Gedächtnistraining

Das menschliche Gehirn funktioniert ähnlich wie ein Muskel: Wird es länger nicht gefordert, bilden sich die Synapsen zurück – die Leistungsfähigkeit lässt nach. Was in jungen Jahren kaum negativ auffällt, macht sich im Alter umso stärker bemerkbar. Vor allem Senior*innen können mit einem regelmäßigen Gedächtnistraining zum Erhalt ihrer kognitiven Leistungen beitragen und so einen wichtigen Beitrag zu ihrer Selbstständigkeit leisten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Durch regelmäßiges Gedächtnistraining verbinden sich die Synapsen mit anderen Nervenzellen zu netzwerkartigen Strukturen. Dadurch nimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu.
  • Beim Gedächtnistraining ist es sinnvoll, vielfältige Methoden zu kombinieren, um alle Areale des Gehirns anzusprechen. Dabei sollte die Auswahl der Übungen stets auf die Fähigkeiten der Beteiligten abgestimmt sein, um weder zu über- noch zu unterfordern.
  • Vor allem für pflegebedürftige Menschen ist das Gedächtnistraining wichtig für den Erhalt der Gedächtnisleistung, die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sowie insgesamt für den Erhalt der Selbstständigkeit.

Was ist Gedächtnistraining?

Gedächtnistraining ist auch unter dem Begriff Mnemotechnik bekannt und bezeichnet verschiedene Techniken, um die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns zu steigern beziehungsweise aufrechtzuerhalten. Damit das Training möglichst effektiv ist, ist es sinnvoll, verschiedene Methoden zu kombinieren. Der Bundesverband Gedächtnistraining e. V. hat dabei 12 Trainingsziele für das Gedächtnistraining festgelegt:

  1. Assoziatives Denken
  2. Fantasie & Kreativität
  3. Denkflexibilität
  4. Merkfähigkeit
  5. Formulierung
  6. Urteilsfähigkeit
  7. Konzentration
  8. Strukturieren
  9. Logisches Denken
  10. Wahrnehmung
  11. Zusammenhänge erkennen
  12. Wortfindung

Ein ganzheitliches Gedächtnistraining bezieht alle Gehirnareale ein und fördert so die Durchblutung, den Stoffwechsel im Gehirn und führt damit zu einer Steigerung der allgemeinen Lernfähigkeit.

Warum wirkt Gedächtnistraining?

Das menschliche Gehirn ist auf das lebenslange Lernen ausgelegt. Dafür sorgt die sogenannte Neuroplastizität. Diese ist auch in der Lage, einige Areale effektiver zu nutzen, wenn ein Teil des Gehirns z. B. durch krankhafte Veränderungen ausfällt. Gleichzeitig kann das Gehirn so Aufgaben auf andere, noch intakte Areale übertragen und Ausfälle zumindest teilweise kompensieren. Die Bildung, Veränderung und Reparatur von Synapsenverbindungen ist dabei bis an das Lebensende möglich!

Je mehr die Synapsen – Nervenfortsätze, die sich mit anderen Nervenzellen zu Netzwerken verbinden – gestärkt werden und damit intensiver untereinander kommunizieren, desto besser bleiben Informationen erhalten und verankern sich im Langzeitgedächtnis. Hier sind Erinnerungen gespeichert, die manchmal nur einige Tage, manchmal aber auch ein Leben lang Bestand haben.

Umgekehrt bildet sich das Gehirn wie ein Muskel zurück, wenn es über eine längere Zeit nicht ausreichend genutzt wird. Das Sprichwort „Wer rastet, der rostet“ trifft keineswegs nur auf die physische Beweglichkeit zu, sondern gilt auch für die geistige Fitness.

Ein kognitives Training wirkt sich nicht nur positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns und das Gedächtnis im Allgemeinen aus, sondern fördert auch andere Fähigkeiten wie Konzentration, Urteilsvermögen und sprachliche Kompetenzen. Das Gedächtnistraining zielt dabei auf Kurz- und Langzeitgedächtnis gleichermaßen ab.

Gedächtnistraining in jedem Alter

Im Prinzip ist es für alle Altersklassen wichtig, das Gehirn immer wieder zu fordern und zu fördern, um fit zu bleiben. Besonders bedeutend wird ein aktives Gedächtnistraining allerdings im Alter, da der kognitive Input bei Senior*innen meist abnimmt. Hier ist es hilfreich, gezielt auf Abwechslung im Alltag zu achten, etwas Sport zu treiben und soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf können dazu beitragen, dass das Gehirn aktiv bleibt.

Gedächtnistraining bei Demenz

Durch eine Demenz verändert sich die Struktur des Gehirns, sodass sich sukzessive die Synapsenverbindungen lösen und Nervenzellen absterben.

Bei einer demenziellen Erkrankung des Gehirns kann das Gedächtnistraining helfen, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern und neben der Konzentrations- und Merkfähigkeit auch das Urteilsvermögen und die sprachlichen Kompetenzen zu bewahren. Das ist nicht nur für die Angehörigen hilfreich, sondern auch sehr wichtig, um den Selbstwert der Betroffenen zu stärken und so einen positiven Beitrag zur Lebensqualität zu leisten.

Gedächtnistrainingsangebote, die auf den Lebenserfahrungen der Erkrankten aufbauen und beispielsweise berufliche Kompetenzen oder Hobbys einbeziehen, fördern zudem eine positive Bilanz des eigenen Lebens. Die wesentlichen Ziele eines Gedächtnistrainings bei Personen mit Demenz sind dabei außerdem:

  • Förderung der Konzentration
  • Aktivierung des Langzeitgedächtnisses
  • Entstehung sozialer Kontakte
  • Förderung von Sinneswahrnehmungen
  • Steigerung der emotionalen Stabilität
  • Alltagstraining

Gedächtnistraining in der Pflege

Vor allem pflegebedürftige Menschen im häuslichen Umfeld leiden häufig an Isolation und Vereinsamung. Anders als in stationären Pflegeeinrichtungen, in denen es teilweise gezielte Gedächtnistrainings gibt, fehlt es hier oft an sozialen Kontakten, Gesellschaft oder ausreichend Bewegung, um die geistige Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Das begünstigt nicht nur eine frühzeitige Altersdemenz, sondern führt zudem zu einem vorschnellen Verlust der Selbstständigkeit. Gleichzeitig nimmt die Unsicherheit bei alltäglichen Aufgaben zu, sodass sich eine Spirale bildet, die diesen Prozess weiter beschleunigt.

Ambulante Pflegedienste können hier nur bedingt zu einer Verbesserung der Situation beitragen. Um die kognitiven Fähigkeiten der pflegebedürftigen Personen zu Hause zu fördern, bieten sich neben der Gesellschaft durch Angehörige spezielle Betreuungsangebote für Freizeitaktivitäten an. Auch die „24-Stunden-Pflege“ kann eine sinnvolle Lösung sein. Die Pflegekraft leistet im Rahmen dieses Pflegekonzepts nicht nur Unterstützung bei der Körperpflege und im Haushalt, sondern kann durch Gesellschaft, Aktivierung und Freizeitgestaltung viel zum Erhalt der Gedächtnisleistung beitragen.

Spaß und Motivation am Gedächtnistraining

Damit das Gedächtnistraining erfolgreich ist und dauerhaft in den Alltag integriert wird, sollte es stets spielerisch erfolgen.

Wichtig sind zudem die Freiwilligkeit beim Mitmachen der Übungen, ein entspanntes Umfeld und Aufgaben, die so abwechslungsreich sind, dass garantiert keine Langeweile aufkommt. Denn die verhindert mit großer Wahrscheinlichkeit, dass sich neue Synapsenverbindungen bilden.

Nicht zuletzt dürfen die ausgewählten Spiele und Übungen die Beteiligten weder unter- noch überfordern, um Frust zu vermeiden.

Gerade bei älteren oder demenzkranken Menschen ist es zudem sinnvoll, Rituale und Gewohnheiten einzuführen, damit sich Lerninhalte besser einprägen. Gleichzeitig lässt sich so ein sicherer Rahmen schaffen.

Bei Demenzkranken ist es außerdem wichtig, die Uhr im Blick zu behalten und die Trainingseinheiten nicht zu überbordend zu gestalten.

Auch das Einbeziehen des Körpers und aller Sinne sowie das Generieren von Erfolgserlebnissen wirken sich positiv auf den Lernerfolg aus.

FAQ – Gedächtnistraining

Das regelmäßige Gedächtnistraining steigert die kognitive Leistungsfähigkeit des Gehirns. Die Merkfähigkeit nimmt zu, gleichzeitig machen sich Verbesserungen bei Konzentration, Urteilsvermögen und sprachlichen Kompetenzen bemerkbar. Für ältere Menschen fördert das Training zudem den Erhalt der Selbstständigkeit, während es sich bei demenzkranken Personen zusätzlich positiv auf das Selbstwertgefühl auswirkt.

Für das Gedächtnistraining gibt es eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten vom Kreuzworträtsel über das Brettspiel bis hin zu speziellen Handy-Apps. Auch die Kommunikation mit anderen Menschen und die Auseinandersetzung mit dem Unbekannten aktiviert das Gehirn immer wieder aufs Neue. Doch auch eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung tragen dazu bei, dass der Geist fit bleibt.

Wird ein Gehirn über einen längeren Zeitraum nicht aktiv beansprucht, bilden sich die Synapsenverbindungen zurück – mit der Folge, dass die Gedächtnisleistung nachlässt. Dies macht sich vor allem bei älteren Menschen bemerkbar, bei denen infolgedessen das Risiko einer Altersdemenz deutlich zunimmt. Regelmäßiges Gedächtnistraining hilft dabei, die kognitiven Fähigkeiten aufrechtzuerhalten und im Optimalfall deutlich länger fit und aktiv zu bleiben.

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