Unterstützung für pflegende Angehörige: Pflegekurse, Pflegeberatung und Gesprächskreise

Unterstützung für pflegende Angehörige: Pflegekurse, Pflegeberatung und Gesprächskreise

Es ist einfach, sich selbst anzuziehen. Schwieriger wird es, wenn Angehörige Pflegebedürftige an- und ausziehen sowie waschen müssen. Das bedarf einiger Übung, bis es einigermaßen klappt. Hilfreich sind Pflegekurse, in denen Angehörige unter fachkundiger Führung angeleitet werden und wertvolle Tipps erhalten. Wer Pflegegeld erhält, hat außerdem Anspruch auf regelmäßige Besuche von professionellen Pflegern, die Unterstützung bieten. Welche Hilfsangebote Ihnen als pflegender Angehöriger zustehen, wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengefasst.

Von Pflegekassen angebotene Pflegekurse

Die Pflegekassen sind dazu verpflichtet, Pflegekurse anzubieten. Dies geschieht entweder in Eigenregie oder in Zusammenarbeit mit Pflegediensten, Altenpflegeschulen, Wohlfahrtsverbänden oder mit Vereinen. Adressaten dieser Kurse sind nicht nur Menschen, die einen Pflegebedürftigen versorgen, sondern auch solche, die sich für die häusliche Pflege interessieren. Voraussetzung für die Teilnahme ist also nicht, dass Sie bereits einen pflegebedürftigen Menschen versorgen. Die Kurse unterscheiden sich durch ihre Inhalte. In einigen Kursen werden allgemeine Pflegekenntnisse vermittelt, während andere unterschiedliche Schwerpunktthemen haben. Beispiele für Kursinhalte sind die Versorgung bettlägeriger Menschen oder von psychisch Kranken. Je nach Inhalt variiert die Kursdauer, die von einigen Stunden bis zu Kompaktseminaren reichen, die einige Tage dauern oder sich auch über mehrere Wochen erstrecken können. Die Teilnahme an Pflegekursen ist kostenlos. Termine erfahren Sie bei der Pflegekasse Ihres pflegebedürftigen Angehörigen, bei der Sie nach Pflegekursen in Ihrer Nähe fragen können.

In Pflegekursen, in denen allgemeine Pflegekenntnisse vermittelt werden, zeigen die Kursleiter wichtige Pflegetechniken. Sie vermitteln Hintergrundwissen und erklären, welche Handgriffe wichtig sind. Sie lernen auch, wie Sie es vermeiden, Ihrem Angehörigen versehentlich weh zu tun, wie Sie Ihre eigene körperliche Belastung reduzieren und Ihren Körper schonen. Die Kursleiter geben außerdem Tipps, wie Sie als pflegender Angehöriger Ihren Pflegealltag sinnvoll gestalten und welche Entlastungsangebote es gibt. Das sind nur einige der Themen, die in den von den Pflegekassen angebotenen Pflegekursen behandelt werden.

Pflegeberatung durch professionelle Pfleger

Auf die Pflegeberatung durch professionelle Pfleger haben Sie als pflegender Angehöriger seit dem 1. Januar 2009 einen gesetzlichen Anspruch. Eine individuelle Schulung kann aus zwei Gründen sinnvoll sein nämlich dann, wenn die pflegebedürftige Person spezielle Hilfe benötigt oder wenn noch unklar ist, wie bestimmte Hilfsmittel eingesetzt werden. Die professionellen Pfleger zeigen Ihnen beispielsweise, wie Sie den Pflegebedürftigen in einem sehr engen Bad duschen, baden oder waschen, welcher Lifter sich als Hilfsmittel eignet und wie Sie ihn richtig einsetzen. Ansprechpartner für die Pflegeberatung ist die zuständige Pflegekasse.

Eine gute Erstberatung durch einen professionellen Pfleger sollte bestimmte Punkte enthalten, nämlich diese:

  • Umfassende Beratung im häuslichen Umfeld des Pflegebedürftigen zu allen, von der Pflegeversicherung angebotenen Leistungen und Lösungen für den Pflegebedürftigen
  • Beratung zu den bereits vorhandenen oder benötigten Pflegehilfsmitteln
  • Aufklärung über mögliche, der Pflege vorgeschaltete Reha-Maßnahmen, über die Zuzahlungsbefreiung und über die Teilnahme an strukturierten Behandlungsprogrammen, die beispielsweise für chronisch Kranke wichtig sind
  • Abhängig von der Situation kann auch die Hospiz- und Palliativbesorgung Bestandteil der Pflegeberatung sein
  • Entgegennahme wichtiger Unterlagen, zum Beispiel von Arztberichten, die für die Pflegekasse bestimmt sind
  • Aushändigen einer Datenschutzerklärung

Insgesamt sollte die Beratung Hilfe für medizinische, pflegerische, soziale und organisatorische Probleme bieten. Ergebnis der Pflegeberatung ist ein Versorgungsplan, der Lösungen für Probleme bietet und Vernetzungsmöglichkeiten aufzeigt, sodass eine optimale Versorgung des Pflegebedürftigen sichergestellt ist.

Psychosoziale Unterstützung in Gesprächskreisen

In Gesprächskreisen und Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige stehen die Zusammenkunft mit Gleichgesinnten und der gegenseitige Austausch im Mittelpunkt. Es ist hilfreich zu hören, dass andere pflegende Angehörige mit denselben Problemen zu kämpfen haben wie Sie. Manche Gruppen werden von Sozialpädagogen oder von Pflegefachkräften geleitet, sodass Sie fachlich fundierte Ratschläge erhalten können. In manchen Selbsthilfegruppen und Gesprächskreisen finden auch gemeinsame Freizeitaktivitäten statt, zum Beispiel Vorträge oder gemeinsame Ausflüge.

Nutzen Sie als pflegebedürftiger Angehöriger diese Angebote, um mehr Freiraum zu gewinnen und um sich psychisch und mental zu entlasten.

(Bildnachweis: © Robert Kneschke Adobe Stock)

2019-03-14T08:38:09+00:00

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