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Künstliche Intelligenz (KI) in der Pflege

Künstliche Intelligenz ist längst nicht mehr nur ein Zukunftsthema – sie findet zunehmend auch in der Pflege ihren Platz. Digitale Dokumentationssysteme, intelligente Assistenzlösungen oder sogar Pflegeroboter sollen den Pflegealltag erleichtern und Zeit für das Wesentliche schaffen: den Menschen. Für pflegende Angehörige wirft diese Entwicklung jedoch viele Fragen auf. Kann die Technik wirklich entlasten und wo liegen die Grenzen? Wir erklären Ihnen, wie Künstliche Intelligenz bereits heute in der Pflege eingesetzt wird und wo Bedenken bestehen.

Das Wichtigste In Kürze

  • In Ländern wie Japan, China oder verschiedenen europäischen Staaten werden Pflegeroboter, intelligente Matratzen, Exoskelette und Assistenzsysteme bereits (in Pilotprojekten) eingesetzt.
  • KI kann Pflegekräfte und pflegende Angehörige unterstützen, ersetzt jedoch keine menschliche Pflege.
  • KI-Systeme können keine Empathie zeigen, komplexe Notfallsituationen nicht eigenständig beurteilen und sind auf korrekte Daten angewiesen.
  • Entscheidungen über Pflege, Medikamentengabe und Kommunikation müssen weiterhin von Fachkräften oder pflegenden Angehörigen getroffen werden.

Was bedeutet Künstliche Intelligenz in der Pflege überhaupt?

Wenn von Künstlicher Intelligenz in der Pflege die Rede ist, geht es nicht um menschenähnliche Roboter oder ferne Zukunftsvisionen. Gemeint sind digitale Systeme, die Daten auswerten, Muster erkennen und Pflegeprozesse unterstützen können. Für pflegende Angehörige kann KI in der Pflege zum Beispiel bedeuten, dass Abläufe strukturierter werden, wichtige Informationen nicht verloren gehen und der organisatorische Aufwand sinkt.

Schon heute kommt KI-Pflege vor allem im Hintergrund zum Einsatz – etwa bei digitalen Pflegetagebüchern, Erinnerungsfunktionen oder der Auswertung von Vitaldaten. Ziel ist es, Sie im Pflegealltag zu entlasten, ohne menschliche Nähe oder Verantwortung zu ersetzen.

Wo wird KI in der Pflege heute bereits eingesetzt?

Auch wenn viele Technologien noch in den Kinderschuhen stecken, zeigt sich: Künstliche Intelligenz in der Pflege wird schon jetzt an verschiedenen Orten genutzt, um Prozesse zu erleichtern und Menschen zu unterstützen.

Der Einsatz in Deutschland:

In Deutschland sind die meisten KI-Anwendungen in der Pflege derzeit noch eher punktuell und teils experimentell, aber es gibt bereits konkrete Beispiele:

  • KI-Pflegedokumentation: Systeme mit Spracherkennung und Assistenzfunktionen helfen dabei, Pflegeberichte schneller zu erfassen – etwa per Spracheingabe statt manueller Eingabe. Das kann Zeit sparen und die Dokumentationslast verringern.
  • Risikofrüherkennung: Einige Systeme analysieren Daten von Patient:innen oder Sensoren, um Verschlechterungen des Gesundheitszustands, Sturzrisiken oder andere Veränderungen früher zu erkennen.
  • Assistenzroboter und Testprojekte: In einigen Einrichtungen werden Roboter wie „Navel“ oder Sprachassistenten eingesetzt, die bei Aufgaben wie Transport, Kommunikation oder Dokumentation unterstützen.
  • KI-Pflegeplanung: Erste Tools nutzen Algorithmen, um Pflegeprozesse zu strukturieren, etwa bei der Dienst- oder Tourenplanung ambulanter Pflegedienste.

Der Einsatz ist hierzulande noch kein flächendeckender Standard – oft fehlen Ressourcen, Schulungen oder klare digitale Strategien, aber viele Pilotprojekte beweisen, was möglich ist.

Beispiele für den Einsatz von KI in der Pflege – internationaler Überblick

Während die Nutzung Künstlicher Intelligenz in der Pflege hierzulande noch überwiegend in Pilotprojekten erfolgt, zeigen andere Länder bereits, wie mit der technischen Assistenz konkret geplant werden kann.

Land bzw. Region

Beispiele für den Einsatz von KI in der Pflege

Japan

In Japan werden Pflegeroboter eingesetzt, um ältere Menschen im Alltag zu unterstützen, etwa beim Heben, Umlagern oder bei Bewegungsübungen. Zusätzlich gibt es Ansätze für soziale Roboter, die an die Einnahme von Medikamenten erinnern oder einfache Gespräche ermöglichen sollen, um Einsamkeit zu reduzieren und Pflegekräfte zu entlasten.

China

In chinesischen Einrichtungen werden Sensoren und KI-gestützte Systeme genutzt, um Bewegungen zu erfassen und Stürze frühzeitig zu erkennen. Außerdem unterstützt KI die individuelle Gestaltung von Tagesabläufen.

Europa (Forschung & Pilotprojekte)

In verschiedenen europäischen Ländern werden im Rahmen von Forschungsprojekten intelligente Matratzen getestet, die helfen, Druckstellen und Wundliegen zu vermeiden. Zusätzlich kommen Exoskelette zur Entlastung bei körperlich anstrengenden Pflegearbeiten sowie Roboterarme zum Einsatz, die Pflegekräfte beim Umlagern und Positionieren unterstützen.

Künstliche Intelligenz und Pflegeroboter: Grenzen

Obwohl KI in der Pflege viele Prozesse unterstützen kann, stößt die Technik an deutliche Grenzen. Die Pflege ist ein zutiefst menschlicher Beruf, der Empathie, Erfahrung und situatives Handeln erfordert – Fähigkeiten, die Maschinen bislang nicht nachbilden können. Systeme wie Pflegeroboter, Exoskelette oder intelligente Matratzen können körperlich entlasten oder Abläufe strukturieren, aber sie erkennen keine emotionalen Notlagen, treffen keine ethischen Entscheidungen und können komplexe Veränderungen im Zustand einer pflegebedürftigen Person nicht eigenständig bewerten.

Viele der Technologien befinden sich noch in Pilotprojekten oder Forschungseinrichtungen und sind nur begrenzt im Alltag verfügbar. Auch technische Ausfälle oder Fehlfunktionen sind möglich, weshalb menschliche Kontrolle auch in Zukunft wichtig bleibt. Darüber hinaus sind KI-Systeme nur so gut wie die Daten, die sie erhalten: Unvollständige oder fehlerhafte Informationen können zu falschen Empfehlungen führen.

Gut zu wissen!

KI kann ein hilfreiches Werkzeug sein, aber sie ersetzt nicht die persönliche Aufmerksamkeit und Verantwortung, die für die Pflege unabdingbar ist.

KI in der Pflege: Ethik auf dem Prüfstand

Neben den technischen Grenzen wirft KI in der Pflege auch eine Reihe ethischer Fragen auf. Wer entscheidet, welche Aufgaben Maschinen übernehmen dürfen? In welchen Situationen ist es angemessen, Pflegeprozesse zu automatisieren, und wo muss die menschliche Präsenz unverzichtbar bleiben? Dies betrifft etwa sensible Tätigkeiten wie Medikamentengabe, Körperpflege oder Kommunikation mit den Pflegebedürftigen.

Ein weiterer ethischer Aspekt bezieht sich auf die Datensicherheit: KI-Systeme benötigen persönliche Daten, um Entscheidungen zu treffen. Es muss gewährleistet sein, dass diese Informationen geschützt, vertraulich behandelt und verantwortungsvoll genutzt werden. Zudem kann die zunehmende Automatisierung das Risiko bergen, dass die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Pflegekraft und Pflegebedürftigem leidet – die emotionale Nähe, die für das Wohlbefinden entscheidend ist, lässt sich nicht durch Algorithmen ersetzen.

Wichtig: Pflegende sollten daher bei der Nutzung von KI stets abwägen, welche Systeme ihre Arbeit sinnvoll unterstützen, ohne die Würde, Selbstbestimmung oder emotionale Betreuung der pflegebedürftigen Person zu gefährden. Die KI kann entlasten und Prozesse erleichtern, doch die ethische Verantwortung bleibt immer beim Menschen.

So nutzen Sie KI in der Pflege

Die Welt der Pflege verändert sich und KI wird zunehmend greifbar. Auch für Sie als pflegenden Angehörigen eröffnen sich neue Möglichkeiten, den Alltag zu erleichtern und Aufgaben besser zu organisieren. Ein besonders spannender Bereich sind digitale Pflegeanwendungen (DiPAs). Diese Apps oder Online-Systeme sollen Sie beispielsweise bei der Ausführung von Übungen, bei Erinnerungen an Medikamente oder bei der Planung von Pflegeaufgaben unterstützen.

Einige wichtige Punkte, die Sie über den Einstieg in die KI-Welt und digitale Pflegeanwendungen wissen sollten:

  • Digitale Pflegeanwendungen können personalisierte Hinweise geben: Einige, aber nicht alle, Systeme könnten KI nutzen, um Risiken frühzeitig zu erkennen oder Empfehlungen für bestimmte Pflegehandlungen auszusprechen – in wie weit KI hier Einzug erhält, ist noch nicht klar.
  • DiPAs erleichtern die Organisation des Pflegealltags: Mit Erinnerungen, Pflegetagebüchern und übersichtlichen Checklisten sollen Sie leichter den Überblick über anstehende Aufgaben behalten – so ist es zumindest vorgesehen.
  • Die Kostenübernahme wurde erweitert: Bisher hat die Pflegekasse die Kostenübernahme digitaler Pflegeanwendungen für Pflegebedürftige vorgesehen. Durch die Pflegereform 2026 können künftig auch ehrenamtlich Pflegende und pflegende Angehörige einen Antrag stellen (40 Euro für die App, 30 Euro für die Unterstützung zur Nutzung). 
  • Tools sind noch nicht verfügbar: Da die Hürden scheinbar zu hoch waren, haben es Entwickler:innen bisher nicht geschafft, DiPAs auf den Weg zu bringen, jetzt sind die Hürden niedriger – die ersten Apps sind hoffentlich bald verfügbar.

Unser Rat: Nutzen Sie die digitale Unterstützung bewusst, probieren Sie Tools aus, die Ihnen den Alltag erleichtern, und behalten Sie stets die Verantwortung für die Pflege im Blick.

FAQ – Häufige Fragen zu KI in der Pflege

Die künstliche Intelligenz unterstützt bei der Organisation von Pflegeaufgaben, dokumentiert Daten und kann Warnungen oder Hinweise geben – sie ersetzt aber keine menschliche Pflege.

Einige DiPAs nutzen wahrscheinlich KI für Erinnerungen oder Empfehlungen. Sie sollen künftig auch für Angehörige erstattet werden, sind aktuell aber noch nicht verfügbar.

KI kann keine Empathie zeigen, komplexe Situationen eigenständig beurteilen oder Verantwortung übernehmen. Der Datenschutz, persönliche Zuwendung und die Sicherstellung der fehlerfreien Funktion müssen durch Menschen erfolgen.

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Dipl. Ges. Oec. (FH) Jennifer Ann Steinort
Fachjournalistin für Gesundheit/Medizin & Familie

Über unsere Autor:innen

Jennifer Ann Steinort ist Autorin bei den Pflegehelden. Sie verfasst Ratgeber, die Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen Tipps für den Pflegealltag vermitteln. Ihre Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen Finanzierung, Pflegemaßnahmen und Wohlbefinden. Ihr persönliches Anliegen ist, selbst komplexe Sachverhalte leserfreundlich zu formulieren.

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