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- Altenpflege & Wohnen im Alter
Führerschein abgeben im Alter: Wann sollte der „Lappen“ weg?
Für viele Menschen bedeutet der Führerschein ein Stück Lebensqualität: spontan zum Einkaufen fahren, Freunde besuchen oder einfach ins Auto steigen und losfahren. Mit zunehmendem Alter kann das Autofahren aber unsicher werden. Für Angehörige ist das oft ein sensibles Thema. Wir erklären Ihnen, welche rechtlichen Vorgaben gelten und woran Sie erkennen, dass die Fahrtüchtigkeit nachlässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Fahrerlaubnis kann nicht einfach aufgrund einer Vermutung entzogen werden. Für behördliche Maßnahmen müssen konkrete Zweifel an der Fahreignung bestehen.
- Wer trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterfährt, kann sich und andere gefährden.
- Angehörige dürfen ihre Bedenken ansprechen, sollten aber nicht eigenmächtig die Autoschlüssel an sich nehmen.
- Bei einem freiwilligen Verzicht sollte auch geklärt werden, was mit dem Fahrzeug geschehen soll.
- Wer in einer ländlichen Gegend lebt, sollte sich frühzeitig über Bürgerbusse, Rufbusse oder örtliche Fahrdienste informieren.
Warum fällt es älteren Menschen schwer, auf den Führerschein zu verzichten?
Für viele ältere Menschen gehört das eigene Auto ganz selbstverständlich zum Alltag. Es ermöglicht, den Einkauf selbst zu erledigen, Freunde und Familie zu besuchen oder auch dann mobil zu bleiben, wenn Bus und Bahn keine gute Alternative sind. Gerade deshalb ist die Vorstellung, den Führerschein im Alter abzugeben, für viele mit einem großen Verlust an Selbstständigkeit verbunden.
Besonders in ländlichen Regionen ist das Auto häufig ein wichtiger Teil der täglichen Versorgung. Busverbindungen fahren dort teilweise nur selten, Arztpraxen, Apotheken oder Einkaufsmöglichkeiten können mehrere Kilometer entfernt liegen. Auch soziale Kontakte lassen sich ohne eigenes Fahrzeug mitunter schwieriger pflegen. Wer jahrzehntelang selbst gefahren ist, erlebt den Verzicht auf das Auto deshalb als Eingriff in die persönliche Freiheit.
Das eigene Auto steht damit für viele Menschen nicht nur für Mobilität, sondern auch für Selbstbestimmung. Man kann selbst entscheiden, wann und wohin man fährt, und bleibt unabhängiger von pflegenden Angehörigen oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Umso verständlicher ist es, dass das Thema „Führerschein abgeben im Alter“ bei älteren Menschen häufig mit gemischten Gefühlen verbunden ist.
Wie häufig verursachen ältere Menschen Verkehrsunfälle?
Ältere Menschen sind gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung sogar seltener an Autounfällen mit Personenschaden beteiligt als jüngere. 2024 waren 16 Prozent der beteiligten Autofahrer:innen mindestens 65 Jahre alt. In der Gesamtbevölkerung lag der Anteil dieser Altersgruppe dagegen bei 22,7 Prozent.
Noch interessanter ist der Blick auf die Unfallverursachung: War eine Person ab 65 Jahren als Autofahrer:in an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt, wurde ihr in 68,4 Prozent der Fälle die Hauptverantwortung zugeschrieben. Bei den 25- bis 64-Jährigen lag dieser Anteil mit 52,3 Prozent deutlich niedriger.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ältere Menschen generell schlechter oder gefährlicher fahren. Sie legen im Durchschnitt weniger Kilometer mit dem Auto zurück und sind dadurch auch seltener im Straßenverkehr unterwegs. Auffällig sind aber bestimmte Unfallmuster: Bei älteren Autofahrenden spielen Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren und Einfahren sowie die Missachtung der Vorfahrt eine größere Rolle.
Anzeichen: Ab wann muss man den Führerschein abgeben?
Nicht jede Veränderung bedeutet automatisch, dass Ihr Angehöriger seinen Führerschein abgeben muss. Diese Checkliste hilft Ihnen dabei, mögliche Warnzeichen im Alltag frühzeitig zu erkennen:
- Fahrverhalten: Fährt Ihr Angehöriger plötzlich ungewöhnlich langsam, unsicher oder sehr zögerlich?
- Verkehrssituationen: Hat Ihr Familienmitglied Schwierigkeiten beim Abbiegen, Einfädeln, Überholen oder an Kreuzungen?
- Orientierung: Verfährt sich Ihr Angehöriger auf bekannten Strecken oder übersieht häufiger Abfahrten und Verkehrsschilder?
- Reaktion: Braucht Ihr Familienmitglied auffällig lange, um auf plötzlich auftauchende Hindernisse oder andere Verkehrsteilnehmer zu reagieren?
- Einparken und Rangieren: Häufen sich beim Rückwärtsfahren, Einparken oder Wenden kleine Unfälle und Beschädigungen?
- Sehen: Fällt Ihrem Angehörigen das Fahren bei Dunkelheit, Regen, Gegenlicht oder in der Dämmerung zunehmend schwer?
- Konzentration: Wirkt Ihr Familienmitglied während längerer Fahrten schnell erschöpft oder verliert es häufiger den Überblick?
- Selbsteinschätzung: Äußert Ihr Angehöriger selbst, dass er sich hinter dem Steuer nicht mehr so sicher fühlt wie früher?
- Medikamente und Erkrankungen: Gibt es bei Ihrem Familienmitglied neue gesundheitliche Einschränkungen oder Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen könnten?
Gut zu wissen!
Ein einzelner Punkt ist noch kein Grund, den Führerschein im Alter abzugeben. Gibt es aber mehrere deutliche Anzeichen, suchen Sie besser das Gespräch mit Ihrem Angehörigen.
Führerschein freiwillig abgeben: So suchen Sie das Gespräch
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Angehöriger nicht mehr sicher fährt, ist der Einstieg in das Gespräch oft die größte Herausforderung. Statt direkt über die Abgabe des Führerscheins zu sprechen, können Sie das Gespräch Schritt für Schritt führen:
| Situation | So können Sie das Gespräch führen |
| Ihr Familienmitglied blockt sofort ab | Vermeiden Sie Vorwürfe wie „Du kannst nicht mehr fahren“. Sprechen Sie stattdessen über Ihre persönliche Sorge und konkrete Beobachtungen. |
| Ihr Angehöriger hält sich selbst für völlig sicher | Fragen Sie offen nach, wie er bestimmte Situationen erlebt, etwa Nachtfahrten, stark befahrene Kreuzungen oder Autobahnfahrten. |
| Sie haben konkrete Bedenken | Beschreiben Sie eine bestimmte Situation möglichst sachlich: „Mir ist aufgefallen, dass …“ statt „Du machst ständig …“. |
| Ihr Angehöriger möchte seine Unabhängigkeit nicht verlieren | Sprechen Sie darüber, welche Wege ihm besonders wichtig sind. Überlegen Sie anschließend gemeinsam, wie sich Einkäufe, Arztbesuche oder soziale Kontakte auch ohne eigenes Auto organisieren lassen. |
| Ihr Familienmitglied möchte noch nicht über eine Abgabe sprechen | Drängen Sie nicht auf eine sofortige Entscheidung. Vereinbaren Sie lieber, das Thema nach einiger Zeit erneut aufzugreifen. |
Rechtliche Lage: Wann droht bei Senior:innen der Entzug vom Führerschein?
In Deutschland gibt es keine feste Altersgrenze, ab der ältere Menschen ihren Führerschein abgeben müssen. Auch mit 70, 80 oder 90 Jahren darf grundsätzlich weiter Auto gefahren werden, solange die erforderliche Fahreignung besteht. Entscheidend ist also nicht das Geburtsdatum, sondern die individuelle Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher zu führen.
Rechtlich wird zwischen dem Führerschein als Dokument und der Fahrerlaubnis als Berechtigung zum Autofahren unterschieden. Entzogen wird nicht einfach der Führerschein, weil jemand ein bestimmtes Alter erreicht hat. Die Fahrerlaubnisbehörde kann sie vielmehr entziehen, wenn sich herausstellt, dass eine Person zum Führen von Kraftfahrzeugen ungeeignet ist. Das kann beispielsweise aufgrund bestimmter Erkrankungen oder anderer gesundheitlicher Einschränkungen der Fall sein.
Auch eine verpflichtende Gesundheitsprüfung ab 70 gibt es derzeit beim Führerschein nicht. Eine Untersuchung kann allerdings dann entscheidend sein, wenn konkrete Tatsachen Zweifel an der körperlichen oder geistigen Eignung begründen. Die Fahrerlaubnisbehörde kann dann unter bestimmten Voraussetzungen ein ärztliches Gutachten oder weitere Untersuchungen verlangen.
Wichtig für Angehörige:
Sie können Ihrem Familienmitglied nicht allein aufgrund seines Alters die Fahrerlaubnis entziehen lassen. Wenn jedoch begründete Zweifel an der Fahreignung bestehen, kann die zuständige Fahrerlaubnisbehörde tätig werden. Erweist sich die Person tatsächlich als ungeeignet, muss die Behörde die Fahrerlaubnis entziehen. Ist sie dagegen nur eingeschränkt geeignet, sind auch Auflagen oder Beschränkungen möglich.
Führerschein läuft ab: Wie lange ist er gültig?
Seit dem 19. Januar 2013 werden neu ausgestellte Führerscheine grundsätzlich nur noch für 15 Jahre herausgegeben. Das Ablaufdatum steht auf dem Führerschein in Feld 4b. Wichtig: Abgelaufen ist dann lediglich das Dokument, die Fahrerlaubnis selbst bleibt grundsätzlich bestehen. Der Führerschein muss also erneuert werden, damit der Nachweis der Fahrerlaubnis wieder gültig ist.
Für ältere Führerscheine gelten Übergangsfristen. Papierführerscheine und ältere Kartenführerscheine müssen schrittweise umgetauscht werden. Je nach Ausstellungsjahr beziehungsweise bei alten Papierführerscheinen nach Geburtsjahr gelten unterschiedliche Fristen. Die letzten Umtauschfristen laufen bis zum 19. Januar 2033.
Für den Umtausch beziehungsweise die Erneuerung müssen Sie sich an die zuständige Fahrerlaubnisbehörde wenden. In der Regel werden ein gültiger Personalausweis oder Reisepass, ein aktuelles biometrisches Passfoto und der bisherige Führerschein benötigt. Beim normalen Dokumententausch sind keine erneute Fahrprüfung und grundsätzlich auch keine ärztliche Untersuchung vorgeschrieben.
Gut zu wissen!
Den neuen Führerschein sollten Sie rechtzeitig vor Ablauf beantragen. Die Fahrerlaubnisbehörde stellt anschließend einen neuen Kartenführerschein mit einer weiteren Gültigkeitsdauer von 15 Jahren aus.
Wann muss der alte Führerschein umgetauscht werden?
Für ältere Führerscheine gelten folgende Fristen:| Führerschein | Umtausch bis |
| Papierführerschein, Geburtsjahr vor 1953 | 19. Januar 2033 |
| Papierführerschein, Geburtsjahr 1953–1958 | 19. Juli 2022 |
| Papierführerschein, Geburtsjahr 1959–1964 | 19. Januar 2023 |
| Papierführerschein, Geburtsjahr 1965–1970 | 19. Januar 2024 |
| Papierführerschein, Geburtsjahr ab 1971 | 19. Januar 2025 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 1999–2001 | 19. Januar 2026 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2002–2004 | 19. Januar 2027 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2005–2007 | 19. Januar 2028 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2008 | 19. Januar 2029 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2009 | 19. Januar 2030 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2010 | 19. Januar 2031 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2011 | 19. Januar 2032 |
| Kartenführerschein, ausgestellt 2012 bis 18. Januar 2013 | 19. Januar 2033 |
Gut zu wissen!
Bei Führerscheinen, die ab dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, gilt dagegen grundsätzlich die jeweils im Dokument eingetragene 15-jährige Gültigkeit.
Freiwillige Fahrtauglichkeitsprüfung: Eine Entscheidungshilfe
Sind Sie sich unsicher, ob Ihr Familienmitglied noch gut am Straßenverkehr teilnehmen kann? Dann kann eine freiwillige Fahrtauglichkeitsprüfung für Senior:innen Ihrem Angehörigen dabei helfen, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Dabei geht es nicht um eine Prüfung mit Bestehen oder Durchfallen, sondern um eine unabhängige Rückmeldung zum persönlichen Fahrverhalten. Keine Sorge: Selbst wenn Ihr Angehöriger durchfällt, wird ihm nicht automatisch der Führerschein entzogen.
Natürlich muss Ihr Familienmitglied einverstanden mit der Fahrtauglichkeitsprüfung für Senior:innen sein. Viele Menschen stimmen auch deshalb zu, weil sie selbst unsicher sind oder die Diskussion über den Führerschein im Alter beenden möchten.
Fragen Sie bei folgenden Stellen eine Fahrtauglichkeitsprüfung für Senior:innen an:
- ADAC
- DEKRA
- Fahrschulen in Ihrer Nähe
H3: Ihr Angehöriger entscheidet sich für die Abgabe, was nun?
Hat sich Ihr Angehöriger dazu entschlossen, den Führerschein freiwillig abzugeben, ist der nächste Schritt recht unkompliziert. Doch wo kann man den Führerschein abgeben? In der Regel kann Ihr Angehöriger den Führerschein der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde aushändigen. Welche Stelle zuständig ist, hängt vom Wohnort ab. Dort kann die freiwillige Abgabe beziehungsweise der Verzicht auf die Fahrerlaubnis erklärt werden.
Gut zu wissen!
Für Ihr Familienmitglied kann dieser Schritt emotional schwierig sein. Planen Sie deshalb am besten schon vorher, wie Arzttermine, Einkäufe, Besuche bei Freunden oder andere wichtige Wege künftig organisiert werden können.
So bleibt Ihr Angehöriger auch ohne Führerschein mobil
Der Verzicht auf das eigene Auto muss nicht bedeuten, dass Ihr Angehöriger seine Selbstständigkeit verliert. Überlegen Sie gemeinsam, welche Möglichkeiten im Alltag realistisch sind und welche Unterstützung zu den persönlichen Bedürfnissen passt:
- Öffentliche Verkehrsmittel: Bus und Bahn können für regelmäßige Wege eine gute Alternative sein. Prüfen Sie gemeinsam Fahrpläne, Verbindungen und barrierearme Haltestellen.
- Taxi und Fahr-Apps: Für gelegentliche Fahrten können Taxiunternehmen oder entsprechende Fahrdienste eine flexible Alternative zum eigenen Auto sein.
- Angehörige und Freunde: Vielleicht können Familienmitglieder bestimmte regelmäßige Fahrten übernehmen. Sinnvoll kann ein fester Fahrplan sein, damit die Unterstützung nicht jedes Mal neu organisiert werden muss.
- Nachbarschaftshilfe: In vielen Gemeinden gibt es ehrenamtliche Fahr- oder Begleitdienste. Gerade in ländlichen Regionen schließen solche Angebote eine wichtige Lücke.
- Lieferdienste: Für Einkäufe, Medikamente oder Mahlzeiten können Lieferangebote Wege ersparen. Auch lokale Supermärkte oder Apotheken bieten teilweise eigene Lieferservices an.
- Fahrrad oder E-Bike: Wenn Ihr Angehöriger körperlich dazu in der Lage ist, findet er vielleicht Gefallen daran, die Wege mit einem Fahrrad oder E-Bike zurückzulegen.
- Gemeindliche Angebote: Informieren Sie sich bei der Gemeinde, der Stadt oder dem Landkreis über Bürgerbusse, Rufbusse, Seniorenmobilität und andere lokale Angebote. Gerade dort, wo der öffentliche Nahverkehr ausgedünnt ist, können solche Lösungen hilfreich sein.
FAQ: Häufige Fragen zum Führerschein im Alter
Muss man ab einem bestimmten Alter den Führerschein abgeben?
Nein, in Deutschland gibt es derzeit keine allgemeine Altersgrenze, ab der ältere Menschen ihren Führerschein abgeben müssen. Entscheidend ist die individuelle Fahreignung und nicht allein das Lebensalter.
Kann die Fahrerlaubnis wegen einer Erkrankung entzogen werden?
Ja, ein Führerscheinentzug ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Die Fahrerlaubnisbehörde kann bei angebrachten Zweifeln Untersuchungen oder ein Gutachten verlangen. Stellt sich dabei eine fehlende Fahreignung heraus, kann die Fahrerlaubnis entzogen werden.
Was passiert mit dem Auto, wenn der Führerschein abgegeben wurde?
Das Fahrzeug darf selbstverständlich weiterhin im Besitz Ihres Angehörigen bleiben. Er darf es jedoch nicht mehr selbst im öffentlichen Straßenverkehr fahren. Wenn das Auto nicht mehr benötigt wird, kann er es verkaufen oder beispielsweise innerhalb der Familie weitergeben.
Weiterführende Informationen und hilfreiche Links
- Ursachen für Autounfälle: Ältere Autofahrende missachten häufiger die Vorfahrt, jüngere fahren häufiger zu schnell | Statistisches Bundesamt
- Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung - FeV) | Bundesamt für Justiz und Verbraucherschutz
- Führerschein (Freiwilliger Verzicht auf die Fahrerlaubnis aus Altersgründen) | dortmund.de



