Kombinationsleistung – Geld- und Sachleistungen kombinieren
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Kombinationsleistung – Geld- und Sachleistungen kombinieren

Das Elfte Sozialgesetzbuch sieht gemäß § 38 die Option vor, für pflegebedürftige Personen ab dem Pflegegrad 2 Pflegesachleistungen und Pflegegeld anteilig miteinander zu kombinieren. Das ist immer dann möglich, wenn der Anspruch auf Sachleistungen nicht komplett ausgeschöpft wurde und gestattet eine Anpassung an die individuellen Bedürfnisse. Damit sind stets die optimalen Pflegevoraussetzungen für die häusliche Pflege sichergestellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Als Kombinationsleistungen bezeichnet man die Kombination von Geld- und Sachleistungen bei der häuslichen Pflege.
  • Die Inanspruchnahme der Leistungen muss bei der Pflegekasse gezielt beantragt werden. Die Voraussetzung dafür sind ein anerkannter Pflegegrad ab 2 und die Pflege im häuslichen Umfeld.
  • Die Kombination der Leistungen empfiehlt sich immer dann, wenn Sie die Pflegesachleistungen nicht vollständig ausschöpfen. Die Pflegekasse zahlt in diesem Fall prozentual anteilig zusätzlich Pflegegeld aus.
  • Bei vielen Kassen können Sie sich entweder auf eine feste Quote zwischen Geld- und Sachleistung einigen oder sich für eine monatlich flexible Abrechnung entscheiden.

Was steckt hinter dem Begriff der Kombinationsleistung?

Die Kombinationsleistung ist in § 38 SGB XI geregelt. Sie hat durch die Möglichkeit einer Kombination aus Geld- und Sachleistungen das Ziel, ein optimales Pflegesetting für die häusliche Pflege zu schaffen. Sie setzt sich zusammen aus dem Pflegegeld und der Pflegesachleistung:

  • Das Pflegegeld richtet sich an Pflegebedürftige, die durch Angehörige oder andere Privatpersonen gepflegt werden. Die Pflegekasse zahlt es direkt an die pflegebedürftige Person aus, die frei darüber verfügen kann. In der Regel kommt es den pflegenden Menschen zugute, um die pflegerischen Hilfeleistungen finanziell zu honorieren.
  • Pflegesachleistungen überweist die Pflegekasse hingegen direkt an ambulante Pflegedienste, die Pflegebedürftige bei der Grundpflege oder im Haushalt unterstützen oder bei Aktivitäten außerhalb der eigenen Wohnung begleiten. Nach § 45a Abs. 4 SGB XI können davon bis zu 40 Prozent für Angebote zur Unterstützung im Alltag, d. h. beispielsweise für Haushalts- oder Einkaufshilfen, genutzt werden.

Der maximale Anspruch auf Kombinationsleistungen ergibt sich aus dem anerkannten Pflegegrad einer pflegebedürftigen Person. Die Höhe des Pflegegeldes berechnet sich prozentual anteilig aus den (nicht) genutzten Sachleistungen.

Voraussetzungen, um Kombinationsleistungen zu nutzen

  • Die Leistung richtet sich an Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad von 2 oder mehr.
  • Pflegebedürftige Personen haben hiernach einen Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. Damit Sie eine Kombination der Leistungen in Anspruch nehmen können, darf der Anspruch auf Sachleistungen nicht komplett ausgeschöpft werden.
  • Die Pflege muss im häuslichen Umfeld Das kann die eigene Wohnung sein, aber auch eine betreute Wohngemeinschaft. Ausgeschlossen von den Leistungen sind hingegen Personen in der stationären Pflege.

Die Höhe der Kombinationsleistung

Die Höhe des Anspruches der Kombinationsleistung richtet sich zunächst nach dem anerkannten Pflegegrad. Die Höhe der Kombinationsleistung ist dabei die Summe der in Anspruch genommenen Sachleistungen und des anteiligen Pflegegeldes in Prozent. Dabei liegen die Höchstsätze in den Pflegegraden jeweils bei folgenden monatlichen Summen:

Pflegegrad 10 €uro Pflegegeld0 €uro Sachleistung
Pflegegrad 2316 €uro Pflegegeld689 €uro Sachleistung
Pflegegrad 3545 €uro Pflegegeld1.298 €uro Sachleistung
Pflegegrad 4728 €uro Pflegegeld1.612 €uro Sachleistung
Pflegegrad 5901 €uro Pflegegeld1.995 €uro Sachleistung

Die Kombination von Pflegegeld und Sachleistungen berechnet sich auf das Prozent genau. Die folgende Tabelle gibt einen groben Überblick in 10-Prozent-Schritten. Je nachdem, wie hoch die Pflegesachleistungen (PSL) in Prozent ausfallen, setzen sich die Leistungen zusammen (Pflegesachleistung PSL und Pflegegeld PG in €).

Höhe PSL %Pflegegrad 2Pflegegrad 3Pflegegrad 4Pflegegrad 5
 PSL €PG €PSL €PG €PSL €PG €PSL €PG €
00,00316,000,00545,000,00728,000,00901,00
1068,90284,40129,80490,50161,20655,20199,50810,90
20137,80252,80259,60436,00322,40582,40399,00720,80
30206,70221,20389,40381,50483,60509,60598,50630,70
40276,60189,60519,20327,00644,80436,80798,00540,60
50344,50158,00649,00272,50806,00364,00997,50450,50
60413,40126,00778,80218,00967,20291,201.197,00360,40
70482,3094,80908,60163,501.128,40218,401.396,50270,30
80551,2063,201.038,40109,001.289,60145,601.596,00180,20
90620,1031,601.116,2054,501.450,8072,801.795,5090,10
100689,000,001.298,000,001.612,000,001.995,000,00
Grafik zu Höhe des Pflegegelds je Pflegegrad

Kombinationsleistungen berechnen – so geht’s

Bei der Berechnung der Höhe von Kombinationsleistungen ist entscheidend, dass Sie stets die Prozentsätze und nicht die faktischen Geldbeträge in Euro im Blick haben.

So verringert sich der Anspruch auf das Pflegegeld nicht um die tatsächliche Summe der Sachleistungen in Euro, sondern um den prozentualen Anteil, für den Sie Sachleistungen nutzen. Das heißt konkret: Nehmen Sie 70 Prozent der maximalen Sachleistungen in Anspruch, erhalten Sie noch 30 Prozent des Pflegegeldes. Die Rechnung dazu lautet:

100 % – (Summe in Anspruch genommener Sachleistungen in € / maximaler Anspruch der Pflegesachleistung) *100 = Anspruch auf Pflegegeld in %

Um dann die Höhe des Pflegegeldes in Euro zu berechnen, das Ihnen monatlich noch zusteht, gehen Sie weiter wie folgt vor:

Anspruch auf Pflegegeld in % * Höchstsatz des Pflegegeldes im Pflegegrad = monatlicher Anspruch auf Pflegegeld als Kombinationsleistung

Beispiel zur Berechnung von Kombinationsleistungen

Ihnen stehen in Pflegegrad 4 1.612,00 € Sachleistungen oder 728,00 Euro Pflegegeld zu.

Der Pflegedienst kostet monatlich 984,00 €. Sie berechnen also (984,00/1.612,00) * 100, was 61,04 ergibt. Das ist der prozentuale Anteil der genutzten Sachleistungen.

Diesen Wert ziehen Sie von 100, d. h. dem maximalen Anspruch von Leistungen insgesamt ab, und erhalten 38,96. Das ist der prozentuale Anteil, der Ihnen noch an Pflegegeld zusteht.

Um hier den Betrag in Euro zu ermitteln, multiplizieren Sie den maximalen Betrag von 728,00 € Pflegegeld mit 38,96 %. Sie erhalten neben den Sachleistungen also noch 283,63 € Pflegegeld monatlich.

 

Den maximalen Anspruch der Pflegesachleistungen berücksichtigen

Voraussetzungen, um Kombinationsleistungen zu nutzen, ist ein verbleibender Restanspruch aus den Sachleistungen. Dazu empfiehlt sich der Abschluss eines Leistungsvertrags mit dem Pflegedienst, der Kosten und Leistungen im Detail auflistet. So stellen Sie sicher, dass die Kosten den vereinbarten Rahmen nicht überschreiten.

Denn auch unabhängig von der Kombinationsleistung gilt: Liegt die Rechnung des Pflegedienstes über dem Maximalbetrag, der Ihnen zusteht, trägt die pflegebedürftige Person die Mehrkosten selbst. Ausnahmen sind nur bei fehlenden finanziellen Mitteln gegeben.

Kombinationsleistung bei der Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Beziehen Angehörige grundsätzlich Pflegegeld, sind jedoch durch eine temporäre Abwesenheit nicht in der Lage, die Pflege zu gewährleisten, kann ein Pflegedienst die Tätigkeiten für einen begrenzten Zeitraum übernehmen. In diesem Fall sieht das Gesetz vor, das Pflegegeld für einen Zeitraum von sechs bzw. acht Wochen in Höhe von 50 Prozent fortzusetzen. Im Gesetz heißt es dazu:

Anteiliges Pflegegeld wird während einer Kurzzeitpflege nach § 42 für bis zu acht Wochen und während einer Verhinderungspflege nach § 39 für bis zu sechs Wochen je Kalenderjahr in Höhe der Hälfte der vor Beginn der Kurzzeit- oder Verhinderungspflege geleisteten Höhe fortgewährt (§38 SGB XI).

Kombinationsleistung bei einem stationären Krankenhausaufenthalt

Analog dazu ist eine solche Fortzahlung auch bei der bewilligten Kombinationsleistung möglich. Der Anteil der Geldleistung kann im Falle einer stationären Behandlung im Krankenhaus, einem Aufenthalt in einer Reha-Klinik oder der häuslichen Krankenpflege für vier Wochen fortgesetzt werden.

Bei einem monatlich flexiblen Verhältnis von Geld- und Sachleistung liegt bei der Berechnung des anteiligen Pflegegeldes das Verhältnis von tatsächlich in Anspruch genommener Sachleistung und Sachleistungshöchstanspruch zugrunde. Bei einer Pflegegeldkürzung nach mehr als 28 Tagen dividieren Sie die Quote durch 30 und multiplizieren Sie mit den häuslichen Pflegetagen.

Beispiel zur Berechnung von Kombinationsleistungen bei einem stationären Krankenhausaufenthalt

Es liegt Pflegegrad 4 vor, das Verhältnis von Sach- und Geldleistung wird jeweils nachträglich festgestellt. Zwischen dem 07.04. und 13.05. ist eine vollstationäre Krankenhausbehandlung erforderlich.
Sachleistung für April 450 € und für Mai 720 €
Berechnung Anteil der Geldleistung für den Monat April
Sachleistungsanteil 450 € * 100 / 1.612 € =27,92 %
Geldleistungsanteil: 100 % – 27,92 % =72,08 %
728 € * 72,08 % =
(Das anteilige Pflegegeld ist für den Monat April nicht zu kürzen)
524,74 €
Es wird für den Monat April ein anteiliges Pflegegeld in Höhe von 524,74 € gezahlt.
Berechnung Anteil der Geldleistung für den Monat Mai
Sachleistungsanteil 720 € * 100 / 1.612 € =44,67 %
Geldleistungsanteil: 100 % – 44,67 % =55,33 %

728 € * 55,33 % = 402,80 €

Das anteilige Pflegegeld ist bis zum 03.05. (28. Tag des Krankenhausaufenthalts) und wieder ab 13.05. zu zahlen = 22 Tage im Monat Mai: 402,80 € / 30 * 22 Tage =

295,39 €
Es wird für den Monat Mai ein anteiliges Pflegegeld in Höhe von 295,39 € gezahlt.

 

Berechnung der Kombinationsleistung beim Tod der pflegebedürftigen Person

Verstirbt eine pflegebedürftige Person, ist bei der Kombinationsleistung entscheidend, ob eine feste Quote von Geld- und Sachleistungen mit der Pflegekasse vereinbart war.

  • Gab es eine feste Quote von Sach- und Geldleistung, gilt diese auch für den Sterbemonat. Die Geldleistung wird für den kompletten Sterbemonat gezahlt.
  • Wurde keine feste Quote festgelegt, erfolgt eine Ermittlung der anteiligen Geldleistung auf der Basis des in Anspruch genommenen Sachleistungsanteils im Verhältnis zum Höchstanspruch.

Beispiel zur Berechnung von Kombinationsleistungen beim Tod der pflegebedürftigen Person

Es liegt Pflegegrad 3 vor, das Verhältnis von Sach- und Geldleistungen soll nachträglich ermittelt werden. Der Tod des Pflegebedürftigen wurde am 18. Januar festgestellt. Die Höhe der Sachleistungen betrug im Januar bis zu diesem Zeitpunkt 316 €.

Berechnung der Geldleistung für den Monat Januar:
Sachleistungsanteil 316 € * 100 /: 1.298 € =24,34 %

Geldleistungsanteil 100 % – 24,34 % =

545 € * 75,66 % =

75,66 %

412,35 €

Es wird für den Sterbemonat Januar ein anteiliges Pflegegeld in Höhe von 412,35 € gezahlt.

Vorteile der Kombinationsleistung – Win-win-Situation für alle

Pflegende Angehörige sind zeitlich oft stark eingebunden. Nicht selten scheuen sie sich vor Auszeiten, die zulasten der pflegebedürftigen Person gehen könnten. Es herrschen permanent Stress und Anspannung.

Die Kombinationsleistung leistet hier einen Beitrag zur zeitlichen Entlastung pflegender Angehöriger und anderer Personen, die sich um einen nahestehenden Menschen kümmern. Und es gibt noch weitere Vorteile:

  • Die Kombinationsleistung sichert die Pflege auch in Zeiten der Abwesenheit pflegender Angehöriger.
  • Angehörige und andere Privatpersonen können sich bei der Pflege auf Aufgaben konzentrieren, die nicht belastend sind.
  • Nur selten wird die Sachleistung komplett ausgeschöpft. Beantragen Sie die Kombinationsleistung, erhalten Sie zusätzlich anteiliges Pflegegeld.
  • Professionelle Pflegedienste tragen durch ihre regelmäßige Anwesenheit zur Kompetenzsteigerung der Privatpersonen bei.
  • Wird nur ein anteiliges Pflegegeld im Rahmen der Kombinationsleistung bezogen, entfällt die halb- bzw. vierteljährliche Pflicht zu einem Beratungseinsatz bei privater Pflege zu Hause.

Tipp: Pflegebedürftige haben auch ohne pflegende Angehörige Anspruch auf das Pflegegeld aus Kombinationsleistungen. Schließlich ist dieses explizit zur freien Verfügung vorgesehen. Es lohnt sich also auch, die Kombinationsleistung zu beantragen, wenn die gesamten Pflegetätigkeiten durch einen Pflegedienst erfolgen, dieser den maximalen Anspruch auf Sachleistungen jedoch nicht ausschöpft.

Kombinationsleistungen beantragen – so geht’s

Die Regelung zur Kombinationspflege erfolgt nicht automatisch, sondern muss gesondert beantragt werden. Damit die Pflegekasse sowohl Sachleistungen als auch Pflegegeld finanziert, reichen Sie einen Antrag auf Kombinationsleistungen bei der Kasse ein. Das ist in vielen Fällen auch formlos per Telefon möglich.

Bei einem Erstantrag auf Pflegeleistungen lässt sich die Variante der Kombinationsleistung meist direkt auswählen. Entscheiden Sie sich später für diese Leistungsvariante, ist eine nachträgliche Änderung durch einen separaten Antrag erforderlich.

Sie haben dabei bei vielen Krankenkassen zwei Optionen:

  • Festlegung auf ein festes Verhältnis von Sachleistung und Pflegegeld: An das vereinbarte Verhältnis der Kombinationsleistung ist man für die kommenden sechs Monate gebunden – es sei denn, die persönliche Situation verändert sich entscheidend. Dann ist auch früher eine Anpassung der Leistungen möglich. Der Vorteil dieser Option ist, dass die Pflegekasse das anteilige Pflegegeld schon im Voraus auszahlen kann.
  • Flexible Kombinationsleistung: Hier legen Sie sich nicht auf ein konkretes Verhältnis fest. Infolgedessen wartet die Pflegekasse jedoch erst ab, bis die Rechnung des Pflegedienstes eingetroffen ist, bevor das anteilige Pflegegeld ausbezahlt wird.

Es gibt auch Pflegekassen, bei denen nur die erste Variante möglich ist.

Grafik zu Kombinationsleistungen in Pflege

Fazit: Kombinationsleistungen beantragen lohnt sich fast immer

Sind die wesentlichen Voraussetzungen – häusliche Pflege, ein Pflegegrad ab 2 und das nicht vollständige Ausschöpfen der Sachleistungen – gegeben, lohnt es sich in jedem Fall, die Kombinationsleistung zu beantragen. Andernfalls verfällt jeden Monat ein finanzieller Anspruch in Form des Pflegegeldes, der Ihnen auch dann zusteht, wenn es neben dem ambulanten Pflegedienst keine pflegenden Angehörigen gibt.

Weiterführende Informationen und hilfreiche Links

Besonders einfach ist die Berechnung der Kombinationsleistungen mit dem Pflegeleistungsrechner des Bundesgesundheitsministeriums: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/pflegeleistungs-helfer/neue-leistungen/leistungsfragen-1.html

Der Paragraf im SGB XI zur Kombinationsleistung im Wortlaut: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/38.html

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2021-10-20T17:12:52+02:0001. Februar 21|Pflegekasse & Pflegefinanzierung|