Herbert Schneider: „Als wäre es schon immer so gewesen“

Herbert Schneider: „Als wäre es schon immer so gewesen“

Herbert Schneider aus der Nähe von Landau könnte ohne Pflegekraft nicht mehr allein in seinem Haus leben.
Dabei ist Danuta Piprek für ihn nicht nur eine Angestellte: Die patente Polin bereichert seinen Alltag auf ungeahnte Weise.

Danuta Piprek (68) aus Polen umsorgt Herbert Schneider (81) aus der Nähe von Landau. Das Miteinander ist herzlich

Wenn Herbert Schneider morgens um acht Uhr seine großzügige Küche betritt, hat Danuta Piprek bereits den Frühstückstisch gedeckt und begrüßt ihn strahlend mit einem herzlichen „Guten Morgen!“ Der 81-Jährige und seine 68-jährige Pflegekraft sind ein eingespieltes Team. Was heute so mühelos funktioniert, wäre Anfang 2017 noch undenkbar gewesen.

Ein Schlaganfall riss den früheren Steuerberater damals aus dem Leben. Herbert Schneider hatte immer ein selbstständiges Leben geführt, doch schon im Krankenhaus wurde klar: Ohne Hilfe würde es nun nicht mehr gehen. „Meine damalige Partnerin hat den Schock nicht verkraftet“, erzählt Schneider. „Ihr verstorbener Ehemann hatte mehrere Herzinfarkte erlitten und musste reanimiert werden, ehe er beim letzten Infarkt verstarb. Mein Schlaganfall brachte die schreckliche Erinnerung zurück. Ich konnte verstehen, dass sie sich damals von mir trennte.“

Doch wie sollte es nun weitergehen? Schnell war ein Pflegeheim im Gespräch – doch damit konnte Herbert Schneider sich nicht abfinden. Sich plötzlich an vorgegebene Essenszeiten halten und nach einem fremdbestimmten Tagesablauf richten zu müssen, erschien ihm unvorstellbar.

 

„Mit ihrer Hilfe kann ich alles tun, was ich auch vor dem Schlaganfall getan habe“

Herbert Schneider

Sein Sohn hatte schließlich eine andere Idee: Sein ehemaliger Schulkamerad Ferdinand Schupp leitet die Pflegehelden-Filiale in der Pfalz. Er und sein Team vermitteln polnische Pflegekräfte, die bei pflegebedürftigen Menschen einziehen und so rund um die Uhr für sie da sein können. Herbert Schneider war sofort einverstanden. „Als ich wieder nach Hause zog, kam Goscha anmarschiert. Eine patente Frau Mitte 40, die sich ansah, wie bei mir zu Hause alles läuft, und sofort das Regiment übernahm.“

Denn seit dem Schlaganfall ist seine rechte Seite teilweise gelähmt. Mit Hilfe eines Stocks kann er gut laufen, aber nicht allzu weit. Die Pflegekraft kocht, wäscht, bügelt, knöpft Schneiders Hemd und bindet seine Schuhe – sie macht alles, was er aufgrund seiner Lähmung nicht mehr kann. Sie bereitet Frühstück um acht, Mittagessen um halb zwölf und Abendessen um halb sechs. „Da setze ich mich schon durch“, sagt Schneider und lacht. „Feste Essenszeiten sind mir sehr wichtig.“ Noch wichtiger: Sie muss Auto fahren können. „Die Dame fährt mich in die Reha, zu Ärzten, Massageterminen, in meine Kanzlei nach Landau, zur Bank und zum Einkaufen“, sagt Schneider. „Eine Pflegekraft im Haus zu haben, ist ein bisschen wie eine verlängerte Selbstständigkeit: Mit ihrer Hilfe kann ich alles tun, was ich auch vorher getan habe.“

„Ich kann ja nicht jedes Mal den Notruf wählen,
wenn was ist“

Herbert Schneider

Vorbehalte hatte Herbert Schneider zu keiner Zeit. Das Bedürfnis, weiter im eigenen Zuhause leben zu können, war einfach zu groß. „Mein Haus mit der Pflegekraft zu teilen, hat mich nie gestört“, sagt er. „Es gibt hier eine Einliegerwohnung mit eigenem Bad, Doppelbett und Fernseher. Die Damen haben also viel Privatsphäre.“ Trotzdem sind sie rund um die Uhr für ihn ansprechbar – ein ganz zentraler Punkt. Schneider braucht jemanden, der im Bedarfsfall auch nachts für ihn da ist. „Ich kann ja nicht jedes Mal den Notruf wählen, wenn was ist“, sagt er.

In Herbert Schneiders Haus bewohnt Danuta Piprek eine Einliegerwohnung.

„Wir harmonieren gut“, ergänzt Danuta, seine jetzige Pflegekraft. „Wir verstehen uns und ich respektiere ihn.“ Schneider hebt die Hand. „Und ich sie auch!“, sagt er. Danuta lacht herzlich. Das tut sie oft. Sie begleitet Herbert Schneider auch, wenn er abends im Restaurant im Ort essen gehen möchte. Oder zu Familienfeiern. Sie gehört einfach dazu, und all seine Freunde und Verwandte wissen das und akzeptieren seine Begleitung. „Sie ist eine echte Bereicherung“, erzählt Schneider.

„Mit Goscha zum Beispiel war ich einmal auf der Lesung einer Freundin von mir. Sie hatte 40 Leute in ihren Garten geladen und einen Catering-Service organisiert. Doch die jungen Damen in der Küche waren völlig überfordert. Goscha band sich sofort eine Schürze um und übernahm das Zepter, so dass am Ende alles prima geklappt hat. Genauso zupackend ist auch Danuta. Sie fügt sich wirklich toll in mein Leben ein. Es funktioniert so gut, als wäre es nie anders gewesen.“

2019-01-10T12:08:46+00:00

Weitere Erfahrungsberichteartikel