf die Hälfte.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege – bei temporärer Abwesenheit

Die Ersatz- und Verhinderungspflege dient im Wesentlichen der Vertretung pflegender Angehöriger, wenn diese beispielsweise aufgrund eines Urlaubs temporär verhindert sind und ein ambulanter Pflegedienst die Pflegetätigkeiten übernimmt. Die Pflegekasse leistet hier einen Zuschuss von maximal 1.612 Euro an 28 Kalendertagen jährlich.

Haben Sie keinerlei Leistungen aus der Kurzzeitpflege genutzt, lässt sich diese zu 50 Prozent auf die Verhinderungspflege übertragen, sodass der Anspruch auf maximal 2.418 Euro an 42 Kalendertagen jährlich steigt.

Wie auch bei der Kurzzeitpflege reduziert sich der Anspruch auf das Pflegegeld in der Zeit der Verhinderungspflege auf die Hälfte.

Führt eine oder ein Angehörige*r die Verhinderungspflege anstelle eines professionellen Pflegedienstes aus, steht diesem oder dieser maximal das 1,5-Fache des Pflegegeldes, d. h. 817,50 Euro im Pflegegrad 3, zu.

 

Tages- und Nachtpflege – ideal für Demenzerkrankte

Vor allem Demenzkranke benötigen eine durchgehende Betreuung. Angehörige können diese z. B. aus beruflichen Gründen nicht immer leisten. Auch das unruhige Schlafverhalten von Menschen mit Demenz kann zu einer erheblichen Belastung führen, die pflegende Angehörige zusätzlich fordert und überfordert.

Hier greift die Tages- oder Nachtpflege, die Pflegebedürftigen einen Aufenthaltsort mit gemeinsamen Aktivitäten und Mahlzeiten bzw. nächtliche Betreuung bietet. Die Pflegekasse trägt die Kosten von bis zu 1.298 Euro je Monat. Inklusive sind auch die Fahrtkosten für das Abholen und Bringen der pflegebedürftigen Person. Verpflegungs- und Unterbringungskosten hingegen müssen durch den oder die Versicherte*n selbst getragen werden.

 

Zuschuss für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind

Als Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, gelten beispielsweise Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder auch Desinfektionsmittel. Während medizinisch notwendige Hilfsmittel wie Rollatoren über eine ärztliche Verordnung mit der Krankenkasse abgerechnet werden, bezuschusst die Pflegekasse die Verbrauchsmittel mit bis zu 40 Euro monatlich.

Die Abrechnung erfolgt entweder über das Einreichen von Rechnungen oder einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke. Diese kann die Leistungen dann direkt mit der Pflegekasse abrechnen.

 

Wohnraumanpassung – finanzielle Förderung der Barrierefreiheit im Wohnumfeld

Um den möglichst langen Verbleib im häuslichen Wohnumfeld zu gewährleisten, unterstützt die Pflegekasse bauliche Maßnahmen, die zur Barrierefreiheit beitragen, mit bis zu 4.000 Euro je Maßnahmenpaket.

Das bedeutet nicht, dass beliebig viele Umbauten jeweils mit 4.000 Euro bezuschusst werden. Verschlechtert sich die Situation der pflegebedürftigen Person allerdings, sodass weitere Umbauten erforderlich sind, kann eine weitere Finanzierung erfolgen.

 

Pflegegrad 3 in der vollstationären Pflege

Die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 3 geht nicht selten mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand einher. Nicht immer gibt es Angehörige, die diesen leisten können oder wollen, sodass mit Eintreten der Pflegebedürftigkeit der Umzug in ein Pflegeheim ansteht. Die Pflegekasse trägt hier die monatlichen Pflegekosten von maximal 1.262 Euro.

Daneben gibt es einen einrichtungseinheitlichen Eigenanteil, der für alle Bewohner*innen einer Einrichtung in gleicher Höhe anfällt. Im bundesweiten Durchschnitt liegt dieser bei rund 580 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und anteilige Investitionskosten. Die Höhe des Gesamteigenanteils, der von den Versicherten aus eigener Tasche getragen werden muss, variiert durchaus stark von Einrichtung zu Einrichtung , meist übersteigt er jedoch 1.500 Euro.

 

Wohngruppenzuschuss – gemeinsame Organisation von Pflegeleistungen

Eine Alternative zum Einzug in das Pflegeheim kann der Umzug in eine Wohngruppe sein. Als vorteilhaft erweist sich hier die Möglichkeit einer gemeinsam organisierten Pflege. Um diese finanziell zu sichern, stehen Mitgliedern von Wohngruppen monatlich 214 Euro zur Beschäftigung einer Organisationskraft zu.

Die Pflegekasse unterstützt notwendige Umbauten, die der Barrierefreiheit dienen, darüber hinaus mit maximal 16.000 Euro, d. h. für höchstens vier Bewohner*innen mit einem anerkannten Pflegegrad ab 2. Hinzu kommt unter Umständen ein einmaliger Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 Euro, d. h. maximal 10.000 Euro je Wohngruppe.

 

Betrieb des Hausnotrufes – Steigerung der Sicherheit

Auch bei der Pflege durch Angehörige ist die permanente Aufsicht der pflegebedürftigen Person nicht gegeben. Schnell kann ein Sturz schlimme Folgen haben. Um das Risiko hier zu verringern, empfiehlt sich die Installation eines Hausnotrufsystems, durch das im Notfall ein Rettungsdienst zu Hilfe eilen kann. Die Pflegekasse trägt neben einem einmaligen Zuschuss von 10,49 Euro zur Installation die monatlichen Betriebskosten in Höhe von bis zu 23 Euro mit.

 

Beratung und Pflegekurse für Angehörige und Pflegebedürftige

Pflegen ausschließlich Angehörige eine Person, ist die Beratung durch eine professionelle Pflegekraft zweimal jährlich verpflichtend. Wer diese Termine versäumt, läuft Gefahr, dass die Leistungen gekürzt werden. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst ins Haus, erfolgt die Beratung auf freiwilliger Basis. Das Ziel ist stets, die optimale Pflegequalität sicherzustellen.

Doch auch die pflegebedürftigen Personen selbst können Beratungsangebote, etwa zum barrierefreien Umbau der Wohnung, nutzen.

Ein drittes kostenloses Angebot sind Pflegekurse, in denen Angehörige Tipps zur richtigen Pflege und Versorgung erhalten. Die Schulung erfolgt jeweils praxisnah im häuslichen Umfeld anhand der individuellen Pflegesituation.

Leistungen Pflegegrad 3 im Überblick

Leistung Höhe der Leistung Häufigkeit der Zahlung
Pflegegeld 545 € monatlich
Pflegesachleistungen 1.298 € monatlich
Entlastungsbetrag 125 € monatlich oder rückwirkend bis zum Ende des 1. Halbjahres des Folgejahres für das vergangene Jahr
Tages- und Nachtpflege 1.298 € monatlich
Kurzzeitpflege 1.612 € jährlich
Ersatz- und Verhinderungspflege 1.612 € jährlich
vollstationäre Pflege 1.262 € monatlich
Pflegehilfsmittel 40 € monatlich
Hausnotruf 23 € monatlich zzgl. einmaliger Pauschale zur Einrichtung
Wohnraumanpassung 4.000 € je Maßnahme
Wohngruppenzuschuss 214 € monatlich

Weitere Entlastung pflegender Angehöriger

Die Pflege Angehöriger geht bei steigendem Pflegegrad auch mit einer zunehmenden Belastung einher. Das Leistungsangebot der Pflegekassen soll hier zur Entlastung beitragen. Darüber hinaus stehen Ihnen weitere Möglichkeiten zur Verfügung, um auch finanzielle Einbußen, die sich beispielsweise aus einer eingeschränkten Erwerbstätigkeit ergeben, abzufedern.

 

Steuerliche Berücksichtigung der Pflegetätigkeit

Für die Pflege steht Ihnen unter bestimmten Voraussetzungen ein Pflege-Pauschbetrag zu. Dieser dient vor allem dazu, die nicht zu beziffernden Aufwendungen für die Pflege abzudecken. Für den Pflegegrad 3 liegt dieser seit Januar 2021 bei 1.100 Euro.

Liegen die Ausgaben darüber, lässt sich die Pflege Angehöriger durch das Einreichen von Belegen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen. Entscheidend ist dabei, dass ein Nachweis über die entstandenen Kosten vorliegt.

Haushaltsnahe Dienstleistungen, die zur weiteren Entlastung beitragen, können Sie ebenfalls in Höhe von 20 Prozent der tatsächlich entstandenen Kosten bis zu einem Maximalbetrag von 4.000 Euro jährlich von der Steuer abziehen.

Anrechnung der Pflegezeit auf die Rente

Wer in der Vergangenheit die eigene berufliche Tätigkeit eingeschränkt hatte, um Angehörige zu pflegen, nahm Einbußen beim Rentenerwerb in Kauf. Um das zu kompensieren, hat der Gesetzgeber mittlerweile festgelegt, dass die nicht erwerbsmäßige Pflege Angehöriger, die einen Umfang von 10 Stunden an mindestens zwei Tagen in der Woche übersteigt und mit einer Erwerbstätigkeit von maximal 30 Stunden einhergeht, auf die Rente angerechnet werden kann.

Pflegegradbezogene LeistungRentenzahlbetrag West/MonatRentenzahlbetrag Ost/Monat
3Pflegegeld
Kombinationsleistung
Sachleistung
13,29 €
11,29 €
9,30 €
12,68 €
10,77 €
8,87 €

Quelle: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Familie-und-Kinder/Angehoerige-pflegen/angehoerige-pflegen.html

Hinzu kommt eine teilweise Übernahme der Sozialversicherungsbeiträge unter bestimmten Voraussetzungen.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Weitere Informationen rund um die Pflege auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege.html

Eine erste Berechnung der möglichen Pflegeleistungen erfolgt über den Pflegeleistungsrechner: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer.html

Mehr zur Antragstellung für die Einstufung in einen Pflegegrad inklusive Checkliste zur Vorbereitung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html

Eine Broschüre der Deutschen Rentenversicherung zur Rente für Pflegepersonen: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/national/rente_fuer_pflegepersonen.pdf?__blob=publicationFile&v=5

Die Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit im SGB XI: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

8 04, 2021

Pflegegrad 2

2021-04-19T09:09:24+02:00April 8th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegegrad 2

Nach der Einstufung in Pflegegrad 2 sind umfangreiche finanzielle Mittel verfügbar, die Sie als angehörige Pflegeperson bei der häuslichen Pflege unterstützen und maßgeblich entlasten. Die vielseitigen Leistungen lassen sich teilweise miteinander kombinieren und gegeneinander aufrechnen, wodurch Sie individuelle Leistungspakete entsprechend des individuellen Bedarfs nutzen und so die optimale Pflege sicherstellen können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Pflegekasse bietet ein breites Leistungsspektrum für Angebote ambulanter Pflegedienste sowie auch für die (teil-)stationäre Unterbringung. Neben der häuslichen Pflege werden bei der finanziellen Unterstützung zudem Wohngemeinschaften in besonderem Maße berücksichtigt.
  • Um Leistungen zu beziehen, muss ein Pflegegrad anerkannt sein. Diesen ermittelt der MDK auf Antrag bei einer Begutachtung der pflegebedürftigen Person im häuslichen Umfeld.
  • Vielseitige Angebote bieten die Möglichkeit, ein individuelles Leistungspaket zu nutzen, das die angehörige Pflegeperson bestmöglich entlastet und gleichzeitig die optimale Pflegequalität gewährleistet.

Was bedeutet Pflegegrad 2?

Als pflegebedürftig gelten laut der Definition von § 314 SGB XI „Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“.

Der Pflegegrad 2 stellt dabei die erste Stufe dar, die durch die Pflegekasse durch zahlreiche Angebote eine umfangreiche finanzielle Unterstützung erfährt.

 

Anerkennung durch den MDK

Die Anerkennung eines Pflegegrades erfolgt über den MDK. Dieser führt im Auftrag der Pflegekasse eine Begutachtung im Wohnumfeld der pflegebedürftigen Person durch und gibt im Anschluss daran eine Empfehlung an die Pflegekasse ab, die dieser in der Regel auch folgt und den Pflegegrad bewilligt.

Um einen Termin zur Begutachtung zu erhalten, stellen Sie zunächst einen Antrag bei Ihrer Pflegekasse. Das kann sowohl telefonisch als auch in schriftlicher Form erfolgen, wobei Sie diesen nicht für einen bestimmten Pflegegrad stellen, sondern allgemein formulieren. Anschließend meldet sich ein*e Gutachter*in zur Terminvereinbarung bei Ihnen.

Die Pflegekasse hat ab Eingang des Antrags maximal 25 Arbeitstage Zeit, um einen Pflegegrad festzulegen. Bei einer Fristüberschreitung, die die Pflegekasse verschuldet, wird eine wöchentliche Pauschale von 70 Euro fällig, die sie an die antragstellende Person entrichten muss.

Sind Sie mit dem Ergebnis der Pflegegrad-Einstufung nicht einverstanden, besteht ein vierwöchiges Widerspruchsrecht.

 

Kriterien bei der Pflegebegutachtung

Der MDK bzw. MEDICPROOF (für privat Versicherte) überprüft die Voraussetzungen zur Pflegebedürftigkeit anhand von sechs Kategorien. Dieses System ist als „Neues Begutachtungsassessment“ (NBA) bekannt und beinhaltet folgende Bewertungskategorien:

  1. Mobilität
  2. kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen
  6. Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakt

In jedem dieser Bereiche gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Kriterien, für die der oder die Gutachter*in Punkte zwischen 0 und 3 vergibt. Hierbei steht 0 für Selbstständigkeit und 3 für Unselbstständigkeit, d. h., die Notwendigkeit einer weitgehenden Übernahme von Tätigkeiten durch eine andere Person.

Anschließend erfolgt eine Gewichtung der Punkte in den Kategorien zueinander, sodass sich abschließend eine Gesamtpunktzahl ergibt. So ist die Mobilität mit 10 Prozent z. B. eher weniger relevant, die Selbstversorgung mit 40 Prozent hingegen von großer Bedeutung. Von den Kategorien 2 und 3 fließt nur der höhere Wert in die Gesamtpunktzahl ein.

Diese entscheidet dann über die Einstufung in den Pflegegrad:

12,5–26,9 Punktegeringe Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 1
27–47,4 Punkteerhebliche Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 2
47,5–69,9 Punkteschwere Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 3
70–89,9 Punkteschwerste Beeinträchtigung der SelbstständigkeitPflegegrad 4
90–100 Punkteschwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische VersorgungPflegegrad 5


Ermitteln Gutachter*innen also bei der Beeinträchtigung 27 bis 47,4 Punkte, steht dem Pflegebedürftigen eine Einstufung in Pflegegrad 2 und die damit verbundenen Leistungen zu.

Die beiden Bereiche der außerhäuslichen Aktivitäten sowie der Haushaltsführung werden zwar ebenfalls begutachtet, spielen bei der Berechnung des Pflegegrades allerdings keine Rolle.

Leistungen bei Pflegegrad 2

Anders als bei einem anerkannten Pflegegrad 1 stehen Ihnen oder Ihren Angehörigen vielseitige Unterstützungs- und Pflegeangebote zu. Diese tragen nicht nur zu einer finanziellen Entlastung bei, sondern dienen auch dazu, dass sich pflegende Angehörige Auszeiten gönnen können. Anspruch auf die Leistungen aus der Pflegeversicherung hat jede*r, der oder die für einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten pflegebedürftig ist.

 

Die Geldleistungen im Pflegegrad 2 im Überblick

Pflegegeld316 € je Monat
Pflegesachleistungen689 € je Monat
Tages- und Nachtpflege689 € je Monat
Betreuungs- und Entlastungsbetrag125 € je Monat
Verhinderungspflege1.612 € je Jahr
Kurzzeitpflege1.612 € je Jahr
vollstationäre Pflege770 € je Monat
Hausnotruf23 € je Monat zzgl. Einmalpauschale für die Einrichtung
Anpassung des Wohnraums4.000 € je Gesamtmaßnahme
Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln40 € je Monat
Wohngruppenzuschuss214 € je Monat
Anschubfinanzierung zur Gründung ambulanter Wohngruppenbis 2.500 € je Person bis zu maximal 10.000 € je Wohngruppe, ggf. weiterer einmaliger Zuschuss für die Wohnraumanpassung

 

Pflegegeld (§ 37 SGB XI)

Das Pflegegeld stellt genaugenommen eine Aufwandsentschädigung für pflegende Angehörige dar. Die Pflegekasse überweist den Betrag direkt an die pflegebedürftige Person, die darüber frei verfügen kann, diesen jedoch in der Regel an seine pflegenden Angehörigen weitergibt. Nehmen Sie Pflegesachleistungen in Anspruch, reduziert sich die monatliche Summe des Pflegegeldes prozentual anteilig.

 

Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI)

Anders als das Pflegegeld richten sich Pflegesachleistungen an professionelle Pflegekräfte. Nehmen Sie beispielsweise einen ambulanten Pflegedienst für die Körperpflege oder die pflegerische Betreuung für sich in Anspruch, steht Ihnen ein monatlicher Betrag hierfür zu. Die Abrechnung der Sachleistungen erfolgt in der Regel direkt zwischen dem Pflegedienst und der Pflegekasse.

Umwandlungsanspruch bei nicht ausgeschöpften Sachleistungen nutzen

Der Umwandlungsanspruch ist von Bedeutung, wenn Sie die monatliche Maximalsumme für Pflegesachleistungen nicht genutzt haben. Dann ist eine Umwandlung in einen Kostenerstattungsanspruch für nach Landesrecht anerkannte Angebote zur Unterstützung im Alltag möglich.

Zur Geltendmachung reichen Sie einfach entsprechende Belege bei der Pflegekasse ein. Der höchstmögliche Umwandlungsanspruch liegt bei 40 Prozent der Pflegesachleistungen.

Bei der Berechnung des Pflegegeldes wird dieser Kostenerstattungsanspruch behandelt, als hätten Sie für diesen Betrag Sachleistungen genutzt, sodass auch der Bezug von Kombinationsleistungen möglich ist.

Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistung

Nicht immer haben Angehörige ausreichend Kapazitäten für die Pflege Angehöriger zur Verfügung. Zur optimalen Abstimmung des Pflegebedarfs ist daher auch eine Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen möglich. In diesem Fall reduziert sich das Pflegegeld anteilig zu den genutzten Sachleistungen.

Nutzen Sie z. B. Pflegesachleistungen in Höhe von 512 Euro, entspricht das einem Anteil von 74 Prozent der möglichen Gesamtsumme von 689 Euro. Es bleiben damit 26 Prozent, die Ihnen noch an Pflegegeld zustehen – was 82,16 Euro von den möglichen 316 Euro entspricht.

 

Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI)

Der Entlastungsbetrag steht allen Pflegebedürftigen unabhängig von ihrem Pflegegrad zu. Dieser ist zweckgebunden und kann beispielsweise für eine Unterstützung in der Haushaltsführung genutzt werden. Daneben ist eine Finanzierung der Aufwendungen für Tages- oder Nachtpflege, Kurzzeitpflege, aber auch der Leistungen der Pflegedienste nach § 36 SGB XI über den Entlastungsbetrag möglich.

Der Entlastungsbetrag kann über den jeweiligen Monat hinaus genutzt werden, da sich der Restbetrag vorangegangener Monate bis zur Mitte des nächsten Jahres auf die Folgemonate überträgt.

Theoretisch können Sie damit im Juni eines Jahres den Entlastungsbetrag für die vergangenen 18 Monate, d. h. 2.250 Euro, auf einen Schlag geltend machen, wenn Sie entsprechende Aufwendungen nachweisen können.

 

Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI)

Kurzzeitpflege fällt beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt oder immer dann an, wenn die häusliche Pflege gerade nicht möglich ist.

Die Kurzzeitpflege ist an bis zu 56 Tagen im Jahr abrechnungsfähig. Der Maximalbetrag von 1.612 Euro lässt sich durch eine Anrechnung von bis zu 100 Prozent aus der Verhinderungspflege noch verdoppeln. Gleichzeitig hat die Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege Auswirkungen auf das Pflegegeld, das in dieser Zeit um die Hälfte gekürzt wird.

 

Ersatz- und Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI)

Die Ersatz- und Verhinderungspflege eignet sich für den Fall, wenn pflegende Angehörige zeitweise verhindert sind. Ihnen stehen bei Pflegegrad 2 hier maximal 1.612 Euro jährlich zur Verfügung, wobei die Abrechnungsdauer auf 42 Tage begrenzt ist. Weitere 806 Euro (50 Prozent) sind aus der Kurzzeitpflege anrechenbar, wird diese nicht genutzt. Wie auch bei der Kurzzeitpflege gilt: Betroffene erhalten für den Zeitraum der Inanspruchnahme der Verhinderungspflege lediglich 50 Prozent des Pflegegeldes.

Die maximale Summe gilt hier allerdings nur für den Fall, dass professionelle Pflegedienste die Leistungen durchführen. Nahe Verwandte erhalten hingegen höchstens das 1,5-Fache des Pflegegeldes, d. h. 474 Euro.

 

Tages- und Nachtpflege (§ 41 SGB XI)

Die Tages- und Nachtpflege ist eine ergänzende Versorgungsleistung, die Sie auch zusätzlich zur häuslichen Pflege nutzen können. Oft ist dieses Angebot bei Menschen mit einer Demenzerkrankung sinnvoll. Neben den Pflegeleistungen trägt die Pflegekasse hier auch die Transportkosten zur Pflegeeinrichtung. Kosten für die Unterbringung und Verpflegung hingegen entfallen auf die pflegebedürftige Person, wobei der Entlastungsbetrag zur Finanzierung genutzt werden kann.

 

Pflegeleistungen bei vollstationärem Aufenthalt

Bei einer vollstationären Unterbringung pflegebedürftiger Personen greifen weder das Pflegegeld noch die Sachleistungen. In diesem Fall kommt die Pflegekasse für die Pflegekosten in der Einrichtung auf. Daneben fallen jedoch weitere Kosten für Unterbringung und Verpflegung sowie weitere Pauschalen an, die von der pflegebedürftigen Person aus eigener Tasche erbracht werden müssen.

Seit 2017 ist der Eigenanteil einrichtungseinheitlich, d. h. unabhängig vom Pflegegrad für alle Personen gleich hoch. Unterschiede gibt es hier jedoch zwischen verschiedenen Einrichtungen.

 

Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln (§ 40 Abs. 1–3, 5 SGB XI)

Dieser Zuschuss ist auf Verbrauchsmaterialien beschränkt, die bei der Pflege anfallen. Die Abrechnung erfolgt dann entweder direkt mit der Krankenkasse über das Einreichen der Belege oder Sie schließen einen Versorgungsvertrag mit einer Apotheke oder einem Sanitätshaus ab, sodass die Abrechnung direkt mit der Pflegekasse vorgenommen werden kann. Für technisch notwendige Hilfsmittel gibt es hingegen keine Obergrenze, sondern je ärztlich verordnetem Hilfsmittel fällt eine Zuzahlung an. Diese liegt bei zehn Prozent der Kosten oder maximal 225 Euro.

 

Maßnahmen zur Wohnraumanpassung (§ 40 Abs. 4 SGB XI)

Bei Vorliegen einer Pflegebedürftigkeit ist möglicherweise der Umbau des Wohnraums erforderlich, damit sich die pflegebedürftige Person weiterhin möglichst eigenständig in den eigenen vier Wänden bewegen kann. Um dies zu gewährleisten und einen Umzug in eine Pflegeeinrichtung möglichst lange hinauszuzögern, leistet die Pflegekasse hier finanzielle Unterstützung. Wohnen mehrere Personen in einer Wohngemeinschaft zusammen, trägt die Pflegekasse bis zu 16.000 Euro der Kosten je Haushalt.

 

Wohngruppenzuschlag (§ 38a SGB XI)

Pflege-WGs bieten eine gute Möglichkeit der gegenseitigen Unterstützung und einen Schutz vor sozialer Isolation – ohne dabei an Eigenständigkeit einzubüßen. Für Menschen, die in ambulant betreuten Wohngruppen leben, stellt die Pflegekasse neben den sonstigen Leistungen der häuslichen Pflege einen Wohngruppenzuschlag in Aussicht. Dieser ist an einige Bedingungen geknüpft:

  • mindestens 3 pflegebedürftige Personen im Haushalt,
  • Ziel ist die gemeinschaftlich organisierte pflegerische Versorgung,
  • Beauftragung einer Person, die allgemeine organisatorische, verwaltende, betreuende oder das Gemeinschaftsleben fördernde Tätigkeiten verrichtet oder z. B. auch die Haushaltsführung unterstützt,
  • besteht keine Versorgungsform, die in ihrem Leistungsumfang einer vollstationären Pflege entspricht.

 

Installation eines Hausnotrufes

Ein Hausnotruf bietet Pflegebedürftigen auch dann zusätzliche Sicherheit, wenn gerade keine Pflegeperson in der Nähe ist. Bei einem Sturz macht sich die betroffene Person über einen Notschalter bemerkbar, sodass ein Pflegedienst zu Hilfe eilen kann. Die Pflegekasse unterstützt sowohl die Einrichtung des Systems mit einer einmaligen Pauschale als auch die monatlichen Kosten mit 23 Euro jeden Monat.

 

Verpflichtende Beratung für pflegende Angehörige

Personen, die mit der Pflege Angehöriger betraut sind (d. h., ausschließlich das Pflegegeld bezogen wird), müssen nach § 37 Abs. 3 SGB XI einmal je Halbjahr einen Beratungseinsatz in Anspruch nehmen, sofern nicht zusätzlich ein Pflegedienst ins Haus kommt. Dieses Angebot ist kostenlos und soll die Qualität der Pflege sicherstellen. Kommt regelmäßig ein Pflegedienst für Pflegetätigkeiten vorbei, ist die Beratung freiwillig.

Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen, die nur geringe Einschränkungen bei der Lebensführung erfahren. So können beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Gelenke zu motorischen Einschränkungen führen, durch die ein Hilfebedarf gegeben ist.

Ein Punktesystem ermittelt die noch vorhandene Selbstständigkeit, aus der sich die Einstufung ergibt. Nachfolgende Beispiele zeigen mögliche Fälle eines Pflegegrades 1 auf. Anhand dieser zeigt sich, dass kognitive Einschränkungen und Verhaltensweisen im Zweifel vergleichsweise geringe Berücksichtigung finden, während Einschränkungen in Aspekten der Selbstversorgung schnell zu den erforderlichen Pflegegrad-Punkten führen.

Pflegezeit für Angehörige

Der Gesetzgeber hat die große Bedeutung pflegender Angehöriger erkannt und zahlreiche Regelungen zu deren Entlastung auf den Weg gebracht. Hierzu zählt auch die finanzielle Unterstützung pflegender Angehöriger, wenn diese berufliche Einschränkungen zugunsten der Pflegetätigkeiten hinnehmen müssen.

Für eine Dauer von bis zu 10 Arbeitstagen im Jahr erhalten Sie einen vollen Ausgleich für entgangenes Arbeitsentgelt. Dieses sogenannte Pflegeunterstützungsgeld ist vor allem für eine unerwartet auftretende Pflegesituation von Bedeutung. So können Sie die Pflege organisieren und langfristig regeln. Leistet der Arbeitgeber hier keine Lohnfortzahlung, erstattet die Pflegekasse das Geld auf Antrag unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung.

Darüber hinaus ergeben sich bei der regelmäßigen Pflege von Angehörigen im Umfang von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen je Woche Ansprüche auf Leistungen der sozialen Sicherung. Bei einer verringerten Arbeitszeit von maximal 30 Wochenstunden entsteht ein Anspruch auf Rentenversicherungsbeiträge. Gegebenenfalls bezuschusst die Pflegekasse Kranken- und Pflegeversicherung, leistet Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und stellt die gesetzliche Unfallversicherung während der Pflege sicher.

 Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen für Pflegepersonen je nach bezogener Leistungsart bis zu € monatlich (Ostdeutschland)Zahlung von Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung für Pflegepersonen € monatlich (Ostdeutschland)Zuschüsse zur Kranken- und Pflegeversicherung für Pflegepersonen bei Pflegezeit bis zu € monatlich Krankenversicherung/ Pflegeversicherung
Pflegegrad 2159,95 (151,16)38,22 (36,12)166,68/32,38

Pflegekosten steuerlich absetzen

Kosten, die nicht durch die Pflegekasse getragen werden, können Sie in vielen Fällen als außergewöhnliche Belastungen nach § 33 EstG sowie als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. Für Pflegepersonen gilt hier ein Pflege-Pauschbetrag von 600 Euro (seit 2021) oder eine Anrechnung der tatsächlich entstandenen Kosten, Pflegebedürftige hingegen können den Behinderten-Pauschbetrag geltend machen. Vor allem bei einer vorübergehenden Unterbringung in einem Heim können schnell Summen anfallen, bei denen sich das auch lohnt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Eine Broschüre des Bundesgesundheitsministeriums mit allen Leistungen zum Nachschlagen: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/PSG_Alle_Leistungen.pdf

Weitere Informationen in einem Spezialbericht der Stiftung Warentest: https://www.test.de/gesetzliche-pflegeversicherung-5175894-0/

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

8 04, 2021

Pflegegrad 1

2021-04-19T09:20:58+02:00April 8th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Pflegegrad 1

Mit der Neustrukturierung der Pflegegrade haben seit 2017 deutlich mehr Menschen einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Mit dem neu geschaffenen Pflegegrad 1 werden seitdem pflegebedürftige Personen berücksichtigt, die sich noch weitgehend selbstständig im Alltag bewegen können, jedoch hier und da aufgrund motorischer oder kognitiver Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind. Um Leistungen zu beziehen, ist die Anerkennung durch einen medizinischen Dienst Voraussetzung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 1 wurde im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes neu geschaffen und berücksichtigt seit 2017 auch Menschen, die bis dato keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse hatten.
  • Ein Leistungsanspruch setzt eine Anerkennung des Pflegegrades voraus. Dazu ist eine Begutachtung durch den MDK erforderlich.
  • Da sich die Leistungen an Menschen mit weitgehender Selbstständigkeit richten, sind diese nicht mit jenen der Pflegegrade 2 bis 5 vergleichbar. Oft fällt daher bei der Nutzung professioneller Angebote zusätzlich ein hoher Eigenanteil an.

Das bedeutet Pflegegrad 1

Meist wird irrtümlich angenommen, dass aus der früheren Pflegestufe 0 der Pflegegrad 1 hervorging. Das ist jedoch nicht korrekt. Die bisherige Pflegestufe 0 mündete in Pflegegrad 2 und der Pflegegrad 1 wurde neu geschaffen. Vielmehr kommen durch die Umstrukturierung der bis 2017 geltenden Pflegestufen in Pflegegrade jetzt Menschen in den Leistungsanspruch, die bis dato nicht als pflegebedürftig galten. Zuletzt waren in Deutschland rund 300.000 Personen mit einem Pflegegrad 1 – 7,2 % aller Pflegebedürftigen – anerkannt (https://www.destatis.de/).

Pflegegrad 1 bezeichnet dabei eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ pflegebedürftiger Personen. Oft spricht man hier deshalb auch von einem „vorbeugenden Pflegegrad“.

Um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, ist eine Anerkennung des Pflegegrades anhand einer Beurteilung des MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) erforderlich.

Je geringer dabei der Pflegeaufwand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die vollständige Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. So wird ein Großteil der Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 und 3 zu Hause überwiegend ausschließlich durch Angehörige versorgt, während die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 5 überwiegend in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es eines anerkannten Pflegegrades. Prinzipiell kann jedoch jede pflegebedürftige Person die häusliche Unterstützung nutzen – muss für die Kosten allerdings unter Umständen selbst aufkommen.

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Um einen Pflegegrad zu erhalten, ist es zunächst erforderlich, einen schriftlichen oder telefonischen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Dabei stellen Sie keinen konkreten Antrag auf einen bestimmten Pflegegrad, sondern lediglich einen allgemeinen Antrag auf Begutachtung. Liegt Ihnen eine Bevollmächtigung vor, ist das auch für eine andere Person möglich.

Die Pflegekasse beauftragt einen Gutachter des MDK beziehungsweise von MEDICPROOF, der die Selbstständigkeit im Alltag beurteilt. Dieser setzt sich zunächst zur Terminvereinbarung mit Ihnen in Verbindung.

Legen Sie für den Termin alle Berichte von Hausarzt und Fachärzten, Medikamentenpläne oder andere relevante Informationen bereit, die der Beurteilung dienen. Hilfreich ist auch die Anwesenheit von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden sowie gegebenenfalls unbedingt der gesetzlichen Betreuung.

Schildern Sie während des Gesprächs alle Herausforderungen, die die Pflege im Alltag mit sich bringt. Auf dieser Basis spricht der Gutachter eine Empfehlung an die Pflegekasse aus. In der Regel folgt diese der Empfehlung auch und legt dann den Pflegegrad fest.

Den Bescheid erhalten Sie von der Pflegekasse. In der Regel vergehen zwischen der Antragstellung und dem Versand des Bescheids etwa 25 Arbeitstage. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden oder wird der Antrag abgelehnt, haben Sie 14 Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen.

Ändert sich der Pflegebedarf im Lauf der Zeit, beantragen Sie einen neuen Termin für eine Begutachtung.

Wie berechnet sich Pflegegrad 1?

Wenngleich das Verfahren recht komplex erscheint, bietet es jedoch einen objektiven Rahmen für die Beurteilung – und ermöglicht zudem eine gute Vorbereitung auf den Termin mit dem Gutachter. Es lohnt sich also, sich mit der Grundstruktur des Beurteilungsverfahrens vertraut zu machen.

 

Für den MDK relevante Lebensbereiche

Um die Selbstständigkeit im Alltag zu beurteilen, nutzt der Gutachter sechs verschiedene Bereiche, die sich wiederum in einzelne Kriterien untergliedern und unterschiedlich stark gewichtet sind.

Modul 1:

Mobilität

Wie selbstständig kann sich der Mensch fortbewegen und seine Körperhaltung ändern? Z. B.:

  • Fortbewegung in der Wohnung
  • Positionswechsel im Bett
  • Treppensteigen
10 %

Modul 2:

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Wie findet sich der Mensch mithilfe anderer örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen oder Gespräche führen? Z. B.:

  • zeitliche / örtliche Orientierung
  • Treffen von Entscheidungen
  • Verständnis von Sachverhalten und Aufforderungen
  • Beteiligung an Gesprächen
7,5 %

Modul 3:

Verhalten und psychische Probleme

Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressivem oder ängstlichem Verhalten? Z. B.:

  • nächtliche Unruhe
  • autoaggressives Verhalten
  • Wahnvorstellungen und Ängste
  • sozial inadäquate Verhaltensweisen
7,5 %

Modul 4:

Selbstversorgung

Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken? Z. B.:

  • Körperpflege
  • mundgerechtes Zubereiten von Nahrung
  • Toilettennutzung
40 %

Modul 5:

Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Wie aufwendig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Behandlung? Z. B.:

  • Medikation
  • Injektionen
  • körpernahe Hilfsmittel
  • Arztbesuche
  • Einhalten von Diäten
20 %

Modul 6:

Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte

Wie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen, sich beschäftigen oder Kontakte pflegen?

  • Gestaltung des Tagesablaufs
  • Beschäftigung
  • soziale Kontaktpflege
15 %
Bei den Modulen 2 und 3 wird jeweils nur der höhere Wert bei der Berechnung berücksichtigt.
 
 

Beurteilung der Selbstständigkeit nach Punktesystem

Die Gutachter des MDK ermitteln die Selbstständigkeit von Antragstellenden anhand eines Punktesystems. Je höher diese ist, desto weniger Punkte werden vergeben. Für den Pflegegrad 1 sind zwischen 12,5 und 27 Punkten erforderlich.

PunkteEinstufung in den Pflegegrad
12,5 bis < 27 PunktePflegegrad 1
27 bis <47,5 PunktePflegegrad 2
47,5 bis < 70 PunktePflegegrad 3
70 bis <90 PunktePflegegrad 4
90 bis 100 PunktePflegegrad 5

 

Die Punktevergabe erfolgt dabei nach folgenden Aspekten, die wiederum unterschiedlich gewichtet werden:

Selbstständig ist, wer eine Handlung ohne fremde Unterstützung oder unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln erledigen kann.0 Punkte
Überwiegend selbstständig ist, wer Handlungen größtenteils selbstständig durchführen kann und für die Pflegeperson nur ein geringer Pflegeaufwand besteht.1 Punkt
Überwiegend unselbstständig ist, wer zwar noch über gewisse Ressourcen verfügt, aber Aktivitäten nur noch zu einem geringen Teil selbstständig durchführen kann. Die Pflegeperson muss vielfach anleiten und motivieren.2 Punkte
Unselbstständig ist, wer Handlungen nicht ausführen kann. Es sind auch keine Ressourcen mehr vorhanden und es reicht nicht aus, wenn die Pflegeperson motiviert oder anleitet. Sie muss nahezu komplett alle Aktionen übernehmen.3 Punkte

Wer erhält eine Einstufung in Pflegegrad 1?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff richtet sich nach § 14 SGB XI. Pflegebedürftig sind hiernach „Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“.

Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen, die nur geringe Einschränkungen bei der Lebensführung erfahren. So können beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Gelenke zu motorischen Einschränkungen führen, durch die ein Hilfebedarf gegeben ist.

Ein Punktesystem ermittelt die noch vorhandene Selbstständigkeit, aus der sich die Einstufung ergibt. Nachfolgende Beispiele zeigen mögliche Fälle eines Pflegegrades 1 auf. Anhand dieser zeigt sich, dass kognitive Einschränkungen und Verhaltensweisen im Zweifel vergleichsweise geringe Berücksichtigung finden, während Einschränkungen in Aspekten der Selbstversorgung schnell zu den erforderlichen Pflegegrad-Punkten führen.

 

Beispiele für einen Pflegegrad 1

# Fall 1

Der erste Beispielfall hat kleinere Gedächtnisprobleme, kann Entscheidungen im Alltag nicht uneingeschränkt selbst fällen und beschäftigt sich überwiegend selbstständig. Kleinere Hilfestellungen sind beim Waschen des Intimbereiches und dem An- und Auskleiden des Unterkörpers erforderlich.

Modul 1
  • Treppensteigen überwiegend selbstständig
0 Punkte
Modul 2
  • Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • größtenteils fähig zu Entscheidungen im Alltagsleben
3,75 Punkte
Modul 3
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 2 höher gewichtet ist)
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend selbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend selbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Beschäftigung überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl17,5 Punkte

 

#Fall 2

Hier liegt eine eingeschränkte Mobilität vor, z. B. aufgrund versteifter Gelenke oder einer Arthrose, wodurch Probleme beim Aufstehen und bei der Körperpflege entstehen, und somit gute Chancen auf die Anerkennung des Pflegegrades 1.

Modul 1
  • Aufstehen aus sitzender Position überwiegend unselbstständig
2,5 Punkte
Modul 2
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 3 höher gewichtet ist)
Modul 3
  • motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
3,75 Punkte
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend unselbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend unselbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 6
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Gesamtpunktzahl16,25 Punkte

 

#Fall 3

Das dritte Beispiel zeigt, dass Menschen mit einer beginnenden Demenz unter Umständen allerdings noch nicht unter Pflegegrad 1 fallen, solange es keine Einschränkungen in den motorischen Fähigkeiten gibt, da jeweils nur Modul 2 oder 3 in die Berechnung einfließt.

Modul 1
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 2
  • Personen erkennen, örtliche und zeitliche Orientierung sowie Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • mehrschrittige Alltagshandlungen durchführen größtenteils möglich
  • Entscheidungen treffen und Sachverhalte verstehen sowie Risiken erkennen größtenteils vorhanden
7,5 Punkte
Modul 3
  • nächtliche Unruhe selten
  • Antriebslosigkeit selten
  • motorische Auffälligkeiten selten
7,5 Punkte (entfällt, da Modul 2 gleich hoch gewichtet ist)
Modul 4
  • Duschen und Baden überwiegend selbstständig
0 Punkte

Modul 5

  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Tagesablauf strukturieren und an Veränderungen anpassen überwiegend selbstständig
  • in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen überwiegend selbstständig
  • Ruhen und Schlafen überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl11,25 Punkte

Leistungen im Pflegegrad 1

Aufgrund der weitgehenden Selbstständigkeit, die Personen mit einem Pflegegrad 1 zugeschrieben wird, fallen die Leistungen der Pflegekasse vergleichsweise gering aus. Die meisten Leistungen gelten erst ab einem Pflegegrad 2. Das gilt z. B. auch für die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes, der über die Pflegesachleistungen mit der Pflegekasse abgerechnet wird, sowie für den Bezug von Pflegegeld.

Dennoch können Sie auch mit Pflegegrad 1 Kosten bei der Pflegekasse geltend machen. § 28 a SGB XI sieht hier folgende Leistungsansprüche vor:

  • Pflegeberatung gemäß den §§ 7a und 7b
  • Beratung in der eigenen Häuslichkeit gemäß § 37 Abs. 3
  • zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen gemäß § 38 a, ohne dass § 38 a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 erfüllt sein muss
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln gemäß § 40 Abs. 1 bis 3 und 5
  • finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen oder gemeinsamen Wohnumfelds gemäß § 40 Abs. 4
  • zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen gem. § 43b
  • zusätzliche Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung gem. § 44a
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen gem. § 45

 

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Der monatliche Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro steht allen pflegebedürftigen Personen unabhängig von ihrem anerkannten Pflegegrad zu. Geregelt ist dies in § 45 b SGB XI, wobei der Einsatz zweckgebunden erfolgen muss und der „Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags“ dienen muss. Konkret nennt das Gesetz hier die Erstattung von Aufwendungen zu

  1. Leistungen der Tages- oder Nachtpflege,
  2. Leistungen der Kurzzeitpflege,
  3. Leistungen der ambulanten Pflegedienste im Sinne des § 36, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung,
  4. Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a.

 

Dazu eignet sich der Entlastungsbetrag

Oft nutzen Leistungsempfänger*innen diesen Betrag zur Anstellung einer Haushalts- oder Einkaufshilfe, oder um an Betreuungsangeboten teilzunehmen, die der Aktivierung und Förderung sozialer Kontakte dienen. Darüber hinaus eignet sich der Entlastungsbetrag, um beispielsweise Kosten der Tages- und Nachtpflege oder Kurzzeitpflege zu tragen.

Anders als bei anderen Pflegegraden dürfen Sie mit Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag auch für Maßnahmen der Grundpflege, d. h. körperbezogene Pflegemaßnahmen oder die pflegerische Betreuung, nutzen.

Da die 125 Euro lediglich für etwas mehr als einen Tag ausreichen, es jedoch auch Situationen nach einem Krankenhausaufenthalt gibt, in denen die Kurzzeitpflege notwendig ist, hat der Gesetzgeber hier durch die Überleitungspflege nach § 37 Abs. 1 a und 39 c SGB V eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit geschaffen, die über die Krankenversicherung abgerechnet wird.

Entlastungsbetrag übertragen

Sie brauchen den Entlastungsbetrag nicht monatlich in voller Höhe auszuschöpfen. Vielmehr ist es auch möglich, den Betrag in andere Monate des Kalenderjahres zu übertragen beziehungsweise sogar mit in das Folgejahr zu nehmen. Die Ansprüche bestehen automatisch weiter, müssen jedoch bis zum 30.06. für das vorangegangene Jahr abgerufen werden, um nicht zu verfallen.

 

Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln

Monatlich trägt die Pflegekasse Kosten von bis zu 40 Euro für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind sowie für medizinische Hilfsmittel entsprechend des Hilfsmittelkataloges der Krankenversicherung. Hilfsmittel sind beispielsweise:

  • Blindenhilfsmittel
  • Gehhilfen
  • Rollstühle und Rollatoren
  • Prothesen
  • Toilettenstühle

Für die medizinischen Hilfsmittel, die – anders als z. B. Inkontinenzauflagen oder Einmalhandschuhe – nicht zum Verbrauch bestimmt sind, ist für die Kostenübernahme eine ärztliche Verordnung zwingende Voraussetzung.

 

Hausnotruf

Ein Hausnotruf dient als Sicherheit bei Stürzen oder Verletzungen, wenn gerade keine Pflegeperson in der Nähe ist. Durch dieses System kann die pflegebedürftige Person über einen Notruftaster einen Notruf absetzen, sodass innerhalb weniger Minuten Hilfe vor Ort ist.

Die einmalige Einrichtung sowie der dauerhafte Betrieb werden durch die Pflegekasse mit einmaligen Anschlusskosten von 10,49 Euro und einem monatlichen Betrag von 23 Euro gefördert.

 

Maßnahmen zur Wohnraumanpassung

Um in den eigenen vier Wänden weiterhin mobil zu sein, ist eventuell die barrierefreie Anpassung des Wohnraums erforderlich. Dabei kann es sich um den Einbau eines Treppenliftes, aber auch eine ebenerdige Dusche handeln. Die Pflegekasse trägt hier die Kosten für Umbaumaßnahmen bis zu 4.000 Euro. Wohnen mehrere Personen in einem Haushalt, fördert die Pflegekasse die Maßnahmen bis zu maximal 16.000 Euro.

Diese Leistung steht Ihnen auch zu, wenn Sie in einer Senioren-WG leben beziehungsweise in eine einziehen. In diesem Fall erhalten bis zu vier Bewohner*innen zusätzlich jeweils einen einmaligen Zuschuss zur Einrichtung in Höhe von 2.500 Euro, d. h. 10.000 Euro insgesamt.

 

Wohngruppenzuschuss

Um eine Organisationskraft zu beschäftigen, erhalten WG-Bewohner*innen zudem monatlich 214 Euro, den sogenannten Wohngruppenzuschuss.

 

Anspruch auf Beratungsgespräche

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für regelmäßige Beratungsgespräche pflegender Angehöriger gemäß § 37 Abs. 2 SGB XI durch geschulte Pflegekräfte. Diese können Sie einmal je Halbjahr nutzen.

Darüber hinaus haben pflegebedürftige Personen einen Anspruch auf eine Beratung zur Optimierung der pflegerischen Versorgung sowie einer Anpassung des Wohnraums. Diese vorbeugenden Maßnahmen zielen im Wesentlichen auch darauf ab, eine Verschlechterung des Zustandes der pflegebedürftigen Person zu verhindern beziehungsweise möglichst hinauszuzögern.

Staatliche Zuschüsse zur Pflege

Insbesondere bei einem Pflegegrad 1 sind die Leistungen oft zu gering, um die monatlichen Kosten zu decken. Zunächst sind hier dann neben dem Rentenbezug die eigenen Ersparnisse gefordert. Reichen diese nicht aus, bietet der Staat eine finanzielle Unterstützung in Form der sogenannten Hilfe zur Pflege an. Diese Sozialleistung beantragen Sie beim örtlichen Sozialamt, wenn

  • Kosten für die Pflege anfallen, jedoch kein Pflegegrad anerkannt wurde,
  • die Leistungen der Pflegekasse die tatsächlichen Kosten nicht decken,
  • es keine weitere Option der Kostenübernahme durch die Kranken- oder Unfallversicherung gibt.

Keine Rentenbeitragszahlungen für pflegende Angehörige

Angehörige, die aufgrund der Pflegetätigkeiten ihre Arbeitsstunden reduzieren, laufen Gefahr, finanzielle Nachteile bei ihrem eigenen Rentenerwerb hinnehmen zu müssen. Der Gesetzgeber sieht dafür vor, Rentenbeitragszahlungen aus der Pflegekasse zu erhalten. Dies ist jedoch erst ab einem Pflegegrad 2 für pflegende Angehörige vorgesehen. Pflegen Sie eine Person mit einem anerkannten Pflegegrad 1, gibt es in der Regel keine Möglichkeit, Rentenbeitragszahlungen zu erhalten.

Fazit

Pflegegrad 1 berücksichtigt Menschen, die weitgehend selbstständig, in einigen Lebensbereichen jedoch auf Hilfestellung angewiesen sind. Wenngleich der Anspruch nicht mit den folgenden Pflegegraden vergleichbar ist, lohnt es sich dennoch, rechtzeitig eine Begutachtung zu beantragen, um Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, den Umbau der Wohnung oder über den Entlastungsbetrag auch zur Kurzzeitpflege zu erhalten. Das entlastet pflegende Angehörige und gewährleistet, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben können.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Das Hilfsmittelverzeichnis erstattungsfähiger Pflegehilfsmittel: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/hmvAnzeigen_input.action

45b SGB XI zum Entlastungsbetrag im Wortlaut: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/45b.html

Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Pflegegrad 1: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/leistungen-fuer-pflegebeduerftige-des-pflegegrades-1.html

Gesetzestext zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/7a.html

Anspruch auf zusätzliche Leistungen für Menschen in ambulant betreuten Wohngruppen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/38a.html

40 SGB XI – Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/40.html

Infos des MDK zur Pflegebegutachtung: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Selbsteinschätzungsbogen des VdK zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit: https://www.vdk.de/deutschland/downloadmime/3590/VdK-Selbsteinschaetzungsbogen_Pflegegrad.pdf

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

4 03, 2021

Testament

2021-04-15T23:01:33+02:00März 4th, 2021|Pflegegesetz & Pflegerecht|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Testament

Ein Testament ist wohl die bekannteste Form der Willenserklärung, um die Vermögensverhältnisse nach dem Tod dem eigenen Wunsch nach zu gestalten. Damit dieses wichtige Schriftstück auch wirklich rechtskräftig durchsetzbar ist, müssen die Formvorschriften unbedingt eingehalten werden. Schließlich kann schon ein kleiner Fehler dazu führen, dass alle Verfügungen des Testaments hinfällig sind und dann die gesetzliche Erbfolge gilt. Wir haben die wichtigsten Informationen rund um das Testament für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Testament regelt die Vermögensverhältnisse sowie die Rechtsgeschäfte nach dem Tod eines Erblassers oder einer Erblasserin. Für die Rechtsgültigkeit bedarf es der Einhaltung einiger Formvorschriften.
  • Sie können in einem Testament Erb*innen einsetzen oder Angehörige enterben, aber auch Anordnungen treffen. Allerdings erhalten auch enterbte Personen oft einen Pflichtteil, wenn es sich um Angehörige erster Ordnung handelt.
  • Das Testament können Sie entweder selbstständig handschriftlich verfassen oder mithilfe eines Notars oder einer Notarin erstellen. Vor allem für größere Vermögenswerte, Firmenbeteiligungen und bei einem Auslandsbezug empfiehlt sich die Hinzuziehung eines Notars oder einer Notarin.

Was ist ein Testament?

Das Testament ist eine einseitige Verfügung, mit der ein*e Erblasser*in im Falle seines bzw. ihres Todes Anordnungen zur Rechtsnachfolge bezüglich seiner Vermögenswerte trifft. Es ist wohl die gängigste Form der Verfügung für den Todesfall (eine andere Form ist der Erbvertrag). Das Testament zeichnet sich durch einige Kriterien aus:

  • einseitige Willenserklärung
  • formbedürftig (eigenhändige Unterschrift, etc.)
  • Mindestalter 16 Jahre, testierfähig
  • jederzeit widerrufbar

Gesetzlich verankert ist das Testament im BGB in §§ 2064–2273. Weitere Regelungen zum Erbe finden sich in anderen Teilen des BGB, z. b. zur Erbfolge (§§ 1922–1941) oder zum Pflichtteil (§§ 2303–2338).

Inhalte des Testaments

Die Verfügungen in einem Testament sind vielfältig gestaltbar und regeln, wer nach dem Tod welche Anteile des Vermögens erhält und die Rechtsgeschäfte erbt. Darüber hinaus sind Anordnungen zu Punkten wie beispielsweise Grabpflege, Durchführung der Bestattung oder Pflege des Haustiers mögliche Bestandteile eines Testaments. Diese Anordnungen sind stets verbindlich und nur dann unwirksam, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen oder sittenwidrig sind.

Testamentarische Bestandteile:

  • Einsetzung von Erb*innen
  • Enterbung
  • Vermächtnisse
  • Auflagen
  • Benennung eines Testamentsvollstreckers oder einer Testamentsvollstreckerin
  • Teilungsanordnungen
  • Beschränkung / Entziehung des Pflichtteils von Pflichtteilsberechtigten
  • Benennung eines Vormunds oder einer Vormundin für minderjährige Kinder

Arten von Testamenten

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, um ein Testament aufzusetzen, das rechtsgültig ist.

  • Das handschriftliche Testament ist komplett handgeschrieben aufzusetzen und vom Verfasser oder der Verfasserin eigenhändig zu unterschreiben.
  • Ein öffentliches oder notarielles Testament verfasst ein*e Notar*in nach den Vorgaben der Person, die dieses nur noch eigenhändig unterschreibt. Verwahrt wird das Testament anschließend im Notariat. Alternativ ist es auch möglich, ein handschriftlich verfasstes Testament in die Hände des Notars / der Notarin zu geben.
  • Vor allem Ehepaare nutzen häufig das sogenannte Berliner Testament, das sowohl notariell als auch handschriftlich erstellt werden kann. Charakteristisch ist hier, dass sich die Ehepartner*innen gegenseitig einsetzen und eine dritte Partei – meist die eigenen Kinder – als Erb*innen bestimmen.
  • Weitere Testamentsformen zielen auf besondere Notlagen Wichtig ist hier, dass der Erblasser oder die Erblasserin zum Zeitpunkt der Testamentserrichtung testierfähig ist und weitere Kriterien wie die Anwesenheit von unabhängigen Zeugen berücksichtigt werden.

Erbfolge ohne Testament

Liegt kein Testament vor, legt das BGB die Erbfolge und die Aufteilung des Vermögens nach einem festgelegten Schema fest. Aufgrund des mehr als 100-jährigen Bestehens dieses Gesetzes sind die Regelungen allerdings vielfach veraltet und entsprechen nicht mehr zeitgemäßen Familienverhältnissen. Grundsätzlich sind die Erben in Ordnungen eingeteilt:

1. OrdnungKinder und Enkelkinder
2. OrdnungEltern, Geschwister, Nichten und Neffen
3. OrdnungGroßeltern, Tanten, Onkel und Cousinen
4. OrdnungUrgroßeltern und deren Nachkommen

Gibt es Erben erster Ordnung, gehen die Erben der zweiten und dritten Ordnung leer aus. Fehlt es an Nachkommen erster Ordnung, erben Personen der zweiten Ordnung. Bei der Aufteilung gelten immer wieder Besonderheiten. Ist z. B. ein Kind des Erblassers oder der Erblasserin verstorben, geht dessen bzw. deren Anteil zu gleichen Teilen auf dessen oder deren Kinder, d. h. die jeweiligen Enkel des Erblassers oder der Erblasserin über.

Die Höhe des Erbes der Ehepartner hängt in dieser Erbfolge von den Verwandten erster Ordnung ab. Bei einer Zugewinngemeinschaft liegt das Erbe bei 50 bis 100 Prozent des Nachlasses, ein Ehevertrag verringert den Anteil in der Regel.

Erbe mit Testament

Erstellen Sie ein Testament, verliert die gesetzliche Erbfolge zumindest in Teilen ihre Gültigkeit. Sie haben hier die Möglichkeit, ein Unternehmen, Stiftungen oder wohltätige Organisationen als Erben zu benennen. Sie können entweder eine einzelne Person zum Alleinerben oder zur Alleinerbin erklären, oder eine Erbengemeinschaft bestimmen. Da diese ein besonderes Konfliktpotenzial bei der Aufteilung des Vermögens birgt, empfiehlt sich hier der Abschluss einer Teilungsanordnung.

Angehörige enterben und Pflichtanteil

Immer wieder gibt es Familienmitglieder, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Anteil am Erbe erhalten sollen. Um das zu erreichen, muss man diese bestimmten Personen zunächst per Testament offiziell enterben. Dazu benennen Sie entweder andere Erben, ohne die zu enterbende Person zu erwähnen, oder sprechen aktiv die Enterbung aus. Das verhindert allerdings in der Regel nicht, dass diesen Verwandten dennoch ihr Pflichtanteil zusteht. Das Ausschließen von Kindern, Eltern und Ehegatten ist schwierig und hat vor Gericht nur selten Bestand. Das ist beispielsweise nur möglich, wenn es körperliche Angriffe oder vergleichbare Attacken gab.

Die Höhe des Pflichtteils beträgt die Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils, d. h. des Anteils, den eine Person erhalten hätte, wäre sie nicht enterbt worden.

Alleinerben einsetzen

Die Benennung eines Alleinerben oder einer Alleinerbin ist nur dann möglich, wenn es keine anderen Pflichtberechtigten gibt. In aller Regel steht nahen Angehörigen dann immer noch der Pflichtteil in Höhe des gesetzlich zustehenden Erbanspruchs zu.

Wer seine*n Ehepartner*in als Alleinerben oder -erbin einsetzt und verhindern möchte, dass am Ende doch die ungeliebten Verwandten alles erben, weil der oder die Partner*in zu früh gestorben ist, kann im Testament direkt einen Ersatzerben oder -erbin benennen oder eine Erbreihenfolge festlegen. Das verhindert auch, dass ein*e erstgenannte*r Erbe oder Erbin Teile der Erbschaft verschenkt, um damit abzuwenden, dass danach noch eine weitere Person erben kann.

Wer braucht ein Testament?

Grundsätzlich ist ein Testament für alle Menschen ratsam, die selbst über ihren Nachlass verfügen möchten. Das gilt keineswegs nur für ältere Menschen, sondern auch für Unverheiratete oder Menschen mit Kindern, Patchwork-Familien oder auch geschiedene Paare mit einem gemeinsamen Kind. Unverheiratete Partner*innen gehen in der gesetzlichen Erbfolge sonst leer aus. Wer seine*n Lebenspartner*in bei der Vermögensaufteilung berücksichtigen möchte, sollte unbedingt ein Testament verfassen.

Testament für kinderlose Paare

Viele kinderlose Ehepaare gehen davon aus, dass ein Testament nicht nötig ist, da der Ehegatte bzw. die Ehegattin im Todesfall das Erbe erhält. Die gesetzliche Erbfolge sieht jedoch vor, dass auch die Eltern eines verstorbenen Ehegatten einen Erbanteil erhalten. Sind diese nicht mehr am Leben, können auch Geschwister oder Nichten und Neffen anspruchsberechtigt sein.

Das kann vor allem zum Problem werden, wenn Immobilien im Spiel sind, die Sie gemeinsam bewohnen – denn diese könnten im Falle des Todes einer der beiden Partner in den Besitz der Angehörigen der verstorbenen Person übergehen. Was im schlimmsten Fall mit einem Verlust des Eigenheims einhergehen kann.

Kosten eines Testaments

Die Notarkosten richten sich nach der Höhe des Nettovermögens. Neben reinen Geldwerten zählen auch Immobilien dazu, wohingegen Verbindlichkeiten zu einem Teil abgezogen werden. Bei einem Vermögenswert von 10.000 Euro fallen ca. 75 Euro zuzüglich Auslagen an, bei 500.000 Euro sind es ca. 935 Euro.

Weitere Kosten entstehen darüber hinaus für die Hinterlegung. Das sind in der Regel 15–18 Euro für den Eintrag im Zentralen Testamentsregister. Diese fallen auch an, wenn Sie das Testament oder bei einem oder einer Notar*in bei Gericht hinterlegen.

Ein notarielles Testament kann letztlich sogar günstiger sein als ein handschriftliches. Es fallen hier zwar Gebühren für den oder die Notar*in an, doch ersetzt diese Form häufig den Erbschein. Dieser ist erforderlich, wenn es um größere Vermögenswerte und Immobilien geht. Das Erbscheinverfahren kostet meist mehr als die Beauftragung eines Notars oder einer Notarin.

Tipps, um das Testament zu verfassen

  • Verfassen Sie das Testament handschriftlich, berücksichtigen Sie die Pflichtbestandteile. Ist das Dokument rechtlich nicht wirksam, gilt die gesetzliche Erbfolge. Wichtig ist auch, Ort und Datum einzutragen.
  • Achten Sie beim Schreiben auf Leserlichkeit. Dennoch sollte Ihre Handschrift unverkennbar ersichtlich sein.
  • Hinterlegen Sie das Testament beim zuständigen Amtsgericht. Das Formular für den Antrag finden Sie auf dessen Webseite oder erhalten es direkt vor Ort. Für die Abgabe benötigen Sie neben Ihrem Personalausweis auch Ihre Geburtsurkunde.
  • Ein mit einem oder einer Partner*in verfasstes Testament können Sie nur gemeinschaftlich widerrufen. Andernfalls bedarf es einer notariellen Erklärung gegenüber dem oder der Ehepartner*in.
  • Eine Alternative zum Vererben ist das Vermächtnis: Sie können Teile des Vermögens oder auch Ansprüche an Personen und Organisationen vermachen. Damit einher geht zwar auch die Erbschaftssteuer, doch teilen die Empfänger*innen nicht die Pflichten von Erben.

Zentrales Testamentsregister

Der letzte Wille kann nur dann erfüllt werden, wenn das Testament nach dem Tod auffindbar ist. So ist jeder, der ein Testament findet oder besitzt, dazu verpflichtet, das Testament an das Nachlassgericht zu überreichen. Zudem besteht seit 2012 das Zentrale Testamentsregister, welches alle Angaben zur Verwahrung erbfolgerelevanter Urkunden aufnimmt.

Hinterlegen Sie Ihr Testament bei einem Nachlassgericht, stellen Sie sicher, dass Ihr letzter Wille nach Ihrem Tod umgesetzt wird und sich niemand einen ungewollten Vorteil verschafft.

Setzen Sie das Testament gemeinsam mit einem Notar oder einer Notarin auf, reicht dieser es automatisch zur Verwahrung an das Amtsgericht weiter und es erfolgt ein Eintrag in das Zentrale Testamentsregister.

Ein notarielles Testament verliert automatisch seine Gültigkeit, wenn es einmal aus der gerichtlichen Verwahrung entfernt wurde. Es muss dann komplett neu verfasst werden. Anders bei einem handschriftlich verfassten Dokument: Dieses können Sie beliebig oft zurückholen und ändern, ohne dass es ungültig wird.

Alternative zum Testament: der Erbvertrag

Eine weniger bekannte Alternative zum Testament ist der sogenannte Erbvertrag. Dieser zweiseitige Vertrag eignet sich insbesondere auch für unverheiratete Paare sowie zur Regelung der Unternehmensnachfolge. Durch die Bindungswirkung kann hier keine Partei Änderungen vornehmen, was den Aufwand gegenüber einem Testament erhöht – zumal eine notarielle Beurkundung beim Erbvertrag obligatorisch ist. Demgegenüber steht wiederum der Vorteil, dass auch Vereinbarungen aus dem Güterrecht Berücksichtigung finden und Leistungen an Gegenleistungen geknüpft werden können. Das kann z. B. eine Regelung sein, wer im Falle einer Pflegebedürftigkeit tätig wird. Der Pflichtanteil bleibt aber auch im Falle des Erbvertrages gültig.

Die Kosten für ein notarielles Testament sind überschaubar, die Tücken durch Fallstricke groß. Damit Sie sichergehen können, dass Ihr letzter Wille nach dem Tod auch wirklich erfüllt wird, lohnt es sich in den meisten Fällen, einen Experten zur Erstellung des Testaments zu konsultieren.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Ein umfassender Ratgeber der Stiftung Warentest zum Testament (teilweise kostenpflichtig): https://www.test.de/Testament-So-regeln-Sie-Ihr-Erbe-nach-Ihren-Wuenschen-5055551-0/

Das BGB inklusive des Erbrechts (Buch 5): https://dejure.org/gesetze/BGB

Weitere rechtliche Erläuterungen zum Testament auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Testament

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

4 03, 2021

Häusliche Pflege

2021-04-27T23:38:40+02:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Häusliche Pflege

Die Anzahl der Pflegebedürftigen nimmt weiter zu: Im Jahr 2019 galten 4,13 Milliarden Menschen als pflegebedürftig – rund 700.000 mehr als zwei Jahre zuvor. Während die Zahl der in Heimen versorgten Pflegebedürftigen dabei unverändert bleibt, steigt der Anteil der häuslichen Pflege immer weiter an. 2019 wurden 3,3 Mrd. Menschen im häuslichen Umfeld gepflegt – rund ein Viertel mehr als drei Jahre zuvor. Damit macht die häusliche Pflege den mit Abstand größten Anteil bei der Pflege aus. Welche Möglichkeiten gibt es hier und wer trägt die Kosten? 

Das Wichtigste in Kürze

  • Häusliche Pflege bedeutet, dass die Pflege nicht in einer stationären Einrichtung, sondern in der Wohnumgebung der pflegebedürftigen Person erfolgt. Das kann die eigene Wohnung, aber auch eine betreute Wohnform sein.
  • Neben den pflegenden Angehörigen arbeiten ambulante Pflegedienste sowie auch 24-Stunden-Pflegekräfte in der häuslichen Pflege.
  • Die Kosten für die häusliche Pflege trägt – abhängig vom Pflegegrad und der Pflegeform – in Teilen die Pflegekasse.

Was steckt hinter dem Begriff „häusliche Pflege“?

Die häusliche Pflege (auch ambulante Pflege) bezeichnet die Pflege von Menschen in ihrem häuslichen Umfeld, d. h. ihrer eigenen Wohnung oder dem Eigenheim. Sie unterscheidet sich damit von der teilstationären oder stationären Pflege, die in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Zu den Leistungen gehört bei der häuslichen Pflege vor allem die hauswirtschaftliche Versorgung. Aber auch soziale Aktivitäten oder die medizinische Behandlungspflege können zum Angebot der Pflegedienste gehören.

Die Durchführung der Pflegetätigkeiten kann dabei entweder durch pflegende Angehörige, Pflegedienste oder 24-Stunden-Pflegekräfte erfolgen. Davon ist auch abhängig, welche Leistungen in welcher Form durch die Pflegekasse abgerechnet werden.

Abhängig vom Pflegebedarf kann die Pflege nur einmal wöchentlich oder mehrfach täglich stattfinden. Bei einem anhaltenden Pflegebedarf ist eine 24-Stunden-Pflege oft eine praktikable Lösung.

Die häusliche Pflege ist dabei nicht gleichzusetzen mit der häuslichen Krankenpflege nach SGB V. Diese wird erbracht, wenn die ärztliche Behandlung sichergestellt, ein Krankenhausaufenthalt jedoch vermieden werden soll. Der Anspruch der Versicherten liegt hier für gewöhnlich bei vier Wochen je Krankheitsfall und wird über die Krankenversicherung abgerechnet.

Für wen eignet sich die häusliche Pflege?

Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland wünschen sich für das Alter eine Pflege in den eigenen vier Wänden statt einer Pflegeeinrichtung. Der Wunsch ist groß, das häusliche Umfeld nicht verlassen zu müssen. Damit dies möglich ist, bedarf es allerdings einiger Voraussetzungen hinsichtlich der Barrierefreiheit der Wohnung und der Absicherung des Pflegebedarfs durch Angehörige oder professionelle Pflegekräfte.

Je geringer dabei der Pflegeaufwand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die vollständige Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. So wird ein Großteil der Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 und 3 zu Hause überwiegend ausschließlich durch Angehörige versorgt, während die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 5 überwiegend in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es eines anerkannten Pflegegrades. Prinzipiell kann jedoch jede pflegebedürftige Person die häusliche Unterstützung nutzen – muss für die Kosten allerdings unter Umständen selbst aufkommen.

Vorteile der häuslichen Pflege

  • Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit bleiben erhalten.
  • Kostenersparnis im Vergleich zur stationären Pflege.
  • Das soziale Umfeld bleibt wie gewohnt bestehen.
  • Pflegebedürftige Personen bleiben weiterhin in ihrer vertrauten Umgebung.

Aufgaben der häuslichen Pflege

Welche Aufgaben auf die Pflegekraft zukommen, ist individuell unterschiedlich. Schließlich ist der Hilfebedarf durch motorische oder kognitive Einschränkungen bei pflegebedürftigen Menschen sehr verschieden. Mögliche Aufgaben, die auf Sie oder einen Pflegedienst zukommen können, sind beispielsweise:

  • Hilfe bei der Körperpflege
  • Unterstützung beim Aufstehen und Ins-Bett-Gehen sowie beim An- und Auskleiden
  • Begleitung zum Arzt oder zu Behörden
  • Reinigung der Wohnung
  • Zubereitung der Mahlzeiten oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
  • Wäsche waschen
  • Hilfe bei der Medikamenteneinnahme
  • Beantragung von Hilfsmitteln und Bescheinigungen
  • Übernahme des Schriftverkehrs und erforderlicher Zahlungen
  • Pflege sozialer Kontakte
  • Organisation von Arztterminen, Pflegedienst & Co.
  • Bewegungsangebote zur Mobilitätsförderung
  • Maßnahmen zur Prophylaxe
  • Aktivierung und Anregung zu Beschäftigungen

Um die Aufgaben ohne Probleme ausführen zu können, ist es hilfreich, sich eine Vollmacht ausstellen zu lassen. Das kann eine umfassende Generalvollmacht sein oder sich auf einzelne Bereiche wie Gesundheit, Post oder die Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht beschränken.

Die häusliche Pflege durch Angehörige

Pflegende Angehörige leisten den zahlenmäßig größten Teil bei der häuslichen Pflege. Oft setzen sich die Pflegepersonen dabei einer Mehrfachbelastung aus. Die eigene Erwerbstätigkeit, Familienleben und Pflegesituation lassen Freizeit schnell zu einem Mangel werden. Entsprechend wichtig ist hier die frühzeitige Nutzung von Entlastungsangeboten.

Das ändert sich durch einen Pflegefall zu Hause

Mit eintretender Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen ändert sich die komplette Tagesstruktur. Neben dem Zeitaufwand für die Pflege ist jede Menge Organisationstalent gefragt, um Pflegedienst, Arztbesuche oder andere Termine gegebenenfalls auch mit dem eigenen Terminkalender zu koordinieren.

Gleichzeitig steigt die Belastung. Die eigene Freizeit steht hintenan, die eigene Familie droht vernachlässigt zu werden – parallel entwickelt sich schnell ein schlechtes Gewissen, der pflegebedürftigen Person nicht gerecht zu werden.

Als problematisch bezeichnen pflegende Angehörige neben der höheren finanziellen Belastung immer wieder auch das sich verändernde Verhältnis zur gepflegten Person, das oft von Spannungen begleitet ist.

Die Pflege verlangt Angehörigen sowohl psychisch als auch physisch einiges ab. Scheuen Sie sich daher nicht, zusätzliche Hilfsangebote durch andere Angehörige oder professionelle Pflegedienste zu nutzen, um sich selbst immer wieder zu entlasten.

Wer gilt als pflegende*r Angehörige*r?

Nach dem Verständnis der Pflegeversicherung gehören neben Eltern, Geschwistern, Kindern, Enkeln, Onkeln und Tanten auch Nachbarn, Freunde und Bekannte, die sich moralisch zu der Pflegetätigkeit verpflichtet fühlen, zu den Angehörigen.

Finanzierung der Pflege durch Angehörige

Die Pflege durch Angehörige erfolgt grundsätzlich unentgeltlich. Nutzt die pflegebedürftige Person Pflegesachleistungen nicht in vollem Umfang, hat sie ab einem anerkannten Pflegegrad 2 jedoch Anspruch auf das Pflegegeld. Dieses gibt sie in der Regel als Aufwandsentschädigung direkt an die Pflegeperson weiter. Die Höhe des Pflegegeldes bemisst sich nach dem Pflegegrad:

Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
0 Euro316 Euro545 Euro728 Euro901 Euro

Neben dem Pflegegeld besteht ein Anspruch auf den Entlastungsbetrag sowie einer finanziellen Beteiligung an notwendigen Hilfsmitteln.

Entlastung bei der Pflege zu Hause

Die häusliche Pflege Angehöriger geht nicht selten mit der eigenen Überlastung einher. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie sich Auszeiten von der Pflege nehmen, um die Akkus wieder aufzuladen und so Burnout und Depressionen vermeiden. Aufgrund der Bedeutung der Pflege durch Angehörige, die auch die Pflegekasse erkannt hat, stehen neben dem Pflegegeld weitere Gelder zur Verfügung, um kurzzeitige Hilfen zu engagieren:

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Pflegevertretung durch nahe Angehörige (Aufwendungen bis 6 Wochen im Kalenderjahr)0 €474 €817,50 €1.092 €1.351,50 €
Verhinderungspflege (Aufwendungen bis 6 Wochen im Kalenderjahr)0 €1.612 €
Kurzzeitpflege (Aufwendungen bis 8 Wochen im Kalenderjahr) 1.612 €
Teilstationäre Tages- und Nachtpflege0 €689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Zusätzliche Leistungen (für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen)214 €

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/322778/umfrage/soziale-pflegeversicherung-leistungen-nach-pflegestufen/

Eine Besonderheit der Verhinderungspflege ist die Option zur weiteren Aufstockung durch Geld aus der Kurzzeitpflege. Nutzen Sie diese nicht, sind 50 Prozent davon, d. h. 806 Euro zusätzlich auf die Verhinderungspflege anrechenbar. Bei der Verhinderungspflege können neben einem ambulanten Pflegedienst auch ehrenamtlich Pflegende oder andere Angehörige einspringen.

Absicherung pflegender Angehöriger

Die häusliche Pflege nimmt teilweise so viel Zeit in Anspruch, dass die Erwerbstätigkeit reduziert werden muss. Um hier keine Nachteile zu erleiden, besteht für nicht oder nur eingeschränkt erwerbstätige Pflegepersonen die Möglichkeit, Leistungen der sozialen Absicherung zu erhalten. Voraussetzung für Bezüge der Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung sind:

  • eine Pflegetätigkeit von mindestens 10 Stunden an zwei Tagen in der Woche
  • ein anerkannter Pflegegrad ab 2
  • eine eigene Erwerbstätigkeit von 30 Stunden oder darunter

Darüber hinaus ist eine berufliche Freistellung von bis zu 10 Tagen im Jahr möglich, um akute Pflegefälle zu betreuen. Auch ist eine Familienpflegezeit denkbar, in der Sie die wöchentliche Arbeitszeit reduzieren. Das ist für maximal 24 Monate möglich, wobei die Arbeitszeit weiterhin mindestens 15 Stunden wöchentlich betragen muss.

Häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst

Ein ambulanter Pflegedienst kann Sie als pflegende*n Angehörige*n entweder in einigen Bereichen gezielt entlasten oder die Pflegeaufgaben direkt komplett übernehmen. Die Häufigkeit der Dienstleistungen kann dabei von einmal wöchentlich bis mehrfach täglich variieren.

Leistungen ambulanter Pflegedienste

Professionelle Pflegedienste bieten ein breites Leistungsspektrum an, das sich nach Maßnahmen der Grundpflege und der Behandlungspflege unterscheidet. Die medizinische Behandlungspflege darf dabei ausschließlich von qualifizierten Pflegekräften durchgeführt werden.

GrundpflegeBehandlungspflege
  • körperbezogene Pflegemaßnahmen wie Waschen und Unterstützung bei der Ausscheidung
  • pflegerische Betreuung, d. h. Unterstützung bei der Mobilisation und Nahrungsaufnahme
  • Hilfe bei der Haushaltsführung, z. B. Reinigung und Einkaufen
  • Seniorenbetreuung
  • Beratung von Pflegebedürftigen und Angehörigen
  • Injektionen
  • Blutdruckmessung
  • Wundversorgung
  • etc.

Kosten ambulanter Pflegedienste

Die Kosten eines ambulanten Pflegedienstes sind in einem Katalog festgelegt, der mit den Pflegekassen vereinbart ist, d. h., die Dienste sind in ihrer Preisgestaltung nicht frei. Dennoch unterscheiden sich die sogenannten Leistungskomplexe – die Zusammenfassung einzelner Leistungen, wie beispielsweise zur kleinen oder großen Grundpflege – vor allem in den einzelnen Bundesländern hinsichtlich Kosten und Umfang.

Damit hängen die monatlichen Kosten eines Pflegedienstes vor allem davon ab, wie oft der Pflegedienst kommt und welche Leistungen erbracht werden. Achten Sie bei einem Vertragsabschluss in jedem Fall auf eine transparente Angabe der anfallenden Kosten.

Finanzierung der Leistungen ambulanter Dienste

Je nach Pflegegrad steuert die Pflegekasse monatlich einen Betrag zu den in Anspruch genommenen Leistungen von Pflegediensten bei. Wichtig ist dabei, dass der Pflegedienst einen Versorgungsvertrag mit der Pflegekasse hat. Die Höhe hängt vom anerkannten Pflegegrad ab, die Abrechnung erfolgt in der Regel direkt mit der Pflegekasse.

Pflegegrad 1Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
0 €689 €1.298 €1.612 €1.995 €

Nehmen Sie die Leistungen nicht bis zur Maximalsumme in Anspruch, lohnt es sich, die sogenannte Kombinationsleistung zu beantragen. Im Rahmen dieser überweist die Pflegekasse dann monatlich den prozentual nicht genutzten Teil der Sachleistung vom Pflegegeld.

Beispiel: Nehmen Sie 63 % des Maximalbetrages der Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3 in Anspruch (1.298 * 0,63 = 817,74 €), stehen Ihnen noch 37 % des Pflegegeldes zu (545 * 37 = 201,65 €).

24-Stunden-Pflegekraft für die häusliche Pflege

Eine weitere Möglichkeit der häuslichen Pflege ist die Einstellung einer 24-Stunden-Pflegekraft. Die vielfach auch als „polnische Pflegekräfte“ bezeichneten Pflegepersonen stammen überwiegend aus Osteuropa und ziehen für einen bestimmten Zeitraum in die Wohnung oder das Haus der pflegebedürftigen Person ein.

Für die Beauftragung einer solchen Pflegekraft sind drei verschiedene Modelle möglich:

  • Festanstellung der Pflegekraft (Sie werden hier zum Arbeitgeber)
  • Vertrag mit einer Vermittlungsagentur
  • Beauftragung einer selbstständigen Pflegekraft

Am weitesten verbreitet ist hier wohl die Inanspruchnahme einer Vermittlungsagentur. Diese wiederum steht in Kontakt mit einem polnischen Dienstleister, der die Pflegekräfte nach Deutschland entsendet. Teilweise wechseln sich hier 2–3 Pflegekräfte ab, sodass immer die gleichen Betreuungspersonen wiederkehren.

Leistungsangebot der 24-Stunden-Pflegekraft

Die Qualifikation der meisten polnischen Pflegekräfte ist nicht mit der Fachausbildung einer examinierten Pflegekraft in Deutschland vergleichbar. Entsprechend dürfen die Pflegekräfte nicht alle Leistungen durchführen, sondern bleiben auf den Bereich der Grundpflege beschränkt:

  • Hygiene
  • Ernährung
  • Arztbesuche
  • Haushalt
  • Soziales

Sind zudem medizinische Behandlungen nötig, können Sie ergänzend einen ambulanten Pflegedienst nutzen.

Kosten und Finanzierung

Eine 24-Stunden-Pflegekraft lässt sich nicht direkt über die Pflegekasse abrechnen. Bei einem vergleichsweise hohen Pflegebedarf kann die feste Einstellung jedoch dennoch die günstigere Variante im Vergleich zu einem Pflegedienst sein, bei dem jede Anfahrt extra zu Buche schlägt, während die 24-Stunden-Pflegekraft rund um die Uhr vor Ort ist und eine monatliche Pauschalvergütung erhält. Je nach Beschäftigungsmodell variieren die Kosten ab rund 2.000 Euro bis zu maximal 5.000 Euro.

Die Finanzierung ist über das Pflegegeld und den Entlastungsbetrag möglich. Daneben können Sie die Verhinderungspflege nutzen, um die Kosten zu decken.

Übersicht – Leistungen der Pflegekasse nach Pflegegrad

Die Höhe der monatlichen Leistungen der Pflegekasse für die häusliche Pflege hängt vom anerkannten Pflegegrad ab. Neben Pflegegeld und Pflegesachleistung gibt es weitere Finanzierungsangebote der Pflegekasse. Das sind – unabhängig vom Pflegegrad – ein monatlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro und ein Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln von monatlich 40 Euro.

Pflegegrad 1
  • Entlastungsbetrag von 125 €
  • Wohnraumanpassung bis zu 4.000 € je Maßnahme
  • Pflegehilfsmittel bis zu 40 € monatlich
  • Erstattung für den Hausnotruf: 10,49 € für den Anschluss; 18,36 € monatlich für den Betrieb
Pflegegrad 2

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 316 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 689 €
Pflegegrad 3

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 545 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.262 €
Pflegegrad 4

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 728 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.612 €
Pflegegrad 5

wie Pflegegrad 1 plus:

  • Pflegegeld von bis zu 901 €
  • Pflegesachleistungen oder Zuschuss zur teilstationären Pflege (Tages- und Nachtpflege) von 1.995 €

Reichen die eigenen finanziellen Mittel für die Pflege nicht aus, ist es möglich, über das Sozialamt die Hilfe zur Pflege zu beantragen. Diese übernimmt alle tatsächlich anfallenden Kosten.

Das häusliche Umfeld für die Pflege gestalten

Damit die häusliche Pflege möglichst reibungslos verläuft und die pflegebedürftige Person sich bestmöglich selbstständig bewegen kann, ist gegebenenfalls der barrierefreie Umbau der Wohnung erforderlich. Das kann beispielsweise der Umbau des Badezimmers oder der Einbau eines Treppenlifts sein. Die Pflegekasse erstattet hier bei jeder Maßnahme maximal Kosten von 4.000 Euro.

Essen auf Rädern in der häuslichen Pflege

Weder pflegende Angehörige noch ambulante Pflegedienste haben oft die Zeit, um neben den Pflegeleistungen auch noch täglich ein gesundes Essen zuzubereiten. Hier ist das sogenannte Essen auf Rädern eine wertvolle Hilfe. Die Dienstleistung, die meist von sozialen Einrichtungen, Wohlfahrtsverbänden oder Sozialstationen angeboten wird, liefert fertige Gerichte ins Haus.

Die Kosten eines Menüs liegen für gewöhnlich zwischen 4,50 und 7,50 Euro, wobei gegebenenfalls auch Zuschüsse durch das Sozialamt möglich sind.

Beratungsstellen für die häusliche Pflege

Wer erstmalig mit dem Thema Pflege in Kontakt kommt, ist schnell überfordert. Um das zu verhindern, gibt es gleich eine ganze Reihe verschiedener Anlaufstellen, die Sie kostenlos zu relevanten Themen beraten:

  • Seniorenberatungen
  • Kommunale Beratungsstellen
  • Sozialdienste
  • die Unabhängige Patientenberatung (UPD)
  • Pflegestützpunkte
  • gesetzliche bzw. private Kranken- und Pflegeversicherung
  • Hausarzt oder behandelnde Klinik
  • das Sozialamt bei finanziellen Engpässen
  • Selbsthilfegruppen
  • der Pflegeleistungsrechner des Bundes

Fazit

Der Staat ist sich der immensen Bedeutung der häuslichen Pflege bewusst und bietet daher zahlreiche finanzielle Hilfen an, die Angehörige bei der Planung und Durchführung der häuslichen Pflege entlasten. Informieren Sie sich hierzu z. B. bei einem Pflegedienst eingehend über die möglichen Unterstützungsangebote und scheuen Sie sich nicht, diese auch zu nutzen – die häusliche Pflege lässt sich so deutlich vereinfachen und beugt damit Burnout und körperlichen wie seelischen Überlastungen vor.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Dossier zur Pflege in Deutschland (kostenpflichtig): https://de.statista.com/download/MTYxMjUxMzQ4OSMjMjkwMjYzIyM2OTg4IyMxIyNwZGYjI1N0dWR5

Eine Auflistung der Unterstützung der häuslichen Pflege durch die Pflegekasse: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause.html

Berechnung des Anspruchs auf Leistungen der Pflegekasse: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer.html

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

4 03, 2021

Grundpflege

2021-05-03T14:56:00+02:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Grundpflege

Die Grundpflege bezeichnet den Teil der Unterstützung pflegebedürftiger Personen, der die grundlegenden Bereiche des Alltags abdeckt – Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Anders als die auf den medizinischen Bereich fokussierte Behandlungspflege können auch Laien die Grundpflege durchführen. In Abhängigkeit von dem Ort der Pflegeleistungen (häusliches Umfeld oder innerhalb einer Einrichtung) sowie der Professionalität der Pflegekräfte erstattet die Pflegekasse Kosten auf unterschiedliche Weise. Wir haben das Wichtigste rund um die Grundpflege für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Grundpflege bezeichnet die Unterstützung bei der Verrichtung der täglichen Alltagsroutinen. Wesentliche Bereiche sind hier die Körperpflege, Ernährung, Mobilität und die hauswirtschaftliche Versorgung.
  • Die Grundpflege kann im häuslichen Umfeld, teilstationär oder vollstationär in einer Pflegeeinrichtung erfolgen. Neben qualifizierten Fachkräften können auch Angehörige oder Nachbarn die Leistungen der Grundpflege ausführen.
  • Die Kosten für die Grundpflege trägt teilweise die Pflegekasse (bzw. Krankenversicherung). Je nach Professionalität der Pflegeperson erfolgt die Abrechnung über die Pflegesachleistungen oder das Pflegegeld.

Was bedeutet Grundpflege?

Die Grundpflege zeichnet sich durch grundlegende, meist wiederkehrende Handlungen im Bereich der Kranken-, Alten- und Heilerziehungspflege aus. Damit bleibt sie nicht auf eine spezielle Personengruppe begrenzt, sondern steht allen Menschen zu, die wichtige Grundbedürfnisse nicht selbst verrichten können. Grundlage hierfür ist die Definition der Pflegebedürftigkeit nach § 14 SGB XI.

Die Bereiche der Grundpflege untergliedern sich in die Körperpflege, Ernährung und Mobilität sowie nicht-medizinische Pflegetätigkeiten aus dem Bereich des täglichen Lebens. Die Grundpflege ist als Teil der häuslichen Krankenpflege nach SGB XI definiert.

Grundpflege – ein veralteter Begriff?

Entstanden ist der Begriff der Grundpflege 1967 aufgrund einer ungenauen Übersetzung aus dem Englischen, gilt heute jedoch im Wesentlichen als veraltet. Die Pflegewissenschaft fokussiert sich inzwischen auf einen ganzheitlichen Ansatz, dem der Dualismus von körperlicher und medizinischer Versorgung zuwiderläuft.

Trotz der anhaltenden Debatte fanden die Begriffe Grund- und Behandlungspflege Eingang in das Sozialgesetzbuch. Erst mit dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2017 wurde die Bezeichnung der Grundpflege durch die Umschreibungen „körperbezogene Pflegemaßnahmen“ und „pflegerische Betreuungsmaßnahmen“ ersetzt.

Der Unterschied zwischen Grundpflege und Behandlungspflege

Während die Grundpflege Körperpflege, Ernährung und Mobilität umfasst, beschreibt die Behandlungspflege die Durchführung von medizinischen Handlungen. Dazu gehören zum Beispiel das Verabreichen von Medikamenten, Verbandswechsel oder auch Injektionen. Die Behandlungspflege zielt damit vor allem auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes einer pflegebedürftigen Person ab. Dieser Bereich darf ausschließlich von fachlich geschultem und qualifiziertem Personal durchgeführt werden.

Leistungen der Grundpflege nach SGB XI

Das Bundesgesundheitsministerium schreibt die Aufgaben der Grundpflege den folgenden Bereichen zu:

  • „Bereich der Körperpflege: Hilfe beim Waschen, Duschen, Baden, bei der Zahnpflege, beim Kämmen, Rasieren sowie bei der Darm- und Blasenentleerung
  • Bereich der Ernährung: Hilfe bei der mundgerechten Zubereitung und Nahrungsaufnahme
  • Bereich Mobilität: Hilfe beim Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen sowie Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung/Pflegeeinrichtung“

Die hauswirtschaftliche Versorgung und Hilfen bei der Durchführung ärztlicher Verordnungen (zum Beispiel die Versorgung mit Medikamenten) zählen nicht dazu. Die einzelnen Bereiche umfassen konkret folgende Tätigkeiten:

Körperpflege

  • Waschen (Ganzkörperwäsche oder Waschen von Teilbereichen an einer Waschschüssel, am Waschbecken, in der Badewanne oder in der Dusche, bei Bedarf auf einem Stuhl/Hocker sitzend oder im Bett liegend)
  • Haarpflege
  • Rasur
  • Pflege von Zähnen und/oder Zahnersatz
  • Hilfe beim Wasserlassen und Stuhlgang (z. B. Intimhygiene, Reinigung und Versorgung von Katheter bzw. künstlichem Blasen- oder Darmausgang, Wechseln von Inkontinenzeinlagen, Windeln etc., Trainieren der Kontinenz, Säubern des Toilettenstuhls)

Ernährung

  • Mundgerechtes Zerkleinern von Speisen
  • Getränke einfüllen
  • Speisen und Getränke anreichen
  • Spezielle Nahrung zubereiten
  • Nahrung per Ernährungssonde verabreichen

Lebensmitteleinkäufe sowie die Planung und Zubereitung von Mahlzeiten gehören nicht zur Grundpflege!

Mobilität

  • Hilfestellung beim Aufstehen und Zubettgehen, beim Gehen, Stehen und Treppensteigen, beim Verlassen des Hauses usw. (siehe auch Aktivierende Pflege)

Prophylaxe als Pflegestandard

Damit sich aus vorhandenen Einschränkungen keine weiterführenden Erkrankungen bilden, gehören Maßnahmen zur Prophylaxe zum Pflichtprogramm bei der Grundpflege. Diese Standards umfassen z. B. die Prophylaxe von:

  • Dekubitus (Wundliegen), durch regelmäßiges Umlagern
  • Thrombose (Entstehung von Blutgerinnseln), z. B. durch Umlagerung oder Krankengymnastik
  • Exsikkose (Austrocknung des Körpers), z. B. Trinken erleichtern und fördern
  • Obstipation (Verstopfung), z. B. Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung
  • Kontrakturen (Muskelverkürzungen), z. B. durch Umlagerung oder Krankengymnastik
  • Pneumonie (Lungenentzündung), z. B. Atemgymnastik, Absaugen oder Aushusten, langsames Laufen
  • Intertrigo (nässende und juckende Stellen in Hautfalten), z. B. Mobilität erhalten, Hautfalten trocken halten, regelmäßiges Waschen
  • Soor / Parotitis (Pilzerkrankung und Ohrspeicheldrüsenentzündung), z. B. durch ausreichendes Trinken, Mundhygiene, Speichelproduktion anregen

Zur Förderung der Fähigkeiten im Alltag eignen sich z. B. Ess- und Toilettentrainings, Gedächtnistraining, Hilfe bei sozialen Kontakten, Übungen der Körperpflege.

Kombinierte Leistungskomplexe

Nach dem Inkrafttreten des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes im Jahr 2017 wurden zahlreiche Leistungen zu sogenannten Leistungskomplexen zusammengefasst. Zwei besonders relevante dieser Pakete sind die kleine und große Grundpflege:

Inhalte der kleinen Grundpflege

  • Hilfe beim Waschen von Gesicht, Oberkörper und Intimbereich
  • Bereitlegen der Kleidung, Hilfe beim An- und Ausziehen
  • Mund- und Zahnpflege, Reinigung der Zahnprothesen
  • Toilettengänge mit Hilfestellung auf dem WC oder im Bett

Inhalte der großen Grundpflege

Die große Grundpflege umfasst für gewöhnlich alle Tätigkeiten der kleinen Grundpflege sowie die weiteren Bereiche:

  • Baden / Duschen
  • Haare waschen
  • Haut- und Nagelpflege

Grundpflege nach SGB V

Neben dem SGB XI spielt das SGB V eine Rolle für die Grundpflege. Die häusliche Krankenpflege und eine stationäre Krankenhausbehandlung fallen unter die Leistungen der Krankenversicherung und gelten für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen. In dieser Zeit steht Ihnen zudem eine Haushaltshilfe zu. Die Leistungen werden per ärztlichem Rezept verschrieben. Die Abrechnung erfolgt in diesem Fall nicht über die Pflegekasse, sondern über die Krankenversicherung.

Unterstützungsformen in der Grundpflege

Ein wesentliches Ziel pflegerischer Tätigkeiten ist der Erhalt der Selbstständigkeit pflegebedürftiger Personen. Entsprechend sollten diese möglichst viele Aufgaben eigenständig durchführen, während Sie als Angehörige*r nur intervenieren, wenn Hilfe wirklich nötig ist und Tätigkeiten nicht mehr selbstständig durchgeführt werden können. Entsprechend unterscheidet die Pflege fünf unterschiedliche Unterstützungsformen:

BeaufsichtigungDie Pflegeperson beobachtet und kontrolliert die Durchführung der Aktivitäten lediglich.
UnterstützungDie Pflegeperson stellt Gegenstände oder auch Hilfsmittel bereit, sodass die pflegebedürftige Person Tätigkeiten eigenständig durchführen kann.
AnleitungDie Pflegeperson stellt die richtige Durchführung von Tätigkeiten sicher. Auch Erklärungen sind Teil der Unterstützung.
Teilweise ÜbernahmeDie Pflegeperson übernimmt Teile der Tätigkeit, die die pflegebedürftige Person nicht selbst durchführen kann.
Vollständige ÜbernahmeDie Pflegeperson übernimmt die Tätigkeit, ohne dass die pflegebedürftige Person einen aktiven Beitrag leistet.

Wer darf die Grundpflege durchführen?

Grundsätzlich darf jede Person Leistungen der Grundpflege durchführen. Das können Nachbarn, Angehörige oder Freunde sein ebenso wie geschultes Fachpersonal. Im Rahmen der stationären Pflege kommen fast ausschließlich examinierte Pflegekräfte zum Einsatz.

Die Pflegekraft oder Pflegeperson hat dabei die Aufgabe, die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung (Prüfung) der Grundpflege sicherzustellen. Da die Pflege stets einen Eingriff in die Intimsphäre darstellt, ist es vor allem wichtig, dass sich die pflegebedürftige Person wohlfühlt.

Kosten der Grundpflege

Die Kosten der Grundpflege variieren vor allem durch die Qualifikation der Pflegekraft. Im Gegensatz zur Behandlungspflege ist der Ausbildungsanspruch geringer, sodass auch angelernte Kräfte, Nachbarn oder Angehörige die Grundpflege übernehmen können. Es gibt nicht nur einen Unterschied in der Höhe der Kosten, sondern auch in der Art der Kostenerstattung durch die Pflegekasse.

Berechnung der Kosten durch die Pflegeversicherung

Bis 2017 galt die sogenannte Pflegezeitbemessung als Grundlage für die Bewilligung einer Pflegestufe. Diese ermittelte, wie viel Zeit Pflegepersonen täglich für die Pflege aufbringen müssen. Anhand dessen erfolgte dann die Zuordnung zu einer Pflegestufe.

Durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz, das fortan nicht mehr nur körperliche, sondern auch kognitive und psychische Beeinträchtigungen berücksichtigt, erfolgte eine Abkehr der bisherigen zeitlichen Bemessungsgrundlagen zugunsten von einzelnen Leistungskomplexen, die mithilfe eines Punktesystems bewertet werden.

Die Höhe der Kosten dieser Leistungskomplexe variiert von Bundesland zu Bundesland, da die Pflegedienste hier unterschiedliche Rahmenverträge und Vergütungsvereinbarungen mit den Pflegekassen abschließen. Auch sind bundeslandabhängig nicht in jedem Leistungskomplex die gleichen Inhalte gegeben.

Ein Beispiel für einen Leistungskatalog, den der BKK-Dachverband veröffentlicht hat, zeigt die folgende Tabelle.

Grundpflege
Ganzwaschung (Waschen, Duschen, Baden)26,23 €
Teilwaschung14,04 €
Unterstützung und Hilfestellung bei Ausscheidungen6,40 €
Selbstständige Nahrungsaufnahme6,40 €
Hilfe bei der Nahrungsaufnahme (Hauptmahlzeit)16,01 €
Sondenkost6,40 €
Lagern und Betten6,40 €
Mobilisation11,52 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (Waschen/Duschen/Baden)38,98 €
Verbundene Leistungskomplexe: reduzierte Große Grundpflege (Waschen/Duschen/Baden)28,76 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege28,76 €
Verbundene Leistungskomplexe: reduzierte Kleine Grundpflege18,54 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (ohne Nahrungsaufnahme)33,25 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große Grundpflege (mit Nahrungsaufnahme)47,29 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege (ohne Nahrungsaufnahme)22,35 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine Grundpflege (mit Nahrungsaufnahme)37,07 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 16,40 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 26,40 €
Verbundene Leistungskomplexe: Kleine pflegerische Hilfestellung 1 und 210,84 €
Betreuungsleistungen/häusliche Betreuung – Alternativer Stundensatz
Pflegerische Betreuung0,64 € / min
Hilfe bei der Sicherstellung der selbstverantworteten Haushaltsführung0,64 € / min
Hauswirtschaftliche Versorgung
Behördengänge und Arztbesuche22.17 €
Beheizen des Wohnbereiches3,69 €
Einkaufen9,24 €
Zubereiten von warmen Speisen9,24 €
Reinigen der Wohnung33,25 €
Waschen und Pflegen der Wäsche und Kleidung22,17 €
Verbundene Leistungskomplexe: Große hauswirtschaftliche Versorgung46,80 €
Kleine pflegerische Hilfestellung 44,93 €
Wegegebühren
Hausbesuchspauschale4,30 €

Quelle: BKK Dachverband (https://pflegefinder.bkk-dachverband.de/details/index.php?uid=500550164_45699_hos_a)

Finanzierung der Grundpflege

Bei der Finanzierung der Grundpflege kommt es maßgeblich darauf an, wer die Pflegetätigkeiten durchführt. Die Pflegekasse erstattet anfallende Kosten dann über das Pflegegeld, die Pflegesachleistungen oder eine Kombination aus beiden Formen. Für ihre Abrechnung legen Pflegedienste die Leistungskomplexe zugrunde, was die Abrechnung mit der Pflegekasse deutlich vereinfacht.

Pflegegeld bei der Pflege durch eine*n Angehörige*n

In vielen Fällen übernehmen Angehörige die Grundpflege. Unter diesen Umständen besteht bei der Pflegekasse kein Anspruch auf Sachleistungen. Stattdessen erhält die pflegebedürftige Person ab Pflegegrad 2 das Pflegegeld, welches für gewöhnlich an die Pflegeperson weitergegeben wird und somit als Aufwandsentschädigung dient.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2316 Euro
Pflegegrad 3545 Euro
Pflegegrad 4728 Euro
Pflegegrad 5901 Euro

Hinzu kommt unabhängig vom Pflegegrad ein monatlicher Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro, den Sie bei der Pflegekasse geltend machen können.

Übernahme der Grundpflege durch einen Pflegedienst

Eine Alternative zur Pflege durch Angehörige ist ein ambulanter Pflegedienst, der die Grundpflege der pflegebedürftigen Person im häuslichen Umfeld vollzieht. In diesem Fall erfolgt die Abrechnung ab einem Pflegegrad 2 direkt über die Pflegesachleistungen der Pflegekasse.

Neben dem Entlastungsbetrag, der wie auch beim Pflegegeld unabhängig vom Pflegegrad für die häusliche Unterstützung aufgewendet werden kann, besteht die Möglichkeit, Leistungen der Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege zu nutzen, wenn Sie als Angehörige*r temporär verhindert sind.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2689 Euro
Pflegegrad 31.298 Euro
Pflegegrad 41.612 Euro
Pflegegrad 51.995 Euro

Teil. oder vollstationäre Grundpflege

Die Grundpflege ist ebenfalls Bestandteil der teil- oder vollstationären Pflege. Für die teilstationäre Pflege im Rahmen der Tages- oder Nachtpflege, die bei demenzkranken Menschen häufig genutzt wird, stehen weitere Beträge zur Verfügung, die noch einmal der Höhe der Sachleistungen entsprechen. Allerdings erfolgt keine Anrechnung auf in Anspruch genommene Sachleistungen, sodass Pflegekosten in der teilstationären Pflege zusätzlich durch die Pflegekasse finanziert werden, sofern es einen plausiblen Grund für die Leistungen gibt.

Ist eine vollstationäre Pflege in einer Pflegeeinrichtung erforderlich, gibt es eine weitere Differenzierung einzelner Pflegegrade. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass die Pflegekasse ausschließlich die Pflegekosten bis zum genannten Maximalbetrag trägt, die Kosten für Kost und Logis jedoch einen Eigenanteil der pflegebedürftigen Person darstellen. Dieser kann monatlich durchaus auch 2.000 Euro oder mehr betragen.

Pflegegrad 10 Euro
Pflegegrad 2770 Euro
Pflegegrad 31.262 Euro
Pflegegrad 41.775 Euro
Pflegegrad 52.005 Euro

Grundpflege durch eine 24-Stunden-Kraft

Oft ist die Einstellung einer 24-Stunden-Kraft, auch geläufig unter der Bezeichnung „polnische Pflegekraft“, eine Möglichkeit, dass eine pflegebedürftige Person weiterhin in den eigenen vier Wänden wohnen kann, gleichzeitig jedoch die Versorgung sichergestellt ist.

Nur selten verfügen diese Pflegekräfte, die für gewöhnlich in die Wohnung oder das Haus einziehen und so rund um die Uhr vor Ort sind, über eine Ausbildung, die der Qualifikation einer examinierten Pflegekraft entspricht. Damit ist es ihnen untersagt, Leistungen der Behandlungspflege durchzuführen, für die gegebenenfalls ein Pflegedienst engagiert werden muss.

Wohl aber erbringen die 24-Stunden-Kräfte die Leistungen der Grundpflege – und sind bei steigendem Pflegebedarf verhältnismäßig günstiger als ein ambulanter Pflegedienst, der mehrmals täglich kommt. Darüber hinaus ist die dauerhafte Anwesenheit der Unterstützungsperson für pflegebedürftige Personen sinnvoll, die beispielsweise Hilfe bei Toilettengängen benötigen, jedoch nicht immer ein*e Angehörige*r vor Ort ist.

Hilfsmittel für die Grundpflege nutzen

Immer wieder gibt es Faktoren, die die Pflege erschweren. Das kann beispielsweise das hohe Gewicht der Pflegeperson sein, Lähmungserscheinungen oder eine fortgeschrittene Demenz. Das führt zu neuen Herausforderungen bei der Pflege. Benötigen Sie Hilfsmittel, um die Pflegetätigkeit überhaupt bewerkstelligen zu können, stehen Ihnen weitere Gelder für Anpassungsmaßnahmen im eigenen Wohnraum zu. So kann die pflegebedürftige Person möglichst lange im häuslichen Umfeld leben – unabhängig davon, wer die Grund- und gegebenenfalls auch die Behandlungspflege übernimmt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Ein Ratgeber der Stiftung Warentest über die notwendigen Schritte, wenn ein Pflegefall eintritt – inklusive Hinweisen zur Entlastung pflegender Angehöriger: https://www.test.de/shop/gesundheit-kosmetik/schnelle-hilfe-im-pflegefall-sp0472/

Informationen zu den Pflegegraden vom Bundesgesundheitsministerium: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html#c4793

Definition des Pflegebedürftigkeitsbegriffes nach § 14 SGB XI: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__14.html

Beispiele für Leistungskataloge aus den Bundesländern: https://drk-pflegeservice.de/ambulante-pflege/preise/ und http://www.krankenpflege-candidus.de/wp-content/uploads/2018/06/LK_01_01_20.pdf

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

4 03, 2021

Behandlungspflege

2021-05-03T14:52:29+02:00März 4th, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Behandlungspflege

Die medizinische Behandlungspflege dient einerseits der ärztlichen Versorgung bei temporärem Pflegebedarf nach einem Krankenhausaufenthalt oder um selbigen durch die Pflege im häuslichen Umfeld zu vermeiden. Andererseits ist im Rahmen der dauerhaften Pflege neben der Grundpflege auch die Behandlungspflege Teil pflegerischer Tätigkeiten. Aufgrund der verschiedenen Anwendungsbereiche unterscheiden sich die gesetzlichen Grundlagen sowie die Abrechnungsformen. Beiden gemein ist jedoch die ausschließliche Durchführung durch qualifizierte Pflegekräfte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Leistungen der Behandlungspflege umfassen den medizinischen Bereich. Die Durchführung bleibt ausgebildeten Pflegekräften vorbehalten, die auf Grundlage einer ärztlichen Verordnung handeln.
  • Da die Krankenkasse die Kosten der Behandlungspflege nach SGB V trägt, ist hier keine Anerkennung eines Pflegegrades erforderlich.
  • Findet die Behandlungspflege nach SGB XI im Rahmen der häuslichen Pflege durch einen Pflegedienst statt, rechnet dieser die Leistungen direkt mit der Kasse innerhalb der Pflegesachleistungen ab. Hierzu bedarf es einer Anerkennung des Pflegegrades.

Was ist Behandlungspflege?

In der Sozialgesetzgebung versteht man unter Behandlungspflege Tätigkeiten, die durch Pflegekräfte auf eine ärztliche Anordnung hin durchgeführt werden. Die Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses lautet dazu wie folgt:

„Behandlungspflege meint die von Ärzten an Pflegekräfte überantworteten medizinischen Maßnahmen, um Krankheiten zu bekämpfen, abzumildern oder darauf zurückgehende Beschwerden zu verringern.“

Dazu gehören Leistungen der Gesundheits- und Krankenpflege, Kinderkrankenpflege sowie der Altenpflege. Folgende Aufgaben sind darin beinhaltet:

  • Medikamentengabe
  • Verbandswechsel und Wundversorgung
  • Blutdruck- und -zuckermessung
  • ärztliche Assistenz
  • Injektionen
  • Katheterpflege und -wechsel

Die Durchführung der Behandlungspflege erfolgt entweder ambulant oder bei Pflegefällen auch stationär. Gesetzliche Regelungen zur häuslichen Krankenpflege finden sich in §§ 37, 132a SGB V sowie im Falle der Leistungen der Pflegeversicherung in §§ 12 Abs. 2, 36–40 SGB XI.

Behandlungspflege und Grundpflege

Der zweite pflegerische Bereich neben der Behandlungspflege ist die sogenannte Grundpflege. Diese umfasst alle pflegerischen Tätigkeiten der Grundversorgung – z. B. Körperpflege oder Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.

BehandlungspflegeGrundpflege
  • Sicherung der medizinischen Versorgung
  • auf ärztliche Verordnung
  • zu Hause oder in einer stationären Einrichtung

» nur durch qualifizierte Pflegekräfte

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • hauswirtschaftliche Aufgaben

» auch durch pflegende Angehörige und unqualifizierte Pflegepersonen möglich

Allerdings sind beide Bereiche nicht streng voneinander getrennt zu sehen, sondern sollten im Rahmen der Pflege eher als ganzheitlicher Ansatz betrachtet werden. Denn sowohl der Begriff der Behandlungspflege als auch der der Grundpflege gilt in Deutschland als veraltet. Lehrbücher für Pflegeberufe lehnen den sich daraus resultierenden Dualismus seit 2004 zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ab. Dennoch haben Grund- und Behandlungspflege Eingang in § 37 SGB V gefunden und werden auch in SGB XI umschrieben.

Wer darf Behandlungspflege durchführen?

Anders als die Grundpflege, die auch von nicht qualifizierten Pflegepersonen durchgeführt werden kann, ist für die Behandlungspflege eine Qualifizierung erforderlich: Maßnahmen der Behandlungspflege dürfen sowohl in der häuslichen Pflege als auch in stationären Einrichtungen ausschließlich durch Pflegefachkräfte mit einer entsprechenden Fachausbildung durchgeführt werden.

Diese setzt für Leistungen nach SGB V eine mindestens dreijährige Ausbildung samt Examen in der Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder aber ein pflegewissenschaftliches Studium voraus. Daneben steht es auch Helfer*innen und Assistent*innen mit ausreichend Berufserfahrung frei, sich in einem Aufbaulehrgang „Behandlungspflege“ zu den Leistungsgruppen 1 und 2 weiterzubilden. Mit dieser Qualifizierung sind sie berechtigt, unter Aufsicht einer delegierenden Fachkraft behandlungspflegerische Aufgaben zu übernehmen.

24-Stunden-Pflegekräfte (polnische Pflegekräfte) sind in der Regel nicht qualifiziert, um Maßnahmen der Behandlungspflege durchzuführen. Sie leisten allerdings eine wertvolle Unterstützung bei der Grundpflege im Alltag – für medizinische Pflegemaßnahmen ist gegebenenfalls die Hinzuziehung eines ambulanten Pflegedienstes dienlich.

Behandlungspflege im häuslichen Umfeld

In einer stationären Einrichtung ist die medizinische Versorgung lückenlos gewährleistet. Doch kann die Behandlungspflege auch im häuslichen Umfeld erfolgen. Das ist der Fall, wenn ein Mensch z. B. aus dem Krankenhaus entlassen wird, jedoch für einen längeren Zeitraum im Bett verbleiben muss und auch Wunden zu versorgen sind.

Umgekehrt kann ein Arzt die Behandlungspflege verordnen, um so einen Krankenhausaufenthalt zu verhindern. Entsprechend unterscheidet man drei Formen der Behandlungspflege:

  • medizinische Behandlungspflege auf ärztliche Verordnung
  • Sicherungspflege, die teilweise um Leistungen der Grundpflege ergänzt wird
  • Krankenhausverhinderungspflege

Die Aufgaben der Behandlungspflege im häuslichen Umfeld übernimmt für gewöhnlich ein ambulanter Pflegedienst, der sich gleichzeitig auch um die Grundpflege und andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten kümmern kann.

Leistungen ambulanter Pflegedienste im Rahmen der häuslichen Krankenpflege

In der Regel deckt ein ambulanter Pflegedienst sowohl Leistungen der Grundpflege als auch der Behandlungspflege ab. In der häuslichen Krankenpflege sind die Bereiche der Behandlungspflege, Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung drei Säulen der ganzheitlichen Pflege nach SGB V.

Die Leistungen im Bereich der Behandlungspflege von pflegebedürftigen Menschen sind beispielsweise:

  • Wechsel von Verbänden und Wundversorgung
  • Beobachtung der erkrankten Person
  • An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen
  • Stomabehandlung
  • Portversorgung
  • Bedienung eines Beatmungsgerätes
  • Blutzucker- und Blutdruckmessung
  • medizinische Einreibungen
  • dermatologische Bäder
  • Dekubitusbehandlung
  • Medikamentengabe
  • Infusionen und Injektionen
  • Katheterversorgung

Zur Grundpflege zählen dann Bereiche alltäglicher Grundbedürfnisse wie:

  • Ernährung
  • Körperpflege
  • Mobilität

Die dritte Säule der häuslichen Krankenpflege ist die hauswirtschaftliche Versorgung, d. h. „Maßnahmen, die zur Aufrechterhaltung der grundlegenden Anforderungen einer eigenständigen Haushaltsführung allgemein notwendig sind“. Dazu gehören z. B. die Reinigung der Wohnung, Wäsche waschen oder auch das Einkaufen.

Leistungsgruppen der Behandlungspflege

Konkret werden die Leistungen der Behandlungspflege auf Grundlage der Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die Verordnung von häuslicher Krankenpflege in vier Gruppen unterteilt:

LeistungsgruppeBeispiele
1 – Behandlungspflege einfacher Art mit geringem Aufwand
  • Blutzuckermessung
  • Blutdruckmessung
  • Einstellen des Beatmungsgeräts
  • Insulininjektionen
2 – Einfache Pflegemaßnahmen mit höherem Aufwand
  • Anziehen von Kompressionsstrümpfen (ab Kompressionsklasse I),
  • dermatologische Bäder oder Flüssigkeitsbilanzierung
  • Injektionen
  • Inhalation
3 – Pflegemaßnahmen mit höherem Aufwand bzw. qualifizierter Art
  • Versorgung und Überprüfung von Blasenspülung
  • Anlegen bzw. Wechseln von Kompressionsverbänden
  • Wechseln oder Entfernen eines Katheters
  • Absaugen der oberen Atemwege
4 – Behandlungspflege besonders zeitaufwendiger Art bzw. hoher erforderter Sachkunde
  • Versorgung eines Dekubitus Grad 3
  • Einlauf
  • Legen bzw. Wechseln einer Magensonde


Quelle: https://www.allianz.de/gesundheit/pflegeversicherung/behandlungspflege/

Kosten der medizinischen Behandlungspflege

Die Kosten der Behandlungspflege hängen von den erforderlichen Leistungen ab. Ob hier eine häusliche Krankenpflege oder lediglich die Behandlungspflege notwendig erscheint, entscheidet Ihr Arzt.

Entscheidend für die Übernahme der Kosten der Behandlungspflege ist das zugrunde liegende Sozialgesetzbuch. SGB V regelt die häusliche Krankenpflege auf eine ärztliche Verordnung hin, während in SGB XI die Leistungen im Rahmen der Pflegeversicherung festgelegt sind.

Krankenpflege nach SGB V

In jedem Fall muss die Krankenkasse die Notwendigkeit der Behandlungspflege auf eine ärztliche Verordnung hin anerkennen und bewilligen. Ist das der Fall, kann die pflegebedürftige Person mit diesem Schreiben einen Pflegedienst beauftragen, der die Leistungen dann direkt mit der Krankenkasse abrechnet.

Im Bedarfsfall genehmigt die Krankenkasse zunächst eine Behandlungspflege für 14 Tage. Ist eine Folgebehandlung notwendig, muss der behandelnde Arzt diese anhand des Gesundheitszustandes begründen.

Die Krankenhausverhinderungspflege wiederum ist für vier Wochen gültig. Ist der medizinische Bedarf auch darüber hinaus gegeben, beurteilt der MDK die Situation und kann für eine Dauer von bis zu sechs Monaten einen Pflegegrad festlegen.

Versicherte gesetzlicher Krankenkassen müssen ab einem Alter von 18 Jahren einen Eigenanteil von 10 Prozent der anfallenden Kosten bei einer maximalen Dauer von 28 Tagen im Jahr und begrenzt auf 10 Euro pro Tag für jede Verordnung zuzahlen. Hiervon befreit sind Menschen mit einer chronischen Erkrankung, Empfänger*innen der Grundsicherung im Alter sowie Frauen in der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Befreit werden auch Menschen, bei denen die Zuzahlungsgrenze von einem Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens erreicht ist, wobei der Gesetzgeber hier das Einkommen eines gesamten Haushalts zugrunde legt.

Abrechnung ambulanter Pflege nach SGB XI

Bei einer dauerhaften Behandlungspflege im Pflegefall erfolgt die Abrechnung über die Pflegekasse. Die Kosten bei der Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes lassen sich über die Pflegesachleistungen abrechnen, in einer stationären Einrichtung über den Satz der vollstationären Pflege.

Voraussetzung für die Abrechnung über die Pflegekasse ist ein anerkannter Pflegegrad ab 2 sowie ein bewilligter Antrag. Obligatorisch ist zudem ein sogenannter Leistungsnachweis, den der Pflegedienst zu jeder pflegebedürftigen Person führt und in dem alle vollzogenen Tätigkeiten dokumentiert sind. Die von Pflegeperson und Patient*innen unterzeichneten Leistungsnachweise sind schließlich die Grundlage für die Abrechnung mit der Pflegekasse.

Finanzierung der Behandlungspflege über SGB XI

Bei der Inanspruchnahme von Pflegeleistungen, die auch die medizinisch erforderliche Behandlungspflege beinhalten, können Sie diese als Pflegesachleistungen abrechnen, wenn ein Pflegedienst die Leistungen durchführt. Die Höhe der Maximalbeträge ist abhängig vom Pflegegrad.

Daneben können Sie auch den Entlastungsbetrag von monatlich 125 Euro zur Finanzierung der Behandlungspflege heranziehen. Dieser ist bereits ab einem Pflegegrad 1 zweckgebunden für Leistungen der Kurzzeit-, Tages- und Nachtpflege, ambulanter Pflegedienste oder auch für Unterstützungsangebote im Alltag nutzbar,

Nehmen Sie gegebenenfalls auch die Verhinderungspflege sowie Zuzahlungen im Rahmen der Tages- und Nachtpflege zur Finanzierung der Behandlungspflege wahr.

Darüber hinaus erfolgt die Behandlungspflege auch in stationären Einrichtungen. Hier findet die Abrechnung ebenfalls über die Pflegekasse statt. Beachten Sie hierbei jedoch, dass bei einer stationären Unterbringung nur die Pflegekosten durch die Pflegekasse getragen werden, nicht jedoch die Kosten für Kost und Logis oder die Investitionskosten.

Die folgende Tabelle bildet die Zuzahlung der Pflegekasse nach Pflegegraden (PG) ab.

 PG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Sachleistungen 689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Entlastungsbetrag125 €125 €125 €125 €125 €
Tages- und Nachtpflege 689 €1.298 €1.612 €1.995 €
Kurzzeitpflege 1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
Verhinderungspflege 1.612 €1.612 €1.612 €1.612 €
stationäre Pflege 770 €1.262 €1.775 €2.005 €

Fazit

Bei der Durchführung der Behandlungspflege ist zunächst entscheidend, ob die Maßnahmen nur temporär erforderlich sind oder innerhalb einer allgemeinen Pflegebedürftigkeit stattfinden. Ist diese gegeben, ist ein anerkannter Pflegegrad eine Grundvoraussetzung, um die Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen zu können. Sprechen Sie die Erfordernis der Behandlungspflege in jedem Fall mit einem Arzt ab, der die Notwendigkeit verordnen muss. Erst wenn die Pflegekasse Maßnahmen bewilligt, stehen Ihnen verschiedene Finanzierungsformen über die Kostenübernahme zur Verfügung, die bei den Sachleistungen nicht nach Grund- oder Behandlungspflege unterscheidet.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Die häusliche Krankenpflege im SGB V: § 37 http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__37.html und § 132a http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__132a.html

Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses SGB V: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/92.html

Das neue Formular zur Verordnung über die häusliche Krankenpflege: https://www.kbv.de/html/1150_46344.php

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis

3 03, 2021

Aktivierende Pflege

2021-04-15T22:59:15+02:00März 3rd, 2021|Altenpflege & Wohnen im Alter|

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on email

Aktivierende Pflege

Lange überwog in der Pflege das Paradigma „warm – satt – sauber“. Alltägliche Aktivitäten der pflegebedürftigen Personen wurden übernommen und nicht hinterfragt, ob sie in der Lage wäre, diese selbst auszuführen. Der Mensch wurde kaum als Individuum wahrgenommen. Dieser Ansatz des „Verwahrens und Erhaltens“ gehört inzwischen mehr und mehr der Vergangenheit an und wird durch neue Pflegeansätze ersetzt. Die aktivierende Pflege stellt eine alltägliche Pflegepraxis dar, die dem Erhalt und der Förderung der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit dient. Als Hilfe zur Selbsthilfe stärkt sie das Selbstbewusstsein pflegebedürftiger Personen und zeigt Wege auf, wie sich der Alltag entweder allein oder mit Unterstützung gestalten lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die aktivierende Pflege gehört inzwischen fest zum Leitbild von Pflegeeinrichtungen und -diensten. Sie zielt auf den Erhalt oder das Wiedererlangen der Selbstständigkeit bei alltäglichen Aufgaben ab.
  • Die aktivierende Pflege erfordert zunächst etwas Geduld und Zeit. Sie wirkt sich langfristig allerdings positiv aus, da weniger Aufgaben durch die Pflegeperson übernommen werden müssen.
  • Zur Unterstützung bei der Verrichtung alltäglicher Aufgaben besteht ein Anspruch auf Hilfsmittel. Die Pflegekasse steuert hier monatlich bis zu 40 Euro bei.

Aufgaben der aktivierenden Pflege

Das Ziel der aktivierenden Pflege ist die Aufrechterhaltung oder Wiedererlangung der Selbstständigkeit im Alltag. Verankert war dieser Anspruch in § 28 (4) SGB XI, ist seit Anfang 2017 jedoch in § 2 SGB XI in die Selbstbestimmung integriert.

(1) Die Leistungen der Pflegeversicherung sollen den Pflegebedürftigen helfen, trotz ihres Hilfebedarfs ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen, das der Würde des Menschen entspricht. Die Hilfen sind darauf auszurichten, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte der Pflegebedürftigen, auch in Form der aktivierenden Pflege, wiederzugewinnen oder zu erhalten.

Sie folgt dabei dem Grundsatz

  • körperliche
  • geistige
  • emotionale
  • soziale

Fähigkeiten aktiv zu fördern. Dies ist nicht nur Aufgabe professioneller Pflegekräfte in stationären Einrichtungen, sondern auch ambulanter Pflegedienste. Dabei findet eine Integration in die Grund- und Behandlungspflege statt. Und auch pflegende Angehörige können die aktivierende Pflege in den Alltag einbeziehen.

Neben der Selbstständigkeit stärkt die aktivierende Pflege das Selbstbewusstsein der Personen, das durch körperliche und / oder geistige Einschränkungen nicht selten beeinträchtigt ist. Das wiederum kann sich positiv auf soziale Kontakte und die psychische Verfassung auswirken.

Inhalte der aktivierenden Pflege

Die aktivierende Pflege setzt in verschiedenen Lebensbereichen an. Allen gemein ist, dass die vorhandenen Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person einbezogen und permanent gefordert werden. Die Unterstützung durch die Pflegeperson findet so wenig wie möglich, jedoch so viel wie nötig statt. Dadurch erzielt die aktivierende Pflege einen wiederkehrenden Übungseffekt, der verhindert, dass die körperlichen und geistigen Kompetenzen aufgrund von Nichtbeanspruchung nachlassen.

Aktivierende Pflege in der Praxis

Bei der aktivierenden Pflege ist es wichtig, sowohl Überforderung als auch Unterforderung zu vermeiden. Dafür braucht es beidseitige Geduld und in der Durchführung sollte kein Zeitdruck einhergehen.

Ein wichtiges Stichwort ist hier die sogenannte Adaptionszeit, d. h. „die Zeit von der Aufforderung zu einer Handlung bis zur Reaktion darauf. Man kann auch sagen, die Adaptionszeit ist die Zeit, die wir brauchen, um einen Reiz wahrzunehmen und um darauf zu reagieren“ (Prell 2002, http://www.senioren-wohngemeinschaft-eitorf.de/_pflege/pflegemodell_boehm.pdf).

Die Adaptionszeit kann sich in der Erwartung der Pflegeperson und der zu pflegenden Person durchaus deutlich unterscheiden. Da dies gerade für Laien nicht immer leicht zu ertragen und umzusetzen ist, gibt es spezielle Kurse, um grundlegende Techniken zu erlernen. Termine finden Sie beispielsweise bei sozialen Einrichtungen oder Wohlfahrtsverbänden.

Neben der Bewältigung alltäglicher Aufgaben im Beisein einer Pflegeperson ist es sinnvoll, der pflegebedürftigen Person „Hausaufgaben“ mit auf den Weg zu geben, sodass diese auch in Abwesenheit einer Pflegeperson weiter an ihren Fähigkeiten arbeiten kann. Die Voraussetzung für aktivierende Pflege ist damit, dass die pflegebedürftigen Personen kognitiv in der Lage sind, Erklärungen zu verstehen und umzusetzen.

Planung der aktivierenden Pflege

Es ist nicht zielführend, die aktivierende Pflege ohne vorherige Planung umzusetzen. Schließlich sollte sie an den Bedürfnissen der pflegebedürftigen Person ausgerichtet sein, sodass es im Vorfeld einige Fragen zu klären gilt:

  • Welche Aufgaben kann die Person selbst ausführen?
  • Wo sind Beaufsichtigung oder auch aktive Unterstützung erforderlich?

Welche Vorbereitungen sind für einen optimalen Ablauf notwendig?

Hilfsmittel unterstützen die Selbstständigkeit

Zur Förderung der Selbstständigkeit sind manchmal einige Hilfsmittel notwendig, die dazu beitragen, dass keine weitere externe Hilfe mehr erforderlich ist. Das kann ein Rollator für die Fortbewegung sein oder Utensilien, um selbstständig essen und trinken zu können. Die Pflegekasse übernimmt hier monatlich bis zu 40 Euro für Hilfsmittel.

Das Hilfsmittel sollte dabei mit Bedacht gewählt werden. Es sollte darauf ausgerichtet sein, das Wiedererlernen von Fähigkeiten zu unterstützen beziehungsweise vorhandene Fähigkeiten zu fördern – jedoch keinesfalls vorhandene Fähigkeiten durch überflüssige Maßnahmen ersetzen.

Mögliche Hilfsmittel sind hier:

  • Bewegungshilfen
  • Betttisch
  • Rollstuhl
  • Badewannen- oder Duschsitze
  • Haltegriffe
  • Greifzangen
  • Ess- und Trinkhilfen
  • Strumpfanzieher

Sollten Umbaumaßnahmen zur Barrierefreiheit in der Wohnung erforderlich sein, damit sich die pflegebedürftige Person selbstständig in der Wohnung bewegen kann, leistet die Pflegekasse auch hier finanzielle Unterstützung von bis zu 4.000 Euro je Maßnahme.

Möchten Sie die aktivierende Pflege bei Angehörigen im Alltag umsetzen, bieten einige Einrichtungen und Verbände spezielle Kurse an, die grundlegende Techniken vermitteln.

Probleme in der Praxis

So erstrebenswert die aktivierende Pflege auch ist und daher in zahlreichen Leitbildern fest verankert ist – in der Praxis scheitert die Durchführung bei professionellen Pflegekräften nicht selten am Zeitmangel. Schließlich kostet es zumindest anfänglich deutlich mehr Zeit, eine Person mit Einschränkungen des Bewegungsapparats alleine essen zu lassen als sie zu füttern. Allerdings zahlt sich die Mühe langfristig aus, da sich der Hilfebedarf deutlich reduziert.

Manchmal hat die pflegebedürftige Person schlichtweg auch ein Verlangen danach, umsorgt zu werden. Hier sind eine deutliche Kommunikation und Absprache wichtig, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Hilfreich kann dabei sein, die Vorteile der aktivierenden Pflege aufzuzeigen und die pflegebedürftige Person zu ermutigen, sich aktiv an der Alltagsgestaltung zu beteiligen.

Abgrenzung zu anderen Pflegeformen

Als Abgrenzung zur aktivierenden Pflege gibt es unterschiedliche Pflegeformen, die sich teilweise speziell an Demenzkranke oder Menschen mit neurologischen Erkrankungen richten.

Die kompensatorische Pflege

Bei der kompensatorischen Pflege bleibt die pflegebedürftige Person passiv, was dazu führt, dass sie früher oder später ihre Fähigkeiten verlernt und der Hilfebedarf weiter ansteigt. Der Ansatz ist auch als „warm – satt – sauber“ bekannt und besagt, dass eine pflegebedürftige Person ausreichend Nahrung hat, gewaschen ist und keinerlei psychische Schäden erleidet. Allerdings bleibt hier das Individuum auf der Strecke. Bei der pflegebedürftigen Person entsteht ein Gefühl der Wertlosigkeit aufgrund der Abhängigkeit, sie werden ohne Berücksichtigung ihrer Wünsche und eigenen Bedürfnisse verwahrt und erhalten. Aufgrund dieser Nachteile gilt die Pflegeform inzwischen nicht mehr als erstrebenswert.

Das Pflegemodell nach Böhm

Erwin Böhm gilt als einer der bedeutenden Forscher auf dem Gebiet der Pflegewissenschaften. In seinem Pflegemodell fokussiert er sich auf ältere, an Demenz erkrankte Menschen und stellt deren Biografien in den Mittelpunkt – basierend auf der These, dass Menschen mit zunehmendem Alter Bewältigungsstrategien nutzen, die sie in den ersten 30 Lebensjahren erworben haben. Daraus resultieren vier Grundannahmen über den Menschen:

  • individuelle Prägung
  • Leben in einer eigenen Alltagsnormalität
  • Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen
  • Wunsch, gebraucht zu werden

Durch die Orientierung an der Biografie ist ebenfalls die Förderung eines selbstbestimmten Lebens möglich, wenngleich die Reaktivierung durch Impulse aus der Biografie vor allem auch einen geringeren Einsatz von Psychopharmaka und die Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen, z. B. bei Demenzerkrankten, zum Ziel hat (LINK).

Das Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein kinästhetisches Konzept, das für Patient*innen mit halbseitiger Lähmung oder anderen neurologischen Erkrankungen entwickelt wurde. Die beeinträchtigte Körperhälfte soll während der Übungen aktiv in die Bewegungsabläufe einbezogen werden, um eine Kompensation durch die gesunde Körperhälfte zu vermeiden. Das Konzept basiert dabei auf dem Ansatz des lebenslangen Lernens des Nervensystems, wonach die Übungen auf eine Verbesserung der neurologischen Leistung abzielen. Ziele sind auch hier die einfachere Bewältigung des Alltags und das Wiedererlangen einer eigenverantwortlichen Lebensqualität. Allerdings handelt es sich hier um eine rehabilitative Maßnahme, die zeitlich begrenzt ist.

Rehabilitative Pflege

Wenngleich auch hier neben den therapeutischen Maßnahmen aktivierende Elemente von Bedeutung sind, um eine selbstständige Lebensführung zurückzugewinnen, liegt der rehabilitativen Pflege stets eine Diagnose zugrunde, die an eine medizinische Indikation und einen Therapieplan geknüpft ist, d. h., auch einen konkreten Hilfebedarf voraussetzt. Die Reha-Maßnahme ist damit zeitlich begrenzt.

Tipps für die aktivierende Pflege Angehöriger

  • Beziehen Sie die pflegebedürftige Person in alle Entscheidungen mit ein und richten Sie die Pflege an ihren Bedürfnissen aus.
  • Nehmen Sie an einem Pflegekurs teil, der wichtiges Grundwissen zur aktivierenden Pflege vermittelt.
  • Üben Sie sich in Geduld.
  • Vermeiden Sie Überforderungen der pflegebedürftigen Person. Entscheiden Sie gemeinsam, wo Unterstützung wirklich notwendig ist und reflektieren Sie Ihr Handeln dahingehend immer wieder.
  • Fördern Sie die Bewegung und Aktivität der pflegebedürftigen Person.
  • Passen Sie die Wohnung an die Pflegesituation an, sodass die pflegebedürftige Person sich möglichst selbstständig bewegen kann.
  • Nehmen Sie gegebenenfalls professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie feststellen, dass Sie mit der Pflegesituation überfordert sind.
  • Vernachlässigen Sie Ihre eigene Gesundheit nicht und schaffen Sie sich ausreichend Freiräume. Gute Pflege setzt immer auch eine gute Selbstpflege voraus.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Hier finden Sie ein Beispiel für die aktivierende Körperpflege bei Angehörigen: LINK

Eine ausführliche Beschreibung des Konzepts nach Bobath: LINK

Tipps der DAK für die Pflege zu Hause inklusive Tipps zur Auswahl geeigneter Hilfsmittel: LINK

Bleiben Sie heldenhaft informiert!

Ja, ich möchte exklusive Informationen rund um das Thema Pflege, die Pflegefinanzierung sowie nützliche Checklisten und Tipps. Ich stimme hiermit der Verarbeitung meiner Kontaktdaten zu und nehme die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis. Abmeldung und Widerruf sind jederzeit möglich.

Verwandte Artikel/Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis