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Stoma-Pflege: Durchführung, Tipps und Hilfsmittel

Ein Stoma ist für viele Menschen zunächst ein Schock, nicht nur für die Betroffenen selbst. Auch als Angehöriger stehen Sie plötzlich vor vielen Fragen: Wie funktioniert die Versorgung? Was darf ich anfassen? Und was tue ich, wenn etwas nicht stimmt? Die gute Nachricht: Die Stoma-Pflege lässt sich erlernen. Wir erklären Ihnen, wie ein Stoma versorgt wird, worauf Sie bei der Haut achten sollten, welche Produkte helfen und wie das Leben mit einem Stoma trotzdem gut gelingen kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit der richtigen Routine und passendem Versorgungssystem wird der tägliche Wechsel für die meisten Angehörigen schnell zur Gewohnheit.
  • Die peristomale Haut verdient besondere Aufmerksamkeit, denn Rötungen oder Hautprobleme entstehen oft durch eine schlecht sitzende Basisplatte oder einen zu späten Wechsel.
  • Viele Betroffene finden ihren eigenen Rhythmus und können Sport treiben, reisen und am sozialen Leben teilnehmen.
  • Als Angehöriger leisten Sie nicht nur praktische Hilfe, sondern auch emotionale Unterstützung: Offene Gespräche und Zuhören sind oft genauso wichtig wie die tägliche Pflege.

Was ist ein Stoma und welche Arten gibt es?

Ein Stoma ist eine künstlich angelegte Körperöffnung, die meist nach einer Operation am Darm oder an der Blase entsteht. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet schlicht „Mund“ oder „Öffnung“. Über diese Öffnung in der Bauchdecke verlässt Stuhl oder Urin den Körper – nicht mehr auf dem natürlichen Weg, sondern in einen außen getragenen Beutel.

Je nach Lage und Funktion unterscheidet man verschiedene Arten. Am häufigsten sind das Kolostoma (Dickdarm), das Ileostoma (Dünndarm) und das Urostoma (Harnableitung). Besonders verbreitet ist das endständige Stoma, bei dem der Darm dauerhaft nach außen geleitet wird, zum Beispiel nach der Entfernung des Enddarms.

Für die Pflege bei Stoma bedeutet das: Es gibt keinen Verschluss mehr, den Ihr Angehöriger bewusst steuern kann. Deshalb sitzt immer ein Versorgungssystem – also Basisplatte und Beutel – auf der Haut rund um das Stoma. Die Stoma-Pflege dreht sich vor allem darum, dieses System sicher und hautschonend zu wechseln und die empfindliche Haut darunter gesund zu halten.

Das richtige Versorgungssystem – Überblick für Angehörige

Wer zum ersten Mal vor einem Stoma-Beutel steht, ist oft überrascht: Es gibt nicht „das eine“ System, sondern eine ganze Reihe von Produkten, die sich in Aufbau und Handhabung unterscheiden. Ein grober Überblick hilft, den Durchblick zu behalten.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Systemen. Beim einteiligen System sind Basisplatte und Beutel fest miteinander verbunden – es wird komplett gewechselt. Beim zweiteiligen System lassen sich Platte und Beutel trennen: Die Platte bleibt mehrere Tage auf der Haut, der Beutel wird häufiger ausgetauscht. Welches System besser passt, hängt von der Art des Stomas, der Hautbeschaffenheit und den persönlichen Gewohnheiten ab – das klärt die Stoma-Beratung in der Pflege am besten individuell.

Darüber hinaus gibt es geschlossene Beutel, die einmal verwendet und dann entsorgt werden, sowie Drainagebeutel, die sich entleeren lassen. Für Menschen mit einem endständigen Stoma am Dickdarm sind oft geschlossene Systeme gut geeignet, weil der Stuhl dort fester ist und seltener abgeht.

Gut zu wissen!

Sie müssen nicht alle Produkte kennen. Aber es lohnt sich, das verwendete System gut zu verstehen, also zu wissen, wie Platte und Beutel zusammenpassen, wann gewechselt wird und welche Hilfsmittel dabei zum Einsatz kommen.

Stoma-Pflege und Reinigung – Schritt für Schritt

Der Wechsel des Versorgungssystems klingt beim ersten Mal komplizierter, als er ist. Mit einer klaren Routine wird er schnell zur Gewohnheit für Sie und für Ihren Angehörigen.

  1. Vorbereitung Legen Sie alles bereit, bevor Sie beginnen: neuer Beutel, Basisplatte, weiche Tücher oder Kompressen, lauwarmes Wasser, Hautschutzprodukte und einen Entsorgungsbeutel. Wer gut vorbereitet ist, muss nicht mitten im Wechsel suchen – das reduziert Stress für beide Seiten.
  2. Altes System entfernen Lösen Sie die Basisplatte langsam und von oben nach unten, reißen Sie niemals daran. Ein spezieller Haftlöser als Spray oder Tuch macht das deutlich angenehmer und schützt die Haut. Falten Sie den alten Beutel zusammen und entsorgen Sie ihn im Restmüll, nicht in der Toilette.
  3. Reinigung des Stomas: Jetzt kommt der Kern der Stoma-Pflege und Reinigung. Das Stoma und die umliegende Haut werden mit lauwarmem Wasser und einem weichen Tuch sanft gereinigt. Nutzen Sie keine Desinfektionsmittel oder parfümierten Produkte, denn beides reizt die Haut unnötig. Das Stoma selbst darf dabei berührt werden, es ist nicht schmerzempfindlich. Eine leichte Blutung beim Abtupfen ist normal und kein Grund zur Sorge.
  4. Neue Versorgung anlegen Trocknen Sie die Haut sorgfältig ab, bevor Sie die neue Platte aufkleben. Feuchtigkeit unter der Platte ist übrigens die häufigste Ursache für Hautprobleme. Schneiden oder formen Sie die Öffnung der Basisplatte passgenau auf die Größe des Stomas zu, dann Platte andrücken, Beutel einrasten oder befestigen, fertig.

Die Haut rund ums Stoma – worauf Sie achten sollten

Die Haut direkt um das Stoma herum – die sogenannte peristomale Haut – ist eine der empfindlichsten Stellen am ganzen Körper. Sie steht unter dauerhafter Belastung: Klebeflächen, Feuchtigkeit, Ausscheidungen und regelmäßige Wechsel hinterlassen ihre Spuren. Deshalb gehört die Hautbeobachtung zur Pflege bei Stoma unbedingt dazu.

Was macht gesunde peristomale Haut aus? Im Idealfall sieht die Haut rund um das Stoma Ihres Angehörigen genauso aus wie die Haut auf dem restlichen Bauch: Sie ist gleichmäßig, ohne Rötungen, Blasen oder Auflagerungen.

Was sind häufige Probleme? Rötungen sind das häufigste Warnsignal und entstehen oft durch Ausscheidungen, die unter die Platte gelangen. Das ist ein Zeichen, dass die Basisplatte nicht gut genug sitzt oder zu spät gewechselt wird. Auch Druckstellen durch eine schlechtsitzende Platte, Pilzinfektionen durch Feuchtigkeit oder allergische Reaktionen auf Klebstoffe kommen vor. Wenn Sie solche Veränderungen bemerken, besprechen Sie das zeitnah mit der Stoma-Beratung in der Pflege, sprich Stomatherapeut:innen. Viele Probleme lassen sich mit einem Produktwechsel oder einer kleinen Anpassung in der Routine lösen.

Was hilft beim Hautschutz? Hautschutzprodukte wie Barrierecremes schaffen eine dünne Schutzschicht zwischen Haut und Klebefläche. Verwenden Sie aber nur Stoma geeignete Produkte und keine Feuchtigkeitscreme unter der Platte, das verhindert, dass sie haftet. Und: Planen Sie lieber einen Wechsel zu früh als zu spät ein.

Wie sieht die Ernährung mit einem Stoma aus?

Die Ernährung mit Stoma ist ein Thema, das viele Angehörige und Betroffene beschäftigt und das zu Recht. Was gegessen und getrunken wird, beeinflusst direkt, wie das Stoma arbeitet: wie viel abgeht, wie fest oder flüssig der Stuhl ist und ob unangenehme Begleiterscheinungen wie Blähungen oder Geruch entstehen.

Eine starre Verbotsliste gibt es aber nicht. Was für eine Person mit Stoma gut funktioniert, kann für eine andere problematisch sein. Was es aber gibt, sind Erfahrungswerte: Leicht verdauliche, ballaststoffarme Kost ist besonders in den ersten Wochen nach der Operation sinnvoll, also zum Beispiel Weißbrot, Kartoffeln, Reis, mageres Fleisch und gekochtes Gemüse. Mit der Zeit können Sie die Ernährung schrittweise erweitern und individuell anpassen.

Bestimmte Lebensmittel können den Stuhl verflüssigen, darunter Kaffee, Fruchtsäfte, scharfe Speisen und rohe Zwiebeln. Andere wie Bananen, Weißbrot oder geriebene Äpfel wirken eher eindickend. Blähungen und Geruch entstehen häufig durch Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln oder kohlensäurehaltige Getränke.

Gut zu wissen!

Gerade bei einem Ileostoma geht über das Stoma viel Flüssigkeit verloren. Erinnern Sie Ihr Familienmitglied deshalb daran, regelmäßig zu trinken, mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich.  

Alltag mit Stoma: Worauf muss mein Angehöriger verzichten?

Mit einer gewissen Eingewöhnungszeit und dem richtigen Umgang wird das Stoma für die meisten Menschen zu einem Teil des Alltags, der ihn zwar verändert, aber nicht beherrscht.

  • Duschen und Baden sind mit einem Stoma problemlos möglich. Wasser schadet weder dem Stoma noch dem Versorgungssystem, solange die Platte gut haftet. Viele Menschen wechseln ihre Versorgung direkt vor dem Duschen, um kurz ohne Beutel zu duschen, das ist eine Frage der persönlichen Gewohnheit.
  • Sport und Bewegung sind in den meisten Fällen ebenfalls möglich, nach der Operation ist aber zunächst Zurückhaltung angesagt. Schwimmen, Radfahren, Spazierengehen, das alles geht in der Regel später ohne Einschränkungen. Besprechen Sie am besten mit den Mediziner:innen, was sich für Ihren Angehörigen anbietet, beim Thema Sport ist schließlich auch der übrige Gesundheitszustand entscheidend.
  • Reisen bereitet vielen zunächst Sorgen, ist aber gut planbar. Nehmen Sie ausreichend Versorgungsmaterial im Handgepäck mit. Im Ausland kann die Beschaffung von Produkten schwierig sein, deshalb lieber großzügig einpacken. Behalten Sie die Wechselintervalle auch unterwegs im Blick und informieren Sie sich im Vorfeld über Toiletten.

Was viele unterschätzen, ist die psychische Seite. Das Stoma verändert das Körperbild, kann das Selbstbewusstsein belasten und auch Beziehungen vor neue Fragen stellen. Als Angehöriger können Sie hier viel bewegen: Hören Sie Ihrem Angehörigem zu und suchen Sie gemeinsam Hilfe, etwa bei einer Selbsthilfegruppe.

Warnsignale beim Stoma: Wann Sie handeln sollten

So gut die tägliche Routine auch funktioniert, manchmal brauchen Sie Hilfe von außen. Diese Übersicht hilft Ihnen einzuschätzen, wann Handlungsbedarf besteht.

Situation Was Sie tun sollten
Das Stoma blutet stark oder hört nicht auf zu bluten Praxis oder Klinik kontaktieren – leichtes Bluten beim Wechsel ist normal, eine anhaltende Blutung nicht
Die Haut rund ums Stoma ist stark gerötet, nässt oder bildet Blasen Versorgungssystem überprüfen und Stoma-Beratung für die Pflege aufsuchen
Der Beutel hält nicht mehr richtig oder läuft häufig aus Sitz der Basisplatte prüfen, ggf. Produktwechsel mit Stomatherapeut:innen besprechen
Das Stoma verfärbt sich dunkel, wird blau oder zieht sich stark zurück Sofort ärztliche Hilfe holen – kann auf eine Durchblutungsstörung hinweisen
Seit mehr als 48 Stunden keine Ausscheidung über das Stoma Praxis informieren – möglicher Hinweis auf einen Darmverschluss
Ihr Angehöriger zieht sich zurück oder spricht nicht mehr über das Stoma Offen ansprechen, ggf. psychologische Unterstützung oder Selbsthilfegruppe vorschlagen

FAQ – Häufige Fragen zur Stoma-Pflege

Das Wechselintervall hängt vom Versorgungssystem und der Art des Stomas ab. Die Basisplatte eines zweiteiligen Systems bleibt in der Regel zwei bis vier Tage auf der Haut, der Beutel wird häufiger gewechselt. Beim einteiligen System wird alles zusammen gewechselt, oft täglich.

Ja, und viele Angehörige tun das mit der Zeit sehr routiniert. Wichtig ist, dass Sie sich die Handgriffe zunächst von einer Pflegefachkraft oder der Stoma-Beratung zeigen lassen. Mit ein bisschen Übung und dem richtigen Material ist der Wechsel gut zu bewältigen. Ihr Angehöriger entscheidet dabei immer mit, wie viel Unterstützung er möchte.

Ruhe bewahren, das passiert und lässt sich mit etwas Vorbereitung gut managen. Empfehlenswert ist ein kleines Notfallset im Alltag: ein Ersatzbeutel, eine Basisplatte, feuchte Tücher und ein Plastikbeutel zur Entsorgung. Viele Betroffene tragen das diskret in einer kleinen Tasche bei sich und fühlen sich dadurch deutlich sicherer.

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Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort
Fachjournalistin für Gesundheit/Medizin & Familie

Über unsere Autor:innen

Jennifer Ann Steinort ist Autorin bei den Pflegehelden. Sie verfasst Ratgeber, die Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen Tipps für den Pflegealltag vermitteln. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Finanzierung, Pflegemaßnahmen und Wohlbefinden. Ihr persönliches Anliegen ist, selbst komplexe Sachverhalte leserfreundlich zu formulieren.

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