- Lesedauer: 5 Minuten
- Leben im Alter
Tiere und Senior:innen: Was Haustiere im Alter bewirken und worauf es ankommt
Ihre Mutter strahlt, sobald die Katze auf den Schoß springt? Ihr Vater geht nur noch vor die Tür, weil der Hund raus muss? Für viele ältere Menschen sind Tiere mehr als Mitbewohner: Sie geben dem Tag Struktur, sind Gesprächsthema und Gesellschaft. Gleichzeitig bringen sie Verantwortung mit, die im Alter oder bei Pflegebedürftigkeit schnell zur Belastung werden kann. Wir erklären Ihnen, was Tiere für Senior:innen leisten, welche Tierart passt und wie Sie vorsorgen, damit Mensch und Tier gut versorgt sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Wirkung: Tiere können Einsamkeit lindern, den Alltag strukturieren und zu mehr Bewegung anregen. Bei Hunden deuten Studien auf ein geringeres Herz-Kreislauf-Risiko hin, bei den psychischen Effekten fallen die Ergebnisse uneinheitlich aus.
- Tierwahl: Ruhige, ausgewachsene Tiere passen oft besser als Welpen oder Jungtiere. Aufwand und Lebenserwartung des Tieres sollten zur Lebenssituation passen.
- Risiken: Stolperfallen, Kratz- und Bissverletzungen sowie die Hygiene verdienen besondere Aufmerksamkeit, vor allem bei geschwächter Gesundheit.
- Demenz: Tierkontakt kann beruhigen und aktivieren, sollte aber begleitet werden und zur Person passen.
- Vorsorge: Wer das Tier bei Krankenhausaufenthalt, Heimeinzug oder im Todesfall versorgt, sollte früh geklärt sein.
- Unterstützung: Eine 24-Stunden-Betreuung kann den Alltag mit Tier erleichtern, die Aufgaben rund ums Tier besprechen Sie vorab.
Was bewirken Tiere bei älteren Menschen?
Ein Tier will gefüttert, gestreichelt und beschäftigt werden. Das gibt älteren Menschen eine feste Aufgabe und das Gefühl, gebraucht zu werden. Wer einen Hund hat, ist zudem mehrmals täglich draußen, trifft andere Hundehalter:innen und kommt leichter ins Gespräch.
Auch die Forschung beschäftigt sich damit. Eine wissenschaftliche Stellungnahme der American Heart Association wertet mehrere Untersuchungen aus und kommt zu dem Schluss, dass Hundehaltung wahrscheinlich mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko einhergeht. Ob Tiere auch Depressionen oder Ängsten vorbeugen, ist weniger eindeutig: Die Studien kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Fest steht, dass der Effekt von Mensch zu Mensch verschieden ausfällt.
Gut zu wissen!
Ein Tier ersetzt keine sozialen Kontakte. Fühlt sich Ihr Angehöriger einsam, kann ein Haustier ein Baustein sein, aber nicht die alleinige Lösung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zu Einsamkeit im Alter.
Welches Tier passt zu welcher Lebenssituation?
Nicht jedes Tier passt zu jedem Alltag. Entscheidend ist, wie mobil Ihr Angehöriger ist, wie viel Zeit und Kraft er aufbringen kann und wie lange das Tier voraussichtlich lebt. Die folgende Tabelle gibt eine erste Orientierung.
| Tierart | Passt gut, wenn … | Darauf sollten Sie achten |
| Hund | Ihr Angehöriger noch mobil ist, gern draußen unterwegs ist und feste Tagesroutinen mag | Mindestens zwei Gassirunden täglich, Leinenzug kann zu Stürzen führen, laufende Kosten für Futter und Tierarzt |
| Katze | der Alltag eher ruhig ist und die Mobilität eingeschränkt ist | Katzen können bis zu 20 Jahre alt werden, tägliche Beschäftigung, Katzentoilette sauber halten, Stolpergefahr |
| Kleintiere (z. B. Meerschweinchen, Kaninchen) | Ihr Angehöriger gern beobachtet und streichelt und feinmotorisch fit ist | Regelmäßige Pflege, genug Platz, Stall oder Gehege muss gut erreichbar sein |
| Vögel und Fische | kaum Bewegung möglich ist, aber Abwechslung gewünscht wird | Käfig oder Aquarium regelmäßig reinigen, weniger direkter Körperkontakt |
Unser Tipp!
Statt eines energiegeladenen Welpen kann ein ruhiger, ausgewachsener Hund aus dem Tierheim die bessere Wahl sein. Tierheime beraten gezielt und achten darauf, dass Temperament und Ansprüche des Tieres zu den künftigen Halter:innen passen. Auch die Lebenserwartung spielt eine Rolle: Manche Tiere, etwa Schildkröten, überleben ihre Halter:innen um viele Jahre.
Tiere im Pflegealltag: Chancen und Risiken
Frau Lindner, 84, lebt mit ihrer Katze Minka allein. Seit einem Sturz braucht sie beim Aufstehen Unterstützung, Minka weicht ihr trotzdem kaum von der Seite. Für Frau Lindner ist die Katze der wichtigste Grund, morgens aufzustehen. Gleichzeitig huscht Minka manchmal unter ihre Füße, was ein Risiko darstellt.
So wie bei Frau Lindner zeigt sich oft beides: Das Tier tut gut, birgt aber auch Gefahren. Diese Punkte sollten Sie im Blick behalten:
- Stolperfallen: Futternäpfe, Leinen und Tierspielzeug gehören an feste, gut einsehbare Plätze. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Ratgeber zur Sturzprophylaxe.
- Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen nach Tierkontakt, saubere Futterplätze und Katzentoiletten sowie regelmäßige Impfungen und Entwurmungen gehören dazu. Das Robert Koch-Institut nennt diese Punkte für Pflegeeinrichtungen, als Orientierung taugen sie auch zu Hause.
- Allergien: Bei neu auftretenden Atemwegsbeschwerden oder Hautreaktionen sollte eine Allergie ärztlich abgeklärt werden.
- Kratzer und Bisse: Verletzungen sollten Sie ernst nehmen und bei einem geschwächten Immunsystem ärztlich ansehen lassen.
Achtung!
Wird die Versorgung des Tieres zur Überforderung, etwa weil Gassirunden nicht mehr möglich sind, sollten Sie das früh ansprechen. Ein vernachlässigtes Tier belastet beide Seiten, auch Ihren Angehörigen selbst.
Tiere und Demenz: Was ist zu beachten?
Bei Menschen mit Demenz können Tiere beruhigend wirken und zu Bewegung und Kontakt anregen. Deshalb setzen viele Pflegeeinrichtungen tiergestützte Angebote ein. Allerdings reagiert nicht jeder Mensch mit Demenz positiv auf Tiere. Beobachten Sie, wie Ihr Angehöriger reagiert, und begleiten Sie den Kontakt zunächst. Ein eigenes Tier setzt voraus, dass es verlässlich versorgt wird, falls die Selbstständigkeit nachlässt. Ideen für den Alltag finden Sie in unserem Ratgeber Beschäftigung für Demenzkranke.
Was passiert mit dem Tier, wenn Pflege nötig wird?
Ein Krankenhausaufenthalt, der Umzug ins Pflegeheim oder der Todesfall: Für all das lohnt es sich, frühzeitig zu klären, wer sich um das Tier kümmert. Der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt dafür unter anderem:
- Ersatzperson benennen: Sprechen Sie vorab mit Freund:innen, Verwandten oder Nachbar:innen, die das Tier kennen, und fragen Sie nach, ob sie es im Notfall aufnehmen würden. Eine zweite Person als Reserve ist sinnvoll.
- Notfallmappe anlegen: Sie enthält Kontaktdaten der Tierarztpraxis, Impfpass oder EU-Heimtierausweis, Medikamentenliste sowie Hinweise zu Futter, Gewohnheiten und Charakter des Tieres.
- Betreuungsvollmacht für das Tier: Darin legen Sie fest, wer im Ernstfall die Wohnung betreten und das Tier mitnehmen darf, auch schon vor der Testamentseröffnung.
- Testament: Tiere können rechtlich nicht erben. Sie können aber Erb:innen verpflichten, einen festen Betrag für die Versorgung des Tieres zu verwenden, oder das Tier samt Geldbetrag einer Person vermachen.
- Tierheim einbeziehen: Gibt es keine private Lösung, können Tierschutzvereine in die Planung einbezogen werden, meist gegen eine finanzielle Absicherung im Testament.
Ziehen Sie in ein Pflegeheim, gibt es kein pauschales Recht, ein Tier mitzubringen. Viele Einrichtungen sind aber offen dafür. Fragen Sie deshalb vor der Entscheidung für ein Heim ausdrücklich nach den Regeln. Weitere Vorsorgethemen wie die Vorsorgevollmacht können Sie direkt mitregeln.
Wie unterstützt eine 24-Stunden-Betreuung bei Tieren im Haushalt?
Viele ältere Menschen möchten ihr Tier nicht abgeben, wenn die Pflege zunehmend Hilfe erfordert. Eine 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause macht es möglich, gemeinsam mit dem Tier in vertrauter Umgebung zu bleiben. Weil eine Betreuungskraft im Haushalt lebt, ist jemand da, wenn das Tier Aufmerksamkeit braucht, und die Gesellschaft für Ihren Angehörigen ist doppelt gesichert.
Welche Aufgaben rund ums Tier die Betreuungskraft übernimmt, etwa Füttern oder kurze Spaziergänge, besprechen Sie im Vorfeld. Sagen Sie bei der Anfrage auch, ob Tiere im Haushalt leben, damit bei der Auswahl auf mögliche Allergien oder Ängste Rücksicht genommen werden kann.
FAQ – Häufige Fragen zu Tieren und Senior:innen
Sind Haustiere gut für Senior:innen?
Häufig ja. Tiere geben Struktur, Nähe und Anlass für Bewegung und Gespräche. Bei Hunden zeigen Studien zudem einen Zusammenhang mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko. Wichtig ist, dass das Tier zur Gesundheit und zum Alltag passt und die Versorgung gesichert ist.
Welches Haustier eignet sich für Senior:innen?
Das hängt von Mobilität und Alltag ab. Mobile Senior:innen kommen mit einem ruhigen, ausgewachsenen Hund oft gut zurecht, bei eingeschränkter Beweglichkeit passen eher Katzen, Kleintiere oder Vögel. Auch die Lebenserwartung des Tieres sollte beachtet werden.
Darf ich mein Haustier mit ins Pflegeheim nehmen?
Es gibt kein pauschales Recht darauf, aber viele Pflegeeinrichtungen erlauben es. Fragen Sie vor der Entscheidung für ein Heim nach den Regeln und klären Sie, welche Voraussetzungen etwa bei Impfungen gelten.
Was passiert mit dem Haustier, wenn der Besitzer stirbt?
Rechtlich gehört das Tier zum Nachlass und geht an die Erb:innen, die für die Versorgung verantwortlich sind. Mit Testament, Betreuungsvollmacht und Notfallmappe lässt sich frühzeitig regeln, wer das Tier übernimmt.
Weiterführende Informationen und hilfreiche Links



