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- Leben im Alter
Erkältung im Alter: Wenn ein kleiner Infekt zur Belastung wird
Eine laufende Nase, Husten und ein kratzender Hals – eine Erkältung ist lästig, aber oft schnell überstanden. Älteren Menschen kann ein solcher Infekt allerdings mehr zusetzen. Für Angehörige heißt das vor allem: beobachten, unterstützen und nicht jede Erkältung auf die leichte Schulter nehmen. Wir zeigen Ihnen Hausmittel, die Erkältungsbeschwerden lindern können. Außerdem erfahren Sie, welche Symptome eher für eine andere Erkrankung und nicht für eine Erkältung sprechen.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Erkältung verläuft bei älteren Menschen nicht grundsätzlich anders, kann den Körper aber stärker belasten und länger anhalten.
- Viel Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und Wärme können dabei helfen, die Beschwerden zu lindern.
- Hausmittel wie Hühnersuppe oder das Inhalieren können angenehm sein, ersetzen bei stärkeren Beschwerden aber keine Behandlung.
- Bei der Einnahme von Erkältungsmedikamenten sollten Sie auf mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln achten.
- Hohes Fieber, Atemnot, starke Schwäche oder eine deutliche Verschlechterung sollten ärztlich abgeklärt werden.
Warum reagiert der Körper im Alter anders bei Erkältungen?
Mit zunehmendem Alter verändert sich das Immunsystem. Fachleute sprechen von der sogenannten Immunoseneszenz. Dabei nimmt nicht einfach die gesamte Abwehrleistung ab: Manche Reaktionen werden langsamer und weniger zielgerichtet, andere fallen sogar stärker aus als nötig. Das kann dazu führen, dass Viren schlechter und langsamer beseitigt werden.
Betroffen sind sowohl die angeborene als auch die erworbene Immunabwehr. So arbeiten unter anderem bestimmte Fresszellen und dendritische Zellen, die Krankheitserreger erkennen und die Abwehr in Gang bringen, im Alter weniger zuverlässig. Auch T-Zellen reagieren langsamer und weniger effektiv. Gleichzeitig stehen dem Körper weniger junge, noch nicht spezialisierte T- und B-Zellen zur Verfügung. Die Folge: Eine Immunantwort gegen einen neuen Erreger kann länger brauchen, und die Viren verbringen unter Umständen mehr Zeit im Körper.
Hinzu kommt ein zweiter Alterungsprozess: das sogenannte Inflammaging. Damit ist eine dauerhaft erhöhte, unterschwellige Entzündungsaktivität gemeint. Der Körper befindet sich gewissermaßen schon in einer leicht aktivierten Abwehrlage. Kommt dann eine Infektion hinzu, kann die Reaktion aus dem Gleichgewicht geraten: Einerseits gelingt die Bekämpfung des Virus weniger effektiv, andererseits kann eine überschießende Entzündungsreaktion das Gewebe zusätzlich belasten.
Gut zu wissen!
Auch die Atemwege selbst verändern sich. Die Schleimhäute und die feinen Flimmerhärchen, die Fremdstoffe und Krankheitserreger normalerweise mit dem Schleim nach außen transportieren, arbeiten im Alter weniger effizient. Zusammen mit einem schwächeren Hustenstoß wird es dadurch schwieriger, Viren und Schleim aus den Atemwegen zu entfernen.
Erkranken ältere Menschen schwerer bei Erkältungen?
Zwar verändert sich die körpereigene Abwehr im Alter, das bedeutet allerdings nicht, dass jede Erkältung bei einem älteren Menschen automatisch schwer verläuft. Entscheidend sind auch der allgemeine Gesundheitszustand, die körperliche Verfassung und bestehende Erkrankungen. Untersuchungen bei älteren Menschen zeigen jedoch, dass Atemwegsinfekte durchaus länger anhalten und stärker mit Husten, Auswurf und allgemeiner Schwäche verbunden sein können.
Welche Erkältungs-Symptome sind typisch im Alter?
Eine Erkältung beginnt häufig mit einem Kratzen im Hals oder einer laufenden Nase. Im weiteren Verlauf der Erkältung kommen oft eine verstopfte Nase, Niesen und Husten hinzu. Auch Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit und ein allgemeines Krankheitsgefühl sind möglich. Fieber kann auftreten, ist bei einer klassischen Erkältung aber meist eher leicht.
Schauen Sie bei Ihrem Angehörigen genau hin. Ältere Menschen entwickeln bei Infektionen nämlich nicht immer die typischen Beschwerden. Fieber kann beispielsweise ausbleiben oder weniger stark ausfallen. Stattdessen fällt Ihnen vielleicht auf, dass Ihr Familienmitglied ungewöhnlich müde oder schwach wirkt, weniger Appetit hat oder sich anders verhält als sonst. Auch ein bestehender Husten kann sich verstärken.
Achten Sie deshalb nicht nur auf einzelne Erkältungssymptome, sondern vor allem darauf, wie es Ihrem Angehörigen insgesamt geht. Trinkt er deutlich weniger als sonst? Wirkt er ungewöhnlich schläfrig oder verwirrt? Hat er Schwierigkeiten beim Atmen? Solche Veränderungen sollten Sie ernst nehmen und gegebenenfalls ärztlich abklären lassen.
Erkältung oder etwas anderes? Diese Symptome geben Orientierung
Gerade bei älteren Menschen können sich andere Atemwegsinfektionen ähnlich äußern – das stiftet in der häuslichen Pflege schnell Verwirrung. Die folgende Übersicht kann Ihnen helfen, Beschwerden grob einzuordnen.
| Erkrankung | Typische Anzeichen |
| Erkältung | Schnupfen, verstopfte Nase, Niesen, Halskratzen und Husten stehen meist im Vordergrund. Fieber ist eher selten oder nur leicht ausgeprägt. |
| Grippe (Influenza) | Die Beschwerden beginnen häufig plötzlich. Typisch sind starkes Krankheitsgefühl, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägte Müdigkeit. Husten kann dazuzukommen. |
| COVID-19 | Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber, Müdigkeit und Kopf- oder Gliederschmerzen sind möglich. Die Beschwerden können sehr unterschiedlich ausfallen. |
| Bronchitis | Meist entsteht ein zunächst trockener, später oft schleimiger Husten. Zusätzlich können Müdigkeit, leichtes Fieber und Beschwerden hinter dem Brustbein auftreten. |
| Lungenentzündung | Husten, Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, Schmerzen beim Atmen und starke Schwäche können auftreten. Bei älteren Menschen können typische Beschwerden allerdings fehlen. Auch Verwirrtheit oder eine plötzlich deutlich schlechtere körperliche Verfassung können Hinweise sein. |
Achtung: Die Tabelle ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Die genannten Anzeichen sind nicht vollständig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt sein.
Wann sollte Ihr Angehöriger mit Erkältungssymptomen zum Arzt?
Eine Erkältung lässt sich meist zu Hause auskurieren. Bei pflegebedürftigen Menschen ist aber eine ärztliche Abklärung sinnvoll, wenn die Beschwerden ungewöhnlich stark sind oder sich der Zustand verschlechtert.
Beachten Sie im Pflegealltag am besten Folgendes:
- Atemnot oder Schmerzen im Brustbereich sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
- Hohes oder länger anhaltendes Fieber spricht eher gegen einen unkomplizierten Erkältungsverlauf.
- Starke Schwäche, Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schläfrigkeit können bei älteren Menschen auf eine ernstere Infektion hinweisen.
- Wenn Ihr Angehöriger kaum trinkt oder deutlich weniger Urin ausscheidet, besteht die Gefahr einer Austrocknung.
- Auch wenn sich der Husten nach einigen Tagen deutlich verschlimmert, Atemgeräusche hinzukommen oder sich die Beschwerden nach anfänglicher Besserung wieder verstärken, ist ein Praxisbesuch sinnvoll.
Wie wird eine Erkältung im Alter behandelt?
Eine einfache Erkältung lässt sich meist anhand der Beschwerden und des Krankheitsverlaufs erkennen. Eine spezielle Untersuchung ist häufig nicht nötig. Eine gezielte Behandlung gegen die Erkältungsviren gibt es nicht. Im Mittelpunkt der Therapie steht deshalb, die Beschwerden zu lindern und den Körper bei der Genesung zu unterstützen. Doch was hilft bei Erkältung? Vor allem ausreichend Ruhe und Flüssigkeit. Je nach Beschwerden können außerdem Nasensprays, Schmerz- und Fiebermittel oder andere Erkältungsmedikamente infrage kommen.
Was ist bei der Einnahme von Medikamenten bei Erkältung wichtig?
Bei älteren Menschen sollten Medikamente nicht einfach nach Gefühl kombiniert werden. Viele Präparate gegen Erkältung enthalten bereits mehrere Wirkstoffe. Wird zusätzlich beispielsweise Paracetamol eingenommen, kann dadurch unbemerkt eine zu hohe Gesamtdosis entstehen. Auch abschwellende Wirkstoffe können problematisch sein, etwa bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hinzu kommen mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten, die Ihr Angehöriger regelmäßig einnimmt. Dazu gehören beispielsweise Blutdrucksenker, Blutverdünner oder bestimmte Medikamente gegen Depressionen.
Deshalb gilt:
Lassen Sie sich in der Arztpraxis oder Apotheke beraten, bevor Sie Ihrem Angehörigen ein neues Erkältungsmittel geben. Das gilt besonders dann, wenn er bereits mehrere Medikamente einnimmt.
Wie lange dauert eine Erkältung bei alten Menschen?
Eine Erkältung klingt bei den meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab – der Husten kann allerdings deutlich länger bleiben. Bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen kann die Erholung mehr Zeit in Anspruch nehmen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Dauer der Beschwerden, sondern auch, ob sich der Zustand Ihres Familienmitglieds allmählich bessert oder zunehmend verschlechtert.
Auch die Frage, wie lange eine Erkältung ansteckend ist, lässt sich nicht auf einen fixen Zeitraum festlegen. Besonders ansteckend ist man meist in den ersten Tagen, solange viele Viren über Sekret und Tröpfchen weitergegeben werden können. Eine gute Handhygiene, regelmäßiges Lüften und Abstand zu besonders gefährdeten Personen helfen dabei, eine Ansteckung zu vermeiden.
Gut zu wissen!
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch unterstützen die Hygiene in der häuslichen Pflege. Die Pflegekasse beteiligt sich bei Menschen mit einem Pflegegrad an den Kosten mit bis zu 42 Euro pro Monat.
Was tun bei Erkältung? Hausmittel für den Pflegealltag
Nicht immer muss einer Erkältung mit Medikamenten zu Leibe gerückt werden, oft helfen auch einfache Maßnahmen im Pflegealltag.
- Achten Sie auf ausreichend Flüssigkeit: Wasser, ungesüßter Tee oder eine warme Brühe können dabei helfen, die Schleimhäute feucht zu halten. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen sollten Sie die Trinkmenge mit der behandelnden Praxis abstimmen.
- Bereiten Sie eine warme Hühnersuppe bei Erkältung zu: Die Suppe ist nicht nur angenehm im Hals und leicht verdaulich – Sie liefert auch Flüssigkeit und etwas Energie, vor allem, wenn der Appetit fehlt.
- Inhalieren Sie gemeinsam bei Erkältung: Das Inhalieren befeuchtet die Atemwege. Den sanften Dampf empfinden viele Menschen als lindernd bei Erkältungsbeschwerden. Sicherer als eine Schüssel mit heißem Wasser ist ein geeignetes Inhalationsgerät, das können Sie in einigen Apotheken auch ausleihen.
- Sorgen Sie für regelmäßiges Lüften: Frische Luft kann das Raumklima verbessern, gerade wenn die Heizungsluft trocken ist. Vermeiden Sie dabei allerdings Zugluft und starke Temperaturschwankungen.
- Gönnen Sie Ihrem Angehörigen ausreichend Ruhe: Der Körper braucht Energie für die Abwehr des Infekts. Planen Sie kleine Pausen über den Tag verteilt ein und schaffen Sie Ruhe für mehrere Tagesschläfchen.
FAQ – Häufige Fragen zur Erkältung im Alter
Kann eine Erkältung bei älteren Menschen gefährlich werden?
Eine gewöhnliche Erkältung ist meist harmlos. Bei älteren oder pflegebedürftigen Menschen kann ein Infekt jedoch schneller zu Problemen führen, etwa wenn sie wenig trinken oder sich zusätzlich eine bakterielle Infektion entwickelt. Auch bestehende Herz- oder Lungenerkrankungen können den Verlauf erschweren.
Sollte man bei einer Erkältung Antibiotika geben?
Nein, denn eine klassische Erkältung wird durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion festgestellt oder vermutet wird. Ob das der Fall ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
3. Sollte man bei einer Erkältung Antibiotika geben?
Nein, denn eine klassische Erkältung wird durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion festgestellt oder vermutet wird. Ob das der Fall ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
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