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Frühjahrsmüdigkeit: Ursachen, Dauer und was Sie tun können

Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint länger und trotzdem liegt Ihr Familienmitglied die meiste Zeit auf dem Sofa und klagt unter anderem über Erschöpfung. Was paradox klingt, hat einen Namen: Frühjahrsmüdigkeit. Sie trifft viele Menschen und ältere Angehörige ganz besonders. Wir erklären Ihnen, was Frühjahrsmüdigkeit überhaupt ist, welche Ursachen sie hat, wie lange sie typischerweise anhält und vor allem: was wirklich hilft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühjahrsmüdigkeit ist keine offizielle Diagnose, aber physiologisch erklärbar – der Körper braucht Zeit, um sich von der Winter- auf die „Frühjahrschemie“ umzustellen, bei älteren Menschen dauert das meist länger.
  • Vitamin D, B12 und Eisen sind die häufigsten Mängel, die Frühjahrsmüdigkeit verstärken, aber bitte erst messen lassen, dann supplementieren, nicht umgekehrt.
  • Tageslicht und Bewegung sind oft wirksamer als jedes Präparat – zwanzig Minuten morgens draußen verändern den Hormonhaushalt messbar, hinter einer Fensterscheibe passiert das nicht.
  • Hält die Erschöpfung nach vier bis sechs Wochen an oder kommen Stimmungstiefs, Rückzug und Interesselosigkeit dazu, sollte das ärztlich abgeklärt werden.

Gibt es Frühjahrsmüdigkeit wirklich?

Die Frühjahrsmüdigkeit steht in keinem Diagnosekatalog. Kein Arzt und keine Ärztin kann sie messen, kein Blutbild zeigt sie an. Trotzdem klagen jedes Jahr zur selben Zeit viele Menschen über dieselben Symptome: Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Stimmungstiefs, und zwar ausgerechnet dann, wenn es draußen wieder schöner wird.

Was dahinterstecken könnte: Der Körper produziert im Winter mehr Melatonin – das Hormon, das uns müde macht. Wenn die Tage länger werden, sinkt der Melatoninspiegel wieder, gleichzeitig weiten sich die Blutgefäße durch die Wärme. Der Blutdruck, der Hormonhaushalt und der Kreislauf müssen sich also neu einpendeln. Bei älteren Menschen dauert das länger als bei jüngeren, der Organismus reagiert träger auf solche Umstellungen.

Wann Frühjahrsmüdigkeit auftritt, ist übrigens nicht in Stein gemeißelt: Typischerweise kommt es aber zwischen Februar und April dazu, wenn die Tage spürbar länger werden und die Temperaturen steigen.

Frühjahrsmüdigkeit: Vitaminmangel als Ursache?

Wenn Ihr Angehöriger im Frühjahr schlapp wirkt, steckt dahinter selten nur eine Ursache. Meist ist es ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, die sich gegenseitig verstärken können.

  • Vitamin-D-Mangel: Die Haut bildet Vitamin D nur bei direkter Sonneneinstrahlung und die hat im Winter schlicht gefehlt. Gerade ältere Menschen, die wenig draußen sind, können einen Mangel entwickeln. Vitamin D beeinflusst nicht nur die Knochen, sondern auch die Muskelkraft, das Immunsystem und die Stimmung. Ein niedriger Spiegel macht sich also an mehreren Stellen bemerkbar.
  • Vitamin B12: Das Vitamin ist wichtig für die Nerven und den Energiestoffwechsel. Das Problem: Es wird im Alter schlechter aus der Nahrung aufgenommen. Wer zu wenig davon hat, fühlt sich dauerhaft müde und ist schlechter konzentriert.
  • Eisenmangel: Eine Unterversorgung mit Eisen kann grundsätzlich jeden Menschen treffen, aber Frauen und ältere Männer sind empfänglicher dafür. Wenig Eisen bedeutet weniger Sauerstofftransport im Blut, das kann Ihr Familienmitglied als Erschöpfung wahrnehmen.

Daneben spielen auch Schlafmangel und Bewegungsmangel eine Rolle. Wer den Winter überwiegend drinnen und wenig aktiv verbracht hat, bei dem kann es zu einer schlechteren Schlafqualität, einem trägen Kreislauf und weniger Muskelmasse kommen – das alles kann direkt oder indirekt das Gefühl von Frühjahrsmüdigkeit verstärken.

Gut zu wissen!

Was diese Mängel gemeinsam haben: Sie lassen sich im Blutbild nachweisen. Wenn Ihr Angehöriger über Wochen erschöpft wirkt, machen Sie besser einen Termin für einen Check-up in der Hausarztpraxis.

Wie lange dauert Frühjahrsmüdigkeit an?

Die gute Nachricht zuerst: Frühjahrsmüdigkeit ist kein Dauerzustand. Bei den meisten Menschen klingt sie nach zwei bis vier Wochen von selbst ab. Das geschieht im Normalfall, sobald sich der Körper an die veränderten Lichtverhältnisse und Temperaturen gewöhnt hat. Bei älteren Menschen kann es etwas länger dauern. Der Organismus braucht mehr Zeit für die Umstellung, und wenn gleichzeitig ein Vitaminmangel besteht, zieht sich die Erschöpfung entsprechend länger hin.

Worauf Sie achten sollten: Wenn Ihr Angehöriger nach vier bis sechs Wochen noch immer deutlich erschöpft ist, lohnt sich ein Arztbesuch. Zwar muss nicht zwingend etwas Ernstes dahinterstecken, aber anhaltende Müdigkeit kann auch andere Ursachen haben. Dazu zählt etwa eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Blutarmut (Anämie) oder Depressionen.

Was hilft gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Frühjahrsmüdigkeit lässt sich nicht wegschlafen, im Gegenteil, wer zu viel im Bett liegt, verschlimmert das Problem oft noch. Was wirklich bei Frühjahrmüdigkeit hilft, ist ein Zusammenspiel aus Licht, Bewegung, Ernährung und einem guten Tagesablauf. Das klingt simpel, macht im Pflegealltag aber oft einen entscheidenden Unterschied.

1. Nutzen Sie Licht als wichtiges Signal

Der Körper orientiert sich am Licht, es steuert den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion und die Stimmung. Wer morgens früh nach draußen geht, gibt dem Organismus das Signal: Es ist hell und Zeit, in die Gänge zu kommen. Schon 20 bis 30 Minuten im Freien – auch bei bewölktem Himmel – reichen aus, um den Melatoninspiegel zu senken und die Serotoninproduktion anzukurbeln.

Für Ihren Angehörigen bedeutet das konkret: Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Familienmitglied am Vormittag möglichst nicht lang in dunklen Räumen aufhält, wenn es sich vermeiden lässt. Ziehen Sie die Rollos hoch oder noch besser: Machen Sie einen kurzen Spaziergang nach dem Frühstück.

Aus der Praxis: Nadine kümmert sich um ihre Mutter, die mit 79 Jahren kaum noch mobil ist. Seit Nadine jeden Morgen mit ihr auf den Balkon geht und dort frühstückt, ist ihre Mutter merklich wacher und ausgeglichener.

2. Bauen Sie Bewegung ein, auch kleine Einheiten zählen

Bewegung verbessert die Durchblutung, hebt den Blutdruck auf ein funktionales Niveau und setzt Endorphine frei. Gerade bei älteren Menschen, die den Winter überwiegend drinnen verbracht haben, ist der Kreislauf träge und braucht Reize, um wieder in Schwung zu kommen.

Das muss keine sportliche Leistung sein: Ein zehnminütiger Spaziergang, leichte Dehnübungen am Morgen, Treppensteigen statt Aufzug, all das summiert sich. Achten Sie nicht vornehmlich darauf, wie intensiv die Bewegung ist, sondern dass sie regelmäßig stattfindet.

Bewegung: Was tun gegen Frühjahrsmüdigkeit?

AktivitätDauerEffekt
Morgenspaziergang20 bis 30 Min.Melatonin sinkt, Kreislauf kommt in Gang
Nachmittags leichte Dehnübungen auf dem Balkon10 Min.Durchblutung wird angekurbelt, Muskeln werden aktiviert, Vitamin-D-Produktion wird unterstützt
TreppensteigentäglichEinfache Kreislaufaktivierung ohne großen Zeitaufwand

3. Sorgen Sie für Frische auf dem Teller

Das Frühjahr ist der optimale Zeitpunkt für Neues auf dem Teller, denn jetzt kommen wieder beliebte Lebensmittel ins Einkaufsregal, wie Kohlrabi und Spinat. Verabschieden Sie sich gemeinsam von deftigen Wintergerichten und planen Sie mit frischem Gemüse, Hülsenfrüchten und eisenreichen Lebensmitteln.

Frühlingsküche – fünf Ideen für Ihren Alltag

  1. Spinat-Linsen-Suppe: Rote Linsen mit frischem Spinat, Zwiebeln und Kreuzkümmel. Eisenreich, sättigend, in zwanzig Minuten fertig.
  2. Kohlrabi-Möhren-Puffer: Geriebener Kohlrabi und Möhren mit Ei und Haferflocken in der Pfanne. Leicht, bekömmlich, gut vorzubereiten.
  3. Spargel mit Kartoffeln und Ei: Spargel ist kalorienarm, entwässernd und liefert Folsäure. Das Ei dazu stellt Eiweiß und B12 bereit.
  4. Erdbeeren mit Quark und Leinsamen: Quark liefert Eiweiß und Calcium, Leinsamen Omega-3-Fettsäuren, Erdbeeren Vitamin C – das Ganze klappt ohne Kochen.
  5. Rhabarber-Haferbrei: Hafer mit gedünstetem Rhabarber und einem Löffel Honig. Ballaststoffreich, magenschonend, gut für den Blutzucker.

4. Halten Sie einen festen Schlafrhythmus ein

Wer nachts schlecht schläft, ist tagsüber müde und wer tagsüber döst, schläft nachts schlechter. Dieser Kreislauf ist bei Frühjahrsmüdigkeit besonders häufig. Was hilft: feste Aufstehzeiten, auch am Wochenende, kein langer Mittagsschlaf über 20 Minuten und abends wenig Bildschirmlicht.

5. Vergessen Sie sich selbst nicht

Frühjahrsmüdigkeit tritt nicht nur bei älteren Menschen oder pflegebedürftigen Personen auf, auch Pflegende können sich im Frühjahr manchmal schlecht aufraffen. Neben den oben genannten Tipps, können Sie zusätzlich auf Folgendes achten:

  • Überanstrengen Sie sich nicht – wir wissen, das ist leichter gesagt als getan, trotzdem können Sie einiges tun, um Ihren Pflegealltag zu entlasten. Planen Sie vor allem regelmäßige Pausen ein und verbringen Sie kurze Auszeiten an der frischen Luft.
  • Machen Sie kleine Bewegungspausen, das können Sie auch neben dem Bett Ihres Angehörigen tun, wie wäre es mit einem Wechsel von den Zehenspitzen auf die Fersen oder abwechselnd ein Bein nach hinten ausstrecken? Vielleicht haben Sie auch zwischendurch Zeit, sich die Yogamatte neben den Seniorensessel zu legen und ein paar Übungen zu machen.
  • Essen und trinken sie ebenfalls regelmäßig, am besten gemeinsam mit Ihrem Familienmitglied – so haben sie beide geregelte Mahlzeiten und einen sozialen Austausch.

FAQ: Häufige Fragen zur Frühjahrsmüdigkeit

Frühjahrsmüdigkeit bessert sich – meist innerhalb weniger Wochen, spätestens, wenn der Körper sich an die neue Jahreszeit gewöhnt hat. Wenn die Erschöpfung Ihres Angehörigen von Interesselosigkeit, Rückzug und anhaltendem Stimmungstief begleitet wird und nach sechs Wochen nicht nachlässt, gehört das ärztlich abgeklärt.

Wer supplementiert, ohne seinen Spiegel zu kennen, wirft im besten Fall Geld raus, es kann aber auch mehr passieren. Vitamin D ist beispielsweise fettlöslich, eine Überdosierung über Monate hinweg ist möglich und hat manchmal Folgen. Lassen den Spiegel Ihres Angehörigen daher vorher in der Hausarztpraxis bestimmen.

Diskutieren Sie nicht mit Ihrem Angehörigen, sondern laden Sie ihn ein: Ein gemeinsamer Spaziergang, ein Frühstück auf dem Balkon, ein Termin als Anlass – das funktioniert besser als jede Überzeugungsarbeit. Wer einmal draußen ist, geht meistens gerne wieder.

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Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort
Fachjournalistin für Gesundheit/Medizin & Familie

Über unsere Autor:innen

Jennifer Ann Steinort ist Autorin bei den Pflegehelden. Sie verfasst Ratgeber, die Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen Tipps für den Pflegealltag vermitteln. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Finanzierung, Pflegemaßnahmen und Wohlbefinden. Ihr persönliches Anliegen ist, selbst komplexe Sachverhalte leserfreundlich zu formulieren.

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