Kurzzeitpflege

Im Rahmen der häuslichen Pflege können immer wieder Situationen eintreten, die dazu führen, dass eine Person für einen begrenzten Zeitraum nicht zu Hause gepflegt werden kann. Das kann durch notwendig gewordene Umbaumaßnahmen der Fall sein ebenso wie bei einem plötzlich auftretenden Pflegebedarf oder einer akuten Erkrankung der Pflegeperson. Für diesen Fall gibt es die Kurzzeitpflege – im Gegensatz zur Langzeitpflege, eine zeitlich begrenzte, professionelle Übernahme der Pflege in einer stationären Einrichtung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kurzzeitpflege richtet sich an pflegebedürftige Personen mit einem anerkannten Pflegegrad ab 2. Für diesen Personenkreis trägt die Pflegekasse für die Kurzzeitpflege bis zu 1.612 Euro jährlich.
  • Das Angebot eignet sich für spontan und unvorhergesehene Situationen, die die häusliche Pflege für einen zeitlich begrenzten Zeitraum verhindern.
  • Die Kurzzeitpflege darf im Regelfall nur durch Einrichtungen erfolgen, die durch die jeweilige Pflegekasse zugelassen sind.

Was bedeutet der Begriff der Kurzzeitpflege?

Das SGB XI sieht vor, dass die Kurzzeitpflege einen zeitlich begrenzten Ersatz für die häusliche Pflege darstellt:

Kann die häusliche Pflege zeitweise nicht, noch nicht oder nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden und reicht auch teilstationäre Pflege nicht aus, besteht für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 Anspruch auf Pflege in einer vollstationären Einrichtung. (§ 42 Abs. 1 SGB XI)

Damit ist auch festgelegt, dass die Kurzzeitpflege in einem stationären Umfeld zu erfolgen hat, wenn das häusliche Umfeld zum aktuellen Zeitpunkt nicht geeignet ist, um die erforderliche Pflegequalität zu erzielen.

Für welche Situationen eignet sich die Kurzzeitpflege?

Die Kurzzeitpflege ist bestens geeignet für Situationen, in denen die Pflege für einen begrenzten Zeitraum nicht zu Hause durchgeführt werden kann. Das können ganz unterschiedliche Konstellationen sein:

  • Umbau der Wohnung nach Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt
  • Aufenthalt in stationären Vorsorge- und Reha-Einrichtungen, wenn die Pflegeperson dort gleichzeitig eine medizinische Maßnahme wahrnimmt
  • nach einem Krankenhausaufenthalt, wenn die Pflege zu Hause zu aufwendig wäre
  • temporärer Pflegebedarf, für den die eigene Wohnung nicht ausgestattet ist
  • unerwartetes Auftreten von Pflegebedürftigkeit
  • plötzliche Erkrankung pflegender Angehöriger, wodurch sie die Pflege vorübergehend nicht fortsetzen können
  • Unterbringung demenzkranker Personen mit besonderem Betreuungsbedarf bei Abwesenheit der Pflegeperson

Wer kann die Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen?

Einen Anspruch auf die Kurzzeitpflege haben alle pflegebedürftigen Menschen ab einem anerkannten Pflegegrad 2. Der Maximalbetrag in Höhe von 1.612 Euro gilt dann unabhängig vom Pflegegrad. Allerdings schöpft eine Person mit Pflegegrad 5 diesen schneller aus, da die Einrichtungen mit steigendem Pflegegrad höhere Tagessätze veranschlagen.

Kein Anspruch auf Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 1

Vom Anspruch auf Kurzzeitpflege ausgenommen sind Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad 1. Diese können allerdings den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro nach § 45b SGB XI monatlich nutzen, um die anfallenden Kosten der Kurzzeitpflege zu decken. Diesen können Sie bis zum Ende des Kalenderhalbjahres auch noch rückwirkend für das gesamte letzte Jahr beantragen, wenn er bis dato nicht in Anspruch genommen wurde.

Beispiel: Tritt eine pflegebedürftige Person mit Pflegegrad 1 Anfang April für acht Wochen eine Kurzzeitpflege an, kann sie bei der Pflegekasse eine rückwirkende Auszahlung für das gesamte letzte Jahr beantragen, d. h. 12 Monate des vergangenen + 5 Monate des aktuellen Jahres = 17 * 125 Euro = 2.125 Euro.

Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Krankenversicherung nach § 39c SGB V auch die Kosten der Kurzzeitpflege bei Personen ohne anerkannten Pflegegrad – wie beispielsweise nach einem Krankenhaus-Aufenthalt.

Welche Einrichtungen dürfen die Kurzzeitpflege durchführen?

Grundsätzlich muss die Kurzzeitpflege in einer Einrichtung erfolgen, die durch die Pflegekasse anerkannt ist. Entsprechend sinnvoll ist es, sich vorab bei der Pflegekasse über die Möglichkeiten zu informieren. Geeignete Einrichtungen wie Pflegeheime, Kurzzeitpflegeeinrichtungen bzw. Tages- und Nachtpflegeeinrichtungen schließen dazu eine Vereinbarung über leistungsgerechte Vergütungszuschläge nach § 85 Abs. 8 SGB XI mit der Pflegekasse ab.

Im Einzelfall gibt es jedoch Ausnahmen und eine Versorgung ist auch in Einrichtungen möglich, die nicht durch die Pflegekassen zugelassen sind. Darunter fallen beispielsweise Einrichtungen zur Hilfe für behinderte Menschen und andere geeignete Einrichtungen, wenn die Pflege in einer von den Pflegekassen zur Kurzzeitpflege zugelassenen Pflegeeinrichtung nicht möglich ist oder nicht zumutbar erscheint.

Darüber hinaus besteht nach § 42 Abs. 4 SGB XI „der Anspruch auf Kurzzeitpflege auch in Einrichtungen, die stationäre Leistungen zur medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation erbringen, wenn während einer Maßnahme der medizinischen Vorsorge oder Rehabilitation für eine Pflegeperson eine gleichzeitige Unterbringung und Pflege des Pflegebedürftigen erforderlich ist“.

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kombinieren

Neben der Kurzzeitpflege ist die Variante der Verhinderungspflege möglich. Zwischen den beiden Formen gibt es einige wichtige Unterschiede, auch hinsichtlich der Maximalbeträge und Kombinationsmöglichkeiten:

KurzzeitpflegeVerhinderungspflege
  • maximal 56 Kalendertage im Jahr, bis zu 1.612 € ab Pflegegrad 2
  • in einer stationären Einrichtung
  • Durchführung durch Pflegefachkräfte
  • Aufstockung durch 100 % der Verhinderungspflege auf maximal 3.224 € möglich
  • Fortzahlung des Pflegegeldes in Höhe von 50 %
  • findet im häuslichen Umfeld statt
  • auch stunden- oder tageweise Inanspruchnahme möglich
  • Durchführung nicht zwingend durch erwerbsmäßig tätige Pflegekraft
  • maximal 42 Kalendertage oder 1.612 € jährlich, weitere Aufstockung durch 50 % der Kurzzeitpflege (d. h. 806 €) möglich
  • Voraussetzung sind 6 Monate Pflegetätigkeit vor der Antragstellung

Sie können bis zu 50 Prozent der Kurzzeitpflege für die Verhinderungspflege nutzen, d. h. bis zu 806 Euro jährlich. Umgekehrt ist eine vollständige Übertragung möglich, sodass Sie bei einer nicht beanspruchten Verhinderungspflege bis zu 3.224 Euro im Jahr für maximal acht Wochen jährlich für die Kurzzeitpflege verwenden können. 

Kurzzeitpflege beantragen – so geht’s

Der Antrag auf Kurzzeitpflege ist – sofern möglich – vor der Inanspruchnahme zu stellen. Wichtig ist dabei, dass die Einrichtung ausdrücklich von der zuständigen Pflegekasse zugelassen ist. Entsprechend bietet es sich an, dass Sie sich vorab bei der Kasse über die Möglichkeiten informieren. Das ist auch insofern sinnvoll, da die Pflegekasse Sie bereits über entstehende Kosten informieren kann.

Das Formular dazu erhalten Sie bei der zuständigen Pflegekasse.

Bei einem Pflegegrad von 1 oder keinem anerkannten Pflegegrad ist die Krankenkasse für den Antrag zuständig.

Der Antrag muss von der pflegebedürftigen Person selbst oder einem Vertretungsberechtigten unterschrieben werden. Alternativ können auch die Pflegekasse oder der Sozialdienst eines Pflegeheims, Krankenhauses oder einer Reha-Einrichtung das Ausfüllen des Antrags übernehmen.

Beim Einzug in die Pflegeeinrichtung wird ein Vertrag abgeschlossen. Lesen Sie sich diesen gut durch und klären Sie eventuelle Fragen vor Inanspruchnahme der Leistungen.

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