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Pflegegrad 1

Mit der Neustrukturierung der Pflegegrade haben seit 2017 deutlich mehr Menschen einen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Mit dem neu geschaffenen Pflegegrad 1 werden seitdem pflegebedürftige Personen berücksichtigt, die sich noch weitgehend selbstständig im Alltag bewegen können, jedoch hier und da aufgrund motorischer oder kognitiver Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind. Um Leistungen zu beziehen, ist die Anerkennung durch einen medizinischen Dienst Voraussetzung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflegegrad 1 wurde im Zuge des Pflegestärkungsgesetzes neu geschaffen und berücksichtigt seit 2017 auch Menschen, die bis dato keinen Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse hatten.
  • Ein Leistungsanspruch setzt eine Anerkennung des Pflegegrades voraus. Dazu ist eine Begutachtung durch den MDK erforderlich.
  • Da sich die Leistungen an Menschen mit weitgehender Selbstständigkeit richten, sind diese nicht mit jenen der Pflegegrade 2 bis 5 vergleichbar. Oft fällt daher bei der Nutzung professioneller Angebote zusätzlich ein hoher Eigenanteil an.

Das bedeutet Pflegegrad 1

Meist wird irrtümlich angenommen, dass aus der früheren Pflegestufe 0 der Pflegegrad 1 hervorging. Das ist jedoch nicht korrekt. Die bisherige Pflegestufe 0 mündete in Pflegegrad 2 und der Pflegegrad 1 wurde neu geschaffen. Vielmehr kommen durch die Umstrukturierung der bis 2017 geltenden Pflegestufen in Pflegegrade jetzt Menschen in den Leistungsanspruch, die bis dato nicht als pflegebedürftig galten. Zuletzt waren in Deutschland rund 300.000 Personen mit einem Pflegegrad 1 – 7,2 % aller Pflegebedürftigen – anerkannt (https://www.destatis.de/).

Pflegegrad 1 bezeichnet dabei eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ pflegebedürftiger Personen. Oft spricht man hier deshalb auch von einem „vorbeugenden Pflegegrad“.

Um Leistungen aus der Pflegekasse zu erhalten, ist eine Anerkennung des Pflegegrades anhand einer Beurteilung des MDK (bzw. MEDICPROOF bei Privatversicherten) erforderlich.

Je geringer dabei der Pflegeaufwand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die vollständige Versorgung im häuslichen Umfeld möglich ist. So wird ein Großteil der Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 und 3 zu Hause überwiegend ausschließlich durch Angehörige versorgt, während die Pflege von Menschen mit einem Pflegegrad 5 überwiegend in Pflegeeinrichtungen stattfindet.

Um Leistungen von der Pflegekasse zu erhalten, bedarf es eines anerkannten Pflegegrades. Prinzipiell kann jedoch jede pflegebedürftige Person die häusliche Unterstützung nutzen – muss für die Kosten allerdings unter Umständen selbst aufkommen.

Pflegegrad beantragen – so geht’s

Um einen Pflegegrad zu erhalten, ist es zunächst erforderlich, einen schriftlichen oder telefonischen Antrag bei der Pflegekasse zu stellen. Dabei stellen Sie keinen konkreten Antrag auf einen bestimmten Pflegegrad, sondern lediglich einen allgemeinen Antrag auf Begutachtung. Liegt Ihnen eine Bevollmächtigung vor, ist das auch für eine andere Person möglich.

Die Pflegekasse beauftragt einen Gutachter des MDK beziehungsweise von MEDICPROOF, der die Selbstständigkeit im Alltag beurteilt. Dieser setzt sich zunächst zur Terminvereinbarung mit Ihnen in Verbindung.

Legen Sie für den Termin alle Berichte von Hausarzt und Fachärzten, Medikamentenpläne oder andere relevante Informationen bereit, die der Beurteilung dienen. Hilfreich ist auch die Anwesenheit von Angehörigen, Nachbarn oder Freunden sowie gegebenenfalls unbedingt der gesetzlichen Betreuung.

Schildern Sie während des Gesprächs alle Herausforderungen, die die Pflege im Alltag mit sich bringt. Auf dieser Basis spricht der Gutachter eine Empfehlung an die Pflegekasse aus. In der Regel folgt diese der Empfehlung auch und legt dann den Pflegegrad fest.

Den Bescheid erhalten Sie von der Pflegekasse. In der Regel vergehen zwischen der Antragstellung und dem Versand des Bescheids etwa 25 Arbeitstage. Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden oder wird der Antrag abgelehnt, haben Sie 14 Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen.

Ändert sich der Pflegebedarf im Lauf der Zeit, beantragen Sie einen neuen Termin für eine Begutachtung.

Wie berechnet sich Pflegegrad 1?

Wenngleich das Verfahren recht komplex erscheint, bietet es jedoch einen objektiven Rahmen für die Beurteilung – und ermöglicht zudem eine gute Vorbereitung auf den Termin mit dem Gutachter. Es lohnt sich also, sich mit der Grundstruktur des Beurteilungsverfahrens vertraut zu machen.

 

Für den MDK relevante Lebensbereiche

Um die Selbstständigkeit im Alltag zu beurteilen, nutzt der Gutachter sechs verschiedene Bereiche, die sich wiederum in einzelne Kriterien untergliedern und unterschiedlich stark gewichtet sind.

Modul 1:

Mobilität

Wie selbstständig kann sich der Mensch fortbewegen und seine Körperhaltung ändern? Z. B.:

  • Fortbewegung in der Wohnung
  • Positionswechsel im Bett
  • Treppensteigen
10 %

Modul 2:

Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Wie findet sich der Mensch mithilfe anderer örtlich und zeitlich zurecht? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen oder Gespräche führen? Z. B.:

  • zeitliche / örtliche Orientierung
  • Treffen von Entscheidungen
  • Verständnis von Sachverhalten und Aufforderungen
  • Beteiligung an Gesprächen
7,5 %

Modul 3:

Verhalten und psychische Probleme

Wie häufig benötigt der Mensch Hilfe aufgrund von psychischen Problemen, wie etwa aggressivem oder ängstlichem Verhalten? Z. B.:

  • nächtliche Unruhe
  • autoaggressives Verhalten
  • Wahnvorstellungen und Ängste
  • sozial inadäquate Verhaltensweisen
7,5 %

Modul 4:

Selbstversorgung

Wie selbstständig kann sich der Mensch im Alltag versorgen bei der Körperpflege, beim Essen und Trinken? Z. B.:

  • Körperpflege
  • mundgerechtes Zubereiten von Nahrung
  • Toilettennutzung
40 %

Modul 5:

Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Wie aufwendig ist die Unterstützung beim Umgang mit der Krankheit und der Behandlung? Z. B.:

  • Medikation
  • Injektionen
  • körpernahe Hilfsmittel
  • Arztbesuche
  • Einhalten von Diäten
20 %

Modul 6:

Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte

Wie selbstständig kann der Mensch noch den Tagesablauf planen, sich beschäftigen oder Kontakte pflegen?

  • Gestaltung des Tagesablaufs
  • Beschäftigung
  • soziale Kontaktpflege
15 %
Bei den Modulen 2 und 3 wird jeweils nur der höhere Wert bei der Berechnung berücksichtigt.
 
 

Beurteilung der Selbstständigkeit nach Punktesystem

Die Gutachter des MDK ermitteln die Selbstständigkeit von Antragstellenden anhand eines Punktesystems. Je höher diese ist, desto weniger Punkte werden vergeben. Für den Pflegegrad 1 sind zwischen 12,5 und 27 Punkten erforderlich.

PunkteEinstufung in den Pflegegrad
12,5 bis < 27 PunktePflegegrad 1
27 bis <47,5 PunktePflegegrad 2
47,5 bis < 70 PunktePflegegrad 3
70 bis <90 PunktePflegegrad 4
90 bis 100 PunktePflegegrad 5

 

Die Punktevergabe erfolgt dabei nach folgenden Aspekten, die wiederum unterschiedlich gewichtet werden:

Selbstständig ist, wer eine Handlung ohne fremde Unterstützung oder unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln erledigen kann.0 Punkte
Überwiegend selbstständig ist, wer Handlungen größtenteils selbstständig durchführen kann und für die Pflegeperson nur ein geringer Pflegeaufwand besteht.1 Punkt
Überwiegend unselbstständig ist, wer zwar noch über gewisse Ressourcen verfügt, aber Aktivitäten nur noch zu einem geringen Teil selbstständig durchführen kann. Die Pflegeperson muss vielfach anleiten und motivieren.2 Punkte
Unselbstständig ist, wer Handlungen nicht ausführen kann. Es sind auch keine Ressourcen mehr vorhanden und es reicht nicht aus, wenn die Pflegeperson motiviert oder anleitet. Sie muss nahezu komplett alle Aktionen übernehmen.3 Punkte

Wer erhält eine Einstufung in Pflegegrad 1?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff richtet sich nach § 14 SGB XI. Pflegebedürftig sind hiernach „Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen“.

Pflegegrad 1 richtet sich an Menschen, die nur geringe Einschränkungen bei der Lebensführung erfahren. So können beispielsweise Erkrankungen der Wirbelsäule oder der Gelenke zu motorischen Einschränkungen führen, durch die ein Hilfebedarf gegeben ist.

Ein Punktesystem ermittelt die noch vorhandene Selbstständigkeit, aus der sich die Einstufung ergibt. Nachfolgende Beispiele zeigen mögliche Fälle eines Pflegegrades 1 auf. Anhand dieser zeigt sich, dass kognitive Einschränkungen und Verhaltensweisen im Zweifel vergleichsweise geringe Berücksichtigung finden, während Einschränkungen in Aspekten der Selbstversorgung schnell zu den erforderlichen Pflegegrad-Punkten führen.

 

Beispiele für einen Pflegegrad 1

# Fall 1

Der erste Beispielfall hat kleinere Gedächtnisprobleme, kann Entscheidungen im Alltag nicht uneingeschränkt selbst fällen und beschäftigt sich überwiegend selbstständig. Kleinere Hilfestellungen sind beim Waschen des Intimbereiches und dem An- und Auskleiden des Unterkörpers erforderlich.

Modul 1
  • Treppensteigen überwiegend selbstständig
0 Punkte
Modul 2
  • Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • größtenteils fähig zu Entscheidungen im Alltagsleben
3,75 Punkte
Modul 3
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 2 höher gewichtet ist)
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend selbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend selbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Beschäftigung überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl17,5 Punkte

 

#Fall 2

Hier liegt eine eingeschränkte Mobilität vor, z. B. aufgrund versteifter Gelenke oder einer Arthrose, wodurch Probleme beim Aufstehen und bei der Körperpflege entstehen, und somit gute Chancen auf die Anerkennung des Pflegegrades 1.

Modul 1
  • Aufstehen aus sitzender Position überwiegend unselbstständig
2,5 Punkte
Modul 2
  • keine Einschränkungen
0 Punkte (entfällt, da Modul 3 höher gewichtet ist)
Modul 3
  • motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten
3,75 Punkte
Modul 4
  • Intimbereich waschen, duschen oder baden überwiegend unselbstständig
  • Unterkörper an- und auskleiden überwiegend unselbstständig
10 Punkte
Modul 5
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 6
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Gesamtpunktzahl16,25 Punkte

 

#Fall 3

Das dritte Beispiel zeigt, dass Menschen mit einer beginnenden Demenz unter Umständen allerdings noch nicht unter Pflegegrad 1 fallen, solange es keine Einschränkungen in den motorischen Fähigkeiten gibt, da jeweils nur Modul 2 oder 3 in die Berechnung einfließt.

Modul 1
  • keine Einschränkungen
0 Punkte
Modul 2
  • Personen erkennen, örtliche und zeitliche Orientierung sowie Gedächtnis größtenteils vorhanden
  • mehrschrittige Alltagshandlungen durchführen größtenteils möglich
  • Entscheidungen treffen und Sachverhalte verstehen sowie Risiken erkennen größtenteils vorhanden
7,5 Punkte
Modul 3
  • nächtliche Unruhe selten
  • Antriebslosigkeit selten
  • motorische Auffälligkeiten selten
7,5 Punkte (entfällt, da Modul 2 gleich hoch gewichtet ist)
Modul 4
  • Duschen und Baden überwiegend selbstständig
0 Punkte

Modul 5

  • wöchentliche Arztbesuche
0 Punkte
Modul 6
  • Tagesablauf strukturieren und an Veränderungen anpassen überwiegend selbstständig
  • in die Zukunft gerichtete Planungen vornehmen überwiegend selbstständig
  • Ruhen und Schlafen überwiegend selbstständig
3,75 Punkte
Gesamtpunktzahl11,25 Punkte

Leistungen im Pflegegrad 1

Aufgrund der weitgehenden Selbstständigkeit, die Personen mit einem Pflegegrad 1 zugeschrieben wird, fallen die Leistungen der Pflegekasse vergleichsweise gering aus. Die meisten Leistungen gelten erst ab einem Pflegegrad 2. Das gilt z. B. auch für die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes, der über die Pflegesachleistungen mit der Pflegekasse abgerechnet wird, sowie für den Bezug von Pflegegeld.

Dennoch können Sie auch mit Pflegegrad 1 Kosten bei der Pflegekasse geltend machen. § 28 a SGB XI sieht hier folgende Leistungsansprüche vor:

  • Pflegeberatung gemäß den §§ 7a und 7b
  • Beratung in der eigenen Häuslichkeit gemäß § 37 Abs. 3
  • zusätzliche Leistungen für Pflegebedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen gemäß § 38 a, ohne dass § 38 a Abs. 1 S. 1 Nr. 2 erfüllt sein muss
  • Versorgung mit Pflegehilfsmitteln gemäß § 40 Abs. 1 bis 3 und 5
  • finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen oder gemeinsamen Wohnumfelds gemäß § 40 Abs. 4
  • zusätzliche Betreuung und Aktivierung in stationären Pflegeeinrichtungen gem. § 43b
  • zusätzliche Leistungen bei Pflegezeit und kurzzeitiger Arbeitsverhinderung gem. § 44a
  • Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen gem. § 45

 

Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Der monatliche Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro steht allen pflegebedürftigen Personen unabhängig von ihrem anerkannten Pflegegrad zu. Geregelt ist dies in § 45 b SGB XI, wobei der Einsatz zweckgebunden erfolgen muss und der „Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags“ dienen muss. Konkret nennt das Gesetz hier die Erstattung von Aufwendungen zu

  1. Leistungen der Tages- oder Nachtpflege,
  2. Leistungen der Kurzzeitpflege,
  3. Leistungen der ambulanten Pflegedienste im Sinne des § 36, in den Pflegegraden 2 bis 5 jedoch nicht von Leistungen im Bereich der Selbstversorgung,
  4. Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag im Sinne des § 45a.

 

Dazu eignet sich der Entlastungsbetrag

Oft nutzen Leistungsempfänger*innen diesen Betrag zur Anstellung einer Haushalts- oder Einkaufshilfe, oder um an Betreuungsangeboten teilzunehmen, die der Aktivierung und Förderung sozialer Kontakte dienen. Darüber hinaus eignet sich der Entlastungsbetrag, um beispielsweise Kosten der Tages- und Nachtpflege oder Kurzzeitpflege zu tragen.

Anders als bei anderen Pflegegraden dürfen Sie mit Pflegegrad 1 den Entlastungsbetrag auch für Maßnahmen der Grundpflege, d. h. körperbezogene Pflegemaßnahmen oder die pflegerische Betreuung, nutzen.

Da die 125 Euro lediglich für etwas mehr als einen Tag ausreichen, es jedoch auch Situationen nach einem Krankenhausaufenthalt gibt, in denen die Kurzzeitpflege notwendig ist, hat der Gesetzgeber hier durch die Überleitungspflege nach § 37 Abs. 1 a und 39 c SGB V eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit geschaffen, die über die Krankenversicherung abgerechnet wird.

Entlastungsbetrag übertragen

Sie brauchen den Entlastungsbetrag nicht monatlich in voller Höhe auszuschöpfen. Vielmehr ist es auch möglich, den Betrag in andere Monate des Kalenderjahres zu übertragen beziehungsweise sogar mit in das Folgejahr zu nehmen. Die Ansprüche bestehen automatisch weiter, müssen jedoch bis zum 30.06. für das vorangegangene Jahr abgerufen werden, um nicht zu verfallen.

 

Zuschuss zu Pflegehilfsmitteln

Monatlich trägt die Pflegekasse Kosten von bis zu 40 Euro für Pflegehilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind sowie für medizinische Hilfsmittel entsprechend des Hilfsmittelkataloges der Krankenversicherung. Hilfsmittel sind beispielsweise:

  • Blindenhilfsmittel
  • Gehhilfen
  • Rollstühle und Rollatoren
  • Prothesen
  • Toilettenstühle

Für die medizinischen Hilfsmittel, die – anders als z. B. Inkontinenzauflagen oder Einmalhandschuhe – nicht zum Verbrauch bestimmt sind, ist für die Kostenübernahme eine ärztliche Verordnung zwingende Voraussetzung.

 

Hausnotruf

Ein Hausnotruf dient als Sicherheit bei Stürzen oder Verletzungen, wenn gerade keine Pflegeperson in der Nähe ist. Durch dieses System kann die pflegebedürftige Person über einen Notruftaster einen Notruf absetzen, sodass innerhalb weniger Minuten Hilfe vor Ort ist.

Die einmalige Einrichtung sowie der dauerhafte Betrieb werden durch die Pflegekasse mit einmaligen Anschlusskosten von 10,49 Euro und einem monatlichen Betrag von 23 Euro gefördert.

 

Maßnahmen zur Wohnraumanpassung

Um in den eigenen vier Wänden weiterhin mobil zu sein, ist eventuell die barrierefreie Anpassung des Wohnraums erforderlich. Dabei kann es sich um den Einbau eines Treppenliftes, aber auch eine ebenerdige Dusche handeln. Die Pflegekasse trägt hier die Kosten für Umbaumaßnahmen bis zu 4.000 Euro. Wohnen mehrere Personen in einem Haushalt, fördert die Pflegekasse die Maßnahmen bis zu maximal 16.000 Euro.

Diese Leistung steht Ihnen auch zu, wenn Sie in einer Senioren-WG leben beziehungsweise in eine einziehen. In diesem Fall erhalten bis zu vier Bewohner*innen zusätzlich jeweils einen einmaligen Zuschuss zur Einrichtung in Höhe von 2.500 Euro, d. h. 10.000 Euro insgesamt.

 

Wohngruppenzuschuss

Um eine Organisationskraft zu beschäftigen, erhalten WG-Bewohner*innen zudem monatlich 214 Euro, den sogenannten Wohngruppenzuschuss.

 

Anspruch auf Beratungsgespräche

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für regelmäßige Beratungsgespräche pflegender Angehöriger gemäß § 37 Abs. 2 SGB XI durch geschulte Pflegekräfte. Diese können Sie einmal je Halbjahr nutzen.

Darüber hinaus haben pflegebedürftige Personen einen Anspruch auf eine Beratung zur Optimierung der pflegerischen Versorgung sowie einer Anpassung des Wohnraums. Diese vorbeugenden Maßnahmen zielen im Wesentlichen auch darauf ab, eine Verschlechterung des Zustandes der pflegebedürftigen Person zu verhindern beziehungsweise möglichst hinauszuzögern.

Staatliche Zuschüsse zur Pflege

Insbesondere bei einem Pflegegrad 1 sind die Leistungen oft zu gering, um die monatlichen Kosten zu decken. Zunächst sind hier dann neben dem Rentenbezug die eigenen Ersparnisse gefordert. Reichen diese nicht aus, bietet der Staat eine finanzielle Unterstützung in Form der sogenannten Hilfe zur Pflege an. Diese Sozialleistung beantragen Sie beim örtlichen Sozialamt, wenn

  • Kosten für die Pflege anfallen, jedoch kein Pflegegrad anerkannt wurde,
  • die Leistungen der Pflegekasse die tatsächlichen Kosten nicht decken,
  • es keine weitere Option der Kostenübernahme durch die Kranken- oder Unfallversicherung gibt.

Keine Rentenbeitragszahlungen für pflegende Angehörige

Angehörige, die aufgrund der Pflegetätigkeiten ihre Arbeitsstunden reduzieren, laufen Gefahr, finanzielle Nachteile bei ihrem eigenen Rentenerwerb hinnehmen zu müssen. Der Gesetzgeber sieht dafür vor, Rentenbeitragszahlungen aus der Pflegekasse zu erhalten. Dies ist jedoch erst ab einem Pflegegrad 2 für pflegende Angehörige vorgesehen. Pflegen Sie eine Person mit einem anerkannten Pflegegrad 1, gibt es in der Regel keine Möglichkeit, Rentenbeitragszahlungen zu erhalten.

Fazit

Pflegegrad 1 berücksichtigt Menschen, die weitgehend selbstständig, in einigen Lebensbereichen jedoch auf Hilfestellung angewiesen sind. Wenngleich der Anspruch nicht mit den folgenden Pflegegraden vergleichbar ist, lohnt es sich dennoch, rechtzeitig eine Begutachtung zu beantragen, um Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, den Umbau der Wohnung oder über den Entlastungsbetrag auch zur Kurzzeitpflege zu erhalten. Das entlastet pflegende Angehörige und gewährleistet, dass pflegebedürftige Menschen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben können.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Das Hilfsmittelverzeichnis erstattungsfähiger Pflegehilfsmittel: https://hilfsmittel.gkv-spitzenverband.de/HimiWeb/hmvAnzeigen_input.action

45b SGB XI zum Entlastungsbetrag im Wortlaut: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/45b.html

Informationen des Bundesgesundheitsministeriums zu Pflegegrad 1: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/online-ratgeber-pflege/leistungen-der-pflegeversicherung/leistungen-fuer-pflegebeduerftige-des-pflegegrades-1.html

Gesetzestext zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/7a.html

Anspruch auf zusätzliche Leistungen für Menschen in ambulant betreuten Wohngruppen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/38a.html

40 SGB XI – Pflegehilfsmittel und Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/40.html

Infos des MDK zur Pflegebegutachtung: https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/

Selbsteinschätzungsbogen des VdK zur Ermittlung der Pflegebedürftigkeit: https://www.vdk.de/deutschland/downloadmime/3590/VdK-Selbsteinschaetzungsbogen_Pflegegrad.pdf

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2021-08-11T16:01:39+02:0008. April 21|Pflegegesetz & Pflegerecht|